Grund genug?

In der Spitzengruppe der PC-basierten Software-Sequenzer hat sich Samplitude seit langem einen festen Platz erobert. Doch jetzt setzt das jüngste Update die Konkurrenz mit neuem Kompressor-Plug-in, stark verbesserter Automation und einer Vielzahl kleiner aber feiner Neuerungen gehörig unter Druck.

Von Michael Nötges

Bereits der Test von Samplitude 9 Pro in Ausgabe 12/2006 von Professional audio Magazin zeigte, dass sich die Berliner Firma Magix mit ihrem Software-Sequenzer keineswegs vor Konkurrenten wie Steinberg (Cubase 4, Test 13/2006) oder Cakewalk (Sonar 7, Test 1/2008) zu verstecken braucht. Der Test bescheinigte der Version 9 überzeugende Bedienung, flexibles Konzept für objektorientiertes Arbeiten und sehr gute klangliche Eigenschaften. Da die DAW-Software schon in der Version Neun mit allem ausgestattet war, was von einem professionellen Sequenzer erwartet wird, stellt sich die Frage, was das aktuelle Update zusätzlich zu bieten hat, um dem eingefleischten Samplitude Pro-User 256 Euro zu entlocken. Neueinsteiger müssen, wie schon bei der Vorgänger-Version, rund 1.000 Euro für die Profi-Version berappen. Damit ist sie gut 120 Euro teurer als Cubase 4 (879 Euro) und liegt gar 312 Euro über dem Preis für die Producer Edition von Sonar 7 (588 Euro). Ein Blick auf das Mac-Lager – Logic Studio 8 bleibt deutlich unter der 500 Euro-Marke – rundet den Eindruck ab, Magix fischt weniger im Homerecording-Becken, sondern wendet sich vielmehr konsequent an den gut betuchten Profi-Kader. Allerdings gibt es mit der Classic- (499 Euro) und Master-Variante (299 Euro) zwei abgespeckte Versionen: Die kostengünstigste Variante gibt sich als reine Mastering-Software zur Bearbeitung von maximal vier Stereo-Spuren aber mit allen Samplitude-Effekten und der neuen Cleaning und Restauration-Suite. Die Classic-Variante ist auf 64 anstatt 99 Spuren limitiert und bietet deutlich weniger Submix- und Aux-Busse (8/6 anstatt je 64). Sie kann nur acht anstatt 64 Plug-ins in den Insert-Weg einschleifen – deutlich mehr als in Cubase 4, da sind es auch nur acht pro Kanal – und ist auch nicht wie die Profi-Version mit der Analogue Modelling Suite (Am-track, Am-pulse, Am-phibia und dem neuen Am-munition) bestückt. Kommt man mit der eingeschränkten Ausstattung von Samplitude 10 Classic aus, möchte aber nicht auf die Emulations-Plug-ins verzichten, kann die AM-Suite zusätzlich für 199 Euro erworben werden und kommt so auf rund 700 Euro. Etwas erstaunlich mutet die Tatsache an, dass die neue Cleaning und Restauration Suite zum Leid des vielseitig orientierten Toningenieurs bei der Pro-Version zusätzlich für rund 150 Euro erworben werden muss, aber zur Freude des Mastering-Engineers in der deutlich günstigeren Master-Version enthalten ist.

Magix spricht auf diesem Weg gezielt und marketingtechnisch nicht ungeschickt unterschiedliche User-Profile an. Zur detaillierten Orientierung, welche Version beim Kauf die richtige ist, gibt es eine genaue Auflistung der Versionsunterschiede auf der Homepage unter www.samplitude.de/de/seq/vers_unt.html, eine detaillierte Preisliste inklusive aller Up- und Crossgrades unter www.samplitude.de/de/pdf/preisliste_samplitude10_de.pdf. An dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollte das Sam-for-Rent-Programm: Für rund 40 Euro im Monat ermöglicht es das Mieten der Software. Zwar läuft der Vertrag über mindestens 25 Monate – diese Lösung kostet also insgesamt ebenfalls rund 1.000 Euro –, dafür sind aber alle sonst kostenpflichtigen Updates und der volle Kunden-Support inbegriffen. Nach Ende der Leasing-Laufzeit kann man entweder für rund 20 Euro im Monat weiterleasen oder das Software-Paket für 400 Euro kaufen. Das ist eine prima Lösung bei der Neugründung einer Musikproduktion, um das Startkapital gering zu halten und trotzdem in den vollen Genuss professioneller Software zu kommen, ohne dabei qualitative Abstriche machen zu müssen.

