Gerade heraus

Es muss einen Grund geben, warum Monitor-Systeme von Quested seit den 70er-Jahren renommierte Regie-Räume wie die der Abbey Road Studios zieren. Professional audio Magazin betreibt anhand der Nahfeldmonitore S7 samt Subwoofer SB10 aktive Ursachenforschung.   

Von Michael Nötges

Roger Quested ist kein unbeschriebenes Blatt in der Studio-Szene. 1968 begann er seine Karriere als sogenannter Tape-Operator in den Londoner Olympic Studios, um dann Anfang der 70er-Jahre seine tontechnische Expertise in den bekannten Morgan Studios zu verfeinern. An einen Erfolg als Entwickler von Monitor-Systemen und die Gründung einer eigenen Firma dachte er damals mit Sicherheit nicht. Sein Faible für hochwertige Studio-Lautsprecher und der Drang, bestmögliche Abhörbedingungen zu schaffen, ließen ihm aber keine Ruhe. Das führte schnell zu ersten Eigenentwicklungen, die seinen Bedürfnissen und Anforderungen als Tontechniker gerecht werden sollten. Da er sich parallel dazu auch mit dem akustischen Design von Studios beschäftigte und seinen Job offensichtlich sehr gut machte, fand er in seinem direkten Umfeld schnell dankbare Auftraggeber, die sich seines Know-hows bedienten. Anfang der 80er-Jahre übernahm Quested dann das Management der DJM-Studios und entwickelte für diese ein eigenes Monitor-System. Die Nachfrage nach diesen Abhörlösungen stieg in Folge stetig an und Roger Quested gründete quasi zwangsläufig seine eigene Firma Quested Monitoring Systems.   Waren es damals in erster Linie riesige, in die Wand eingelassene Haupt-Monitore, die die Brust eines Studiobesitzers vor Stolz schwellen ließ, haben sich die Zeiten grundlegend geändert. Kleine Projektstudios, Budgets für große Produktionen gab es immer seltener, verdrängten die großen Studios und die Kosten mussten sich anpassen. Plötzlich waren günstigere Nahfeldmonitore angesagter denn je. Mit der S-Serie trug Quested den Bedürfnissen kleinerer Studios, Übertragungswagen, Post-Produktions-Suiten und 5.1-Abhör-Systemen Rechnung. Für den ersten Test von Quested-Monitoren, wählte Professional audio Magazin das Modell S7 samt Subwoofer SB10 aus. Gesamtpreis: 3.900 Euro.  

