Das blaue Chamäleon

Die modular aufgebaute LavryBlue-Serie bietet mannigfaltige Möglichkeiten rund um die Aufnahme und Wandlung von Signalen. Kein Gerät ist daher wie das andere ausgestattet. Das gilt natürlich nicht für den Sound.   

Von Georg Berger 

Wird in Insider-Kreisen der Name Dan Lavry genannt, schleicht sich oftmals ein ehrfurchtsvoller Unterton ein. Nicht ohne Grund, denn seine Meriten auf dem Gebiet der digitalen Wandlung von Schall und seiner Optimierung sind beachtlich. Dan Lavry genießt weltweit einen Ruf als Vorreiter und genialer Entwickler, der die Technik der Analog-Digitalwandlung entscheidend prägte und bis heute vorantreibt. So finden sich seine Entwicklungen in Geräten von Unternehmen wie Ampex, Otari, Apogee, New England Digital (Entwickler des Synclaviers), ja sogar Siemens, IBM, General Electric. Und natürlich in Produkten seines eigenen Hauses, das in den Anfangstagen noch db Technologies hieß, aber nunmehr seit längerem unter der Bezeichnung Lavry Engineering firmiert. Sein Können auf die Spitze getrieben, hat der Wandler-Guru in seinen Modellen der sogenannten Gold-Serie. Diese kosten locker fünfstellige Summen, finden sich weltweit in jedem angesagten Highend-Studio und markieren die absolute Referenz im Produktsortiment von Lavry Engineering. Für viele wird der Besitz eines solchen Gerätes wohl nur ein Traum bleiben. Doch mit der LavryBlue-Serie offeriert der im amerikanischen Bundesstaat Washington ansässige Hersteller eine im Vergleich geradezu preisgünstige Modellreihe, die einige der technischen Features und Konzepte von seinem goldigen großen Bruder in abgespeckter Form geerbt hat. Dazu zählt neben der sogenannten Crystal Lock-Technik zur Unterdrückung von Jitter eine eigens entwickelte Dithering-Technik – Acoustic Bit Correction – die das Umwandeln digitaler Signale auf niedrigere Bit-Raten mit einem psychoakustischen Prozess verbindet, um Rauschen und Verzerrungen zu eliminieren. Der besondere Clou der Blue-Serie zeigt sich in einem durchweg modularen Konzept. Sie reiht sich somit in die Riege modularer Racksysteme wie dem SPL Rack Pack (Test in Heft 11/2007) und der Audient Black Series (Test in Heft 9/2007) ein, wenngleich mit einem konzeptionellen Schwerpunkt auf AD-/DA-Wandlung Die Basis bildet der LE 4496 19-Zoll-Rahmen. Auf gerade einmal einer Höheneinheit bietet er Platz für die Bestückung von maximal fünf Modulen, die sämtlich in stereo ausgelegt sind. Zur Auswahl stehen das MSYNC-Synchronisations-Modul, der MAD 824 Analog-Digital-Wandler, der MDA 824 Digital-Analog-Wandler und der analoge Mikrofon-Vorverstärker MicPre. Unterschiedliche Modul-Kombinationen sind möglich und lassen somit jeden LE 4496-Rahmen individuell aussehen. Lavry Engineering bietet zurzeit eine Palette aus 19 verschieden vorkonfigurierten Geräten an, die über eine zusätzliche Ziffer näher definiert sind. Zum Test erreicht uns das Modell LE 4496-21, das mit einem Vorverstärker, einem