Ungleiche Geschwister

Der noch junge Hersteller Fluid audio läuft mit seinem beiden kompakten Aktiv-Monitoren F4 und F5 zum ersten Mal bei uns zum Test ein und möchte das untere Preissegment ordentlich aufmischen.

Von Harald Wittig und Sylvie Frei 

Den US-amerikanische Hersteller Fluid audio gibt es noch gar nicht so lange. 2011 von Lautsprecher-Experte Kevin Zuccaro gegründet, der zuvor bei den namhaften Herstellern JBL, Cerwin Vega und M-Audio beschäftigt war, wird die neue Lautsprecherschmiede mit gleich zwei Monitoren erstmals bei uns vorstellig. Fluid audio F4 und F5 sind kompakte, aktive Zwei-Wege-Studiomonitore in Bassreflexbauweise  für den Nahfeldeinsatz. Beide wollen sich als Einsteiger-Abhören im Studio oder Lautsprecher an einem Video-Schnittplatz bewerben. Der kleinere F4 ist für einen Paarpreis von rund 150 Euro erhältlich, der etwas größere F5 kostet im Paar rund 250 Euro. Damit richten sie sich an eine Zielgruppe mit niedrigerem Budget. Wer jedoch aufgrund des Preises mit deutlichen Klangeinschränkungen rechnet, wird – so viel sei schon einmal verraten – positiv überrascht sein.Äußerlich sind sich die beiden Modelle sehr ähnlich. Sie besitzen schwarze vinylbeschichtete MDF-Gehäuse. Ausgeformte Kunststoffplatten, in denen die beiden Lautsprecher-Chassis gelagert sind, nehmen den größten Teil der  Gehäusefronten ein. Beide Modelle sind mit baugleichen Hochtönern mit 25 Millimeter-Membranen ausgestattet, die der Tief-Mitteltöner unterscheiden sich jedoch in der Größe: Die Membran des kleineren F4-Chassis misst 102, die des F5-Lautsprechers 127 Millimeter. Auch bei der Elektronik-Bestückung gibt es  Unterschiede. Zwar sind beide Modelle mit Class-AB-Endstufen ausgestattet, im F4-Paar werkelt aber lediglich in einer Box ein einzelner Verstärker mit 30 Watt Ausgangsleistung. Im F4-Stereopaar fungiert der Aktiv-Lautsprecher als linke Box und versorgt gleichzeitig die folglich passive rechte Box über ein mitgeliefertes Verbindungskabel. Beim F5-Paar handelt es sich hingegen um zwei Aktiv-Lautsprecher, die im Bi Amping betrieben werden: Beide Boxen sind mit einem 30 Watt-Endstufe für den Hochton- und eine 40 Watt-Endstufe für den Tiefton-Kanal ausgestattet. Einen Ausgangsstrombegrenzer gegen Überlast und Kurzschluss sowie eine Überhitzungs-, Transienten- und Subsonic-Schutzschaltung besitzen beiden Lautsprecher-Modelle.

