Dynamisch

Monitor-Spezialist KRK bietet jetzt auch Kopfhörer an, die mit der gleichen Akkuratesse wie die eigenen Abhörlautsprecher aufspielen sollen.

Von Harald Wittig

Wenn ein anerkannter Hersteller von Studio-Monitoren wie KRK Kopfhörer herausbringt,  erwarten Tonschaffende eine den Abhör-Lautsprechern vergleichbare Werkzeugqualität. Diesem Anspruch sollen die beiden Modelle KNS 6400, der für rund 120 Euro zu haben ist, und KNS 8400, der mit etwa 180 Euro zu buche schlägt, vollauf gerecht werden.

Beidesmal handelt es sich um dynamische Kopfhörer in geschlossener Bauweise, was die KNS schon mal vielseitig für Aufnahme, Monitoring und Live-Auftritte einsetzbar macht. Gerade für Aufnahme und Live-Einsätze ist eine optimale Abschirmung gegen Umgebungsgeräusche essentiell, die beide Kopfhörer ohne Weiteres gewährleisten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Tragekomfort, denn gerade bei langen Arbeitssitzungen kann ein unbequemer Kopfhörer entsetzlich nerven – schlechte Voraussetzungen für das Gelingen einer Produktion. Die beiden Hörer verdienen sich insoweit gute Noten, da beide KNS sehr gut an die Kopfform anpassbar sind und die weich gepolsterten Ohrmuscheln auch große Ohren angenehm umschließen. Ein Befestigungsflansch hält   Kopf- und Ohrpolaster in Position und erlaubt gleichzeitig einen einfachen Austausch. 

Beide Modelle setzen bei ihren 40-Millimeter Treibern auf eine Schwingspule aus verkupfertem Aluminium und einem kräftigen Neodymium-Magneten, womit ein überdurchschnittliches Impulsverhalten gewährleistet werden, bei der klanglichen Abstimmung ging es KRK um eine möglichst ausgewogene und verfärbungsfreie Klangabbildung. Nicht umsonst bezeichnet der Hersteller die KNS selbstsicher  als „Studio Monitors for your Ears“.
Sehr praktisch sind die einsseitig geführten Kabel, die Hörerseitig mit einem Mini-Klinkenstecker verbunden sind, dank eines Bajonett-Verschlusses sicher fixiert sind und problemlos austauschbar sind. Im Lieferumfang des teureren KNS 8400 findet sich noch ein Zwischenkabelstück mit stufenlosem Lautstärkeregler, das auch an den günstigeren Bruder passt und einzeln nachbestellbar ist. Dank der beiden Transportbeutel aus recht dickem Kunstleder lassen sich die ohnehin schon vergleichsweise kleinvolumigen Kopfhörer platzsparend und gut geschätzt auch im Handgepäck unterbringen, so dass auch Mobilisten ihre „Abhöre“ bequem mit sich führen können.

Mit dem Stichwort „Abhöre“ wären wir bei den Klangeigenschaften angelangt. Bei beiden Modellen ist ohrenfällig, dass Neutralität oberstes Zeil bei der Abstimmung war. Sowohl der KNS 6400 als auch der KNS 8400 sind klanglich sehr ausgewogen, wobei besonders die trockenen, schlanken Bässe überzeugen. Gerade geschlossene Kopfhörer haben häufig eine Bassüberbetonung, die fürs reine Musikhören mehr oder weniger in Ordnung geht, für Monitoring und Mix aber problematisch ist. Auch in puncto Impulsverhalten stehen beide, zudem sehr laute Modelle dem sehr guten K 271 MkII (siehe den großen Kopfhörervergleichstest in Ausgabe 6/2009) praktisch nicht nach – auch bei intensivstem Vergleichshören stellen wir allenfalls winzigste, letztlich vernachlässigbare Unterschiede fest. Bei der Raumdarstellung und der Höhenauflösung erreichen die KRK-Hörer – Wen wundert ´s? – nicht das Niveau von Top-Kopfhörern wie dem AKG 702, dem Ultrasone Edition 8 oder dem formidablen Beyerdynamic T 1. Gleichwohl schlägt sich vor allem der in dieser Disziplin präzisere und detailliertere KNS 8400 mehr als achtbar: Betrieben an unserem Referenz-Kopfhörerverstärker V200 von Violectric vermissen wir beim Abhören eigener Projekte nichts. Ein K 702 oder der T1 liefern nur noch mehr Farben und Obertöne, eine verlässliche Beurteilung des Programmmaterials ist mit dem KNS 8400, mit geringfügigen Abstrichen auch mit dem KNS 6400 in jedem Fall möglich. Einziges, kleines Manko stellt die Lautstärkeregelung dar, denn sie verschlechtert das Auflösungsvermögen  beider Modelle. Deswegen sollten Sie beim Monitoring und Mischen für optimale Arbeitsbedingungen auf das Zwischenstück verzichten. 

Fazit

Sowohl der KNS 6400 als auch der KNS 8400 verdienen das Prädikat „Studio-Kopfhörer“, sie bieten hohen Tragekomfort und eine sehr gute Abschirmung von Umgebungsgeräuschen bei einem insgesamt  ausgewogen-neutralen Klangbild, wobei sich vor allem der KNS 8400 als echtes Arbeitsgerät für Aufnahme und Monitoring empfiehlt. 

Erschienen in Ausgabe 03/2011

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 178 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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