Analog-Digital-, einem Digital-Analog-Wandler sowie dem Synchronisations-Modul ausgestattet ist. Kostenpunkt: Knapp 3.000 Euro. Weitere Konfigurations-Möglichkeiten reichen von herkömmlichen zwei- oder vierkanaligen Mikrofon-Verstärkern,  bis hin zu achtkanaligen D/A- oder A/D-Wandlern, die im Preis natürlich variieren. Unterschiedliche Modul-Kombinationen sind jederzeit möglich. Vorteil: Wer möchte, kann zunächst klein anfangen und sich zuerst einmal ein eher spartanisch bestücktes Modell zulegen und später dann Schritt für Schritt aufrüsten. Der Einbau, so zeigt ein Blick ins Innere, sollte allerdings ausschließlich vom deutschen Vertrieb Digital Audionetworx erledigt werden. Die Module bestehen aus einer nackten Platine mit front- und rückseitiger Blende ohne weitere Maßnahmen zum Schutz der filigranen Elektronik. Bei unsachgemäßem Handling könnten sie leicht Schaden nehmen.    Es gibt allerdings ein paar Besonderheiten und Auffälligkeiten im Konzept der LavryBlue-Reihe, die wichtig zu wissen sind: So muss bei Integration eines A/D-Wandlers immer noch das Synchronisations-Modul mit eingebaut werden. Denn von ihm erhält der Wandler die für die Digitalisierung benötigten Taktinformationen. Das MSYNC-Modul nimmt dabei einen eigenen Platz ganz links im Rack ein. Die übrigen Module verteilen sich schließlich auf die verbleibenden vier Einbauschächte. Bei Integration eines MicPre-Vorverstärkers werden im Gegensatz zu den Wandler-Modulen zwei Slots benötigt. Eine interne Signalverbindung zwischen den Komponenten existiert jedoch nicht und führt das Modul-Konzept konsequent fort. Wer also Aufnahmen mit dem MicPre über den MAD-Wandler in die DAW speisen möchte, muss auf der Rückseite die entsprechende Verkabelung vornehmen. Einzig die Stromversorgung und die Synchronisations-Verbindung zwischen MSYNC- und MAD-Modul werden intern realisiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Jedes Modul ist autark nutzbar, so dass sich je nach Modul-Kombination ein LavryBlue-Gerät gleichzeitig für unterschiedliche Aufgaben flexibel nutzen lässt. Der Einsatz einer Patch-Bay zum bequemen Umverkabeln der Module bietet sich in jedem Falle an und erhöht den Bedienkomfort enorm. Allen Modulen gemeinsam ist eine konsequente Bestückung mit symmetrischen Anschlüssen in Form von XLR-Buchsen. Digital werden folglich AES-Signale ausgegeben und empfangen. Da Dan Lavry den Klang seiner Module nicht durch den Einsatz von Potentiometern negativ beeinflussen möchte, vertraut er auf Festwiderstände zur Pegelanpassung, die per Relais geschaltet werden. Per Kipptaster schaltet man sich stufenweise durch den Pegelbereich. Auffällig ist daher die ausschließliche Bedienung per Kippschalter oder -taster, die auch beim Digital-Analog-Wandler DA 10 (Test in Heft 11/2006) zu finden sind. Zu seiner Philosophie zählt auch, dass seine Wandler Signale grundsätzlich nur bis maximal 24 Bit und 96 Kilohertz digitalisieren, höhere Samplingraten lehnt der Guru ab.

