Glühende Kolben

Neben Verdichtungslegenden wie Fairchild 670 oder Teletronix LA-2A gilt der Altec 436 – besonders in der modifizierten Abbey-Road-Version – zur Crème de la Crème der Röhrenkompressoren. Kein Wunder, denn genau dieser Vari-µ-Klangveteran dient dem zweikanaligen Phoenix QSC des englischen Outboardspezialisten Thermionic Culture als Vorbild.  

Von Michael Nötges

Vic Keary, Röhrenenthusiast und Chefentwickler des britischen Outboard-Herstellers Thermionic Culture, kratzt sich nachdenklich am Kopf, während er über den Blaupausen des Altec 436 brütet. „Vom Prinzip her gut“, murmelt er nachdenklich, „aber der Klang muss noch natürlicher werden – wärmer und direkter.“ Ungefähr so muss es vor rund 20 Jahren zugegangen sein als sich Keary, unzufrieden mit den damaligen Kompressoren, im eigenen Londoner Studio an die Verbesserung des Altec 436 machte. „Wir hatten damals vier 436er im Studio“, erzählt uns der Gentleman am Telefon, „aber ich war mir sicher, dass man den Klang deutlich verbessern konnte.“ Dann ergänzt er selbstbewusst: „Ich glaube, das ist mir mit dem Phoenix gelungen.“

Seit den 1950er Jahren baut Keary Studios und schwört dabei auf den Klang der Röhre. Für ihn war der Einzug der Transistortechnik in die wohlklingende Welt der glühenden Vakuumkolben auf tonaler Ebene ganz klar ein Schritt zurück. Deswegen ist er der Röhre treu geblieben und entwickelt bis heute vom Verstärker/Verzerrer wie dem Culture Vulture (Test in Ausgabe 11/2008) über den Freebird-Equalizer bis hin zu Mastering-Tools und Kompressoren wie dem Testkandidaten The Phoenix QSC, ausschließlich edles Röhrenequipment. Halbleiter und Transistoren verbannt Keary aus klanglichen Gründen konsequent aus dem Signalweg. Sie kommen, laut Hersteller, nur da zum Einsatz, wo sie tatsächlich gebraucht werden (Stromversorgung) und sehr gut funktionieren. 
Die aktuelle QSC-Version ist die dritte Auflage des edlen Vari-µ-Kompressors . Die Standard-Version hat im Gegensatz zum Phoenix MS (Master) keinen Sidechain, arbeitet aber insgesamt mit einer höheren Gain-Struktur, die beim Recorden und Mixen hilfreich ist. Die QSC-Version ist nun ein Mix aus beidem, ergo eine Standardversion mit zweistufigem Hochpassfilter (150 und 300 Hertz) im internen Sidechain. Außer hochwertigen gematchten Röhren (siehe Kasten auf Seite 53) von Siemens (ECC81) am Eingang, PCC85 von Röhrenwerk Neuhaus am Ausgang und zwei RCA (EB91) Gleichrichterröhren für die Regelspannung, verwendet Keary Ausgangsübertrager des Typs 8641a vom englischen Trafo-Spezialisten Sowter. Zur Schaltungstopologie erklärt Keary: „Wir verwenden einen, soweit ich weiß, einmaligen DC-Feedback-Circuit. Die Anodenspannung der Ausgangsröhre ist, stark vereinfacht gesagt, mit der Anodenspannung der Eingangsröhre rückgekoppelt.“ Natürlich ist der gesamte Schaltkreis konsequent symmetrisch aufgebaut (Doppeltrioden ECC81 und PCC85) und schaut man sich das Innere des Kompressors an (siehe Foto auf Seite 55), bleibt kein Zweifel offen, dass der Phoenix QSC mit größter Sorgfalt und Akribie zusammengebaut wurde. „Handmade in England“, wie der Hersteller verspricht. Das hat natürlich seinen Preis: Der zweikanalige Kompressor kostet 3.950 Euro. 