Der S7 ist das mittlere Modell der der S-Serie (S6, S8) und ebenso wie seine Brüder als aktiver Zwei-Wege-Monitor konzipiert. Die abgerundeten Kanten lassen den unscheinbaren Lautsprecher, der im Innern zur Vermeidung von Gehäuseresonanzen verstrebt und mit einem speziellen Acrylfaser-Material bedämpft ist, zwar etwas moderner erscheinen als sein Vorgänger, doch blieben die Entwickler dem britisch zurückhaltenden Look treu.   Unprätentiös und funktional wirkt der mit schwarzer Esche furnierte Lautsprecher, der bei der Größe von 24,4 mal 34,7 mal 30,2 Zentimetern beachtliche 11,7 Kilogramm auf die Waage bringt. Damit ist der S7 mit Fug und Recht als kompakter Monitor zu bezeichnen, der auch in beengten Abhör-Umgebungen seinen Platz findet und auch in 5.1-Regie-Räumen und Übertragungswagen unterzubringen ist.   Vom äußeren Anschein her gehört der S7 zu den klassischen Bassreflex-Zweiwege-Monitoren: Die beiden Bassreflex-Öffnungen befinden sich rechts und links oberhalb des Mittel-Tiefton-Chassis. Dieses ist mit einer Papiermembran ausgestattet und hat einen Durchmesser von 165 Millimetern. Oberhalb der beiden Öffnungen thront der Hochtöner mit einer 28-Millimeter-Gewebekalotte. Für beide Chassis steht insgesamt eine Endstufendauerleistung von 190 Watt zur Verfügung, die sich in 120 Watt für den Mittel-, Tiefton- und 70 Watt für den Hochton-Bereich aufteilt. Das reicht, laut Hersteller, für einen maximalen Schalldruckpegel von 121 Dezibel (gemessen in einem Meter Abstand) – genug auch für größere Regie-Räume und längere Distanzen. Die Trennfrequenz der beiden Systeme liegt bei 1,2 Kilohertz.   Auf der Rückseite findet sich der symmetrische Analog-Eingang in Form einer XLR-Klinke-Kombibuchse. Ein versenkter Gain-Regler ermöglicht in zehn Schritten die Justage der Eingangsempfindlichkeit zwischen –12 und +6 Dezibel. Glücklicherweise ist diese fummelige Konfiguration zur Lautstärkeanpassung, die nur mit einem kleinen Schraubenzieher vorgenommen werden kann, meist nur einmal beim Einrichten des neuen Abhörsystems nötig. Das gilt auch für die Raumanpassungen mittels der beiden Filter. Je ein Shelving-Filter für die Höhen (2 Dezibel bei zehn Kilohertz) und die Bässe (-2 oder –4 Dezibel bei 82 Hertz) passen den S7 an die jeweiligen Abhörbedingungen an. Mehr bietet der S7 nicht.  Die Stellung der versenkten Dipp-Schalter – zwei pro Filter – entscheidet über die Filtercharakteristiken ‚Flat’, ‚Filter1’ und ‚Filter2’. Nicht justierbar sind die beiden intern verbauten Filter, die den Frequenzgang um je drei Dezibel bei 75 Kilohertz mit einer Flankensteilheit von 24 Dezibel pro Oktave und bei 45 Hertz mit vier Dezibel pro Oktave bedämpfen und vor unerwünschten Einstreuungen im hochfrequenten und subsonischen Bereich schützen.  Den Übertragungsbereich gibt der Hersteller mit 65 Hertz bis 22 Kilohertz an. Er mutet also dem S7 wirklich tiefe Frequenzen nicht zu und entlastet den Tiefmittel-Töner somit vor großen Membranhüben. Dies soll der Sauberkeit bei der Wiedergabe der oberen Bässe und unteren Mitten zu Gute kommen, da Intermodulationen weitestgehend vermieden werden.

