Cockpit

Während sich Regieräume mit überdimensionierten Konsolen immer noch gerne im Stile unübersichtlicher Pilotenkanzeln zeigen,  erfreuen  sich moderne D.A.W.-gestützte Lösungen einer  neuen, viel versprechenden Einfachheit. Mit welchem Equipment dies gelingen kann, zeigt das Monitoring System m904 von Grace Design.  

Von Michael Nötges 

Während sich Regieräume mit überdimensionierten Konsolen immer noch gerne im Stile unübersichtlicher Pilotenkanzeln zeigen,  erfreuen  sich moderne D.A.W.-gestützte Lösungen einer  neuen, viel versprechenden Einfachheit. Mit welchem Equipment dies gelingen kann, zeigt das Monitoring System m904 von Grace Design.

Doch zunächst zu den Anschlussmöglichkeiten, die wir bis auf die beiden Kopfhörer-Ausgänge auf der Rückseite des m904 finden. Auf analoger Seite bietet das m904 drei symmetrisches Stereo-Eingänge im XLR-Format,  einen unsymmetrischen Cinch-Anschluss für die Integration von Consumer-Geräten (-10 dBv) und einen weiteren symmetrischen  Eingang, der über eine zuschaltbare Phantomspannung verfügt, um ein Talkback-Mikrofon – auch Kondensatormikrofone sind somit denkbar – anzuschließen. Die vier analogen XLR-Ausgangs-Buchsen glänzen wie alle anderen Anschlüsse durch vergoldete Kontakte zur besseren Übertragung der Signale. Prinzipiell lassen sich drei Monitor-Paare anschließen,  wobei die dritte Möglichkeit eigentlich der Cue-Weg  für das Kopfhörer-System ist und in diesem Fall zum Monitor-Weg umfunktioniert werden muss. Der vierte Stereo-Ausgang ist der im Pegel fixierte DAC-Output, der immer das zuletzt ausgewählte und bereits umgewandelte digitale Signal führt. Die Lautstärke ist unabhängig  von den Einstellungen des Haupt-Pegels, jedoch intern kalibrierbar. 

Auf digitaler Seite hat das m904 zwei Ausgänge (S/PDIF, AES3) als Cinch- und XLR-Verbindungen zu bieten. Für das  Einspeisen digitaler Signale im AES3-Format (44,1 bis 192 Kilohertz) sind zwei XLR-Buchsen, für das S/PDIF-Format eine Toslink- (bis 96 Kilohertz) und alternativ eine Cinch- und für das ADAT-Format (44,1 oder 48 Kilohertz) eine weitere Lichtleiter-Buchse vorhanden. Für die externe Synchronisation sorgt die  BNC-Eingangs-Buchse, für die Weiterleitung eines Clock-Signals das Pendant mit der Beschriftung Thru. Für die Terminierung des Gerätes in einer Kette  von Equipment, das über eine externe Word-Clock synchronisiert wird, ist die Impedanz des Word-Clock-Eingangs zwischen einem Megaohm und 75 Ohm umschaltbar, je nachdem, ob es sich in Mitten einer Synchroni-sationskette  oder an deren Ende befindet. Um die Talkback-Funktion über einen Fußschalter zu aktivieren, braucht dieser nur an die dafür vorgesehene TB SW-Buchse im 6,35-mm-Klinken-Format angeschlossen zu werden. Um  auf die komfortable Remote Control m904RCU nicht verzichten zu müssen ist ein 25-polige Sub-D-Buchse installiert. Ein Kippschalter akti-viert entweder den Local- oder den Remote-Modus, um beide Alternativen nutzen zu können. Beispiel: Die räumlichen Bedingungen ihres Studios haben sich nach einem Umzug geändert und Sie verfügen nun über deutlich mehr Platz und damit auch über längere Wege zwischen den Racks und  der optimalen Ab-hörposition. Die Fernbedienung ermöglicht jetzt das entspannte Abhören, ohne für jedes Umschalten den Abhörplatz verlassen zu müs-sen. 