Der Phoenix QSC ist ein wuchtiger Röhrenbolide, der rund sieben Kilogramm auf die Waage bringt und insgesamt drei Höheneinheiten im Rack in Anspruch nimmt. Auf der Rückseite (siehe Foto auf Seite 54) befinden sich die beiden symmetrischen Ein- und Ausgänge, wobei die XLR-Buchsen mit Arretierungsmechanismus professionellem Standard entsprechen. Nach dem Motto „Black is beautiful“ zeigt sich die Frontplatte im eleganten Hochglanzlook. Die beiden üppigen VU-Meter, die ausschließlich zur Kontrolle der Gain-Reduktion dienen, sind mittels zweier Trim-Pots im Gehäuseinneren kalibrierbar. Sie sind allerdings weder hinterleuchtet – also in dunklen Umgebungen schlecht abzulesen – noch gibt es die Möglichkeit, den Ein- oder Ausgangspegel anzeigen zu lassen. Das passt zwar zum konsequenten Old-School-Ansatz und dem Vintage-Design, fordert aber konzentriertes Ohrenspitzen, um etwaige Übersteuerungen der Eingangsstufe oder angeschlossener Geräte zu vermeiden. Schnell ist klar, beim Phoenix QSC handelt es sich weniger um einen Präzisions-Transientenlimiter, sondern vielmehr um einen musikalischen Klangveredler. Deswegen verfügen die griffigen, fließend verstellbaren Drehregler zwar über eine weiße, jederzeit gut erkennbare, Positionsmarkierung. Die allgemeine Bezifferung (1-11) ist aber für alle Funktionen (Gain, Attack, Release, Threshold und Output Trim) identisch. Eingestellt wird also ausschließlich nach Gehör. Eine akribisch-wissenschaftliche Herangehensweise beim Einstellen der Parameter ist also kaum möglich, aber auch die 100-prozentige Reproduzierbarkeit von Settings ist nur annäherungsweise zu erreichen. Der Phoenix QSC kann für zwei Mono- aber ebenso auch für ein Stereosignal, Stichwort Subgruppen, verwendet werden. Der Link-Switch führt beide Kanäle für das Steuersignal zusammen, alle Funktionen sind aber weiterhin für beide Kanäle getrennt und unabhängig voneinander regelbar. Unverbesserliche Akribiker werden sich bei der Stereo-Bearbeitung vielleicht feingerastete Potis wünschen, um etwas mehr Präzision und Kanalgleichheit zu bekommen. Die Philosophie des Phoenix QSC ist aber eine andere, weswegen man dem Entwickler an dieser Stelle keinen Vorwurf machen kann.

Selbstverständlich gibt es für jeden Kanal einen eigenen Bypass-Kippschalter, um rasch A/B-Vergleiche vorzunehmen, wobei – das gilt gleichermaßen auch für die Drehregler – der großzügige Abstand zwischen den Bedienelementen komfortables Handling zulässt. Beide Kanäle verfügen über einen internen Sidechain, der jeweils mit einem Hochpassfilter bestückt ist. Mit Hilfe der Drehschalter lässt sich das Filter ausschalten (linear) oder die Einsatzfrequenz auf 150 oder 300 Hertz einstellen. Grund: der Bassbereich eines Signals, beispielsweise bei Schlagzeugaufnahmen, hat viel Energie, weshalb der Kompressor stark auf die Bassdrum reagiert, während Snare und Hi-Hat weniger zum Zuge kommen. Das Hochpassfilter nimmt die Bass-Frequenzen aus dem Sidechain-Weg, wodurch der Kompressor mehr auf Mitten und Höhen anspringt. Das Filter im Sidechain wird auch Produzenten elektronischer Musik freuen, die mit dem Phoenix QSC ihre digitalen Produktionen angenehm analog anheizen können, ohne dass der kräftige Bass eine geschmackvolle ausgewogene Kompression unmöglich macht. Übrigens: Stehen die Filter für Kanal 1 und 2 im Link-Modus auf unterschiedlichen Position (150 und 300 Hertz) beträgt die Einsatzfrequenz des Filters den Durchschnittswert von 225 Hertz (300+150÷2).

Insgesamt ist der Phoenix QSC als Vari-µ-Kompressor mit Softknee-Charakteristik ein behutsamer Geselle. Einen Ratio-Regler gibt es nicht, da das Kompressionsverhältnis mit zunehmender Verdichtung ansteigt. Dabei liegen die Werte zwischen 1,2:1 und 5:1. Da ist klar, dass der Phoenix QSC keinesfalls Brickwall-Limiter-Allüren hegt, sondern vielmehr auf elegante eher unscheinbare Veredelungskompression setzt. Die minimale Attack-Zeit von 4 Millisekunden (maximal 120 Millisekunden) ist zwar deutlich kürzer als vergleichsweise die behäbigen 10 Millisekunden eines Teletronix LA-2A (Test in Ausgabe 4/2007). Im Vergleich zum Drawmer S3 (Test in Ausgabe 8/2007) oder blitzschnellen FET-Kompressoren á la FET III von Daking (Test in Ausgabe 11/2010), die Attack-Zeiten unter 0,3 Millisekunden anbieten, geht der Phoenix QSC aber doch eher gemütlich zur Sache. Die Rückstellzeit liegt zwischen 40 Millisekunden und 2,4 Sekunden, was in etwa der Release-Zeit eines UA1176LN entspricht (Test in Ausgabe 4/2007). Sie liegt zwischen 50 Millisekunden und 1,2 Sekunden. 

