Generalüberholt

KRK hat seine günstigen Rokit-Monitore gründlich überarbeitet. Die zweite Generation der preisgünstigen Lautsprecher soll professionelle Werkzeugqualität für kleines Geld bieten. 

Von Harald Wittig

In der Ausgabe 6/2008 testete Professional audio Magazin im Rahmen des großen Monitor-Vergleichstests den KRK Rokit RP8. Der bis dahin günstigste Monitor im Programm des amerikanischen Lautsprecher-Spezialisten verdiente sich dank seiner insgesamt überzeugenden Verarbeitung und vor allem guten klanglichen Eigenschaften ein solides „Mittelklasse gut bis sehr gut“. Anscheinend ist das den Amerikanern nicht genug und gerade mal vier Monate später präsentieren sie eine grundlegend überarbeitete Rokit-Serie. Versehen mit dem Namenszusatz „G2“ (Generation 2) sollen die drei neuen Lautsprecher RP5G2, RP6G2 und RP8G2 bei vergleichbaren Preisen wie die Vorgängermodelle noch besser klingen und – hört, hört – auch die traditionell anspruchsvollen Ohren von Profis überzeugen.

Wie bisher besteht die Wahl zwischen drei Modellen: Den günstigsten Einstieg bietet der kleine RP5G2 mit einem Stückpreis von rund 180 Euro, der große RP8G2 beerbt den von uns getesteten RP8 und schlägt wie dieser mit 297 Euro zu Buche. Preislich und größenmäßig dazwischen ist der heutige Testkandidat, der RP6G2 posi-tioniert: Für einen Stückpreis von etwa 240 Euro ist er bereits deutlich größer als der RP5G2 und soll leistungsmäßig dem großen RP8G2 dicht auf den Fersen sein.
Es handelt sich bei allen Lautsprechern der Rokit-Serie um aktive Zwei-Wege-Bassreflex-Systeme. Während sich bei den Chassis und der Endstufenbestückung im Wesentlichen nichts getan hat – Details weiter unten –, hat KRK die Gehäuse aller drei Monitore einer recht umfangreichen Renovierung unterzogen. So ist jetzt auch das Gehäuse des Testkandidaten auf der Frontseite an den Ecken deutlich verrundet und abgeschrägt. Ganz im Gegensatz zur ersten Generation, deren Gehäuse noch das klassische Quader-Design – einschließlich der markanten Kanten – hatten. Davon abgesehen, dass die neuen Rokits jetzt wesentlich eleganter als die Vorgänger auftreten, hat dieses Face-Lifting natürlich auch fundierte akustische Gründe: Die neue Gehäuseform soll Reflexionen an den Kanten, die vor allem im Höhenbereich zu ungewollten Phasenüberlagerungen und damit zu einem unpräzisen Höreindruck führen können, auf ein Mindestmaß reduzieren. Diese Maßnahme findet Ergänzung durch einen neu konstruierten Wave-Guide, der ein kontrolliertes Abstrahlverhalten des Hochtöners mit seiner Gewebe-Kalotte bedingen soll. Außerdem haben die Entwickler das schallführende Element des Hochtöners minimal nach hinten versetzt. Der Grund: Damit bilde der Hochtöner, zeitlich gesehen, eine akustische Achse mit dem Tief-Mitteltöner, was letztlich der Abbildungsschärfe und der Ortung zugute kommt. Auch die schlitzförmige Bassreflex-Öffnung im unteren Teil der Gehäusefront ist entgegen früher etwas weniger breit ausgefallen als bisher. Sie soll jetzt einen noch saubereren und akkurateren Bass bringen – der finale Hörtest wird’s zeigen.

Das Gehäuse des RP6G2 macht insgesamt einen robusten, langzeitstabilen Eindruck. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen, wobei heutzutage diesbezüglich Hersteller-unabhängig nur noch selten Ausfälle zu verzeichnen sind. Mit seinen rund neun Kilo Lebendgewicht und einer Höhe von rund 35 Zentimetern ist er ein noch kompakter, aber sicherlich kein Klein-Monitor. Auch sollte der Gelb-Schwarze – wahlweise ist auch Einheits-Anthrazit im Angebot – auf einem stabilen, vibrationsfreiem Untergrund aufgestellt sein. Anderenfalls sabotiert der Benutzer das Klangpotenzial des RP6G2 von vorneherein. Grundsätzlich ist, dank der frontseitigen Bassreflex-Öffnung, auch eine wandnahe Aufstellung des Lautsprechers möglich. Allerdings zeigt sich im Verlauf des Tests, dass der RP6G2 sich klanglich am Besten macht, wenn er frei steht. Daher: Sofern es Ihr Studio erlaubt, gönnen Sie dem Monitor einen Platz weit weg von den angrenzenden Wänden.
Das Herzstück eines jeden Lautsprechers, die Chassis-Bestückung, hat KRK nicht überarbeitet, davon abgesehen, dass der 1-Zoll-Hochtöner jetzt auch von einem kräftigen Neodynium-Magneten angetrieben wird. Das gilt auch für den Tief-Mitteltöner in der KRK-typischen Wespen-Optik. Dessen Membran ist wie bisher aus verwindungssteifem Kevlar, einer Aramid-Glasfaser, gefertigt. Ein Subsonic-Filter, das bei 40 Hertz aktiv ist, soll die im Durchmesser vergleichsweise kleine Membran vor unkontrollierten Auslenkungen, die auf Kosten der Bass-Wiedergabe gehen, schützen.
Dieses Filter ist ständig aktiv, während die neben dem Pegelsteller einzige Einstellmöglichkeit, der vierstufige Hochton-Pegelschalter, sich nach persönlichem Geschmack aktivieren lässt. Ansonsten handelt es sich um einen eher puristischen Lautsprecher, der auf umfangreiche Korrekturmöglichkeiten zur individuellen Raumanpassung verzichtet. Die beiden Endstufen mit 15 beziehungsweise 50 Watt Leistung können natürlich kaum die Power von deutlich üppiger dimensionierten Verstärkern bieten. Dennoch wird die erzielbare Lautstärke – immerhin hört der Anwender mit dem RP6G2 bei einer Abhördistanz von einem, maximal 1,5 Metern – genügen. Achten Sie außerdem darauf, den Lautstärkeregler ihres Monitoring-Controllers nicht allzu weit aufzudrehen. Denn dann besteht die Gefahr, dass die Endstufen an ihre Leistungsgrenze kommen und anfangen zu komprimieren.
Bei der obligatorischen Frequenzgang-Messung im Messlabor von Professional audio Magazin überzeugt der RP6G2 mit einem insgesamt linearen Kurvenverlauf. Abgesehen von einer kleinen Senke zwischen 400 und 500 Hertz und einem dezenten, aber sehr gleichmäßigen Höhenabfall zwischen acht und zwölf Kilohertz ist der Frequenzgang sehr linear. Zumindest insoweit zahlt sich die Überarbeitung der Rokits aus: Der in Ausgabe 6/2008 getestete RP8 erwies sich – trotz guter Messergebnisse – als weniger souverän.