Konzentrieren wir uns zunächst auf den F4. Als kleinerer der beiden Fluids ist er nicht höher als eine Handspanne und insgesamt kaum größer als ein durchschnittlicher PC-Lautsprecher. Damit eignet er sich gut für eine beengte Desktop-Arbeitsumgebung. Das Gehäuse des F4 ist aus MDF und mit Vinyl überzogen. Zur Vermeidung von unerwünschten Beugungseffekten sind die Kanten verrundet. Um die Wiedergabe beeinträchtigende Schwingungen der Gehäusewände zu minimieren, ist das Gehäuse im Inneren verstrebt, die Bassreflexöffnung findet sich auf der Rückseite. Der Kalotten-Hochtöner des F4 – das gilt auch für den F5 – sitzt in einer ausgeformten Mulde, die als schallführendes Element, besser bekannt als Waveguide, fungiert. Ein solcher Waveguide funktioniert prinzipiell wie ein Horn und soll die Abstrahlcharakteristik kontrollieren, die Belastbarkeit steigern und die Ankopplung an den Tief-Mitteltöner verbessern. Wir haben es im Falle der Fulids mit Zwei-Wege-Systemen zu tun, bei denen der Hochtöner prinzipbedingt ein eher ungleichmäßiges Rundstrahlverhalten zeigt. Der Grund dafür liegt an der zunehmenden Bündelung der Chassis mit steigender Frequenz. Bei niedrigen Frequenzen strahlt ein Tief-Mittelton-Chassis kugelförmig, ab dem Mittenbereich beginnt es dann zu bündeln. Problematisch wird das jetzt bei der gängigen Trennung zwischen zwei und drei Kilohertz – im Falle der Fluids beträgt die Crossover-Frequenz exakt 2,5 Kilohertz. Bei diesen Frequenzen strahlt der Hochtöner allerdings ebenfalls noch rund, seine Bündelung beginnt erst am oberen Ende des Hörbereichs. Würden wir uns den Frequenzgang eines solchen Gesamtsystems ansehen, erkennen wir unschwer ein unstetiges Rundstrahlverhalten, was sich klanglich negativ auswirkt. Der Waveguide wirkt dem entgegen, denn er bündelt den Schall im für den Hochtöner tiefen Frequenzbereich in Richtung der Hauptabstrahlachse, was im wichtigen Mittenbereich die Raumreflexionen verringert. Das kommt der Räumlichkeit und der Tonalität zu gute kommt. Außerdem stellt der Waveguide auch ein effektives Mittel zur Verringerung von Kantenreflexionen dar und durch ihn verbessert sich – sofern dieser korrekt berechnet und ausgeführt ist – die Ankopplung an den Tief-Mitteltöner. Eine ebenfalls nicht zu gering zu schätzende, sehr positive  Eigenschaft ist der räumliche Versatz der im Zentrum des Waveguides sitzenden Hochtonkalotte.  Der Hochtöner findet sich damit nah am Schallentstehungsort des Tiefmittel-Töners, was die räumliche Wiedergabe begünstigt, da Phasenprobleme, etwas salopp ausgedrückt, durch diese „mechanische Phasenkorrektur„ vermieden werden. Die Wellenfronten des Lautsprechersystems entstehen damit nämlich auf einer Ebene. Die Fluid-Hochtöner haben eine beschichtete Seidenkalotte, der Hersteller hat zusätzlich ein Dämpfungsmaterial verbaut, das Resonanzen und Verzerrungen verhindern soll. Der Tief-Mitteltöner des F4 und der des insoweit zumindest baugleichen F5  besitzen eine mehrlagige Zellstoffmembran, die zur Vorbeugung hochfrequenter Resonanzen mit elastischem Butylkautschuk am Gehäuse befestigt ist.  
Konzentrieren wir uns jetzt wieder voll auf den F4: Dessen Bedienelemente und Eingänge finden sich ausschließlich an der linken Box, die, wie bereits erwähnt, mit einem einzigen Verstärker die Versorgung des Paares übernimmt. Auf der Frontseite des linken F4 ist rechts vom Hochtöner ein Schieberegler angebracht, der zur Lautstärkeeinstellung beider Boxen dient – recht nützlich, wenn das Pärchen auf des Homerecorders Desktop Platz nimmt und es an einem dezidierten Monitoring Controller mangelt. Praktisch für den Heimbereich: Unterhalb des Tieftöners der linken F4-Box finden sich ein Stereo-Miniklinkenanschluss zum Einstecken eines Kopfhörers sowie ein mit „Aux in“ beschriebener Stereo-Miniklinkeneingang zum Anschließen eines iPods. Auf der Rückseite des aktiven F4 findet sich ein Paar Klinkenanschlüsse, die sowohl für symmetrische als auch unsymmetrische Signale ausgelegt sind, sowie ein unsymmetrisches Cinch-Paar. Darunter öffnet sich der kreisrunde Ausgang des Bassreflexkanals. Auf der Monitorrückseite sehen wir einen Kühlkörper, der den Verstärker vor Überhitzung schützt. Ein solcher gehört keineswegs zur Standardausstattung von Kompakt-Monitoren, weswegen wir dieses durchaus sinnvolle Ausstattungs-Detail besonders und mit einem gewissen Wohlwollen vermerken. Weniger gut gefällt uns, dass das Netzkabel für die Stromversorgung fest an aktiven Teil des F4-Paares  verbaut ist.