Im Messlabor von Professional audio weiß der Phoenix QSC zunächst mit sehr gutem Geräusch- und Fremdspannungsabstand von 85,9 und 82,1 aufzuwarten. Damit stellt der Testkandidat die Röhrenkonkurrenten wie den Drawmer S3 (83,9 und 80,4) oder Teletronix LA-2A (81,6 und 74,8) aber auch einen FET-Kompressor wie den UA1176LN (79,3 und 76,5) in den Schatten. Nicht so glorreich ist die Gleichtaktunterdrückung des Phoenix. Sie steigt zu hohen Frequenzen bis auf -12 Dezibel bei 20 Kilohertz an, was bei langen Kabelstrecken theoretisch zum Problem werden kann. Die Übersprechdämpfung von -48 Dezibel bei 20 Kilohertz ist ebenso wenig optimal, auch wenn sie sich zu tiefen Frequenzen hin deutlich verbessert (-90 Dezibel bei 100 Hertz). Die THD+N-Werte liegen oberhalb 150 Hertz bei 0,2 Prozent und steigen dann im Bassbereich bis auf 1,8 Prozent bei 20 Hertz. Zur besseren Beurteilung hilft ein Blick auf das FFT-Spektrum (siehe Diagramm auf Seite 52). Der relativ hohe Klirrfaktor ist augenscheinlich kein Entwicklungsfehler, denn offensichtlich sind k2 (Peak bei -45 Dezibel), k3, k4 und k5 gewollt und gehören zum Sounddesign und Klang des Phoenix QSC. Da der Noisefloor ansonsten bei ausgezeichneten -90 Dezibel liegt, scheint Keary seine Hausaufgaben gemacht zu haben. 