Beim Hörtest punktet der RP6G2 zunächst mit seiner – nicht nur für seine Preisklasse – sehr guten Raumdarstellung: Bei einer starken, punktgenauen Phantommitte gestattet er die millimeterpräzise Ortung von Schallereignissen in der Stereobreite. Auch Räume stellt er hinsichtlich der Raumgröße mit schöner, dreidimensional-plastischer Tiefenwirkung dar. Damit ist es ein Leichtes, die Klangwirkung von Hardware- oder Software-Hall-Effekten beim Mix zu beurteilen. Die Feindosierung von Send-Hall ist somit völlig problemlos. In dieser Disziplin übertrifft der neue Monitor den alten RP8 und reiht sich in die Riege der insoweit traditionell souveränen KRK-Oberklasse-Lautsprecher ein. So fällt er hier im Vergleich zu dem mehr als doppelt so teueren VXT-8 – wenn überhaupt – kaum ab.
Der Testkandidat bietet recht tiefe, insgesamt gut fokussierte Bässe, die aber tendenziell etwas weich sind. Auf eine künstliche, Eindruck schindenden Andickung der Bässe hat KRK dankbarerweise verzichtet. Das Impulsverhalten des Tief-Mitteltöners ist im Rahmen des darstellbaren Tieftonbereichs erstaunlich gut: Auch von heftigen Bass-Attacken, wie stark komprimierten Bass-Drums oder harten Slaps im unteren E-Bass-Register lässt sich das Chassis kaum erschüttern. Allerdings wollen wir nicht verschweigen, dass es noch besser geht: Der erwähnte VXT-8 spielt hier doch eine Klasse souveräner auf, denn seine exakten, sehr gut fokussierten Bässe sind einfach eine Klasse besser.
Der wichtige Mittenbereich ist insgesamt gut repräsentiert, ohne die berüchtigten Pegelspitzen im Präsenzbereich zwischen einem und zwei Kilohertz. Ein wirklich hundertprozentig neutraler, also tonal ausgewogener Lautsprecher ist der RP6G2 dennoch nicht. Obwohl im Frequenzgang nicht zu erkennen, ist die Gesamtabstimmung des Systems etwas dunkel. Allerdings zeigt sich im Verlauf des Testes, dass der RP6G2 eine gewisse Eingewöhnungszeit verdient. Tatsächlich gewinnt er in der Gunst der Tester immer mehr, je länger die Redaktion mit ihm hört. Neben der Professional audio Magazin-Referenz, dem großen Bruder KRK Exposé EB8, unterstützt uns der RP6G2 im Rahmen des Gitarren-Amp-Emulationsvergleichs (siehe Seite 28 in dieser Ausgabe) beim Ermitteln der charakteristischen Merkmale der Plug-ins. Hier punktet der Kleine wirklich mit seiner insgesamt runden Mittenwiedergabe, der tonale Unterschiede der emulierten Röhrenverstärker durchaus detailiert darstellt. Der EB8 verlangt uns beim tiefen Hineinhören in die Klänge letztlich weniger Konzentration ab, dafür kostet das KRK-Spitzenmodell gut das Zehnfache.
Der Höhenbereich des RP6G2 erklingt eher weich und fügt sich gut in den Gesamtklang ein. Auch hier ist das Impulsverhalten sehr überzeugend, lediglich in puncto Feinzeichnung und Auflösung tritt der KRK gegenüber vergleichbar teuren Systemen wie dem ADAM A5 mit seinem A.R.T.-Hochtöner einen Schritt zurück. Dennoch leistet sich der RP6G2 keine Schwächen und erweist sich speziell bei obertonreichen High-Gain-Sounds, namentlich Pinch Harmonics (künstliche Obertöne) à la Zakk Wylde als erfreulich verzerrungsresistent.

Fazit

KRK hat beim Update seiner Rokit-Monitore anscheindend alles richtig gemacht. Zumindest der RP6G2 kann klanglich überzeugen und besitzt in jedem Fall Werzeugqualitäten. Für alle, die einen erschwinglichen, souveränen Mittelklasse-Monitor suchen, ist er eine Empfehlung wert.

Erschienen in Ausgabe 10/2008

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 237 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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