Aller guten Dinge sind drei

Event präsentiert mit dem Modell 20/30 bas den ersten Drei-Wege-Monitor in seiner Firmengeschichte. Das Plus an Chassis soll dabei mit einem Plus an Klang einhergehen. Wir haben nachgehört.

Von Georg Berger 

Um einen exzellenten Monitor-Sound zu erzeugen, sollte selbstverständlich kein Weg zu weit sein. Doch warum immer die gleichen (beiden) Wege gehen, wenn es auch noch einen neuen (dritten) Weg gibt? So oder ähnlich könnten die ersten Gedanken des australischen Pro-Audio-Herstellers Event bei der Grundsteinlegung seines ersten Drei-Wege-Monitors 20/30 bas ausgesehen haben. Jedenfalls haben die Australier den Worten Taten folgen lassen und sich so einiges Spezielle für Ihren Einstieg in den Drei-Wege-Sektor einfallen lassen, um das bestmögliche aus dem System herauszuholen. Mit einem Stückpreis von rund 600 Euro ist der 20/30er recht günstig, hält man sich den Aufwand und die zusätzlich erforderlichen Bauteile für die Konstruktion vor Augen. Mit knapp 15 Kilogramm Gewicht und seiner rund 38 Zentimeter breiten Front stellt sich der neue Event-Monitor als kompakter Zeitgenosse vor, der sich primär für das Nahfeld empfiehlt. Bei der Konstruktion haben die Hersteller sowohl auf Altbewährtes zurückgegriffen, als auch den Zeichenstift rausgeholt und völlig neue Features entwickelt. So wurden die integrierten Verstärker in Class AB-Technik den großen Opal-Monitoren entlehnt (Test in Heft 1/2010). Neu ist hingegen eine proprietäre Soft-Clipping-Schaltung, die vor Verzerrungen und Intermodulationen bei hohen Lautstärken schützen soll. Anstelle von drei Verstärkern, kommen jedoch nur derer zwei zum Einsatz, einer für den Tieftöner und der andere für Mittel- und Hochtöner. Beide Verstärker verfügen über jeweils 80 Watt an Leistungs-Reserven mit einer Spitzenbelastbarkeit bis 120 Watt. Das ist ausreichend genug, um weit mehr als die empfohlenen 85 dB SPL Schalldruck beim Abhören zu erreichen. Ob und inwiefern die integrierte Soft-Clipping-Technik bei hohen Lautstärken tatsächlich für einen glasklaren Klang sorgt, heben wir uns für den Hörtest auf. Das Trennen der Frequenzbereiche erledigt zum Einen eine Linkwitz-Riley-Weiche mit einem Filter vierter Ordnung zwischen Tief- und Mitteltöner und zum anderen eine eigens für den 20/30 bas entwickelte Weiche mit einem Filter zweiter Ordnung zwischen Mittel- und Hochtöner. Die Übernahmefrequenzen sind dabei auf 400 Hertz und drei Kilohertz festgelegt. Für die Tief- und Mittelton-Chassis greift der Hersteller auf Modelle aus Polypropylen mit Kupfer-Schwingspulen und Ferrit-Magnetkern zurück. Der Hochtöner ist indes aus einer Aluminiumlegierung gefertigt, der über einen Neodym-Magneten angetrieben wird. Auch am Gehäuse haben die Entwickler logischerweise einiges an Arbeit hineingesteckt. So wurde für das Mittel- und Hochton-Chassis eigens ein neues Schallführungs-Element ersonnen, bei der beide Chassis vertikal angeordnet sind – Mitteltöner unten und Hochtöner oben. Den Großteil der Vorderfront nimmt hingegen der 180-Millimeter-Tieftöner ein.