 

Im LE 4496-21 eröffnet das zweikanalige Mikrofonverstärker-Modul MicPre den Reigen der LavryBlue-Module. Im Vergleich zu anderen, klassischen Mikrofon-Vorverstärkern besticht das MicPre-Modul durch eine eher spartanische Ausstattung. Pro Kanal finden sich lediglich einer der besagten Kipptaster und ein zweistelliges sieben-Segment-LED-Display zum Einstellen und Ablesen des Pegels. Mit einem Verstärkungsbereich von 21 bis 70 Dezibel – einstellbar in Ein-Dezibel-Schritten – verfügt der Vorverstärker über kraftvolle Reserven, um auch den schwächsten Mikrofonen auf die Beine zu helfen. Eine Phasenumkehr-Funktion oder ein Trittschallfilter sucht man jedoch vergebens. Dafür wartet das MicPre-Modul mit einem Pad-Schalter auf, der die Verstärkung um zehn Dezibel senkt und einem dreistufigen Wahlschalter, der verschiedene Eingangs-Impedanzen für dynamische, Bändchen- und Kondensator-Mikrofone aktiviert. Bei Anwahl der Kondensator-Option schaltet sich gleichzeitig die Phantomspeisung für beide Kanäle ein. Über Jumper im Inneren des Gerätes kann sie bei Bedarf jedoch auch komplett deaktiviert werden. Besonderheit: Ein weiterer Jumper erlaubt es, Einfluss auf die Gleichtaktunterdrückung zu nehmen und soll Optimierungen für Kabel unter- und oberhalb von 130 Metern Länge bieten. Darüber hinaus lassen sich die analogen Ein- und Ausgänge bei Bedarf, wie übrigens in den anderen Modulen auch, per Jumper von symmetrisch auf unsymmetrisch umstellen. Zum Ausstattungssieger wird das Modul dadurch nicht. Mehr noch zeigt sich im Test ein schwerwiegender Kritikpunkt: Denn das Einpegeln von Mikrofonen gerät zu einem reinen Blindflug. Wir vermissen schmerzlich eine Meter-Anzeige oder zumindest eine Overload-LED, die Auskunft über eventuell existierende Übersteuerungen gibt. So etwas findet sich als Selbstverständlichkeit bei jedem einfachen Audio-Interface. Man muss daher schon genau wissen, wie hoch die Verstärkung bei jedem Mikrofon sein darf, ohne Clipping zu riskieren. Sehr schön hingegen: Bei Inbetriebnahme des LE 4496 sind die Kanäle zunächst auf Bypass geschaltet, um unbeabsichtigte Rückkopplungen und das Einschaltgeräusch zu unterdrücken, angezeigt durch ein Flackern der Displays. Der Vorverstärker hat sich überdies die zuletzt gemachten Einstellungen gemerkt. Erst nach Betätigung der Gain-Kipptaster hört das Flackern auf und Signale werden durchgeschaltet. Im Messlabor fühlen wir, wie bei jedem Testkandidaten, auch dem MicPre intensiv auf den Zahn. Den Messparcour meistert er mit Bravour. Unabhängig von der Impedanz-Einstellung (dynamisch, Bändchen, Kondensator) erhalten wir für Geräusch- und Fremdspannung sehr gute Werte von 89,1 und 85,9 Dezibel. In Stellung Ribbon messen wir eine Eingangs-Impedanz von 2,4 Kiloohm. Steht der Schalter auf dynamische Mikrofone, sinkt sie auf 1,7 Kiloohm und bei Anwahl der Kondensatorstellung auf 900 Ohm. Bemerkenswert ist der Verlauf des Frequenzgangs, der bis 100 Kilohertz wie mit dem Lineal gezogen daherkommt und den MicPre als sehr breitbandig outet. Der Klirrfaktor ist mit gemessenen 0,005 Prozent hervorragend, ebenso die Übersprechdämpfung. Ihr Kurvenverlauf im relevanten Bereich bewegt sich zwischen erstklassigen -100 und -95 Dezibel. Einzig die Messung der Gleichtaktunterdrückung trübt den exzellenten Eindruck. Unabhängig von der Einstellung der Jumper (Kabel ober- oder unterhalb von 130 Metern Länge) bewegt sich der Kurvenverlauf bei durchschnittlichen -50 Dezibel. Im Hörtest zeigt sich recht schnell, dass der MicPre in der Spitzenklasse zu Hause ist. Im Vergleich mit unserer Referenz, dem Lake People Mic-Amp F355 Vorverstärker, kann er sehr gut mithalten. In Sachen Auflösung und Dreidimensionalität sind beide Geräte gleichauf. Auffällig ist, dass der MicPre eine leichte Betonung im unteren Höhenbereich besitzt, die anliegenden Signalen mehr Brillanz verleiht und sie im Vergleich zum Lake People Vorverstärker vordergründiger erscheinen lässt, was aber nicht negativ zu werten ist und eher in den Bereich des Geschmacks gehört. Dan Lavry beweist mit dem MicPre, dass er auch sehr gute Analog-Komponenten entwickeln kann, die sich lediglich in Sachen Ausstattung vor reinrassigen 19-Zoll-Vertretern verstecken muss. 