Bei Samplitude 10 Pro handelt es sich zunächst um eine Komplettlösung für Audio- und MIDI-Recording, Editing und Mastering, wie gesagt, ausschließlich für den PC. Das Bearbeitungskonzept des objektorientierten Arbeitens und die Klangneutralität gehören wie der Test von Samplitude 9 bereits zeigte, zu den herausragenden Merkmalen der Software. Magix hat sich bemüht, bewährte Leistungsmerkmale weiterzuentwickeln und auszubauen. Daher arbeitet Samplitude 10 Pro auf Grundlage der Magix-eigenen Hybrid Audio Engine, deren Doppel-Konzept sich deutlich von Cubase 4 und Sonar 7 unterscheidet auch wenn beide trotzdem multiprozessorfähig sind. Arbeiten Cubase 4 und Sonar 7 in den aktuellen Versionen mit 64-Bit setzt Samplitude 10 weiterhin auf eine 32-Bit-Fließkommaberechnung, unterstützt dafür aber Samplingfrequenzen bis zu 384 Kilohertz was weder in Sonar 7 noch Cubase 4 der Fall ist. In Samplitude 10 Pro können, wenn es die Rechnerleistung zulässt, bis zu 999 Tracks, mit maximal 64 Submix- und AUX-Send-Bussen angelegt und mit einer unbegrenzten Zahl an Plug-ins (VST, DirectX) versehen werden. Mit der DirectX-Unterstützung hat Samplitude im Vergleich zu Cubase 4 die Nase vorne, da Steinberg ab Version 4 diese Schnittstelle nicht mehr unterstützt. Die Software unterstützt ASIO-, MME- und WDM-Treiber und ermöglicht außerdem das Einbinden externer Hardware. Die Software verfügt über eine Vielzahl von Echtzeit- und Offline-Effekten, die sowohl auf Spur-, als auch auf Objekt- oder Master-Ebene angewendet werden können. Die Palette reicht vom einfachen Equalizer, Hall oder Delay über Kompressor bis hin zu Multiband Kompressor, Time-Stretching und einem Raumsimulator (Faltungshall). Das bietet Sonar 7 mit Perfect Space auch und legt mit einem linearphasigen EQ-Plug-in noch einen drauf. Bei Steinberg muss schon auf Nuendo 4 zurückgegriffen werden, um in den Genuss eines Faltungshall-Plug-ins zu kommen. Außerdem ist die Pro-Version mit den Magix-eigenen Plug-ins der Analogue Modelling- und der Vintage Effect Suite und damit mit ausgezeichnet klingenden Outboard-Emulationen (siehe Test Samplitude 9, Heft 12/2006) ausgestattet. Zur Verfügung stehen der Röhren-Channelstrip Am-phibia, der Transientdesigner Am-pulse, eine Kombination aus Analogkompressor und Bandsimulation Am-track, sowie die Vintage-Effekte Corvex (Chorus, Flanger), Ecox (Delay) und Filtox (Filter). Außerdem bietet die Pro-Version auch noch die Halleinheit Variverb Pro sowie einen nützlichen De-esser zur Klangbearbeitung und die Sample-Workstation Independence LE von Yellow Tools.

