Dynamisches Duo

Fostex hat seine Kopfhörer T-5 und T-7 klanglich und in puncto Tragekomfort überarbeitet. Was die neuen Modelle TH-5B und TH-7B  vor allem auch klanglich zu bieten haben, klärt dieser Test.

Von Jacob Richter

Wenn ein renommierter Pro Audio-Hersteller wie Fostex Studio-Kopfhörer präsentiert, sind die die Erwartungen entsprechend hoch, zumal das Unternehmen über hinreichende Erfahrung im Bau von Abhörlautsprechern verfügt. Ganz neu im Fostex-Produktportfolio sind die Kopfhörer TH-5B und TH-7B, die eine Weiterentwicklung der älteren Modelle T-5 und T-7 darstellen. Nach „akustischen Maßstäben“ neu entwickelte Membranen versprechen eine verbesserte Klangqualität, die auch anspruchsvolle Ohren überzeugen soll. Außerdem sind Ohr- und Kopfpolster grundlegend erneuert worden, was gegenüber den Vorgängermodellen einen spürbar höheren Tragekomfort garantiere. Mit einem Preis von 60 Euro (TH-5B) und 72 Euro (TH-7B) zählen sie zu den günstigeren Studio-Kopfhörern, was sie gerade auch für qualitätsbewusste Ein- und Aufsteiger attraktiv macht. TH-5B und TH-7B sind dynamische Kopfhörer in halboffener Bauweise, womit sie sich eher für Monitoring und Aufnahme empfehlen, weniger – Stichwort Abschirmung – für den Live- oder Außeneinsatz. In der Bauweise unterscheiden sich die Kopfhörer: Während der TH-7B einen 40 Millimeter-Treiber  besitzt und als ohrumschließender Kopfhörer konstruiert ist, verfügt der TH-5B über einen 30 Millimeter-Treiber und ist ohraufliegend gebaut. Diese Bauweise erfordert allerdings nach unserer Testerfahrung erhöhte Sorgfalt beim Aufsetzen, da es schon bei minimaler Schieflage zu einem stark veränderten Klangbild kommt.

Schauen wir uns die beiden Kopfhörer näher an. Auf den ersten Blick gefällt die mattschwarze Oberfläche, die einen soliden Eindruck hinterlässt. Die Farbkombination aus schwarzem Gehäuse und neongrünem beziehungsweise violettem Kabel  ist vielleicht nicht Jedermanns Geschmack, sorgt aber in jedem Fall für Aufmerksamkeit. Zumindest den weiblichen Mitarbeiter des Sonic Media Verlags gefällt das peppige Design der Fostex-Hörer. Die Detailverarbeitung ist insgesamt gut, wenngleich wir bei genauerer Betrachtung einige Grade an den Kanten feststellen. Im direkten Vergleich wirkt der in etwa gleich teuere RP-21 von Equation Audio besser verarbeitet, insoweit besteht noch Verbesserungsbedarf seitens Fostex. Die Kopfpolster der Testkandidaten sind  angenehm weich, sodass sich TH-5B und TH-7B sehr gut an die Kopfform anpassen.  Die Ohrmuscheln des ohrumschließenden TH-7B sind jedoch vom Durchmesser her recht knapp bemessen, zumindest für große Ohren kann es somit etwas eng werden. Bei durchschnittlich großen Ohren ist dem TH-7B sicherlich ein hoher Tragekomfort zu attestieren. Der kleinere TH-5B fängt jedoch schon nach kurzer Zeit an zu drücken. Ein Verstellen des Kopfbügels ist kein zufriedenstellende Lösung, da die Ohrmuscheln allzu leicht nach unten verrutschen, was, wie bereits erwähnt, zu einer hörbaren Klangverschlechterung führt. An die Anschlusskabel eines Allround-Studio-Kopfhörers stellen wir aus eigener Praxiserfahrung gewisse Anforderungen: Idealerweise sollte das Kabel einseitig geführt, drei Meter lang und auswechselbar, bestenfalls mittels komfortablem Bajonett-Verschluss, sein. Weiter sind auch verschraubbare Klinkenadapter die praxistauglichste Lösung. Fostex geht bei seinen Modellen einen anderen Weg. Zunächst sind die Kabel zweiseitig geführt, was vor allem beim Einspielen unpraktisch ist: Ein einseitig geführtes Kabel lässt sich sehr viel einfacher über die Schulter werfen, um beispielsweise beim Aufnehmen von Gitarrenspuren beweglicher zu sein. Die Kabellänge beträgt jeweils 1,20  Meter, die Kabel haben eine 3,5 Millimeter-Klinken-Verbindung. Dies ist durchaus günstig, solange der Kopfhörer unterwegs am MP3-Player oder dem heute beliebten Smartphone zum Einsatz kommt, da es keinen Kabelsalat gibt. Für den Studio-Einsatz ist diese Länge jedoch nicht ausreichend, da so manches Mischpult schon erheblich breiter ist. Zumal  im Falle des TH-5B das Kabel tunlichst keinen Zug haben sollte – allzu schnell ist der Kopfhörer verrutscht und der Klang leidet. Zum Glück hat Fostex beiden Modellen ein Verlängerungskabel mit 6,3 Millimeter-Klinken-Verbindung spendiert, was dank der zusätzlichen 1,5 Meter Abhilfe schafft. Die Steckverbindung (siehe Foto auf Seite 65 unten) zwischen Anschluss- und Verlängerungskabel ist bei den Test-Kopfhörern bombenfest. Ob dies auch langfristig so bleibt, können wir im Rahmen dieses Tests  nicht zuverlässig beurteilen. Persönliche Negativ-Erfahrungen mit ähnlichen Konstruktionen sind auf die Fostex-Hörer  selbstverständlich nicht übertragbar.

