Zurück zur Natur

Wenn die höchsten Tugenden eines Studio-Monitors Signaltreue und unverfälschte, naturnahe Wiedergabe sind, dann ist der Manger MSMc1 einer der tugendhaftesten Vertreter der Gattung.

Von Harald Wittig

Angesichts der vielen Monitor-Tests, die Professional audio Magazin seit seinem Bestehen gemacht hat, könnte manch einer auf den Gedanken kommen, dass ein Tester irgendwann in Routine erstarrt und gelangweilt vor Testlautsprechern sitzt. Getreu dem Motto: „Tausendmal gehört, minimal berührt“ – oder so ähnlich. So ist es, trotz gefühlter 1000 Testberichte,  nicht. Eigentlich ist es jedes Mal spannend, mit eigenen Ohren herauszufinden, was heutige Studio-Lautsprecher  klanglich zu bieten haben. Positive Überraschungen sind eher die Regel. Insoweit sei an die neuen, sehr kostengünstigen Resolv-Monitore von Samson erinnert, die wir in der Ausgabe 2/2009 getestet haben. Von hervorragenden Vertretern der Zunft, wie dem Geithain MO-2 oder der momentanen Referenz von Professional audio Magazin, dem KRK EB8 Exposé ganz zu schweigen. Dabei hoffen wir insgeheim stets  auf den ultimativen Schallwandler, den Lautsprecher, der hinsichtlich Signaltreue, Impulsverhalten, Zeit- und Phasengenauigkeit  seinesgleichen sucht und das Hören zurück zur Natur führt. Ein Kandidat dafür ist der Manger MSMc1, als solcher der erste aktive Studio-Monitor der hochangesehenen Lautsprechermanufaktur aus dem fränkischen Mellrichstadt. Denn dank seines einzigartigen Manger Schallwandlers, eine Entwicklung des Unternehmensgründers Josef W. Manger, soll der MSMc1 schlichtweg Referenzqualität besitzen und statt einer mehr oder weniger detailliierten Blaupause eine unverfälschtes, penibles Abbild der Klangwirklichkeit für das Hörerohr zeichnen. Das versprechen inzwischen fast alle Lautsprecherhersteller und jeder geht seinen eigenen Weg, um dem Klangideal eines absolut neutralen Studio-Lautsprechers nahezukommen.

