Behringer makes the Radio Star

Das Internet-Radio, neudeutsch Podcast, erfreut sich wachsen-der Beliebtheit. Mit dem Podcast Studio Firewire präsentiert Behringer jetzt ein Geräte-Set, das Einsteigern und alten Hasen gleichermaßen die nötigen Produktionsmittel für Sendungen gibt. Was sich damit sonst noch anstellen lässt, erfahren Sie im Test.  

Von Georg Berger 

Die Attraktivität von Podcasts – siehe Kasten – liegt auf der Hand: Sie lassen sich zumeist kostenlos im Internet downloa-den und jeder Mitteilsame kann sich als Programmdirektor fühlen und betätigen. Immer mehr Internet-Nutzer entdecken diese Form der Massenkommunikation für sich. Nebeneffekt: Zunehmend mehr Nichtmusiker interessieren sich für den Bereich Recording, was der einschlägigen Industrie zusätzliche Kunden beschert. Zwar genügen für erste Produktionen durchaus die Bordmittel eines Office-PCs, doch wenn die Ansprüche an Arbeitsbedingungen und Klang steigen, reicht das vorhandene Equipment nicht mehr. Für solche Fälle hat Behringer mit dem Podcast Studio Firewire ein Set aus vier Geräten zusammengestellt, mit dem sich ungleich komfortabler arbeiten und ein deutlich besserer Klang produzieren lässt. 

Für den durchaus attraktiven Preis von knapp 240 Euro enthält das Set den achtkanaligen analogen Kompakt-Mixer Xenyx 802, das zweikanalige Firewire Audio-Interface FCA 202, den Kopfhörer HPS 3000 und mit dem C-1 sogar noch ein Großmembran Kondensatormikrofon. Vollprofis mögen bezüglich der Ausstattung die Nase über diese Geräte-Kombination rümpfen, aber für diese Klientel ist das Set auch nicht gedacht. Das Behringer Podcast Studio wendet sich – Nomen est Omen – an die Internet-Radioproduzenten, neudeutsch: Podder, aber auch an Einsteiger ins Homerecording, die damit ein Sprungbrett ins professionelle Recording erhalten. Der Preis des Gesamtpaketes ist dabei niedriger als beim Kauf der auch separat erhältlichen Komponenten. Die Attraktivität und das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis des Sets steigert sich noch bei Betrachtung des im Lieferumfang enthaltenen Zubehörs: Außer einem Tischstativ für das Mikrofon, enthält das Paket einen Mikrofonwindschutz, ein XLR-Kabel, vier symmetrische Klinken- und ein Firewire-Kabel, Handbücher zu den einzelnen Geräten, sowie ein Software-Paket zur Erstellung und zum Mixen von Aufnahmen. An Bord ist die Recording- und Editor-Software Audacity, sowie der einfach zu bedienende Audio-Sequenzer Kristal audio Engine, die beide in erster Linie die Podder interessieren dürften. Mit dem Sequenzer Live Lite 4 in der Behringer Edition des deutschen Herstellers Ableton ist sogar ein Sequenzer enthalten, der eher die Musiker anspricht. Absolute Einsteiger in den Podcast-Bereich erhalten mit einem vierseitigen Kurzeinstieg zum Thema Podcasting, sowie zur Inbetriebnahme und Verkabelung der Geräte einen ersten Ein-blick. Allerdings hätten die Ausführungen gerade zur verwendeten Technik des Podcastings durchaus detaillierter ausfallen dürfen. Spätestens an diesem Punkt bleibt dem ambitionierten Neuling nur die Recherche im Internet übrig. Doch bevor es zum Upload von Podcasts kommt, ist zunächst die Auseinandersetzung mit der Produktionstechnik notwendig. 

