Modellgepflegt

Phonic hat seine erfolgreiche Helix Board-Reihe überarbeitet, Schwächen der ersten Generation beseitigt und einige Neuheiten beigepackt, welche die kompakten Pulte noch attraktiver und leistungsfähiger machen sollen.

Von Harald Wittig

Seit dem Test des Phonic Helix Board 18 Firewire in Ausgabe 5/2006 ist über ein Jahr vergangen und einiges passiert: So haben sich die kostengünstigen Kompaktpulte des taiwanesischen Herstellers inzwischen zu echten Verkaufsschlagern entwickelt. Kein Wunder, denn mit den sehr gut ausgestatten Mixern bekommt der preisbewusste Einsteiger und Bandmusiker viel fürs Geld – namentlich vielseitige Einsatzmöglichkeiten (Bühne und Studio) und eine gemessen am Preis absolut zufrieden stellende Klangqualität.
Wo viel Licht ist, gibt es auch mal Schattenseiten – so störten sich beispielsweise viele Anwender an dem Geräusch des Netzteillüfters, der zudem ungünstig eingebaut war. Auch war es nicht jedermanns Sache, dass der Signalabgriff im Firewire-Betrieb der Pulte grundsätzlich direkt nach dem Eingangsregler, also Pre Fader erfolgte. Für den Post Fader-Signalabgriff musste mithilfe des Lötkolbens die Firewire-Schnittstelle modifiziert werden.
Seit Anfang dieses Jahres bietet Phonic die zweite Generation der Helix Boards an. Alle Pulte – es gibt insgesamt drei Modelle – tragen nun das Namenskürzel MKII (Mark II) und belegen, dass der Hersteller die Kritik und Wünsche der Anwender ernst genommen hat. So sind die Netzteile überarbeitet worden, kommen nun gänzlich ohne Lüfter aus und sind im Praxiseinsatz nun tatsächlich absolut geräuschlos sein. Weiter gibt es jetzt für jeden einzelnen Kanalzug auf der Pultunterseite einen Pre/Post-Fader-Umschalter für den digitalen Signalabgriff im Firewire-Betrieb. Schließlich haben alle Kompaktpulte, also HB12FWMKII, HB18FWMKII und das Topmodell HB24FWMKII einen völlig neu entwickelten digitalen Muliteffektprozessor an Board.

Für den Test entschied sich Professional audio Magazin für das aktuelle Topmodell Helix Board 24 Firewire MKII, kurz HB24FWMKII, das Phonic für einen äußerst günstigen Preis von nur rund 950 Euro anbietet.

Das insgesamt sauber verarbeitete Pult vereinigt eine Menge Bedienelemente auf kleinem Raum – immerhin mussten die Entwickler Fader und Regler allein für 16 Monokanäle unterbringen. Dementsprechend sind die Regler eher klein geraten und drängen sehr dicht zusammen. Tatsächlich sollten aber auch Leute mit großen Pranken klar kommen – Spinnenfinger verlangt das Pult zur feinfühligen Bedienung nicht. Die Regler laufen weich, die Fader meistenteils ebenso, lediglich vereinzelt schleift ein Schieberegler etwas, was aber in der Praxis keine Probleme bereitet. Die Stellung der vielen kleinen Funktionstasten ist allerdings je nach Blickwinkel recht schwer zu erkennen, was zumindest im Live-Betrieb problematisch sein kann. Eingesetzt als reines Recording-Pult eingesetzt, lässt es sich bei ausreichender Beleuchtung gut bedienen.

Das HB24FWMKII ist als Rackmixer konzipiert, kann aber auch als kompaktes Tischpult verwendet werden. Dafür kann das rückwärtige Anschlussfeld nach dem Lösen der zwei Halteschrauben auf beiden Seiten nach hinten weggeklappt werden. Danach steht das Anschlussfeld zur Pultoberfläche mit den Bedienelementen im 90 Grad-Winkel und steht (nachdem die Befestigungsschrauben wieder angebracht sind) auf seinen Gummifüßchen sicher auf dem Arbeitstisch. Die Bedienfläche ist jetzt leicht geneigt, so dass alle Regler und Schalter ohne große Verrenkungen erreichbar sind. Für den Rackeinbau bleibt das Anschlussfeld dagegen auf der Unterseite des Pultes, mit den zwei mitgelieferten Rack-Schienen kann das HB24MKII entweder in einem Winkelrack liegend oder ansonsten hochkant stehend eingebaut werden.