Im Falle des MCMc1 setzt der Hersteller auf die eigenen, bereits legendären Patente, hochwertigste Einzelkomponenten und die konsequente Fertigung im Innland. Angesichts dessen mutet der, absolut gesehen, hohe Paarpreis von rund 7.500 Euro schon fast moderat an, denn für Spitzenlautsprecher – davon können vor allem HiFi-Enthusiasten ein Klagelied singen – wird schon mal ein Vielfaches verlangt. Nun, sehen wir uns den MSMc1 näher an und richten den Fokus auf seine technischen Spezialitäten.
Beim Blick auf die Front des eher unprätentiös, gleichwohl elegant gewandeten Monitors fällt sofort das Markenzeichen schlechthin, der Manger Schallwandler mit seinem sternförmigen Aufsatz auf. Josef Manger begann vor fast 25 Jahren, genau gesagt im Jahre 1985, mit der Fertigung des nach ihm benannten Schallwandlers. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Biegewellen-Schallwandler, der, vereinfacht ausgedrückt, als Breitbandschallwandler Musik und andere Schallereignisse verzögerungsfrei wiedergibt.  Dabei stand folgende Erkenntnis am Anfang einer unterm Strich über dreißigjährigen Forschungsarbeit: Jeder Klang, auch der schönste, beginnt mit einem Geräusch, präziser ausgedrückt mit einem Einschwinggeräusch – den sogenannten Transienten –, welches das Resultat aus einer schnellen Druckveränderung in der Luft ist. Es handelt sich, da es dem Entstehen einer Frequenz noch vorgelagert ist, um einen reinen Beschleunigungsvorgang. Diesen registrieren unsere Ohren mit einem Laufzeitunterschied, der lediglich einige wenige Mikrosekunden beträgt, was das Stammhirn zu einer Richtungsinformation wandelt. Mit anderen Worten: Wir erkennen sofort, aus welcher Richtung dieses Geräusch kommt. Erst danach sind die anderen Hirnregionen aktiv. So ermittelt das Zwischenhirn erstaunlich exakt Größe und Entfernung des Geräuschverursachers, die eigentliche Klangwahrnehmung und Tonauswertung geschehen erst ganz zum Schluss, nacheinander in den folgenden Hirnstufen und in der Großhirnrinde. Manger dachte sich aufgrund dieses Sachverhalts: Es muss möglich sein, einen Lautsprecher zu konstruieren, der, im Gegensatz zu den herkömmlichen Konus- und Kalotten-Chassis selbst kein Einschwinggeräusch erzeugt, das sich dem wieder gegebenen Signal überlagert. Denn die ständigen Einschwinggeräusche, die diese nach dem Prinzip des Kolbenantriebs arbeitenden Chassis zwangsläufig erzeugen, lösen den eben beschriebenen, an sich uralten Ortungsreflex beim Hörer aus. Das heißt: Der Hörer erkennt beziehungsweise ortet aufgrund dieses Urreflexes zunächst den Lautsprecher. Das hat zwei Konsequenzen: Zum einen kann das Ohr mehr oder weniger schnell ermüden, denn der Ortungsreflex wird stets aufs Neue ausgelöst. Zum anderen muss der Hörer bei der Stereowiedergabe zwingend im berühmten „Sweet Spot“ sitzen. Denn nur an diesem Punkt sind die Schalllaufzeiten vom rechten und linken Lautsprecher annähernd gleich und der Hörer kompensiert so die Ortung der Lautsprecher und kann sich erst auf das Wesentliche konzentrieren: Das Programm-Material. 
Der Manger-Schallwandler, kurz MSW genannt, beruht auf Mangers Erkenntnissen, die er aus der intensiven Beschäftigung mit der Physiologie des Hörens gewann. Sein Biegewellenwandler, der übrigens nichts gemein hat mit sogenannten Biegeschwingern oder Rundumstrahlern – beispielsweise von Meletzky in Berlin –, hat im Gegensatz zu herkömmlichen Chassis keine Masse-Feder-Wirkung mit der daraus folgenden, unerwünschten Energiespeicherung. Der MSW arbeitet mit einer biegeweichen Plattenmembran, die sich wie ein mechanischer Widerstand verhält. Der Klang wird durch die unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeit in dieser dreischichtigen Sandwich-Membran in einzelne Frequenzbereiche zerlegt. Dadurch breitet sich das Signal auf der Membranfläche, die in der Mitte eine andere Steifigkeit als am Rand hat, von innen nach außen in Form einer Wanderwelle aus. Im Zentrum werden die hohen Frequenzen, zum Rand hin die immer tieferen abgestrahlt. Damit erfolgt die Schallabstrahlung des komplexen, aus vielen verschiedenen Einzelfrequenzen zusammengesetzten Signals gleichzeitig und die Phasenbeziehungen des Originalsignals bleiben erhalten. Da merkt jetzt der eine oder andere Leser auf. Richtig, AKG hat mit der in den eigenen Kopfhörern eingesetzten, nach dem patentierten  Varimotion-Verfahren konstruierten Membranen, ein ähnliche Technik entwickelt (siehe hierzu näher den Test des AKG K 702 in Ausgabe 2/2009). Im Falle Mangers war allerdings tatsächlich das menschliche Ohr, namentlich die sogenannte Basilarmembran in der Cochlea oder Hörschnecke, Vorbild. Denn auch hier breitet sich das komplexe Schallsignal in Form einer Wanderwelle aus. Die auffällige Sternfrom des MSW ist kein Designgag für alle, die sich beim Arbeiten gerne in weihnachtliche Stimmung versetzen lassen möchten. Diese eigenartige Form dient der Bedämpfung der langwelligen, also tiefen Frequenzen, absorbiert diese und sorgt dafür, dass es nicht zu die Wiedergabe verfälschenden Reflexionen vom Rand kommen kann. Folgerichtig bezeichnet Manger diesen gezackten Teil des Wandlers als Sterndämpfer.    