Im Hör- und Praxistest von Professional audio schleifen wir den Kompressor als Outboard-Effekt in verschiedene Signalwege und Spuren ein (Stereo-Track, Vocals, E- und Akustikgitarre sowie E-Bass, Schlagzeug-Subgruppe und einzelne Drum-Hits), um uns von seinen Qualitäten zu überzeugen. Zunächst ist der Phoenix QSC auch ohne Kompression eine klangliche Bereicherung, da sich der angenehme Grundsound kaum merkbar aber sanft veredelnd über das Ausgangssignal legt. Der Klang wird griffiger und wirkt insgesamt etwas offener und plastischer. Ein Track mit einem Piano-/Gesangs-Duo bekommt mehr Tiefe und Transparenz, ohne dass überhaupt eine Komprimierung stattfindet. Die Klangveränderung geschieht sehr elegant und behutsam, so dass die Veränderung immer erst dann ohrenfällig wird, wenn die Bypass-Schalter betätigt werden. Plötzlich fehlt eine angenehme Frische und Kompaktheit, die der Phoenix QSC sehr natürlich beifügt. 
Wir nehmen uns die Vocals einmal alleine vor: Da mit maximal 5:1 komprimiert wird, wagen wir es, den Threshold-Regler auf Linksanschlag (maximale Kompression) zu drehen, während wir den Attack- und Release-Regler auf 3 und 7 stellen. Der In-The-Face-Sound kommt satt und kraftvoll, doch lässt sich der Phoenix QSC auch bei dynamischen Passagen keinesfalls aus der Ruhe bringen. Die Stimme bleibt natürlich, erhält aber eine ordentliche Portion Sättigung und klebt förmlich an den Abhörmonitor-Membranen, ohne dabei unangenehm aufdringlich zu wirken. 
Das Ergebnis bei Akustikgitarrenaufnahmen ist ähnlich überzeugend. Die Anschlagsgeräusche kommen bei kürzester Attack-Zeit sehr schön zum Vorschein und der Charakter des Instruments erscheint profilierter, ohne dabei ins Künstliche abzudriften. Dazu kommt bei steigender Kompression eine Portion Röhrensättigung hinzu, was den Sound insgesamt größer erscheinen lässt und besonders bei dünner klingenden Steelstring-Gitarren Wunder wirkt. Das Ergebnis ist kraftvoll, präsent, dabei plastisch und trotzdem sehr natürlich. Bei E-Gitarren-Sounds ist schnell klar, dass der Phoenix nicht der knackige Funk-Kompressor ist. Als Anfetter rotziger Bluessounds und cleaner Begleitgitarren zeigt er sich aber wieder in Bestform, da er kaum merklich den Sound veredelt und bei steigender Kompression zu einem kompakten Klangbild mit zunehmend kraftvollen unteren Mitten führt. 
Bei E-Bass-Grooves gelingt es sehr geschmackvoll den Anschlag herauszuarbeiten, während der Bauch sehr rund und angenehm druckvoll erscheint. Auch bei geslappten Passagen fängt der Phoenix die Transienten leichtfüßig ein und bringt dem Basssound deutlich mehr Kompaktheit und Kraft. Wer es rauer mag, kann den Gain-Regler gerne auf 9 oder 10 stellen. Die Eingangsstufe fängt angenehm an zu zerren und fügt dem Sound einen angenehmen Vintage-Fuzz hinzu, der zunächst zu mehr Durchsetzungskraft führt und bei ganz aufgerissenem Gain-Regler einen ganz neuen Zerrsound hervorruft. 
Auch einzelne Drum-Hits hat der Phoenix im Griff. Besonders fett klingen komprimierte und minimal angezerrte Bass-Drums und satt komprimierte Snare-Drums (lange Attack-Zeit). Heftige Effektkompressionen, wie beispielsweise mit dem blitzschnellen mpressor von Elysia (Test in Ausgabe 11/2007) oder dem Dynax² von Alternate Soundings (Test in Ausgabe 7/2008) sind nicht drin. Dafür überzeugt der Phoenix QSC mit geschmackvoller Klangveredelung und Soundverdichtung, bei der er durchaus unter Beweis stellt, dass er auch kraftvoll zupacken kann und sich vor allem durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Als Stereo-Kompressor eingesetzt, komprimieren wir unterschiedliche Schlagzeug-Subgruppen. Das Genre ist dem Phoenix QSC völlig egal, denn auch mit heftig getretenen Bass-Drums kommt er Dank des Sidechain-Filters prima zurecht. Das Sustain der Snare lässt sich je nach Attack- und Release-Einstellung verlängern oder geschmackvoll schärfen und Hi-Hat sowie Overheads rücken geschmackvoll in den Vordergrund ohne zu nerven. Als warmherziger Gentleman weiß er mit seinem vielseitigen Veredlungspotenzial geschickt und charmant umzugehen. Spätestens aber wenn die Eingangsstufe in den angenehm roten Bereich gefahren wird und die Kompression bei niedrigem Threshold (Linksanschlag) voll im Gange ist, vergisst auch der Phoenix seine grundsätzlich edlen Absichten, schwingt sich aus der Asche empor und bringt auch den schlappsten Groove im wahren Sinne zum Glühen. 

Fazit

Der Phoenix QSC von Thermionic Culture ist ein hochwertiger Vari-µ-Röhrenkompressor, der durch seinen edlen und zurückhaltend natürlichen Klang punkten kann. Mit einem zweistufigen Hochpassfilter im Sidechain ausgestattet, bekommt er auch basslastiges Material geschmackvoll in den Griff und nicht zuletzt die Link-Funktion prädestiniert ihn als hochwertigen Stereo-Buskompressor, der am Ende nicht nur Röhrenenthusiasten ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Freude über den erstklassigen Sound kann auch der durchaus angemessene Anschaffungspreis von 3.950 Euro nicht schmälern. 