In Samplitude 10 Pro gibt es zwei wesentliche und viele kleinere Neuerungen (siehe Übersicht im Kasten): Deutlich verbessert – darauf haben viele längst gewartet–, hat sich die Objekt-, Spur und Master-Automation. Das zweite Highlight ist das neue Magix-Plug-in Am-munition: Ein virtueller Programm-Kompressor als Mastering- und Dynamik-Tool. Außerdem wurden die Mastering-Effekte in einigen Details verbessert und zusätzlich mit einem Multiband Enhancer aufgestockt und das Bereichshandling optimiert. Ein zusätzlicher Übersichtsmodus, Routing Manager und eine erweiterte Lineal- und Zeitanzeige dienen zur weiteren Optimierung des Workflows. Das Side-Chain-Routing für die Advanced Dynamics ist jetzt möglich und es wurde ein neues Tempo-Menü implementiert, über das umfangreiche Audio-Quantisierungs-Funktionen aufrufbar sind. Den Zugriff auf Hardware-Controller mittels so genannter Mapping Modes haben die Programmierer verbessert, mit Smart Dithering eine neue Option beim Exportieren und Brennen von Wav-Files geschaffen, sowie einige MIDI- und VST(i)-Neuerungen vorgenommen. Außerdem sind jetzt Projektlängen mit bis zu 168 Stunden möglich und Magix bietet für die neue Version ein neues Outfit an, das über unterschiedliche Skins den individuellen Bedürfnissen des Users angepasst werden kann.

Für die Installation des üppig ausgestatteten Programms müssen mindestens ein Gigabyte freier Speicherplatz und laut Hersteller ein PC mit mindestens 1,5 GHz und 512 Megabyte RAM zur Verfügung stehen. Nach reibungsloser Installation und Produktregistrierung – hierfür muss der PC nicht zwingend ans Internet angeschlossen sein – lässt sich die Software mit Hilfe des Code-Meter-Dongles problemlos starten und ein VIP (Virtuelles Projekt) laden. Dongle-frei – manche bevorzugen das – Sonar 7. Die Programmoberfläche der neuen Version zeigt sich grafisch leicht modernisiert mit pragmatischem Design. Per Klick mit der rechten Maustaste auf die Werkzeugleisten oder das Transportfeld – im Mixer-Fenster muss auf ein eigenes Icon in der oberen linken Ecke geklickt werden – kann deren Darstellung geändert und dem eigenen Geschmack angepasst werden. Am Aufbau des Arranger-Fensters hat sich außer der Optik grundlegend nichts geändert. Die Werkzeugleisten sind individuell in Größe und Umfang anpassbar und lassen sich außerdem als Gruppen thematisch zusammenhängender Werkzeuge frei auf der Oberfläche positionieren. Über das Pop-Up-Fenster ‚Arbeitsbereich’ können zusätzlich vorgefertigte Arbeits-Profile (Master, Edit, Record, Easy, Power User) ausgewählt werden, die den Anforderungen an bestimmte Arbeitsabläufe angepasst sind und nur die jeweils wichtigen Bedienelemente und Schaltflächen anbieten. Diese Features erweisen sich in der Praxis als sehr hilfreich.

Im Arranger oder Hauptfenster sind untereinander die Spuren mit den Audio oder MIDI-Objekten angeordnet. Entscheidender Vorteil der neuen Version ist der zusätzliche Übersichtsmodus. Dieser stellt alle Objekte – so werden in Samplitude einzelne Audio- oder MIDI-Einheiten eines Projektes bezeichnet – unterhalb der Arranger-Spuren dar. Um einen bestimmten Ausschnitt im Arranger angezeigt zu bekommen, kann ein Lasso in der Übersichtsdarstellung aufgezogen werden. Der markierte Bereich erscheint dann sofort im Arranger. Auf diese Art fällt es leicht auch bei komplexen Projekten die Übersicht zu behalten und schnell zu bestimmten Stellen zu springen. Das markierte Feld kann dann durch klicken an eine andere Stelle im Übersichtsmodus verschoben werden, wobei die Größe des Ausschnitts die gleiche bleibt. In Cubase 4 und Sonar 7 gibt es dieses praxisnahe Feature nicht. Ähnliches kennt man aber aus der Pro Tools-Software.