Der MSW ist wegen seines Konstruktionsprinzips und der Arbeitsweise der 190-Millimeter Plattenmembran in der Lage, den Übertragungsbereich von 80 Hertz bis sage uns schreibe 35 Kilohertz zu beherrschen und ist zugleich nahe am Ideal einer Punktschallquelle. Trotz dieses ungewöhnlich großen Arbeitsbereichs und eines sehr hohen Wirkungsgrades – er beträgt 91 dB 1W/1m  – erreicht der MSW eine ungewöhnlich schnelle Anstiegszeit von weniger als 13  Mikrosekunden. Um dies zu erreichen, konstruierte Manger bereits vor 30 Jahren  eine spezielle Schwingspule. Eigentlich handelt es sich um zwei, mechanisch und in Serie parallel verschaltete Schwing¬spulen, gefertigt aus Alumi¬niumdraht auf einem Aluminiumträger und Kupferdrahtzuführungen, letztere übrigens aus Reinkupfer. Das Ergebnis ist eine insgesamt lange, dabei jedoch sehr leichte Antriebsspule. Sie wiegt, trotz einer möglichen Auslenkung von ±3,5 Millimetern, gerade mal 0,4 Gramm. Die spezielle Anordnung dieser Doppelschwingspule, für die Manger 1969 ein Patent erhielt, unterdrückt zudem erheblich die Eigenresonanz.
Den Antrieb erledigen 15 Neodymmagnete höchster Qualität. Diese sind kreisförmig hinter der Membran und der Doppelschwingspule angeordnet, erzeugen ein mit 1,32 Tesla sehr starkes Magnetfeld auf einem nur 0,95 Millimeter breiten Luftspalt und sorgen damit für die ungewöhnlich schnelle Anstiegszeit, die gewährleistet, dass der MSW auch schnellsten Transienten mühelos folgen kann.
Ergänzung findet der MSW – aufmerksame Leser haben es schon bemerkt – durch ein konventionelles Tief-Mittelton-Chassis. Dieses ist für alle Frequenzen unterhalb 250 Hertz zuständig, darüber arbeitet allein der Manger-Wandler. Nach Aussage von Unternehmens-Chefin Daniela Manger – die studierte Diplom-Ingenieurin leitet Manger Products und führt das Unternehmen im Sinne ihres Vaters –, war diese Trennfrequenz notwendig, um erhöhte Klirrwerte bei hohen Abhörpegeln auszuschließen. Tatsächlich sagten nicht nur notorische Nörgler den Manger-Lautsprechern früherer Generationen eine gewisse Pegelschwäche nach. Mit anderen Worten: Klingt super, kann aber nicht laut. Wie dem auch sei: Der Tief-Mitteltöner hat eine leichte und verwindungssteife Membran, gefertigt  aus einer Glasfaser-Polyester-Sandwich-Konstruktion und soll sich durch eine präzise Basswiedergabe auszeichnen. Aus Gründen der Wiedergabepräzision wählte Manger bewusst eine geschlossene Konstruktion, um die effektvollen Schmierereien, die Bass-Reflex-Lautsprecher mitunter aufweisen können, von vorneherein auszuschließen.
Soviel Endstufenleistung erfordert große Trafos und bringt einiges an Gewicht auf die Waage. Mit einem Kampfgewicht von 30 Kilogramm ist der MSMc1 ein recht schwerer Brocken, der tunlichst auf einer grundsoliden Konsole Platz nehmen sollte.  Als Alternative für einen sicheren Stand des Boliden hat Manger einen Aluminium-Ständer, „MSMc1“ stand genannt,  im Angebot, der für eine optimale Ausrichtung eines Monitor-Pärchens rollbar ist. Mit einem Paarpreis von rund 1.300 Euro ist er nicht eben kostengünstig, aber wir lernten ihn im Verlauf des Testes schon sehr bald zu schätzen. Die Feinjustierung der Lautsprecher ist kein Problem, was uns Daniela Manger anlässlich ihres Besuches in der Redaktion demonstrierte, als die Unternehmenschefin des MSMc1-Paar mittels Laserpointer und Lichtwaage exakt auf unseren Hörplatz ausgerichtet hat (siehe Foto auf Seite 78). Der Ständer ist in der Grundausführung auf eine Höhe von 88  Zentimetern, gemessen vom Sockel bis zur Lautsprecher-Unterkante, beschränkt, auf Wunsch fertigt Manger Products – ohne Aufpreis – auch Sonderhöhen an.
Wer es noch komfortabler, sprich höhenverstellbar haben möchte und nicht aufs Geld sehen muss, kann sich auch den  Ständer MSMc1 lift gönnen:  Die Ständerhöhe lässt sich via Gasdruck-Hydraulik im Bereich von 780 bis 1080 Millimetern stufenlos verstellen. Dafür sind aber auch etwa 3.270 Euro fürs Ständerpaar hinzublättern.