Besonderheit: Der 20/30-Monitor liegt aufgrund der Platzierung der Chassis in dezidierten Links- und Rechts-Versionen vor. Hierbei gilt, dass der Tieftöner immer nach außen und die per Waveguide eingefassten Mittel- und Hochtöner nach innen zeigen müssen. Mit dieser Aufteilung müssen die Drei-Wege-Events selbstverständlich horizontal aufgestellt werden. Wichtig: Die akustische Achse befindet sich im Waveguide an der Grenze zwischen Hoch- und Mitteltöner. 
Mit diesem Setup verspricht der Hersteller ein äußerst ausgewogenes und breites Klangbild, bei dem insbesondere Vokal-Aufnahmen hervorragend abgebildet werden, was aufgrund des dezidierten Mitteltöners nicht großartig wundert. Überdies soll der Frequenzgang bis zu einem Abstrahlwinkel von 60 Grad linear bleiben, was zuvorderst das Verdienst des Schallführungs-Elements sein soll. Zudem hält Event auch nicht hinter dem Berg mit der Abbildung des Frequenzbereichs. Die 20/30 bas-Monitore sollen Frequenzen beginnend bei satten 38 Hertz bis hinauf sogar 22 Kilohertz wiedergeben, was für einen Monitor mit diesen Dimensionen beachtlich ist, gerade im Bassbereich. Im Hörtest hat sich noch zu zeigen, ob der Hersteller Wort gehalten hat. Des Rätsels Lösung hinsichtlich Bass-Frequenzen zeigt sich zumindest schon beim Blick auf die Rückseite, die von einer Bassreflex-Öffnung auf der gegenüberliegenden Seite des Tieftöners geziert wird. Das heißt allerdings, dass eine wandnahe Installation der Event-Monitore nicht ratsam ist. Rechts beziehungsweise links von der Bassreflex-Öffnung – je nach Modell-Variante – sind der XLR-Anschluss sowie drei Drehgeber zum Einstellen der Verstärkung sowie von zwei Shelving-Filtern eingelassen. Das Gain ist in einem Breich von Plus/Minus zwölf Dezibel einstellbar, die Filter erlauben Verstärkungen und Dampfungen bis maximal drei Dezibel. Die Centerfrequenzen rangieren bei 200 Hertz und zwei Kilohertz. Damit lässt sich der Klang ausreichend einstellen. Schade ist jedoch, dass der Hersteller stufenlos einstellbare Drehgeber mit einer Rastung bei Null Dezibel verwendet hat, was ein exaktes Einstellen beider Monitore so gut wie unmöglich macht. Wir hätten uns stattdessen Drehgeber mit durchgehender Rastung gewünscht. Dritter Hingucker auf der Rückseite sind schließlich die Aluminium-Kühlrippen, die mittels angeschraubten Lochblechs geschützt werden, was die Gefahr des Finger-Verbrennens erfolgreich vermeidet. Denn in nächster Nähe zu den Kühlrippen sind die Netzgeräte-Buchse nebst Schalter integriert und im Test fassen wir mehr als einmal auf der Suche nach dem Netzschalter auf dieses Blech. Dafür gibt’s jedenfalls ein Extra-Lob. Nach dem Einschalten des Monitors gibt das hell erleuchtete Event-Logo unterhalb des Tieftöners übrigens anschaulich Auskunft über den Betriebszustand.
Der 20/30 bas ist ein Nahfeldmonitor, deswegen sollte der Abstand zum Hörplatz allerhöchstens zwei Meter betragen – im Professional audio-Studio sind es 1,4 Meter, die Ausrichtung im gleichschenkligen Dreieck, wobei wir eine gedachte Linie von den akustischen Linien des rechten und linken Lautsprechers zu den Ohren des Hörenden ziehen und so die Feinausrichtung vornehmen.
Nach dieser kleinen Vorarbeit geht es ans Hören unterschiedlicher Konservenmusik von Klassik bis Fusion-Popjazz, aber auch aktueller eigener Projekte, wie der im Rahmen des Sonar X2-Tests (siehe Seite 18 dieser Ausgabe) entstandene 6/8tel-Walzer „Soulman“ und unserer Video- und Audio-Aufnahmen für den großen Vergleichstest „Mikrofone für DSLR-Kameras“. Zunächst gefällt beim Anhören der exzellenten, typisch amerikanischen Hochglanzproduktion „Lay It Back“ des Gitarristen Paul Jackson Jr. das insgesamt sehr aufgeräumte Klangbild mit seiner stabilen Phantommitte und Stereobild. 