Ob als Tischpult oder im Rack eingebaut, sämtliche Anschlussbuchsen erreicht der Benutzer von der Rückseite. Für die 16 Kanäle gibt es jeweils XLR- und Klinken-Buchsen zum Anschluss von Mikrofonen beziehungsweise Geräten mit Line-Pegel. Mikrofon- und Line-Eingänge sollten tunlichst nicht gleichzeitig belegt werden, denn beide Eingänge teilen sich den Schaltkreis des Vorverstärkers. Anderenfalls kann es zu Signalstörungen oder Rückkopplungen kommen. In der Praxis ist das nicht so tragisch, wie es zunächst scheinen mag: Das Pult bietet genügend Eingänge für alle Eventualitäten. Gitarristen und Bassisten werden sich HiZ-Eingänge zum Direktanschluss passiver, und damit hochohmiger E-Gitarren oder E-Bässen bietet. Solche hat das Pult nicht. Wer mit seiner E-Gitarre für glasklare Cleansounds den direkten Weg ins Pult bevorzugt, sollte daher seine D.I.-Box nicht vergessen, sonst droht massiver Höhenverlust.

Weniger gut ist, dass die Phantomspannung nur global, das heißt via Kippschalter für alle 16 Kanäle gleichzeitig, schaltbar ist. In letzter Zeit erfreut sich die Abnahme von Gitarrenamps/-Boxen mit mehreren Mikrofonen, namentlich mit Kondensator- und Bändchenmikrofonen großer Beliebtheit. Leider lieben klassische Bändchenmikrofone, wie die klanglich nach wie vor exzellenten Klassiker von Beyerdynamic (Test von M 130 und M 150 in Ausgabe 2/2007) die anliegende Phantomspannung gar nicht und können Schaden nehmen. Beim Vorgängermodell des HB24FEMKII gab es noch einen kleinen Schalter, um die Phantomspannung für jeden Kanal zuzuschalten und es ist unverständlich, weshalb Phonic bei den neuen Pulten hierauf verzichtet hat. Wer auf den attraktiven Mischklang von Kondensator- und Bändchenmikrofonen steht, sollte sich deswegen für einen modernen, aktiven Typ entscheiden. Inzwischen gibt es gute und erschwingliche Typen von verschiedenen Herstellern wie beispielsweise das Sigma von Sontronics (Test in Ausgabe 2/2007) oder das VR88 von Samson (Test auf Seite 94).
Wer einzelne Instrumente (Gitarrenamps, Schlagzeug) oder Instrumentengruppen (Backgroundsänger, Streicher) im Wege der Multimikrofonierung abnimmt, freut sich über echte Subgruppen. Das HB24FWMKII bietet vier davon, die ihre Signale von allen 16 Kanälen empfangen können. Dafür hat jeder Kanalzug zwei Routing-Schalter, die mit GP 1/2 und GP 3/4 instruktiv beschrieben sind: Ist GP 1/2 gedrückt, gelangt das Kanalsignal in die Subgruppen1/2, GP3/4 leitet es an die beiden Subgruppen 3/4. Der dritte Routing-Schalter mit dem Kürzel L/R schickt das Signal natürlich auf direktem Weg zu den Hauptausgängen des Pultes, wobei beim HB24FWMKII das Motto praktischerweise nicht entweder oder, sondern sowohl