Die glühenden Kolben und der Röhrenmessplatz


Vic Keary, Entwickler des Phoenix QSC, hat für seinen Edel-Kompressor drei unterschiedliche Röhrentypen verwendet: Die beiden Eingangsstufen sind mit eher untypischen PCC85 von Siemens bestückt. „Die Röhren sind sehr betriebssicher und die Fertigungstoleranzen und Serienkonstanz ist ausgezeichnet“, erklärt uns Keary seine Auswahl für den Audio-Exoten. „Eigentlich kommt die PCC85 aus dem TV-Tuner-Bereich“, bestätigt Uli Apel, Ressortleiter Test und Technik, Kearys Entscheidung, „und gilt im Gegensatz zu Rundfunkröhren als stabiler und zuverlässiger.“ Der Unterschied liege außerdem darin, dass Rundfunkröhren eine Heizspannung von 6,3 Volt haben, die der P-Röhren aber zwischen 4 und 20 Volt beträgt. Die Heizspannung der PCC85 liegt bei neun Volt, weswegen die Röhre eine extra Wicklung auf dem zugehörigen Trafo benötigt. Ansonsten hat sie die gleichen Daten wie beispielsweise eine ECC85, die aber um ein vielfaches teurer ist als dass PCC-Pendant. Die Siemens PCC85 wird am Gitter geregelt, weshalb sie beim Phoenix auch als Kompressionsröhre fungiert, deren Regelspannung von einer Zwei-Wege-Gleichrichterröhre (EAA91) bereitgestellt wird. Dabei handelt es sich um alte EB91/6AL5 des amerikanischen Herstellers RCA, die bis in die 70er Jahre Röhren anboten und bis heute als qualitativ hochwertig gelten. Oft wird die Regelspannung aus Kostengründen durch Dioden bereitgestellt. Keary hat aber aus Überzeugung die elegante und weicher regelnde Röhrenvariante gewählt, die, wie er betont, klanglich bessere Ergebnisse liefert. Für die Ausgangsstufe setzt Keary wie bei der Input-Stage auf Hochfrequenzröhren in Form von Doppeltrioden. Eine Notwendigkeit, da der gesamte Schaltkreis symmetrisch konzipiert ist. Die verwendeten ECC81 wurden früher häufig in UKW-Tunern verwendet und stammen aus alter DDR-Produktion. Genauer gesagt aus dem Röhrenwerk Neuhaus, das – nachdem Telefunken immer mehr auf Transistortechnik setzte und die Röhren langsam aber sicher zum alten Eisen zählten –, die Fertigungsmaschinen übernahm. Aus diesem Grund besitzen die „Oströhren“ den gleichen qualitativ hohen Standard der alten Telefunkenproduktionen. Ergänzend zum Standard-Messverfahren von Professional audio bietet es sich an, den Röhren des Phoenix QSC genauer auf den Zahn zu fühlen. Dafür kommt das Röhrenprüfgerät Funke W19 zum Einsatz, das als Rarität unter Röhren-Fans gilt und vor allem den Anodenstrom und die Steuerwirkung (Steilheit) der glühenden Vakuumkolben misst. Stimmen die Messwerte mit denen aus den Röhrentabellen und Datenblättern überein, ist bei alten Röhren davon auszugehen, dass es sich um ungenutzte, sogenannte New-Old-Stock-Röhren (NOS) handelt. Weichen die Werte für den linken und rechten Kanal zudem nicht oder nur marginal voneinander ab, liegen außerdem gematchte Paare vor, die zu einem ausgewogenen Klangbild bei Stereoanwendungen führen.Die Messwerte vom Funke W19-Prüfgerät attestieren den Röhren eine durchweg hohe Qualität. Sie sind alt aber neuwertig, weil die Werte für den Anodenstrom und die Steilheit, den Einträgen in den Röhrentabellen entsprechen. In den Datenblättern steht genau, was eine Röhre an Werten erreichen muss. Ist sie bereits einige Zeit im Einsatz gewesen oder eine Montagsproduktion, dann könnten die Messungen zu Abweichungen führen, die außerhalb des Toleranzbereichs liegen. Für beste klangliche Ergebnisse ist es außerdem wichtig, möglichst identische Werte (gematcht) bei den Röhren zu bekommen. Beim Anodenstrom, der für die klangbestimmenden ECC81 und PCC85 laut Datenblatt bei zehn Milliampère liegen soll, erhalten wir Messwerte zwischen elf und 11,5 Milliampere. Entscheidend ist dabei, dass die Abweichungen der gematchten Röhren weniger als 0,5 Milliampere betragen, die Vakuum-Kolben also offenbar sorgfältig ausgewählt sind. Übrigens: Liegt der Anodenstrom 25 Prozent unter dem angegebenen Wert, gilt eine Röhre als „verbraucht“. Zum Messen der Steilheit werden -2 Volt auf das Steuergitter gegeben. Der Anodenstrom muss jetzt um einen festgesetzten Betrag sinken, der in den Datenblättern vorgegeben ist. Befindet sich die Steilheit außerhalb des Toleranzbereichs, ist die Verstärkungsfunktion, respektive das Kompressionsverhalten nicht mehr optimal. Aber auch hier zeigen die exakt gematchten Röhren optimale und vor allem gleiche Messwerte.

Erschienen in Ausgabe 02/2011

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3950 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut

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