Hilfreich ist auch die erweiterte Lineal- und Zeitanzeige in Samplitude 10 Pro. Es kann eine zweite Gitterleiste mit eigener Maßeinheit (Samples, Millisekunden, SMPTE, Frames, Takte) aufgerufen werden, die sich von der Standard-Leiste unterscheiden kann. Dann markiert beispielsweise die erste wie gewohnt die Takte, während die andere genaue Zeitangaben liefert (siehe Screenshot).

Einige Neuerungen gibt es auch für das Bereichshandling, das grundsätzlich, wie gewohnt, intuitiv von statten geht. Um einen Bereich in der Gitter- und Markerleiste zu markieren reicht ein Klick in die selbige und ein anschließendes horizontales Aufziehen der Range. So lässt sich ein Aufnahme- oder Bearbeitungsbereich definieren, der sich auch als Loop abspielen lässt. Die Bereichsenden sind neuerdings auch während des Abspielens verschiebbar und durch Ziehen auf die Größe Null verschwindet die Markierung aus der Gitterleiste. Der eingestellte Loop in Samplitude 10 Pro bleibt jetzt erhalten auch wenn der Cursor neu positioniert wird, was das Handling im Vergleich zu der Vorgängerversion deutlich entspannter macht. Dort musste der Bereich immer wieder neu angelegt werden. Ist keine Markierung vorgenommen, wird automatisch das gesamte Projekt geloopt. Um entweder die erste Spur über den Bereich zu markieren oder aber gleich alle Spuren des Projektes, reicht das Doppelklicken in die Taktauswahl. Beim ersten Mal wird nur die erste beim zweiten Doppelklicken die Range in allen Spuren markiert. Auf diesem Weg können beispielsweise ganze Parts schnell kopiert oder entfernt werden. Bei gehaltener Umschalttaste lässt sich ein Bereich auch packen und auf der Zeitleiste verschieben. Zusätzlich können Bereiche abgespeichert und den Funktionstasten F2 bis F10 zugewiesen werden (Alt+F2 bis F12). Mit der Strg-Taste plus jeweiliger Funktionstaste, lassen sie sich dann bei Bedarf laden. Selbstverständlich sind diese Funktionen auch über das Bereichsmenü zu erreichen. Im Gegensatz zur Konkurrenz sind es diese Details der Bereichs-Bearbeitung, die Samplitude 10 Pro auszeichnen. Diesen praxisnahen Komfort bietet Cubase 4 und auch Sonar 7 nicht:

Die jeweilige Spurbox links vor einer VIP-Spur enthält nicht nur den Namen, sondern auch Bedienelemente wie Mixerfunktionen (FX, Mute, Solo) und Automations-Buttons für die Panorama- und Volume-Einstellungen. Mit einem Rechtsklick auf den Spurnamen öffnet sich wie gewohnt das Fenster ‚Spureinstellungen’, um diese detailliert zu konfigurieren. Der zuschaltbare Track-Editor erscheint als eine Art Channelstrip wiederum links von der Spurbox am Bildschirmrand und bietet weitere Eingriffsmöglichkeiten wie MIDI-, EQ- und Audio-Einstellungen. In übersichtlichen Boxen aufgelistet, sind die verwendeten Plug-ins und Aux-Wege der jeweiligen Spur. Damit ist der direkte Zugriff auf die wichtigsten Parameter gewährleistet. Im Track-Editor findet sich auch ein Automationsbutton für jede Spur. Per Rechtsklick öffnet sich ein umfangreiches Menü mit allen verfügbaren Automations-Features sowie mit den erweiterten Automationsmöglichkeiten auf Objekt- Spur- und auf Master-Ebene eins der Highlights des aktuellen Updates.