Kein MSYNC-Modul ohne MAD-Modul und umgekehrt lautet das Motto, wenn es um die Analog-Digital-Wandlung geht, ganz gleich, ob nur ein Analog-Digital-Wandler oder mehrere davon im Rahmen verbaut sind. Die Symbiose beider Module hat einen Sinn: Denn das MSYNC-Modul liefert den A/D-Wandlern die relevanten Taktinformationen und sagt ihnen, bei welcher Samplingrate gewandelt werden soll und von wo die Clock-Informationen kommen. Die Bedienung und Ausstattung des Moduls ist binnen weniger Augenblicke verstanden. Über zwei Kippschalter wird die Samplingrate paarweise entweder zwischen 44,1 und 88,2 oder 48 und 96 Kilohertz eingestellt. Die Clockinformationen können wahlweise intern generiert werden, oder kommen extern über die BNC-Buchsen auf der Geräte-Rückseite, wobei das MSYNC-Modul Wordclock- und AES-Signale akzeptiert. Bei Synchronisation von außen ist der Wide-/Narrow-Schalter aktiv, der in Stellung Wide die Möglichkeit bietet, auch Taktinformationen außerhalb der normierten Werte zu verarbeiten. Die MAD-Module wandeln Signale ohne Murren auch mit Samplingraten zwischen 42 bis 50 und zwischen 84 bis 100 Kilohertz. Ein Schalter auf der Rückseite bietet schließlich die Möglichkeit, Synchronisationsinformationen mit niedriger Samplingrate zu empfangen und trotzdem mit hoher Frequenz zu samplen. Wenn also ein Wordclock-Signal mit 48 Kilohertz Frequenz anliegt, können die A/D-Wandler dank Samplingrate-Konverter ohne Probleme mit 96 Kilohertz arbeiten. Die Bedienung des Analog-Digital-Wandler-Moduls MAD 824 erschließt sich im Vergleich zum MSYNC-Modul nicht ganz so unmittelbar. Kein Wunder, denn über lediglich einen Kippschalter sind mannigfaltige Funktionen aktivierbar, die aus der auf den ersten Blick unscheinbaren Komponente ein effizientes Werkzeug machen. Ein Antippen des Kipptasters nach unten wählt die zu aktivierende Funktion aus, woraufhin die dazu korrespondierende Status-LED blinkt. Tippt man die Kipptaste einmal kurz nach oben ist die Funktion aktiviert, die entsprechende LED leuchtet permanent. Um Funktionen zu deaktivieren, muss dasselbe Prozedere noch einmal angewendet werden. Anfangs ist dieses Bedienungsprocedere ein wenig verwirrend. Doch nach kurzer Einarbeitungszeit gehen Einstellungen kinderleicht von der Hand. Die MAD 824 Komponente erlaubt die Einstellung der Wortbreite in den Werten 16, 20 und 24 Bit, an der Meter-Anzeige kann eine Peak-Hold-Funktion aktiviert werden. Auf Wunsch lässt sich die Meter-Anzeige über die Reference-Funktion zum Kalibrieren des Ausgangssignals umschalten. Per Mini-Schraubendreher ist über die Trim-Potis der Pegel änderbar, was allerdings zu einer fummeligen Angelegenheit gerät. Einmal durchgeführt, hat man danach jedoch seine Ruhe, weshalb das in Ordnung geht.  