Da der Tiefbass-Bereich nicht wiedergegeben wird, empfiehlt Quested zum S7 den Subwoofer SB10, der das System um einen dritten Weg erweitert. Grundsätzlich ist der Einsatz der S7 zwar auch ohne Basserweiterung möglich, allerdings verzichtet man dabei auf einen wichtigen Frequenzbereich beim Monitoring.   Den passive Subwoofer SB10 haben wir im Test genau in die Mitte der Stereobasis unter dem Arbeitsplatz platziert und die mitgelieferte externe Endstufe mit dem integrierten zweikanaligen Bass-Management-Controller im Studio-Rack installiert. Der Grund für die räumliche Trennung von Woofer und Elektronik: Der Hersteller möchte Vibrationseinwirkungen des Lautsprechers auf die Schaltkreise, die dort im schlimmsten Fall unerwünschte Mikrofonie-Effekte erzeugen können, ausschließen. Das Subwoofer-Gehäuse besteht aus 26-Millimeter-MDF, die Verbindung zur ausgelagerten Endstufe wird über Schraub-Anschlüsse an der Rückseite hergestellt. Die Front präsentiert sich mit einer Bassreflex-Öffnung und einem langhubigen Tieftonchassis, dessen Membrandurchmesser 250 Millimeter beträgt. Mit einem Gewicht von 19,8 Kilogramm und noch handlebaren Maßen von 61,7 (B) mal 29 (T) mal 33,3 (H) Zentimetern, ist der SB10 immer noch eine kompakte Lösung. Gerade wenn man bedenkt, dass die Leistung der Bass-Endstufe üppige 210 Watt beträgt.   Auf der Rückseite des Bass-Management-Controllers finden sich zwei symmetrische Eingänge als XLR/Klinke-Kombibuchse. Neben den Schrauben für das Lautsprecherkabel zum Subwoofer gibt es zwei Ausgänge im XLR-Format, an denen die Haupt-Monitore angeschlossen werden. Die für den Sub-Output summierten Ausgänge sind intern mit einem Hochpassfilter versehen. Über einen Jumper kann die Einsatzfrequenz von 14 Hertz auf 28 Hertz geändert werden. Die Flankensteilheit beträgt 24 Dezibel pro Oktave. Für die Monitor-Ausgänge findet sich ein internes Tiefpass-Filter mit einer Einsatzfrequenz von 100 Kilohertz beträgt.   Zur individuellen Anpassung an den Abhörraum bietet der Bass-Management-Controller ein sogenanntes Crossover-Filter, dessen Einsatzfrequenz über einen in der Frontplatte versenkten Trim-Poti zwischen 40 und 135 Hertz verschoben werden kann. Damit lässt sich stufenlos und verstellsicher mit Hilfe eines Schraubenziehers die optimale Übergangsfrequenz zwischen den Monitoren und dem Subwoofer einstellen. Im Test zeigt sich, dass es empfehlenswert ist, die Einsatzfrequenz nicht höher als 80 bis 90 Hertz zu wählen, da ansonsten der Subwoofer geortet werden kann. Zur weiteren Optimierung des Monitor-Systems kann die Gain des Sub-Bass-Weges zwischen -14 und +6 Dezibel angepasst werden, wobei eine vierteilige LED-Kette (0; +6; -12; -18 Dezibel) über den ungefähren Ausgangspegel informiert. Außerdem kann die Phase über einen Bereich von 0 Grad bis 180 Grad angepasst und die relative Polarität des Subwoofers sogar über zwei LEDs überwacht werden. Beides dient zur peniblen Anpassung der Basserweiterung an die Haupt-Monitore und an die akustisches Bedingungen des Abhörraums. Ein Bypass-Taster muted den Sub-Bass-Ausgang und das Filter für die Übergangsfrequenz, um beim Abhören zwischen mit und ohne Subwoofer umschalten zu können.