Das Herzstück des Behringer Podcast Studios bilden der Mixer und das Audio-Interface. Beide Geräte überraschen nach dem Auspacken durch ihre kompakten Dimensionen, sie finden auf…

kleinstem Raum Platz. In Konsequenz empfiehlt sich das Set damit auch für mobile Recordingzwecke. (Behringer sollte sich überlegen, optional eine Tragetasche zum komfortablen Verstauen des gesamten Sets anzubieten.) Der Xenyx-Mixer nimmt dabei gerade einmal die Fläche eines DIN-A-5-Blattes ein. Das FCA 202-Interface ist mit seinem PDA-Format noch bescheidener und passt in jede Jackentasche. Doch die zierlich wirkenden Geräte überzeugen durch stabil verarbeitete Metallgehäuse, die so manchen Stoß wegstecken. Gleiches gilt für das C-1 Mikrofon. Mit knapp einem Kilo Gewicht und den fest ins Gehäuse verbauten Buchsen und Reglern weiß der Xenyx-Mixer auch die letzten Kritiker hinsichtlich Verarbeitung in die Schranken zu weisen. Einzig der HPS 3000 Kopfhörer gibt Anlass zur Kritik: Die Verbindungsstücke aus Kunststoff zwischen den Ohrmuscheln und dem Bügel wirkt etwas fragil. Doch das schmälert nicht den insgesamt positiven Eindruck den das gesamte Set hinsichtlich Verarbeitung hinterlässt. 

Zwar enthält das FCA 202-Interface lediglich je zwei Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang, einen regelbaren Kopfhörer-Anschluss, sowie zwei Firewire-Schnittstellen und erscheint damit im Vergleich zu anderen Mitbewerbern in Sachen Ausstattung deutlich eingeengt. Die auf Windows-Ebene zu installierende Control Software zeigt analog dazu auch nur einen überschaubaren Dialog zur Einstellung von Sample Buffer und Abtastrate. Doch im Verbund mit dem Xe-nyx-Mixer wendet sich das Blatt und eine quasi modular aufgebaute Version eines gut ausgestatteten zweikanaligen Audio-Interfaces mit flexiblen Möglichkeiten ist entstanden. Mit zwei separaten Mikrofon-Kanalzügen, global schaltbarer Phantomspeisung, sowie zwei weiteren Kanalzügen, die jeweils ein Line-Signal in stereo aufnehmen können, bietet das Xenyx 802 ausreichende Möglichkeiten, um unterschiedliche Signalquellen über die Main-out-Buchsen ins Interface zu speisen. Zwei Cinch-Buchsen zum Anschluss von CD-/MD-Playern, die direkt auf die Summe geleitet werden, steigern die Anzahl verfügbarer Eingangskanäle auf acht. Ein dreibandiger Equalizer mit festen Frequenzbändern, ein regelbarer Aux Send und ein in der Mastersektion regelbarer Aux Return in stereo erlauben vor der Wandlung von Signalen vielfältige Eingriffe in anliegende Signale.

Diese durchaus überschaubare Gerätekonstellation überfordert auch Podcast-Neulinge nicht. Sind die Möglichkeiten und die Funktionsweise des Mixers verstanden, würde ein virtuelles Äquivalent auf Software-Ebene zur Konfiguration des Audio-Interfaces nur verwirren. Ähnlich verhält es sich mit dem in Nierencharakteristik ausgelegten C-1 Mikrofon: Einstöpseln und loslegen. Neulinge werden nicht abgelenkt durch Schaltmöglichkeiten wie Eingangsempfindlichkeit, Richtcharakteristik oder Filter. Einzig die Aktivierung der Phantomspannung ist zu beachten. Doch dafür hält das Mikrofon eine hilfreiche Leuchtanzeige bereit, die darüber Auskunft gibt und gleichzeitig anzeigt, von welcher Seite ins Mikro gesprochen werden soll. In diesem Falle ist also der reduzierte Funktionsumfang ein Vorteil und erhält von der Redaktion des Professional audio Magazin ein Lob in Sachen einfacher Handhabung.