Kommen wir zur weiteren Ausstattung, namentlich den Anschlüssen, Pegel- und Klangstellern. Eingangsseitig stellt der MSMc1 eine XLR-Buchse zur Verfügung, oberhalb  des Kühlkörpers findet sich noch eine Anschlussbuchse für ein Speakon-Kabel. Darüber lässt sich auf Wunsch das sogenannte MSMc1 LF-Modul anschließen. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen, passiven Tieftonlautsprecher (Paarpreis 1.520 Euro), der  den eingebauten Tieftöner entlastet. Das LF-Modul ist also kein Subwoofer, der den Bassbereich nach unten hin erweitert, sondern teilt sich die Bassarbeit mit dem eingebauten Woofer. Faktisch bedeutet das einen Leistungsgewinn vor allem bei hohen Abhörpegeln, da sich die Auslenkamplitude des eingebauten Tieftöners halbiert und dieser später in die Begrenzung fährt. Solange der MSMc1 in kleinen Regien als Nahfeldmonitor zum Einsatz kommt, bedarf es des LF-Moduls nicht. In größeren Räumen kann der MSMc1 jedoch laut Manger auch eingesetzt werden – dann eher als Midfield-Monitor. In diesem Fall erweist sich der passive Ergänzungs-Tieftöner als sinnvolle Investition, um auch bei den zwangsläufig höheren Pegeln keine Klangeinbußen hinnehmen zu müssen. Zur Anpassung an das Zusatz-Tieftonmodul gibt es auf der Rückseite einen Schiebeschalter, der eine Absenkung des Basspegels um sechs Dezibel bewirkt.
Zum Anschluss an einen echten Subwoofer hat der MSMc1 selbstverständlich einen Hochpassfilter der bei 80 Hertz mit einer Absenkung von zwölf Dezibel pro Oktave ansetzt. Drei weitere Filter dienen zur Anpassung an den Abhörraum beziehungsweise  die Produktionsumgebung: Den Anfang macht ein Hochpassfilter, streng genommen ein Shelving- oder Kuhschwanzfilter, das bei 100 Hertz ansetzt und eine Absenkung/Anhebung im Bereich von +3 bis -6 Dezibel gestattet. Dieses Filter ist über dem Schiebeschalter, der es aktiviert, instruktiv mit „Room Acoustics Correction“ beschriftet und dient folgerichtig der Anpassung an den Abhörraum. In gewisser Weise gilt dies auch für das sogenannte Nearfield-/Cinema Screen-Filter. Hierbei handelt es sich um ein Glockenfilter, dass zwei Anwendungsfälle kennt: Im Nahfeldeinsatz des MSMc1 lässt sich durch Absenkung des Filterpegels der erhöhten Empfindlichkeit des menschlichen Hörapparates im Nahbereich bei höheren Lautstärken entgegenwirken und ist der Feltcher-Munson-Kurve angepasst. Dient der MSMc1 als Partner bei Filmtonmischungen und steht er hinter einer perforierten Leinwand, sollen damit durch Anhebung des Filterpegels Klangverluste ausgleichbar sein. Der dritte Filter ist wiederum ein Shelving-Filter, das den Höhenbereich ab 10 Kilohertz beeinflusst und eine Anhebung- beziehungsweise Absenkung um maximal ±2 Dezibel gestattet. In erster Linie greift der Praktiker zu diesem Höhen-Klangsteller, um die Höhenwiedergabe an seinen persönlichen Geschmack anzupassen. Im Verlauf des Tests im Studio von Professional audio Magazin stand der Regler wie auch die übrigen Klangsteller in neutraler Mittelstellung. Es klang nämlich damit schon – soviel sie im Vorgriff auf den Hörtest bereits verraten – sehr beeindruckend.
Bevor es ans Eingemachte, sprich die Beschreibung der Klang¬qualitäten des MSM c1, geht, noch ein Wort zur Verarbeitung: Diese ist auf absolutem Spitzenniveau, der Manger-Monitor ist ein Edellautsprecher mit unaufdringlicher Eleganz vom Scheitel bis zur Sohle. Bei der Aufstellung bestens bewährt haben sich die beiden gummierten Tragegriffe. 30 Kilogramm  stemmt ein schmächtiger Testredakteur nicht mal soeben mit links. Mit den Griffen ist es möglich, die Lautsprecher auf ihre Ständer zu setzen oder herunterzunehmen, ohne dass die akute Gefahr bestünde, dass der edle Lautsprecher zu Boden und zu Bruche gehen würde.