als auch lautet. Die Schalter schließen sich nämlich nicht gegenseitig aus, weswegen ein und dasselbe Signal auf mehrere Sammelschienen geroutet werden kann – nicht zu verachten, wenn beispielsweise Bands eine Live-Aufnahme im Proberaum oder vom Auftritt machen wollen und hierfür die Stereosignale zweier Subgruppen verwenden wollen. Dafür müssen die Kanäle aber auch an- beziehungsweise freigeschaltet sein, wofür der ON-Schalter über dem jeweiligen Kanalfader zuständig ist.
Die Kanäle sind gleichwohl nicht notwendig stumm, wenn der ON-Schalter deaktivert ist. Um das Einpegeln komfortabler zu machen, haben alle Kanäle einen so genannten SOLO-Schalter mit dem die anliegenden Signale vorgehört werden können – wahlweise Pre oder Post Fader. Ist der Solo-Schalter aktiv, gelangt das Signal nur in die Control Room-Sektion, nicht auf die Sammelschiene.
Der SOLO-Schalter ist unverzichtbar beim Einpegeln der Signale, denn zugunsten einer kompakten Bauweise haben die Entwickler auf separate Pegelanzeigen pro Kanal verzichtet, stattdessen dient die 12-Segmente-LED-Kette der Mastersektion bei aktiviertem Solo-Schalter als Anzeige. Das ist grundsätzlich gut und praktikabel, denn wer beispielsweise im lärmenden Live-Betrieb gezwungen ist, „stumm“ einzupegeln, benötigt wenigstens eine optische Anzeige. Aber Achtung: Leuchtet die „O“-LED auf beträgt der Ausgangspegel laut Handbuch +4 dBu. Das Messlabor ermittelt indes einen Wert von +6 dBu. Das heißt: Wer wirklich gezwungen ist ausschließlich nach der LED-Anzeige einzupegeln, sollte darauf achten, dass bestenfalls auch bei vereinzelten Signalspitzen lediglich die gelben LEDs, namentlich die +2 dB-LED aufleuchten. So ist wenigstens gewährleistet, dass es keine hässlichen Verzerrungen gibt.
Aber wieder zurück zu den Kanalzügen und dem ON-Schalter. Dieser muss auch aktiviert sein, um die Ausspiel-/Aux-Wege mit Signalen zu versorgen. Das HB24FWMKII hat sechs Ausspielwege (Aux-Sends), von denen höchstens vier über entsprechende Drehregler direkt regelbar sind. Die oberen sind immer für Aux 1 und 2 zuständig. Über einen Umschalter lässt sich festlegen, ob die unteren die Aux-Sends 3 und 4 oder 5 und 6 beeinflussen sollen. Über Aux 1 und 2 – umschaltbar zwischen Pre- und Post-Fader – lässt sich eine Kopfhörermischung für die Musiker erstellen. Über Aux 3, 4, 5, und 6 ist dies wegen der festen Post-Fader-Schaltung weniger empfehlenswert, hierüber werden also in der Regel externe Effektgeräte wie Kompressoren oder Hallgeräte angesteuert werden. Ganz beckmesserisch betrachtet, ist das Pult damit weniger flexibel, denn es können eben praktisch nur zwei Kopfhörermischungen mit Pre-Fader-Listening erstellt werden.