Der F5 ist nur vier Zentimeter höher und zwei Zentimeter breiter als der F4 und fügt sich damit ebenfalls noch bestens in eine beengte Arbeitsumgebung ein. In puncto Gehäusematerialien und Gehäusegrundkonstruktion entspricht der F5 dem kleineren Bruder, der Hochtöner ist exakt der Gleiche – Waveguide inklusive. Sein Tief-Mitteltöner hat allerdings eine größere Membran als der F4. Sie misst im Durchmesser 127 Millimeter, was die Wiedergabe tiefer Frequenzen begünstigt.  Laut Hersteller reicht der F5 auch 20 Hertz tiefer in den Bassbereich als der F4 – für einige Anwender kann genau das entscheidend sein.Ein sehr wichtiges Unterscheidungskriterium: Im F5 arbeiten zwei Endstufen, wir haben es also mit echtem Bi Amping zu tun.  Davon abgesehen, dass durch die deutlich größere Endstufenpower der Headroom des Systems vergrößert wird – der F5 verkraftet in der Theorie höhere Pegel ohne starke Dynamik-Einbrüche und Verzerrungen – ist es sehr viel einfacher, den Lautsprecher zu linearisieren, schmalbandige Einbrüche im Frequenzgang der Lautsprecherchassis lassen sich aufholend verstärkend linearisieren. Nicht zu unterschätzen sind auch die geringeren Kosten, denn anstelle einer vergleichsweise teuren und aufwändigen passiven Frequenzweiche, haben solche Aktiv-Lautsprecher eine aktive Weiche.     
Die Frontseite des F5 weist gegenüber der das F4 ebenfalls einen wesentlichen Unterschied auf, öffnet sich der Bassreflexkanal des F5 doch nicht nach hinten, sondern in Form eines breiten Horizontalschlitzes unterhalb des Tief-Mitteltöners auf der Frontseite. Diese Lösung ist nicht unumstritten: Zumindest bei Zwei-Wege-Systemen, wo ein Tief-Mitteltöner nicht nur für die Bass- sondern auch für die Mittenwiedergabe zuständig ist, kann der Mittenbereich durch die Rohrresonanz zusätzlich angeregt werden, was zu einer unerwünschten Überbetonung führt. Wohlgemerkt: „Kann“ sein, muss nicht. Denn es gibt zahlreiche Zwei-Wege-Lautsprecher, die trotz frontaler Bassreflexöffnung vorbildlich ausgewogen tönen. Insoweit spielt die Form der Öffnung sowie der Abstand zum Tief-Mitteltöner eine Rolle. Also immer erst hören und nicht vorschnell, sprich ungehört, verdammen. Anschlussseitig hat der F5 zum Klinken- und Cinch-Anschluss auch einen professionellen XLR-Eingang, das Fehlen der Miniklinkenanschlüsse des F4 ist nur konsequent. Erfreulich, dass der Lautsprecher ebenfalls mit einem Kühlkörper ausgestattet ist und das Netzkabel abnehmbar ist.