Wie bereits erwähnt, brachte Daniela Manger das MSMc1-Paar höchst selbst bei uns vorbei und erledigte auch die Aufstellung und Ausrichtung ihrer Monitore im Wesentlichen alleine. Grundsätzlich ist bei der Aufstellung aller Manger-Systeme zu beachten, dass der MSW direkt auf den Hörer gerichtet ist, optimal ist eine stärkere Einwinkelung nach innen, so dass sich die gedachten Achsen unmittelbar vor dem Hörplatz schneiden, empfehlenswert. Daraus ergibt sich eine hervorragende Mittenlokalisation mit einem gleichzeitig vergrößerten „Sweet Spot“. Ein Aufwand, der sich nach unseren Erfahrungen in jedem Fall bezahlt macht.
Frau Manger lädt uns, nachdem die Ausrichtung der beiden MSMc1 perfekt ist, mit den Worten: „So, dann sage ich erst mal nichts mehr. Hören Sie einfach mal.“ ein, möglichst unvoreingenommen zu lauschen. Wir laden ein Sonar-Projekt und spielen den Mix ab. Der erste, spontane Eindruck der geschlossen anwesenden Redaktion: „Wow!“.  Die Räumlichkeit und die punktgenaue Ortbarkeit/Lokalisation der am Arrangement beteiligten Instrumente sind schlichtweg beeindruckend. Hinzu kommt eine außergewöhnlich hohe Trennschärfe, wie sie nur den besten Monitoren zueigen ist.
Doch der Reihe nach: Zunächst überzeugt der MSMc1 mit einer Raumdarstellung, die wir in dieser souveränen Größe bisher kaum gehört haben. Sogar der in dieser Disziplin bisher führende Geithain MO-2 tritt einen halben Schritt zurück, denn der Manger-Monitor öffnet nicht nur Räume und lässt vor den Ohren ein dreidimensionales Abbild der realen Raumgröße erstehen. Er schafft es auch, die eigentümlichen tonalen Veränderungen oder Klangmodulationen, die typisch ist für Konzertsäle, darzustellen. Beispielsweise gehört bei Professional audio Magazin die Altiverb 6-Impulsantwort des großen Saals des Filmorchesters Babelberg zu den erklärten Favoriten für Konzertgitarren-Aufnahmen. Warum das so ist, ist für uns mit den Mangers sofort ohrenfällig: Dieser – virtuelle – Hallraum sorgt für eine bestimmte Weichheit und besitzt einen subtilen, gleichwohl über so eine Spitzen-Abhöranlage deutlich erhörbaren Nachhall, der vor allem die Höhen glättet und den Klang sehr seidig und geschmeidig macht. Auch Gitarristen neuer Schule mit eher brillantem Anschlag klingen damit lyrischerer im Sinne der postromantischen Spielweise. Es ist wirklich verblüffend, wie sich der Klang, obwohl es sich um eine reine DAW-Mischung handelt, im Raum entfaltet. Gerade Tonmeister, die sich auf audiophile Klassik-Aufnahmen spezialisiert haben, werden den MSMc1 bald ins Herz schließen, denn sie hören genau das, was sie aufgenommen haben: Instrument, Raum und die eigenen Lieblingsmikrofone – nicht mehr und nicht weniger.
Auch die Wirkung von klang malenden Plug-ins – von Hardware-Effekten ganz zu schweigen – stellt der Monitor mit einer Präzision dar, die auch feinste Nuancen berücksichtigt. So kann  das Plug-in Twin Tube von SPL  (Test in dieser Ausgabe, Seite 82) zeigen, was in ihm steckt: Als Summen-Effekt verleiht es einem unserer Arrangements tatsächlich die versprochene Röhrenwärme, ohne dass es extremer Einstellungen bedürfte. Klar, ob solche Feinheiten auf weniger hochklassigen Abhör-Anlagen noch hörbar sind, ist eher zu bezweifeln. Wer aber Aufnahmen und Mischungen erstellen möchte, die auf Spitzenanlagen abgespielt, grandios klingen sollen, kommt eigentlich nicht um einen solchen Spitzenschallwandler herum.