Besonders erwähnenswert ist der Aux 3-Regler, denn er ist sowohl für den entsprechenden Ausspielweg, gleichzeitig auch für den eingebauten DSP-Effektprozessor zuständig. Dieser verfügt über einen 32-Bit-Wandler mit interner 40 Bit-Signalverarbeitung, bietet satte 100 Multieffektprogramme (unter anderem verschiedene Hallräume, reichlich Echo- und Modulationseffekte), Tap Delay-Funktionen und sogar Testsignale zur Überprüfung der Audio-Anlage. Obwohl der Effektprozessor eine Neuentwicklung ist, hat sich zumindest bei der Bedienung beziehungsweise den Eingriffsmöglichkeiten nichts getan: Abgesehen von der Verzögerungszeit der Delay-Effekte und der Frequenz des Testsignals „Rosa Rauschen“, muss der Anwender mit den Werkseinstellungen leben. Allerdings hätte es der Effektprozessor ganz und gar nicht verdient, deswegen mit Missachtung abgestraft zu werden. Denn: Es gibt eine Menge an Effekten – unter anderem sage und schreibe 24 Hall- und allein acht Chorus-Effekte, die alles andere als minderwertig sind. Spontan überzeugen können die kleinen Hallräume und die dezenteren Chorus-Effekte. Niemand wird hier Topqualität erwarten, dennoch unterstützen beispielsweise Preset 1 „Kleine Kammer“ oder Preset 33 „Leichter Chorus“ den Solisten recht gekonnt und sorgen nicht zuletzt auf der Aufnahme für einen angenehmen Schuss Ambience. Es lohnt sich in jedem Fall, eine gewisse Zeit mit den Effektprogrammen zu verbringen, um die persönlichen Favoriten zu küren. Die Tap-Delay-Funktionen sind gerade für Sänger und Instrumentalisten sehr interessant: Über den Endlos-Drehregler, der sonst für die Anwahl der Effektprogramme zuständig ist, kann nämlich die Verzögerungszeit des Effekts auf den Rhythmus der Begleit-Musik eingestellt werden, indem der Musiker einen rhythmischen Wert eintippt. Musiker kennen vergleichbares von digitalen Metronomen mit Tap-Funktion. Das kann sowohl für Aufnahmen als auch bei Auftritten sehr reizvoll sein: Je nach Verzögerungszeit können Solisten mit sich selbst Kontrapunkt spielen oder singen. Damit derlei im Live-Betrieb einfacher vonstatten gehen kann, hat das Pult einen Anschluss für einen (optionalen) Fußschalter. Ein solcher kann auch verwendet werden, um den Effektprozessor an- oder einzuschalten, um beispielsweise für Solopassagen den „Federhall“ zu aktivieren. Der klingt nämlich besser als der Schepper-Hall in so manchem Gitarrenverstärker.
Das Signal des Effektprozessors lässt sich auf die Summe oder wahlweise auf die Subgruppen 1/2 oder 3/4 leiten. Soll ein Effekt wie Hall oder Chorus nur für einen Kopfhörermix zur Unterstützung eines Solisten Verwendung finden, besteht auch die Möglichkeit, diesen auf Aux 1 zu routen. Schließlich kann das Effekt-Signal auch direkt über die rückwärtigen Ausgänge DSP EFX OUT an ein externes Gerät geleitet oder an ein oder zwei Eingängen ins Pult zurückgeführt werden, um anschließend das Signal für individuelle Kopfhörermischungen auf die Ausspielwege 1 und 2 zu routen. In diesem Fall unbedingt den Aux 3-Regler in den jeweiligen Kanalzügen zu drehen, sonst gibt es eine fiese Rückkopplungsschleife. Das alles funktioniert übrigens immer, also auch wenn am Eingang Aux Return 3, der normalerweise die Rückführung des Effektprozessors darstellt, ein externes Gerät angeschlossen ist, wodurch diese interne Verbindung automatisch unterbrochen ist.
Die 16 Kanäle sind mit einem Drei-Band-Equalizer ausgestattet, der zwei Shelving-Filter für Bässe und Höhen und eine Mittenklangreglung mit variabler Pegel- und Frequenzregelung (siehe hierzu näher den Steckbrief am Ende). Der Equalizer ist in erster Linie für kleinere Korrekturen im Live-Einsatz oder bei Aufnahmen gedacht, Wunder soll, kann und will die Klangregelung nicht vollbringen, hierfür gibt es dezidierte externe Equalizer. Bei leicht aufgedrehten Gainreglern fallen die Klangsteller fast nicht auf, allenfalls über Kopfhörer klingt ´s im Höhenbereich ganz leicht metallisch-künstlich. Dieser Höreindruck verstärkt sich, wenn der HF-Gain-Regler etwa Dreiviertel seines Regelweges zurückgelegt hat, hält sich aber insgesamt in absolut tolerablen Grenzen.