Für den Praxis- und Hörtest begeben wir uns aufs Einsteiger-Level und folgen den Anweisungen der Podcast-Kurzanleitung. Wir schließen zunächst, wie in der Anleitung vorgeschlagen, das C-1 Mikrofon an den ersten Kanal des Xenyx 802 Mixers an und verbinden über die Klinkenkabel den Main out des Mixers mit den Interface-Eingängen. Dessen Ausgänge leiten wir schließlich in die Kanäle drei und vier des Mixers zum Monitoring des vom Computer zurück gewandelten Signals. Zum Schluss schließen wir noch den Kopfhörer an den Mixer an, installieren die im Lieferumfang enthaltene Software und den erforderlichen Treiber für das Audio-Interface und sind somit fürs Recording bereit. Wir erstellen zuerst Aufnahmen mit der Freeware Audacity. Der Umgang mit dem Programm ist einfach und gelingt intuitiv. Vor einer Aufnahme ist lediglich die Definition des FCA 202 Interfaces als Audio-Gerät in den globalen Einstellungen nötig. Danach genügt ein simpler Druck auf den Record-Button, der automatisch eine Audio-Spur er-zeugt, auf die direkt aufgenommen werden kann. Montage-Funktionen wie Schneiden, Verschieben, Kopieren, löschen, aber auch die Anpassung der Dynamik mit Hilfe einer Hüllkurven-Funktion erlauben vielfältige Eingriffe in die Aufnahmen. Wer möchte, kann sogar Effekte auf die Spuren anwenden. Der Clou an der Software ist, dass sie Mehr-spuraufnahmen zulässt und somit eine Hybrid-Form aus Wave-Editor und simplem Sequenzer darstellt. Ein erneuter Druck auf den Record-Button erzeugt automatisch eine neue Spur. Die Spuren selbst sind schließlich im Panorama und der Lautstärke regulierbar und lassen sich sowohl stumm schalten als auch solo abhören. Einfacher geht’s nimmer. Audacity empfiehlt sich dabei für kleine überschaubare Projekte mit zwei bis sechs Spuren. Einziges Manko: Ein MP3-Codec zum bequemen und direkten Export ist nicht enthalten. Abhilfe schafft jedoch der kostenlose LAME MP3-Codec, der sich unter lame.sourceforge.net downloaden und unkompliziert ins Programm einbinden lässt. Podder und absolute Einsteiger ins Recording erhalten mit Audacity problemlos erste Erfolgserleb-nisse. 

Ähnlich unkompliziert, wenngleich etwas anspruchsvoller, ist die Arbeit mit dem Kristal audio Engine-Programm. Der Sequenzer erlaubt die ausschließliche Aufnahme von Audio-Spuren. Bei Aufruf eines neuen Projekts zeigt sich im Arrangement-Fenster direkt die maximale Anzahl von 16 Spuren. Dort lässt sich auch bequem das Routing der zwei Kanäle des FCA 202 Interfaces vornehmen. Ein separater virtueller Mixer gestattet ein unkom-pliziertes Abmischen der Spuren. Pro Kanalzug stehen ein vierbandiger parametrischer Equalizer, sowie zwei Slots zur Aufnahme von VST-Effekten zur Verfügung. Der Master-Kanal besitzt sogar drei VST-Effekt-Slots. Wer also umfangreichere Mehrspur-Projekte plant, sollte die nächste Stufe erklimmen und sich einmal an der Kristal audio Engine versuchen. 

Zusammen mit dem ebenfalls enthaltenen Live Lite 4 Sequenzer von Ableton hat Behringer drei Programme für unterschiedlich hohe Ansprüche zusammengestellt und leistet damit didaktisch vorbildliche Arbeit, um Einsteiger behutsam für die Materie zu begeistern.