Doch der MAD 824 hat noch weitaus mehr zu bieten. So ist eine Funktion namens Soft Saturation aktivierbar, die in den wählbaren Varianten analog und digital für eine leichte Kompression des Signals sorgt. Besonderheit: In Stellung Soft Saturation arbeitet ein analoger Schaltkreis noch vor der A/D-Wandlung. Per Jumper auf der Modul-Platine ist der Threshold von -3 dBFS auf -6 dBFS absenkbar. Die andere, Digital Soft Saturation genannte Funktion simuliert das Verhalten analoger Bandsättigung. Sie arbeitet auf digitaler Ebene nach erfolgter Digitalisierung der Signale. Hierbei gilt: Pegel unterhalb von -12 dBFS bleiben unangetastet. Oberhalb dieses Pegels setzt in Abhängigkeit zur anliegenden Signalstärke eine exponentielle Pegelreduktion ein. Sie gipfelt in einer Reduktion um sechs dBFS, sollte ein 0-dBFS-Pegel anliegen. Einen Kompressor oder Limiter – darauf weist auch das informative Handbuch hin – ersetzt die Soft Saturation jedoch nicht. Doch verschafft die Schaltung in der Praxis zusätzlichen Headroom, vor Clipping schützen die beiden Saturation-Varianten aber nicht. Last not least bietet die MAD-Komponente drei Dither-Algorithmen zur Auswahl. Bei der Wandlung von Signalen mit 16 oder 20 Bit bietet der Wandler außer dem herkömmlichen Dithern zwei Varianten eines Lavry-eigenen, Acoustic Bit Correction getauften Verfahrens an. Außer der Umrechnung auf eine niedrigere Worbreite wird ein spezieller, psychoakustischer Entrauschungsprozess aktiv. Der soll für eine noch bessere Trennung von Quantisierungsrauschen und Nutzsignal sorgen, indem gerade im relevanten Mittenbereich eine zusätzliche Rauschminderung angewendet wird. Zwei Varianten mit unterschiedlich starker Wirkung stehen zur Auswahl. Über DIP-Schalter auf der Modul-Platine können beide Algorithmen in ihrer Wirkung abgeschwächt werden. Apropos DIP-Schalter: Sind mehrere MAD-Module im Rahmen integriert, lässt sich mit ihrer Hilfe ein MAD 824 als Master und die übrigen als Slave definieren. Einstellungen am Master-Modul wirken sich dann auf alle übrigen aus. Selbstverständlich durchläuft auch das MAD 824-Modul den obligatorischen Test im Messlabor. Das Ergebnis ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Hervorragend. Bei der Messung von Geräusch- und Fremdspannungsabstand erhalten wir exzellente Ergebnisse von 113,4 und 106,1 Dezibel. Der Kurvenverlauf für die Klirrdämpfung über Frequenz liegt im relevanten Bereich konstant bei 0,02 Prozent. Erst ab 100 Hertz abwärts steigt sie bis auf 0,01 Prozent an, ein immer noch sehr guter Wert. In Sachen Wandlerlinearität braucht sich der A/D-Wandler ebenfalls nicht zu verstecken, im Gegenteil. Bis cirka -124 Dezibel ist der Kurvenverlauf linear und zeigt, dass der Wandler selbst leiseste Signale mit Glacé-Handschuhen behandelt. Im Hörtest muss sich der Lavry A/D-Wandler mit unserer Referenz, dem Lynx Aurora 8 Wandler messen. Ergebnis: Beide Wandler liegen in punkto Neutralität, Transparenz und Auflösung auf gleichem, sehr hohen Niveau. Sowohl bei Vokal- als auch bei Instrumentalaufnahmen können beide durch dasselbe Maß an Feinzeichnung und Plastizität überzeugen. Ein klanglicher Unterschied zwischen beiden Systemen ist so gut wie nicht hörbar. Wir gewinnen trotzdem den Eindruck, dass das MAD-Modul marginal luftiger klingt als der Aurora-Wandler. In Sachen Vielseitigkeit ist der Lavry Wandler jedoch ganz klarer Sieger, dank der beiden Soft-Saturation-Funktionen. Sie modellieren Signale etwas mehr in den Vordergrund. Besonders deutlich ist das bei der Bandsättigungs-Emulation der Digital Soft Saturation zu hören, die den anliegenden Signalen einen deutlichen Schuss mehr an Volumen und Kraft hinzufügt.  