Für alle Kanäle gibt es einen Direct–Out und einen Einschleifpunkt (Insert) zum Einschleifen externer Effekt-Geräte. Inserts sind auch für die Hauptausgänge und den nicht nur in dieser Preisklasse keineswegs alltäglichen separaten Mono/Subwoofer-Ausgang vorhanden. Letzterer ist auch nicht auf das Basssignal der Summe festgelegt. Genauso kann der Subwoofer auch gezielt von einzelnen Kanälen angesteuert werden. In diesem Fall muss lediglich der Source-Schalter auf Aux 4 stehen und das Signal des für die Tieftonabteilung zuständigen Instruments kann wesentlich besser abgehört werden. Nicht übel.

Die Firewire-Schnittstelle des HB24FWMKII ist mit 18 A/D-Wandlern – davon sind 16 den Kanälen zugeordnet – ausgestattet und ermöglicht damit Aufnahmen auf einen Mac oder PC mit einer Maximalauflösung von 24 Bit/96 Kilohertz. Ab Werk erfolgt der Signalabgriff direkt hinter der Eingangsstufe (Pre-Fader), was in erster Linie im Live-Betrieb sinnvoll ist: Die korrekt eingepegelten Direktsignale werden so ohne Pegelsprünge aufgenommen, obwohl der Saalmischer nach Herzenslust die Fader verstellt.
Wer das Pult ausschließlich als Frontend für seine DAW verwendet, kann jetzt wählen. Erste Möglichkeit: Er belässt es bei der Werkseinstellung und erledigt die Klangbearbeitung vollständig innerhalb des Sequenzer-Programms. Zweite Möglichkeit: Er möchte die Klangregelung des Pults, eingeschleifte externe Effekte oder auch nur mehrere Musiker simultan aufzeichnen und via Fader händisch nachregeln. In diesem Fall wird er auf Post Fader umschalten. Das gelingt dank der auf der Unterseite des Pultes, hinter einer Blende angebrachten Umschalter nun spielend einfach.
Die Möglichkeit, alle oder einzelne Kanalzüge im Firewire-Betrieb ohne großen Aufwand vollständig nutzen zu können, ist klasse und gerade für ein analoges Pult in dieser Preisklasse bislang konkurrenzlos. So verfügt beispielsweise das M-Audio NRV 10 (Test in Ausgabe 3/2007) lediglich über einen Pre-/Post-EQ-Wahlschalter.
Eine weitere Neuerung bezieht sich auf die A/D-Wandler 17 und 18, die das Stereosignal herausführen: Im Gegensatz zum Vorläufermodell werden die Quellsignale nicht mehr ausschließlich aus der Summe (Main L/R), sondern können alternativ auch aus den Subgruppen 1 und 2 oder den Ausspielwegen 3 und 4 entnommen werden. Einmal mehr hat Letzteres Vorteile im Live-Einsatz. Auf diese Weise werden die Ausspielwege schon im Pult gewandelt und via Feuerdraht an den Rechner geschickt. Die Signale durchlaufen hier beispielsweise ein Kompressor-Plug-in und gelangen über die Firewire-Rückführung wieder ins Pult wo sie über den Routing-Schalter „Assign To Main“ direkt auf die Summe gleitet werden. Damit bleibt der Effekt auf der digitalen Ebene und muss nicht extra gewandelt werden.

Bevor sich das HB24FWMKII in der Praxis zeigen kann, was klanglich in ihm steckt, muss es erst die obligatorische Messroutine im Testlabor über sich ergehen lassen. Der Gesamtklirrfaktor ist mit durchschnittlichen 0,007 Prozent ausgezeichnet gering und würde auch manch erheblich teureren Mitbewerber zur Ehre gereichen. Der Audio Precision-Messcomputer ermittelt zwar einen Anstieg auf 0,03 Prozent unterhalb 150 Hertz, deswegen besteht aber kein Grund zur Sorge, denn das Pult bleibt hinsichtlich Verzerrungen sehr gut aufgestellt. Ebenfalls sehr gut sind die Messwerte für Fremd- und Geräuschspannungsabstand: Sie betragen 82,8 beziehungsweise 85,2 dBu am Mikrofoneingang – Rauschen ist damit kein Thema für das HB24FWMKII. Insoweit steht das neue Modell in bester Familientradition, denn schon das alte HB18FW konnte seinerzeit mit vergleichbar guten Werten überzeugen. Lediglich die Übersprechdämpfung, exemplarisch gemessen zwischen Kanal 1 und 5, ist nicht auf vergleichbar hohem Niveau, denn die Messkurve steigt ab etwa einem Kilohertz von guten 70 Dezibeln stetig an, um schließlich im Bassbereich bei 45 Dezibeln zu enden. Dieser absolut betrachtet nur durchschnittliche Wert ist sicherlich Tribut an die Kompaktbauweise. Allerdings ist es auch klein schlechter Wert, der sich in der Praxis negativ auswirken würde. Für die Preisklasse ist dieses Messergebnis immer noch gut.

Die Verbindung des HB24FWMKII mit dem PC geht ungewöhnlich bequem vonstatten, da die Installation der Treiber dank Microsoft-Zertifizierung in Blitzgeschwindigkeit erledigt ist. Das Pult wird sowohl von Cubase als auch von Sonar sofort als Audiointerface erkannt und akzeptiert, mit dem einfachen und übersichtlichen Phonic Control Panel sind Voreinstellungen wie Puffergröße und Latenz des ASIO-Treibers geschwind erledigt.