Es gibt grundsätzlich zwei Wege eine Automation vorzunehmen: Entweder in Echtzeit – das ist auf Spur- und Master-Ebene möglich –, also durch Verstellen bestimmter Parameter während der Wiedergabe oder durch Einzeichnen von Verlaufskurven mit Hilfe des Zeichen-Tools. Dabei ist die Zahl der möglichen Kurven unbegrenzt. Die Automation für die einzelnen Spuren – auch die Master-Spur – umfasst Lautstärke, Panorama, Aux-Sends (nur Einzelspur), Equalizer- sowie Plug-in-Kontrollelemente. Auf Objekt-Ebene bleiben lediglich die Lautstärke, Aux-Sends und die Parameter der VST-Plug-ins übrig. Für die Echtzeit-Automation stehen verschiedene Modi zur Verfügung: Im Touch-Modus werden Automationsdaten nur solange aufgenommen, wie ein Parameter durch die Mausbewegung am jeweiligen Steuerungselement, einem externen Controller oder dem separaten Automations-Fader im Track-Editor verändert wird. Das Loslassen der entsprechenden Taste beendet die Automation und das Kontrollelement bewegt sich zurück zu der Startposition. Die Rücklaufzeit kann im Menü ‚MIDI-Controller/Automationskurven-Einstellungen’ bestimmt werden. Soll die Parameter-Einstellung an der zuletzt eingestellten Position verweilen und bis zum Track-Ende auf diesem Wert bleiben, ist es ratsam den Latch-Modus zu wählen, der ansonsten genauso wie der Touch-Modus funktioniert. Der Overwrite-Modus wiederum startet das Schreiben von Automationsdaten sofort, ohne dass ein Bedienelement berührt werden muss und überschreibt die Kurve des ausgewählten Parameters. Der Trim-Modus steht nur für die Lautstärke-Änderung zur Verfügung. Hier werden bereits bestehende Automationsdaten relativ verschoben, die Kurve bleibt also erhalten, während die gesamte Lautstärke verändert wird. Um die Master-Spur im Arranger sichtbar zu machen und komfortabel automatisieren zu können, findet sich neuerdings auch in der Masterspur des Mixers ein Automations-Button. Ein Rechtsklick genügt, um im Kontext-Menü ‚Masterspur im Arranger anzeigen’ zu aktivieren. Samplitude legt dann automatisch eine zusätzliche Spur im Arranger mit dem Namen Master an, um über das Automations-Menü die notwendigen Kurven erstellen und bearbeiten zu können.

Im Gegensatz zu Spur- und Master-Automation ist die Objekt-Automation nicht in Echtzeit möglich. Das Verfahren – es funktioniert auf Spur- und Master-Ebene genauso – bleibt aber trotzdem denkbar unkompliziert. Einzelne Kurvenpunkte lassen sich im Universal-Modus (Schaltfläche mit weißem Pfeil) durch Doppelklicken auf die Kurve erzeugen oder wieder löschen. Im Kontextmenü gibt es weitere Bearbeitungsmöglichkeiten. So lässt sich eine eingezeichnete Kurve mit vielen Punkten ausdünnen, um die Darstellung übersichtlicher zu gestalten. Außerdem kann die Kurvenfarbe angepasst oder der Verlauf invertiert werden. Das Kopieren, Löschen und Einfügen der aktuellen Automationskurve ist an dieser Stelle genauso möglich, wie das Löschen aller Automationen für die aktuelle Spur oder das jeweilige Objekt. Die Kopierfunktion erweist sich als sehr praktisch, wenn ganze Parts, wie beispielsweise ein Refrain, kopiert werden sollen. Zum Verschieben oder Kopieren ganzer Parts samt Kurven, müssen die vorgenommenen Automationen vorher mit den Objekten verbunden werden. Dafür dient die Schaltfläche ‚verknüpfe Kurven mit Objekten’. Es ist außerdem möglich die Automation auf alle Spuren zu übertragen. Außerdem lassen sich in den Automationskurven-Einstellungen auch MIDI-Controller-Verläufe aufzeichnen, um diese dann über das MIDI-Ausgangs-Device der jeweiligen Spur an ein VST-Instrument zu senden. Die detaillierten Konfigurationen (Controller Name, Nummer, Kanal) für jeden Track können im übersichtlichen Menü für jeden automatisierbaren Parameter vorgenommen werden.