Es gibt nur zwei Ein-Euro-Stück große  Dreh-Regler auf der Frontplatte des m904, die aufgrund ihrer Ummantelung mit einem schmalen Gummiriemen sehr komfortabel und grifffest zu bedienen sind. Zunächst ermöglichen sie die Justage des Haupt- und des Kopfhörer-Ausgangs, deren aktuelle Pegel in zwei Sonderbriefmarken großen Displays angezeigt werden. Die jeweils dreistelligen kontrastreichen Anzeigen leuchten durchdringend blau und sind mehr als gut, auch aus großer Entfernung zu erkennen. Um Pegelunterschiede zwischen den anliegenden Signalen auszugleichen, kann jeder Eingang um zehn Dezibel angehoben oder gedämpft werden. Dafür muss zuerst der Calibrate-Button und dann einer der Eingangs-Auswahl-Tast-Schalter gedrückt werden. Im rechten Display erscheint dann CAL, um zu signali-sieren, dass sich das Gerät im Kalibrier-Modus befindet, das linke zeigt die numerische An-passung, die sich in 0,5-Dezibel-Schritten – die Dreh-Regler sind mit einer sanften aber trotzdem sehr exakten Rasterung ausgestattet – ändern lässt. Die farbig hinterleuchteten Tast-Schalter sind großzügig nebeneinander angeordnet  und bewerkstelligen sicheres und  sehr praktisches Umschalten zwischen den Eingangs-Signalen, sowie das Aktivieren der Mute-, Mono-, Dim- Mon-to-Cue-, Talkback- und Speaker-Select-Funktion. 

Prinzip bleibt dasselbe: erst den Calibrate-Button drücken und dann das einzustellende Feature. Geht die Menüführung über die erste Ebene hinaus, ist jede weitere durch erneutes Drücken des jeweiligen Tast-Schalters zu erreichen. Ein drittes alpha numerisches Display informiert nicht ganz so kontrastreich, aber trotzdem gut lesbar über die Optionen des jeweils ausgewählten Kalibrierungsfensters. Beispiel: Zwischen zwei angeschlossene Monitor-Paaren lässt sich über den Spkr-Select-Tast-Schalter alternativ umschalten. Um deren Feinjustierung vorzunehmen schalten wir das Gerät in den Kalibrier-Modus und aktivieren den Lautsprecher-Tast-Schalter. Jetzt erscheint auf der obersten Ebene des Mini-Bildschirms: Speaker 1 Offset Global. Das erneute Drücken führt zum nächsten Untermenü: Speaker 1 Offset left. Danach folgen  die Einstellungen des Pegels für den rechten Kanal und dann dasselbe für das zweite Monitor-Paar. Dieses denkbar einfache Prinzip entlastet die Gehirnwindungen, um sich auf die We-sentlichen Dinge einer Aufnahme- oder Abhörsession zu konzentrieren. In diesem Stil lassen sich auch die Phantomspannung für das Talkback-Mikrofon und der so genannte Latch-Modus aktivieren. In  diesem ist  die Talkback-Funktion solange aktiv, bis der Button erneut betätigt wird. Ist der Modus abgeschaltet muss der Finger so lange auf dem Tast-Schalter verharren, bis die Durchsa-ge abgeschlossen ist. Produzenten,  die kurze präzise Anweisungen  präferieren, stellen den Latch-Modus wahrscheinlich eher aus, um einen möglichst schnellen Work-Flow zu gewährleisten. Ist aufgrund der Situation mit längeren Diskussionen zwischen den Aufnahmen zu rechnen, bietet sich dieser aber durchaus an, gerade um auch mit beiden Händen gestikulierend den eigenen Vor-stellungen Nachdruck verleihen zu können. Das m904 lässt sich über den ADAT-Eingang mit bis zu acht Signalen füttern. Welches Paar (1/2, 3/4, 5/6, 7/8) verwendet wird, ist wählbar und verhilft dazu, sehr schnell unterschiedliche Playbacks oder Tracks, die im Sequenzer auf verschiedenen Spuren liegen abzurufen, indem  einfach die Eingangskanäle geändert werden. Vier  digitalen Quellen lassen sich intern auf den AES- und S/PDIF-Ausgang routen, so dass beispielsweise zwei ADAT-Kanäle am DAC-Ausgang anliegen und der S/PDIF-Eingang  auf den S/PDIF-Ausgang geschickt wird. Damit lassen sich flexible Signalzu-weisungen und unterschiedliche Setups für verschiedene Anforderungen erstellen. 

Bevor wir uns dem Hörtest von Professional audio Magazin zuwenden gibt es noch die Neuigkeiten aus dem Messlabor. Der Fre-quenzgang, das Übersprechen von Kanal eins auf Kanal zwei (bleibt unter -80 dBu) und die Gleichtaktunterdrückung (-65 dBu bei 20 Kilo-hertz) sind sehr gut. Der Klirrfaktor liegt mit ebenfalls sehr guten 0,003  Prozent auf ähnli-chem Niveau, wie der des Centro von Audient (siehe Test, Heft 02/2007). Die Wandlerlinearität zeigt sich bis -100 dBFS  ohne Abweichungen und zeigt erst unterhalb dieses Wertes geringfügige Unregel-mäßigkeiten, die jedoch selbst bei -140 dBFS Schwankungen von maximal zehn Dezibel nicht überschreiten. Die Fremdspannungen sind gut – Geräuschspannungsabstand -88,5 dBu und Fremdspannungsabstand -85,9 dBu – allerdings überrascht uns im Vergleich mit dem getesteten Mikrofon-Vorverstärker m801 aus dem gleichen Haus, dass hier die Fremdspannungen besser  sind, obwohl wesentlich geringere Pegel deutlich höher ver-stärkt werden müssen. 