Für den Klangtest dient das Pult beim Einspielen der Eigenkomposition „Saitenmusik 13“ unter Sonar 6 als Firewire-Interface. Um die Klangqualität der Mikrofon- und Lineeingänge sowie der A/D-Wandler am Besten beurteilen zu können, bleibt es bei der werksseitigen Pre-Fader-Einstellung der Kanäle. Die Mono-Spuren für die beiden zweistimmigen Harmoniegitarren werden nacheinander im OverdubVerfahren eingespielt, das Microtech Gefell M 930 fängt den Klang der Lakewood D-8 Steelstring ein. Danach folgt die E-Basslinie, wobei der E-Bass via D.I.-Box direkt ins Pult (Kanal 3) eingestöpselt ist. Die Leadstimme soll eine andere Klangfarbe haben, deswegen ersetzt jetzt das Bändchenmikrofon Samson VR88 das Microtech Gefell. Um eine verlässliche Vergleichsgröße zu haben, werden jetzt  zwei Takes eingespielt: Der Erste wie gehabt über das HB24FWMKII, der zweite jedoch über die klangneutrale Referenz bestehend aus Lake People Mic-Amp F355 und Lynx Aurora 8-Wandler.

Zunächst glänzen sowohl Mikrofon- als auch Line-Eingänge durch Rauscharmut. Die Aufnahmen sind sauber und klar, ohne Störgeräusche. Das gilt besonders für den Take mit der Leadstimme, denn hier musste der Gain-Regler tüchtig ausgerissen werden: Das VR88 ist, obwohl aktiv, bändchentypisch sehr leise.

Die Charakteristik der verwendeten Mikrofone ist deutlich erkennbar: So kommen die Harmoniegitarren so klar und brillant wie in Natura, eben genau so, wie es das neutrale M 930 erwarten lässt. Der Bass klingt ebenfalls wie gewünscht nach Kontrabass, also bewusst breit mit über den Tonregler des Instruments zurückgenommenen Höhen. Der Klang der Sologitarre wird maßgeblich vom VR88 bestimmt und ist deswegen deutlich weicher und weniger brillant. Das HB24FWMKII beziehungsweise die Pre-Amps und A/D-Wandler machen ihre Sache wirklich gut, denn die klanglichen Unterschiede zwischen den alternativen Solotakes fallen weitaus geringer aus, als erwartet. Über das Pult eingespielt klingt es lediglich eine Spur metallischer und weniger körperhaft, als mit der Lake People/Lynx-Kombination. Daraus folgt zunächst: Das HB24FWMKII verarbeitet Signale grundsätzlich überzeugend mit ganz leichten Schwächen.

Um dieses Zwischenergebnis zu verifizieren, folgt auf „Saitenmusik 13“ noch ein Nylonstring-Duo, ebenfalls im Overdub-Verfahren mit beiden Geräte-Setups eingespielt. Diesmal ist die Konzertgitarre aber Stereo mit zwei AKG C414 B-XLS (siehe Test Ausgabe 6/2007) abgenommen. Im direkten Vergleich wird deutlich, dass das HB24FWMKII weniger ausgewogen klingt: Die dezent ins Warme gehende Klangfarbe der AKGs einerseits, andererseits auch der Primärton des Instruments verwischen etwas. Die Gitarre klingt auf der Aufnahme durchweg härter, als wären besonders brillante Carbon-Saiten aufgezogen und der Spieler hätte vorzugsweise am Steg angeschlagen. Demgegenüber ist die Alternativaufnahme deutlich vollmundiger und runder, obwohl weder die Mikrofonposition noch an die Spielweise verändert wurden. Das liest sich jetzt etwas vernichtend, ist aber in Wahrheit weitaus weniger dramatisch. Denn: Es handelt sich um hörbare Unterschiede zwischen drei Geräten, die in völlig unterschiedlichen Preis- und Leistungsklassen spielen. Eingedenk dessen sind die klanglichen Leistungen des HB24FWMKII nämlich durchaus gut, da das kostengünstige Pult dem Klang von Instrumenten und Mikrofonen treu bleibt und nicht etwa Teures billig klingen lässt. Der Besitzer dieses Pults sollte unbedingt in gute Mikrofone investieren. Das lohnt sich in jedem Fall, denn ansonsten würde er das Pult und letztlich seine Musik weit unter Wert betreiben.

Fazit

Die modellgepflegte Neuauflage des Helix Board 24 Firewire kann überzeugen: Es ist vielseitig verwendbar, glänzt mit einer in dieser Preisklasse konkurrenzlosen Ausstattung und kann vor allem auch klanglich überzeugen. Gerade klangbewusste Ein- und Aufsteiger oder Bands mit schmalem Geldbeutel bekommen mit diesem Kompakt-Pult richtig viel fürs Geld.

Erschienen in Ausgabe 07/2007

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 951 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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