Um die Automation an einem Praxisbeispiel zu testen, laden wir einen Mix eines fertigen Projekts. Und tatsächlich: Sie erweist sich äußerst flexibel, gerade zu inspirierend und vielseitig nutzbar. Man kann sehr detailliert in den Songverlauf eingreifen und Übergänge zwischen Strophen und Refrains optimal anpassen. Besonders die Master-Automation erleichtert den Feinschliff des Mixes. Objektorientierte Effekt-Automationen – wir automatisieren beispielsweise ein Spectral Delay auf dem Hauptgesang für ein Break – verhelfen zu fließenden Übergängen.

In Samplitude 10 Pro hat Magix mit Am-munition die Analogue Modelling Suite um ein Dynamikwerkzeug erweitert. Er zeichnet sich durch analoges Regelverhalten und Algorithmen aus, die laut Hersteller maximale Lautheit ermöglichen, ohne dabei Transienten zu verwischen und dem Klangbild die Lebendigkeit zu nehmen. Der Programm-Kompressor empfiehlt sich aufgrund seiner Konzeption zur Bearbeitung von Gruppen- oder Summensignalen, zum (Stem-)Mastering und kann selbstverständlich auch auf Einzelsignale angewendet werden. Das ist auch bei mehrfachem Gebrauch, zumindest bei überschaubaren Projekten kein Problem. Bei einer stereo Akustikgitarren-Aufnahme mit acht Spuren sowie bereits verwendeten anderen Plug-ins (Am-phibia, Raumsimulator und Am-Track) können wir ohne Probleme zehn Instanzen des Am-munition öffnen. Die CPU-Last steigt zwar auf cirka 60 Prozent an, Aussetzer oder Störgeräusche treten aber nicht auf.

Dabei scheint der Kompressor auf den ersten Blick sehr komplex und im Vergleich zu den anderen Sequenzern einzigartig: Er besteht aus vier Modulen: dem Stereo-Opto-Kompressor mit M/S-Matrix, der Master- (Limiter, Soft-Clipper) und Monitoring-Sektion. Als Betriebsart lassen sich Stereo- oder M/S-Modus wählen, so dass entweder das Eingangssignal zweikanalig (links, rechts) dem virtuellen Regelkreis zugeführt oder vorher durch einen M/S-Encoder in ein Mitten- und ein Seiten-Signal gesplittet wird. Kompressor eins wird dann mit der Summe  aus linkem und rechtem Signal und Kompressor zwei mit dem Differenzsignal gespeist. Beide Kompressor-Module können verlinkt oder getrennt von einander eingestellt werden, was für den M/S-Modus unabdingbar ist, um Mitten- und Seiten-Signal separat bearbeiten zu können. Das Zentrum des GUI ist von je zwei umschaltbaren VU- und Peak-Metern sowie Korrelationsgradmessern bestimmt. Steht der Am-munition auf ‚reduction’, zeigen die beiden äußeren VU-Meter die Gain-Reduction der Kompressor-Module an, die in der Mitte liegenden informieren über den Wirkungsgrad des Master-Limiters. Steht der virtuelle Schalter auf ‚output’, werden die jeweiligen Ausgangspegel sichtbar. Die VU-Meter geben dann Auskunft über den RMS-Wert, während die Peak-Anzeigen auch plötzliche Spitzenpegel erfasst. Beim Mastering unterschiedlichen Materials und vor allem für unterschiedliche Medien (CD, Radio, TV, DVD) kann ein Null-Dezibel-Referenzwert für die RMS-Anzeige festgelegt werden. Soll eine Produktion mit einem RMS von beispielsweise -6 dBFS gemastert werden, braucht nur der RMS-0dB-ref-Regler auf diesen Wert eingestellt werden.