Im Hörtest muss sich das Podcast Studio Firewire zunächst bei Sprachaufnahmen bewähren. Der Umgang mit der Kombination aus Mikrofon, Mixer und Audio Interface gestaltet sich dabei denkbar einfach. Dazu nehmen wir eine Gedichtrezitation auf, die mit einer großen Bandbreite sprachlicher Expressivität auf-wartet. Alles in allem klingen die Podcast Aufnahmen durchaus ordentlich, obwohl sie im Vergleich zum Audio Kontrol 1 von Native Instruments (Test in Heft 12/06) jedoch nicht ganz so neutral erklingen. Eine Betonung im Höhenbereich ist auffällig, die die Aufnahmen sehr brillant erscheinen lässt, ohne jedoch Zischlaute überdeutlich zu betonen. Gleichzeitig dazu ist die Auflösung im Bass und unteren Mittenbereich etwas schwach, so dass die Sprach-Aufnahmen in Gesamtheit etwas dünn und flach bleiben. Sehr deutlich zeigt sich das im Vergleich zum Mackie Onyx Satellite (Test auf Seite 48), der allerdings auch in einer anderen Liga spielt. Wir können dies jedoch durch Einsatz des Equalizers am Mixer ein wenig kompensieren, indem wir Höhenanteile reduzieren und ein wenig mehr Mitten und Bässe hinzugeben. Die Wirkung des Equalizers und der dadurch resultierende Klang hinterlassen dabei einen sehr guten Eindruck. Die Auslegung der Einsatzfrequenzen bei 80, 2.500 und 12.000 Hertz erweist sich bei der Korrektur von Sprache als sehr nützlich. Die Dynamik des Vortrags weiß das Podcast Studio allerdings detailliert einzufangen und zeigt sich auf gleicher Höhe wie das Audio Kontrol 1.

Auch messtechnisch zeigt sich das Podcast Studio Firewire von einer guten Seite. Der Frequenzgang des C-1 Mikrofons kann durchaus mit den getesteten Kandidaten unseres Großmembran-Mikrofon Vergleichs in Heft 11/06 mithalten. Auffällig ist nur ein leichter Abfall des Kurvenverlaufs ab cirka 150 Hertz abwärts, der das Mikrofon somit unempfindlich gegenüber Störgeräuschen macht. Der Xenyx-Mixer weiß durch einen sehr guten linearen Frequenzgang zu überzeugen, der sogar noch besser ist als etwa der des Tapco Blend 6 Mixers (Test in Heft 8/06). Allerdings schwächelt der Xenyx etwas mit 76,8 und 71,5 Dezibel für Geräusch- und Fremdspannungsabstand am Mikrofon-Eingang. Dieselbe Messung an den Line-Eingängen ergibt Werte von 83,5 und 81,8 Dezibel. Das ist für ein Gerät dieser Klasse standesgemäß. Sehr ordentlich ist auch der gemessene Klirrfaktor-Wert mit 0,02 Prozent. Und in Sachen Gleichtaktunterdrückung kann der kompakte Behringer-Mischer sogar glänzen: Mit einem Wert von durchschnittlichen -67 Dezibel, der erst ab 50 Hertz abwärts leicht auf -62 Dezibel ansteigt, liefert er ein hervorragendes Ergebnis. Der Anschluss langer Mikrofonkabel dürfte da zu keinen Einbußen führen. 

Das FCA 202 Interface zeigt ähnliche Ergebnisse. Mit Werten von 86,8 und 87,2 Dezibel für Geräusch- und Fremdspannungsabstand liefert es ein insgesamt sehr gutes Ergebnis. Die Messungen des Klirrfaktors ergeben einen guten Wert von 0,01 Prozent. Im Vergleich zum Xenyx-Mixer zeigt sich das kleine Audio-Interface da mit besseren Werten. 

Fazit

Behringer hat mit dem Podcast Studio Firewire ein gut durchdachtes Set an Geräten mit einem äußerst attraktiven Preis zusammengestellt. Die Kombination erleichtert es Einsteigern und Podcast-Produzenten auf unkomplizierte Art in den Bereich professionellen Recordings einzusteigen. Die flexiblen Möglichkeiten des Sets bieten dabei das Potenzial auf lange Sicht erfolgreich im Recording Bereich zu wachsen.  

Erschienen in Ausgabe 02/2007

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 237 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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