Mit dem D/A-Wandler Modul MDA 824 offeriert Lavry Engineering die Möglichkeit, digitale Klanginformationen wieder in analoge Signale umzuwandeln. Die Bedienung des D/A-Moduls erinnert in abgespeckter Form an die des LavryBlack DA 10 (Test in Heft 11/2006). Es findet sich ein Schalter zum Invertieren der Phase an den Pins zwei und drei der Analog-Ausgänge sowie ein weiterer Schalter, der außer der Lavry-eigenen Crystal Lock-Technik zur Unterdrückung von Jitter die Stellungen Wide und Narrow offeriert, mit der das Modul wahlweise auf die normierten oder erweiterten Samplingfrequenzen eingestellt werden kann. Wie auch beim MAD-Modul finden sich zwei kleine Trim-Potis, die eine Anpassung der Ausgangslautstärke erlauben. Das MSYNC-Modul ist für den Betrieb des D/A-Wandlers nicht erforderlich. Das MDA 824 synchronisiert sich selbstständig auf Wortbreite und Samplingrate des ankommenden AES-Signals. Dadurch ist es möglich, mehrere MDA-Komponenten mit unterschiedlichen Digitalsignalen zu betreiben, etwa wenn für ein größeres Projekt, das aus unterschiedlichen Quellen zusammengesetzt ist, ein Gesamtmix noch vor der Konvertierung des Materials auf eine Samplingrate oder Wortbreite erstellt werden soll. Wer mehrere Computer im Einsatz hat, erhält beispielsweise die Möglichkeit, die Signale aus jedem Rechner über das gleiche Wandlersystem abzuhören, bei Bedarf mit unterschiedlichen Abtastfrequenzen und kann sämtliche Signale bequem von den MDAs aus an einen Monitor-Controller schicken.   Messtechnisch erreicht das MDA 824 nicht ganz das Niveau seines Pendants MAD 824, wenngleich es immer noch mit hervorragenden Werten glänzen kann. Die Messung von Geräusch- und Fremdspannung ergeben sehr gute Werte von 101,9 und 96,2 Dezibel. Der Klirrfaktor liegt bei konstanten 0,002 Prozent. In Sachen Wandlerlinearität ist allerdings schon bei cirka -110 Dezibel Schluss, was aber immer noch ein sehr guter Wert ist. Beim Hörvergleich, wiederum mit dem Lynx Aurora 8 Wandler, empfiehlt sich das MDA-Modul mit denselben Tugenden wie sein Gegenstück MAD 824. Deutliche Unterschiede zwischen dem Testkandidaten und dem Lynx-Wandler sind nicht herauszuhören. Beide Geräte lösen sehr fein und detailliert auf und zeichnen sich durch einen transparenten und neutralen Klang aus. Ebenso wie die übrigen LavryBlue-Module siedelt sich das MDA 824 mit Leichtigkeit in der Spitzenklasse an. 

Fazit 

Mit der Blue-Serie offeriert Lavry Engineering ein modulares Wandlersystem, das für jeden Zweck eine maßgeschneiderte Lösung offeriert. Ausgestattet mit den wichtigsten Genen der Highend-Gold-Serie aus eigenem Hause, bietet sie für, im Vergleich dazu, wenig Geld erstklassigen Profisound der Spitzenklasse.

Erschienen in Ausgabe 07/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2995 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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