Für unseren Vergleichshörtest haben wir über beide Monitorpaare mehrere uns gut bekannte Aufnahmen aus unterschiedlichsten musikalischen Genres abgehört. Den Anfang macht auch an dieser Stelle der F4. 
Der kleinere Fluid-Bruder erreicht in der Hörbewertung gemessen an seiner Größe und Preisklasse überraschend gute Ergebnisse. Die Bässe sind für den kleinen Tief-Mitteltöner erstaunlich tief, das Impulsverhalten bei tieffrequenten Signalen ist richtig gut: Die Bassabbildung ist rund und konturiert, und gefällt besonders bei gezupften Orchesterbässen und Paukenschlägen, aber auch knackige Funk-Bässe kommen recht präzise. Bei sehr tieferen gestrichenen Kontrabässen, desgleichen bei Rock- und Metal-Bässen kommt der F4 jedoch  erwartungsgemäß an seine Grenzen. Solch kellertiefe Bässe werden deutlich leiser und verwaschener wiedergegeben.Die Abstimmung des Lautsprechers ist gut gelungen: Der wichtige Mittenbereich ist insgesamt ausgewogen und gut aufgelöst, die Trennschärfe ist gut genug, um einzelne Schallereignisse auch in dichten Arrangements auseinander halten zu können. Die Höhenauflösung fällt aber etwas ab, es fehlt dann doch an Details die beispielsweise einen Trompetenton erst strahlen lassen oder den Anschlag einer Gitarrensaite mit allen Nebengeräuschen präsentieren. Es ist nach unserer Erfahrung aber ohne Weiteres möglich, sich auf den F4 einzuhören und diese kleinen Informationsdefizite nicht weiter zu beklagen. Vorsicht ist beim Umgang mit dem Lautstärkeregler geboten: Am Besten, das heißt ohne zu verzerren, spielt der F4 auf, wenn der Fader knapp unterhalb -16 steht und das Ausgabegerät entsprechend eingestellt ist. Es lassen sich dann immer noch beträchtliche Lautstärken erzielen – immerhin handelt es sich um einen Desktopmonitor.Die Stereoabbildung des F4-Paars ist besonders in der Breite sehr ordentlich. Sie besitzen eine deutlich wahrnehmbare Phantommitte und durchaus räumliches Darstellungsvermögen, auch wenn die Tiefe des Raumes etwas eingeschränkt wirkt. Dennoch lassen sich die Signale zu unserer Freude präzise orten. Kommen wir zum großen Bruder, dem F5: Auch er macht vieles gemessen am Preis sehr richtig. Der größere Tief-Mitteltöner des F5 erschließt wenig überraschend einen erweiterten Bassbereich, sodass der Lautsprecher auch vor Tiefbässen nicht gleich kapitulieren muss. Die Basswiedergabe selbst erweist sich einmal mehr als konturiert und präzise bei der Abbildung von Orchesterbässen und Pauken. Darüber hinaus ist der Bass- und Tief-Mittenklang ungleich voluminöser und körperhafter als der des F4, was besonders bei der Abbildung von tiefen Bässen im Rock-, Metal-, HipHop- und Dancefloor-Bereich von Vorteil ist. Wie sein kleiner Bruder überzeugt der F5 außerdem mit seiner Stereoabbildung, übertrifft den Kleinen in dieser Disziplin aber noch und überbietet insoweit auch den KRK RP5G3 (Test auf Seite 30 dieser Ausgabe). Sein Klang wirkt zudem eine Spur räumlicher und weniger eingeebnet, sprich tiefer als der des F4. Der Gesamtklang des F5 lässt sich erwartungsgemäß als deutlich voluminöser, runder und griffiger als der seines Geschwisters beschreiben. Durch etwas dominierenden Tief-Mitten erscheint der Frequenzgang jedoch nicht optimal linearisiert. Dies führt dazu, dass die Höhen vergleichsweise leise und zurückhaltend erscheinen. Das ist nicht ganz unproblematisch, denn der Anwender muss sich auf diese Eigenschaft einstellen und konzentrieren, sonst läuft er Gefahr, Mischfehler zu machen. Nach unserer Erfahrung ist das schon möglich, wäre der F5 aber optimal ausgewogen, wäre er tatsächlich schon unverschämt gut für seinen Preis.

Fazit

Insgesamt macht der noch junge Hersteller Fluid audio mit seinen beiden Monitoren einen sehr guten ersten Eindruck. Die beiden grundsoliden Economy- und Mittelklasse-Monitore können besonders mit ihrer kompetenten Stereoabbildung glänzen. Wäre zumindest der F5 tonal noch ausgewogener, wäre er der absolute Einsteigertipp, empfehlenswert sind die Newcomer aber durchaus.

Erschienen in Ausgabe 12/2013

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 249 € (Paar)
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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