Um perfekte Abhörbedingungen zu schaffen, ist das Einmessen des Systems auf den Raum unabdingbar. Dabei hilft der Bass-Management-Controller mit einem eingebauten Rausch-Generator, der auf Wunsch ein bandbegrenztes rosa Rauschen erzeugt.   Gemäß unserer Testroutine haben wir zunächst das Monitor-System über viele Stunden mit verschiedenen Testsignalen eingespielt und die Membransicken somit geschmeidig gemacht. Zum Hör-Vergleich dienen die KRK Exposé E8B (Test in 8/2007) die mit einem Preis von rund 3.200 Euro – das Quested-System kostet zusammen rund 3.900 Euro – in der gleichen Preisliga anzusiedeln sind.   Zunächst schalten wir die Basserweiterung auf Bypass und konzentrieren uns auf den Klang der S7. Eins wird schnell klar, die Nahfeldmonitore sind gnadenlos analytisch und direkt. Das Impulsverhalten ist ausgezeichnet und setzt selbst schnell und äußerst perkussiv gespielte Gitarrensoli ohne Anstrengung und souverän um. Den Tiefbass-Bereich blenden die S7 erwartungsgemäß aus und konzentrieren sich voll auf ihre Stärken, den Mitten- und Hochton-Bereich. Sehr akribisch und mit detailgetreuer Auflösung, ist die Ortung der einzelnen Instrumente im Stereopanorama, auch im schwierigen Bereich um die Stereomitte kinderleicht. Bemerkenswert: Bei aller Akribie und Fähigkeit, auch winzigste Details herauszuarbeiten, klingen die S7 nie hart oder harsch.   Das Abmischen einer Testproduktion ist durch die ausgezeichnete Trennschärfe der einzelnen Signalquellen sehr komfortabel und gelingt ohne große Hör-Anstrengung. Allerdings werden auch minimale Ungereimtheiten im Mix schonungslos aufgedeckt, was zu präziser Arbeit zwingt und dem Toningenieur mehr Mühe abverlangt. Unterm Strich führt dies aber insgesamt zu einheitlicheren Mischungen – vorausgesetzt, der Produzent weiß, was er tut. Die Tiefenstaffelung und Darstellung der Räumlichkeit gelingt überzeugend, allerdings fehlende naturgemäß die Tiefbässe gänzlich, was das Klangbild ohne Subwoofer einschränkt. Die Mitten kommen einerseits sehr vordergründig und andererseits völlig unverfärbt, machen also keine Anstalten, einen Mix gnädig zu verschönern – beste Arbeitsvoraussetzungen für anspruchsvolle Toningenieure, da sich gerade die wichtigen Signale (Stimme, Harmonie- und Solo-Instrumente) in diesem Bereich befinden und deren klangliche Anpassung und Mischung unangestrengt und präzise möglich wird.   Auch in den Höhen machen die S7 einen guten Job. Feine Nuancen werden detailliert wiedergegeben, so dass beispielsweise Hall-Einstellungen oder die Filterung von nervenden Zischlauten einer Stimme, als auch das Entschärfen überengagierter Hi-Hat- oder Beckenschläge durch die analytische Präzision im Handumdrehen gelingt. Im Gegensatz zur Exposé E8B von KRK fehlt dem S7 in diesem Bereich jedoch etwas die Gelassenheit. Klingen die PaM-Referenzlautsprecher in den Höhen doch etwas runder und offener.  

Jetzt schalten wir den SB10 hinzu. Nach kurzer Justierung der Pegelverhältnisse zwischen Sub und den beiden Monitoren sowie der Bestimmung der Übergangsfrequenz – der Trim-Poti steht etwas über 70 Hertz – ist das System einsatzbereit. Die Kombination klingt jetzt äußerst druckvoll und liefert überzeugend den fehlenden Tiefbass. Außerdem bringt der Subwoofer sofort eine deutliche Verbesserung der Dreidimensionalität und Räumlichkeit in den Gesamtklang. Auch bei geringen Abhörpegeln ist er förmlich zu spüren. Gerade bei elektronischer Musik, wo gerne mit Subbässen gearbeitet wird, spielt der SB10 seine Stärken aus. Souverän werden selbst tiefste und kräftigste Bassattacken wiedergegeben. Die Basswiedergabe zeigt sich zwar im direkten Vergleich mit den KRK etwas weniger lebendig und nicht ganz so präzise, dafür ist die Leichtigkeit, mit der der SB10 agiert, schwer zu toppen. Das Impulsverhalten der E8B im Bassbereich bleibt einfach ungeschlagen, wobei der SB10 mit Druck und enormer Kraft kontert. 

Fazit

Wer die akustische Wahrheit nicht hören möchte, sollte sich für andere Monitore entscheiden. Toningenieure allerdings, die keine Angst vor erbarmungsloser Ehrlichkeit haben, bekommen mit dem S7 ein präzises Abhörinstrument an die Hand, auf das sie sich jeder Zeit verlassen können. Feine Auflösung, exakte Ortbarkeit im Stereopanorama und ein exzellentes Impulsverhalten zeichnen den Analytiker unter den Studiomonitoren aus. Die eingeschränkte Bandbreite der S7 lässt sich durch die Ergänzung mit dem SB10 zu einem Drei-Wege-System erweitern, das bis tief in den Sub-Bass-Bereich vordringt und beste Arbeitsbedingungen schafft. Auch für beengte Abhörbedingungen geeignet, sind für das kompakte Monitor-System stolze 3.900 Euro fällig. 

Erschienen in Ausgabe 02/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2011 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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