ie Korrelationsgradmesser helfen besonders die Breite des dekodierten Stereoabbildes in der M/S-Betriebsart zu beurteilen. Die beiden Kompressoren verfügen über Threshold-, Slope-, Response- und Comp-Mix-Regler. Der Slope-Parameter bestimmt die Art der Kompression und justiert nicht nur Ratio sondern ändert zusätzlich die Kompressorkennlinie und den Kompressions-Modus. Auf Linksanschlag handelt es sich um eine Soft-Knee-Charakteristik und der Kompressor arbeitet im Feed-Back-Modus – der Eingang der Detektorschaltung wird vom Ausgang des Kompressormoduls gespeist und führt zu einer sehr behutsamen Kompression. Mit steigendem Slope-Wert nähert sich die Kennlinie zunehmend der Kennlinie eines Limiters und gerät bei Rechtsanschlag sogar in die so genannte Überkompression. Außerdem wird dem Signal am Detektoreingang zunehmend das Eingangssignal des Kompressors beigemischt. Es entsteht eine Kombination aus Feed-Back- und Feed-Forward-Modus und führt damit zu einer höheren Gewichtung der Transienten. Der Response-Regler bestimmt die Ausregelzeit des Kompressors, der Comp-Mix-Regler bietet eine trickreiche Besonderheit: Um bei starker Kompression die für die Lebendigkeit des Sounds so wichtigen Transienten zu erhalten, können mit diesem Regler Signalanteile an der Regelung vorbeigeschleust werden. Das Ergebnis ist ein transparenterer Sound bei gleichzeitig hoher Kompression und zusätzlicher Maskierung von Kompressionsartefakten. Eine Kombination aus Hoch- und Tiefpassfilter pro Einheit bietet außerdem die Möglichkeit den Frequenzgang am jeweiligen Ausgang des Moduls einzuengen, um die spektrale Balance anzupassen. Beide Kompressor-Module verfügen über einen Side-Chain mit zwei weiteren Filtern und einem Level-Regler, um die Kompressormodule von einem externen Signal – dieses wird in der Menüleiste unter ‚Side-Chain-Input’ ausgewählt – zu triggern.

ie Master-Sektion beinhaltet einen nachgeschalteten Brickwall-Limiter, dessen Threshold nicht nur den Einsatzpunkt des Kompressionsvorgangs bestimmt, sondern der gleichzeitig auch die Aufholverstärkung erhöht. Dies bezeichnet man als Auto-makeup-gain und dient zur schnellen und unkomplizierten Erhöhung der Lautheit. Der Response-Regler bestimmt das Ein- und Ausschwingverhalten des Limiters, wobei hohe Werte eine langsame Attack- und lange Release-Zeit hervorrufen, die aber einer internen Automatik folgen und nicht exakt eingestellt werden können. Der Output-Regler bestimmt schlussendlich den Ausgangspegel des Am-munition, wobei die Soft-Clipping-Schaltung Signalspitzen abfängt, die vom Limiter durchgelassen werden. Eine Anzeige gibt Auskunft über den Clip-Anteil. Das Side-Chain-Filter des Limiters kann bei Bass-starken Produktionen das Auftreten von Pump-Effekten vermeiden, indem tiefe Frequenzen nicht limitiert werden. Dafür lässt sich die Eckfrequenz des Filters auf 75 oder 150 Hertz festlegen.

Die Monitor-Sektion dient der Überwachung der Signale. In der Praxis sehr hilfreich ist die Möglichkeit sowohl die bearbeiteten Signale der Kompressor-Module (Solo1, Solo2), als auch die Side-Chain-Signale einzeln abzuhören. Der Match-Bypass-Regler mit zugehörigem Aktivierungs-Button bietet zusätzlich die Möglichkeit die Lautstärke des bearbeiteten Signals so zu dämpfen, dass sie beim Monitoring der Lautstärke des Original-Signals entspricht. Damit ist die optimale Bewertung klanglichen Veränderungen durch den Am-munition möglich.