In puncto Tiefenstaffelung überzeugt der Event ebenfalls, kann aber speziell bei Orchesteraufnahmen die Tiefe des Klangkörpers – sofern aufnahmetechnisch entsprechend eingefangen – nicht vollständig ausloten. Das fällt uns aber erst im direkten Hörvergleich mit dem in einer ganz anderen, sprich höheren Preis-und Leistungsklasse rangierenden Spitzenlautsprecher Focal SM9. Mithin sind wir sehr angetan von der Raumdarstellung des 20/30 bas und nutzen sein diesbezügliche Kompetenz direkt, um im Arrangement den etwas flach klingenden Streichern mehr Tiefe zu verleihen: Die kommt vom algorithmischen Hall Overloud Breverb 2, einem der hörenswertesten und besten neuen Sonar X2-Effekte mit seinen deutlichen Lexicon-Anklängen. Die über den 20/30 bas gefundene Einstellung des Breverb 2 überprüfen wir sowohl mittels unserer Referenz-Monitore ADAM S3X-H, als auch unseren Desktop-Schallwandlern ESI unik 08. Beides mal sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, was bedeutet: In dieser Disziplin hat sich der Event schon mal sehr überzeugend geschlagen.
Dass ein dezidierter Tieftöner Vorteile bei der Basswiedergabe, zumindest in der Theorie, mit sich bringt, lässt sich anhand des 20/30 bas durchaus verifizieren: Auch die gandenlosen Slap-Attacken eines T. M. Stevens auf dessen zudem heftig komprimierter Solo-CD „Shocka Zooloo“ hat der Lautsprecher sicher im Griff, wenngleich die Bässe – um einmal mehr den nicht ganz fairen Vergleich zu ziehen – nicht ganz so straff und trocken wie bei den ADAMs oder dem Focal erklingen. „Shocka Zooloo“ bietet sich auch immer hervorragend an, um die Belastungsgrenzen eines Aktiv-Monitors auszuloten: Im Falle des Event macht sich für unsere Ohren die Soft-Clipping-Schaltung tatsächlich positiv bemerkbar, denn der Lautsprecher hält hörbar länger durch, bevor er zu stark komprimiert und schließlich ganz in die Knie geht. Dann ist es aber auch schon richtig laut – viel zu laut für uns, weswegen wir es bei diesem kurzen Versuch belassen.
Sehr ausgewogen präsentiert der 20/30 bas den Mittenbereich, wie von einem Monitor aus diesem Hause zu erwarten, gibt es weder den unangenehmen „analytischen Klang“, noch eine gefällige Tiefmittenandickung. Speziell das Abhören der Sprachaufnahmen mit den DSLR-Mikrofonen macht damit sehr viel Spaß, geht die Hörsitzung doch vergleichsweise zügig über die Bühne. Soll die Leadstimme im Arrangement herausmodelliert werden, dann unterstützt der Event den Menschen an den Reglern kompetent und unaufdringlich. Wobei wir nicht so ganz warm werden mit dem neuen Hochtöner. Der klingt für unseren Geschmack eine Spur hart und erweist sich beispielsweise im Vergleich zu dem Bändchen-Hochtöner des ESI unik 8 als weniger geschmeidig bei Transienten. Allerdings stellen wir auch fest: Der 20/30 bas entwickelt sich im Laufe der Testphase und speziell der Hochtöner spielt nach zwei Wochen Spieldauer sehr viel entspannter auf.

Fazit

Mit dem Event 20/30 bas ist dem Hersteller einmal mehr ein gelungener Monitor gelungen: Dank seines sehr guten Impulsverhaltens und des erweiterten Frequenzbereichs sowie der hohen Leistungsreserven empfiehlt sich der recht kostengünstige Drei-Wege-Monitor für Ein- und Aufsteiger mit schmalerem Budget aber gleichwohl hohen Ansprüchen.

Erschienen in Ausgabe 04/2013

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 599 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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