Selbstverständlich sind die Manger-Monitore keine Schönfärber. Wenn das Basismaterial nichts taugt, dann sind die Unterfranken  gnadenlos. Ihre Detailverliebtheit zeigt sich auch in der Darstellung all jener begleitenden Schallereignisse, die vor allem Sänger und Instrumentalisten, aber auch mancher Toningenieur fürchtet: Atemgeräusche, den kratzenden Anstrich des Geigen-Bogens, geräuschhafte Lagenwechsel und so weiter. All diese weniger beliebten Nebensächlichkeiten sorgen aber in gewisser Weise für die Lebendigkeit einer Aufnahme. Anders ausgedrückt: Das Musikerleben außerhalb des Konzertsaals von der Konserve bekommt einen neuen Realismus, klingt authentischer und in gewisser Weise beseelter – oder „livehaftiger“. Auch ein Mikrofontester findet mit den Manger-Monitoren einen absolut verlässlichen Partner: Wenn es darum geht, die teilweise subtilen Unterschiede von Mikrofonen, die auf Signaltreue optimiert sind, herauszuhören, spielt der MSMc1 mit der Präzision eines Messinstruments auf. So verkürzte er den Hörtest des Josephson C617 beträchtlich – die Ergebnisse lesen Sie auf Seite 68 in dieser Ausgabe.Wer jetzt glaubt, dass der MSMc1 ein Lautsprecher für akustische, vorzugsweise Klassische Musik ist, irrt. Wie jedem guten Monitor ist es ihm egal, was er wiederzugeben hat. Beispielsweise klingt ein Fusion-E-Gitarren-Solo, aufgenommen mit einem Engl Fireball und dem SPL Transducer, deutlich direkter und lebendiger, denn die Transienten des Plektrum-Anschlages oder auch die Bewegung der Finger beim  Vibrato erscheinen als geradezu dreidimensionale, fotorealistischen Abbildung. Der feinfühlige Glättung der Anschläge mittels des neuen Transient Designer-Plug-ins in Sonar 8 kann allein mit dem Gehör geschehen, denn die Mangers geben bereitwillig Auskunft über die Klangwirkung der jeweiligen Reglerstellung.
Vom vorzüglichen Impulsverhalten des MSW aber auch des auf vergleichbarem Niveau aufspielenden Tieftöners profitieren gute Schlagzeugaufnahmen: Wenn Sie immer schon wissen wollten, was ihre Overheads leisten und wie knackig eine naturbelassene, gut gestimmte und mikrofonierte Snare klingen kann – der MSMc1 gibt die präzise Auskunft. So macht das Spielen, Aufnehmen und Hören Spaß. Zumal es völlig unnötig ist, hohe Abhörpegel zu fahren. Auch bei sehr moderater, also gehörschonender Lautstärke sind alle bisher beschriebenen Eigenschaften vorhanden. Wer es für sein persönliches Arbeitsklima unbedingt braucht, seine Regie lautstark zu beschallen, kann dies gerne tun. Der Manger verträgt auch höhere Pegel. Allerdings empfiehlt sich nach unserer Erfahrung das LF-Modul, denn auch nach unserem subjektivem Höreindruck behält der Monitor die Gelassenheit, mit der er bei geringen oder mittellauten Pegeln aufspielt.

Fazit

Der Manger MSMc1 ist ein Abhör-Monitor der absoluten Spitzenklasse. Seine schwer zu übertreffende, fast dreidimensionale Raumdarstellung, die außergewöhnlich hohe Trennschärfe sowie die völlig neutrale, praktisch unverfälschte Wiedergabe suchen Seinesgleichen.

Erschienen in Ausgabe 03/2009

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3707 €
Bewertung: sehr gut – überragend
Preis/Leistung: sehr gut

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