Das spricht zwar für den Pre-Amp, aber nicht unbedingt für das Monitoring System, bei dem man für  die Line-Pegel bessere Werte erwar-ten würde. Im Vergleich zum Centro sind die Werte zirka sieben Dezibel schlechter, was sich klanglich aber bei Werten um die -85 dBu nicht bemerkbar macht. Des Weiteren haben wir die Stabilität der Taktsynchronisierung genauer unter die Lupe genommen, da Grace Design mit dem s-Lock einen speziellen phasengekoppelten Regelkreis (PLL) [[g]] anpreist, der Schwankungen der externen Clock-Signale kompensieren und zu einer Jitter armen und sehr stabilen D/A-Konvertierung führen soll. Das Ergebnis stellt uns sehr zufrieden. Das mit  einer Anregung  von 2,4 Kilohertz und einer Amplitude von 300 ns modulierte AES-Signal, wird problemlos verarbeitet. Erst darüber hinaus steigt das m904 aus und bekommt keine Synchronisierung mehr hin. Zirka zwei Sekunden erscheint das unsauberer Clock-Signal auf dem Bildschirm des Audio Precision-Computers, dann regelt das m904 das Problem auf saubere Art. Zur Orientierung: gute Word-Clock-Generatoren weisen Schwankungen  von zwei bis drei Nanosekun-den auf, das m904 verträgt das 100-fache.

 

Jetzt heißt es Ohren auf, da uns natürlich brennend der Klang des Edel-Controllers interessiert. Zunächst testen wir die Kopfhörerverstärker des m904 im Vergleich mit dem G99  von Lake People. Als Zuspieler dient uns zum einen der Tascam DV-RA1000HD (siehe Test, S. 46) und unser PC auf dessen Festplatte bereits aufgenommenen Track unterschiedlicher Instrumente und Gesang vorliegen. Das Klangbild zeigt  sich sehr ausgewogen und transparent. Selbst feine Nuancen kommen nicht zu kurz und die klare Wiedergabe ist sehr überzeugend. Der G99 klingt etwas nüchterner und schafft  es ein  wenig mehr Tiefe und Räumlichkeit zu trans-portieren, kann dabei das m904 aber qualitativ nicht abschütteln. Während das m904 satter und etwas abgerundet klingt, zeigt sich der G99 eine Nuance direkter und analytischer. Bei Anschlagsgeräuschen von Akustikgitarren und E-Bass oder gesungenen  Konsonanten zeigt  sich die etwas weichere Ansprache und minimale Bassfreundlichkeit des m904.  Über die Monitore und die Speaker-Ausgänge zeigt sich grundsätzlich derselbe Charakter, bloß dass der Sound über die Monitore noch etwas vornehmer zu Tage tritt. Gerade bei  Soul-, R ’n’ B- und Pop-Produktionen liefert uns das m904 ein sehr angenehm klingendes authentisches Klangbild, dessen Charakter souverän und gesetzt und am besten mit dem Wort satt beschrieben werden kann. 

Den Wandler testen wir im direkten Vergleich mit dem DAC1  von Benchmark (siehe Test, Heft 08/2007). Auch dieser weiß sich zu behaupten, allerdings erreicht das DAC-Modul nicht ganz die feine Auflösung des DAC1 und kann gerade in Bezug auf die räumliche Tiefe und Auflösung nicht ganz mithalten. Das m904 besitzt dafür etwas mehr Rock ‚n’ Roll, klingt angenehm kompakt und auf die Höhen legt  sich fast unmerklich und sehr dezent ein samtiger Hauch edler Wärme.  

Fazit

Das m904 Monitoring System von Grace Design ist eine edles und sehr gelungenes Produkt, das sowohl durch die hervorragende Verarbeitung, seinen Klang, den überzeugenden Bedienkomfort und das sehr gute DAC-Modul punkten kann. Für  rund 2900 Euro bietet das 19-Zoll-Gerät flexible Möglichkeiten sowohl analoge, als digitale Signale zu kontrollieren und für das Abhören bereit zu halten. Auch wenn die Messwerte in dieser Preisklasse besser sein könnten, möchte man, einmal verwendet,  Finger und Ohren nur am liebsten nie wieder von diesem Gerät lassen. Wer neben gutem Klang und Bedienkomfort gesteigerten Wert auf das optische Design legt und dafür bereit ist seinen Preis zu zahlen, der sollte  sich das m904 auf jeden Fall einmal antesten.

Erschienen in Ausgabe 04/2007

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2915 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut

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