Für den Hörtest verwenden wir den Violectric HPA V100 Kopfhörerverstärker, der sich durch seinen neutralen und ehrlichen Klang auszeichnet (siehe Test in Heft 11/2009). Zur Klangbeurteilung beschallen wir unsere beiden Testkandidaten mit verschiedenen Stilrichtungen von Klassik über Jazz und Pop bis hin zu eigenen Projekten. Wir stellen – die Stammleser wissen das – hohe Ansprüche an die Wiedergabeeigenschaften eines Studiokopfhörers: Dieser sollte, neben einem guten Impulsverhalten, möglichst ausgewogen abgestimmt und fein auflösen – Stichwort akustische Lupe.  Diese, zugegeben hohe Messlatte erreichen beide Testkandidaten nicht. Aber der Reihe nach. Der TH-5B neigt  dazu, Bässe und Tiefmitten zu sehr zu betonen und lässt auch beim Impulsverhalten noch Wünsche offen. Konkretes Beispiel: Schnelle Bass Drum-Folgen klingen damit einerseits sehr vordergründig und fangen darüber hinaus an zu verschwimmen. Auch Details, wie etwa den Kesselklang, vermag der TH-5B nicht abzubilden. Der Mittenbereich ist recht durchwachsen, sodass Stimmen tendenziell etwas nasal klingen. In den Höhen fällt der TH-5B deutlich ab, was nicht nur bei obertonreichen Instrumenten zu Klangeinbußen führt, sondern insgesamt ein  recht dumpfes, wenig differenziertes Klangbild ergibt. Details wie das Mitschwingen der Kessel oder den differenzierten Klang eines Streicherensembles vermag der kleine Fostex nicht sonderlich fein aufzulösen, hinzu kommt eine vergleichsweise flache Raumdarstellung.  Der TH-7B ist demgegenüber deutlich neutraler abgestimmt, allerdings betont auch er Bässe und untere Mitten, wenngleich er sich dabei etwas dezenter verhält. Der Mittenbereich des TH-7B ist sehr viel ausgewogener als beim kleinen Bruder und er weist auch keinen vergleichbaren Höhenabfall auf. Damit klingen Gesangsstimmen oder Streicher insgesamt ausgewogener und farbiger, allerdings leicht präsent. Das fällt aber nur im direkten Vergleich mit dem fast dreimal teureren AKG K 271 MKII auf. Hinsichtlich der Räumlichkeit legt er gegenüber dem TH-5B deutlich zu, kommt aber nicht an den preislich gleich aufliegenden RP-21 von Equation Audio heran. Bei der Auflösung vermissen wir noch feine Details wie den  metallisch-surrenden Saitenklang eines Cembalos oder die Leichtigkeit der Streicher in einer Haydn-Sinfonie, die etwas untergehen. Insgesamt geht  der Klangeindruck des TH-7B aber in Ordnung.

Fazit

Die Fostex-Kopfhörer TH-5B und TH-7B unterscheiden sich deutlich: Der kleine TH-5B klingt unterm Strich zu unausgewogen bei mäßigem Impulsverhalten, weswegen er für den Einsatz im Tonstudio nicht zu empfehlen ist. Der TH-7B  klingt dagegen sehr viel ausgewogener, wenngleich in puncto Auflösung  und  Raumdarstellung noch Verbesserungsbedarf entsteht. Da er zudem mit gutem Tragekomfort punktet, sollten preisbewusste Einsteiger den TH-7B in jedem Fall einmal antesten.  

Erschienen in Ausgabe 10/2011

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 60 €
Bewertung: befriedigend
Preis/Leistung: befriedigend

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