Zum Testen von Samplitude 10 Pro laden wir unterschiedliche Mixe und Arrangements und vergleichen sie zunächst klanglich mit Samplitude 9 Pro. Klanglich ist und bleibt der Sequenzer klasse und zeigt sich neutral und klingt im positiven  Sinne unauffällig – Unterschiede zwischen den Versionen sind hier nicht festzustellen. Jetzt schalten wir den Am-munition auf die Stereo-Summe eines Mixes. Der Hersteller hat nicht zu viel versprochen. Bei leichter Kompression zeigt sich der angenehm kraftvolle Sound des Plug-ins, das sicher nicht zu den Extrem-Klangfärbern gehört, dem Mix aber seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Etwas Vorsicht ist allerdings beim Einstellen des Limiters geboten, mit dem die Lautheit definitiv aus- aber auch überreizt werden kann. Auch wenn der nachgeschaltete Soft-Clipping-Schaltkreis, wie der Name schon sagt, die vom Limiter nicht erfassten Transienten besänftigt, ist etwas weniger in den meisten Fällen deutlich mehr – auch wenn das viele Mastering-Ingenieure heute anders sehen oder zumindest den Vorgaben der Industrie ausgeliefert sind. Interessant wird es bei der Bearbeitung einer Schlagzeug-Subgruppe: Der Am-munition hat die Signale fest im Griff. Besonders spannend ist der Gebrauch der Überkompression – Slope-Regler auf Rechtsanschlag –, die dazu führt, dass der Raumanteil der Aufnahme weit in den Vordergrund rückt. Das führt zu interessanten Effekt-Kompressionen, die noch verstärkt werden können, wenn zum Beispiel das Bass-Drum-Signal auf den Side-Chain geroutet wird und die Stereosumme in rhythmisches Pumpen verfällt. Um den Bogen zur neuen Automation zu schlagen, können jetzt auch Effekt-Verläufe unkompliziert eingefügt werden. Soll beispielsweise die Schlagzeug-Subgruppe in einem viertaktigem Break langsam in die Überkompression und wieder zurück gefahren werden, kann der Slope-Regler automatisiert werden. Wird dann noch der Output leicht ins Clipping gefahren und der Hallanteil eines weiteren Plug-ins durch eine weitere Kurve erhöht oder ein Phaser dazu geschaltet, entsteht ein abwechslungsreicher trashiger Übergang.

Im M/S-Modus verfeinern wir eine Akustikgitarren-Aufnahme. Besonders hilfreich sind die Monitoring-Funktionen, um die gesplitteten Kompressor-Signale unabhängig von einander abhören zu können. Das Stereo-Bild lässt sich wirkungsvoll verändern und optimieren. Indem wir das Mitten-Signal deutlich stärker komprimieren als das Seiten-Signal gerät das Klangbild kompakter homogener und erfrischend direkt.

Fazit

Unterm Strich ist Samplitude 10 Professional eine umfangreich ausgestattete DAW-Software, die in Bezug auf Audio- und MIDI-Recording, Mixing, Editing und Mastering keine Wünsche übrig lässt und in einigen Details den Konkurrenten eine Nasenlänge voraus ist. Die zahlreichen Neuerungen gerade in Bezug auf die Bereichsbearbeitung, das Sidechaining und die mehr als flexible Automation bringen das Update einen großen Schritt nach vorne. Wirkliche Minuspunkte konnten wir während des Tests nicht ausmachen. Natürlich hat Magix mit dem Update das Rad nicht neu erfunden. Klanglich bleibt der Alternativ-Sequenzer aber ganz weit vorne und setzt mit dem komplexen Programm-Kompressor Am-munition noch ein exzellent klingendes und vielseitiges Plug-in oben drauf, das alleine schon die 256 Euro für das Update rechtfertigt. Die Vollversion für rund 1.000 Euro ist preiswert aber nicht unbedingt kostengünstig und daher eher etwas für Profis als den Homerecordler

Erschienen in Ausgabe 05/2008

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 999 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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