Audio-Trilogie

Nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei, haben wir uns einen Vintage-Chanel-Strip aus Produkten der Desktop Recording Line von Summit Audio zusammengestellt  und es uns nicht nehmen lassen, diese ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. 

Von Michael Nötges

Was lange währt ist oftmals gut. Seit rund 20 Jahren zieht die Firma Summit Audio Inc. aus Gardnerville im US-Bundesstaat Nevada ihre klingenden Kreise. Genau genommen begannen die ersten Vorstöße 1979 mit dem Vorsatz, das am besten klingende und vor allem zuverlässigste Audio-Equipment zu entwickeln. Das erste Meisterstück dieser Bemühungen war der 1985 erstmals erschienene Röhrenkompressor TLA-100, der in seiner überarbeiteten Form, dem TLA-100A bis heute in Profikreisen einen ausgezeichneten Ruf genießt. Die Konstruk-tionen als Kombination aus Solid-State- [g] und Röhren-Schaltkreisen sind grundlegend die gleichen geblieben, was auf eine schon damals ausgetüftelte und gut durchdachte Konzeption hindeutet, die zeitlos den Ansprüchen von Musikern und Produzenten gerecht wird. Im Gegensatz zu der Classic-Line von Summit-Audio, die Vorverstärker, Kompressoren und Equalizer im 19-Zoll-Gehäuse mit Preisen jenseits von 2000 Euro umfasst, wendet sich die Desktop Recording Line an preis- und klangbewusste Studiobesitzer und klaustrophobe Audiophile, deren Outboard-Equipment sich mittlerweile bis unter die Decke ihres kleinen Studios stapelt und die glauben, dass eine effektive Ausdünnung der Studioperipherie die kreative Muse beflügeln könnte. Erfreulich ist nicht nur die Tatsache, dass die Module der neuen Produktlinie, bestehend aus dem Mikrofon- und Linevorverstärker 2BA-221 (629 Euro), dem TD-100 Vorverstärker für Instrumente (469 Euro), dem TLA-50 Kompressor (629 Euro) und dem Vierband-Equalizer FeQ-50 (949 Euro), lediglich eine Höheneinheit messen und bequem zu zweit nebeneinander im Rack Platz finden. Auch preislich eignen sie sich für eine Radikalkur, da sie allesamt weit unter 1000 Euro bleiben, aber trotzdem hervorragende Qualität offerieren. Für unseren Test haben wir uns einen viel versprechenden Kanalzug zusammengestellt, bestehend aus dem 2BA-221 als Röhrenvorstufe, dem TLA-50 für die Kompression und den FeQ-50 als passiven Equalizer.

Alle drei Geräte sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Die Frontplatte ist zirka drei Millimeter dick und besteht aus gebürstetem Aluminium. Das rotbraune Gehäuse aus durchlöchertem Stahlblech begünstigt die Wärmeableitung und Luftzirkulation für die Röhrenschaltkreise und wirkt strapazierfähig. Im optischen Zusammenklang mit den Bedienelementen – silberne Kippschalter und rote oder schwarze Drehregler, die stilistisch stark an die 1970er Jahre erinnern – spiegelt das Design das wider, was uns klanglich versprochen wird: analoger Vintage-Sound. Die griffigen Regler sind für die beengte Situation auf der Frontplatte verhältnismäßig groß geraten und damit leichtgängig zu bedienen. Punkten können sie nicht durch luxuriösen Bedienkomfort aber durch ihre Zweckdienlichkeit und Funktionalität. 

Die Verarbeitung sowohl von innen als auch von außen betrachtet zeigt sich ordentlich und funktionell, was an den fest arretierten Anschlussbuchsen und den penibel verarbeiteten…Platinen festzumachen ist. Sie lässt keine Zweifel aufkommen, dass dieses Equipment auch noch in 20 Jahren, etwas  eingestaubt vielleicht aber funktionstüchtig, seinen Platz im Rack behaupten wird. 

Der 2BA-221 ist ein Class A-Vorverstärker mit einer Röhrenschaltung für den Ausgang und Solid State-Bauweise für die beiden Eingangs-stufen. Ein Blick ins Innere zeigt, dass die ver-wendete Röhre – es handelt sich hier um eine Doppeltriode ECC83 – durch eine Aluminium-Kappe abgeschirmt ist, um Störgeräusche zu verhindern. Außerdem fällt uns der aufwendig gefertigte Schnittbandkerntrafo [[g]] auf, der aufgrund seiner Konstruktion besonders unempfindlich gegenüber Brumm-Schleifen und Einstreuungen ist.

Die Anschlüsse des 2BA-221 befinden sich bis auf den Hi-Z-Eingang, der sich durch seine hohe Impedanz zur direkten Instrumentenverstärkung eignet, auf der Rückseite. Der Mikrofon-Eingang ist als XLR- und der Line-Eingang als 6,35-mm-Klinken-Buchse ausgeführt. Es gibt zwei separate symmetrische Ausgänge mit unterschiedlichem Ausgangspegel. Die XLR-Buchse führt über die vergoldeten Pins ein Signal mit +4 dBu und ist damit optimal für die Anbindung an andere Studiogeräte gerüstet. Das Klinken-Pandant liefert alternativ -10 dBu. Während diese beiden Ausgänge hinter der Röhrenstufe installiert sind, bietet der zusätzliche Stack-Ausgang eine röhrenfreie Abkürzung, die sich auch für klanglich neutrale Aufnahmen eignet. Im Verbund mit dem Stack-Eingang lassen sich mehrere 2BA-221-Module in Reihe schalten, sowie separate Signale einspeisen oder hinausführen. Diese unsymmetrische Möglichkeit der Signalübertragung bietet wie der zusätzliche Insert-Weg in Form einer weiteren Stereo-Klinken-Buchse große Flexibilität um externe Effekte wie Kompressoren oder Equalizer einzuschleifen. Der Clou ist, dass alle Ein- und Ausgänge parallel nutzbar sind und der 2BA-221 die anliegenden Signale zu einem Mono-Signal zusammenfasst und dieses über die unterschiedlichen Ausgänge (Stack-Out, Main-Out, Insert) zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung stellt.   Beispiel: bei Akustikgitarren, die über ein Tonabnehmer-System verfügen, lassen sich klanglich sehr interessante Ergebnisse erzielen indem das Gitarrensignal des Mikrofons, das am Mic-Eingang anliegt, durch das des integrierten Pick-Up-Systems der Gitarre über den Hi-Z-Eingang ergänzt wird. Das Verhältnis beider Signale zueinander ist über die jeweiligen Gain-Regler einstellbar und führt, wie wir noch sehen werden, zu interessanten klanglichen Ergebnissen. 

Für den Line- und Hi-Z-Eingang ist nur ein Ein-gangspegel-Regler installiert. Zum Einpegeln dienen drei ampelfarbene LEDs, wobei darauf zu achten ist, dass im Idealfall die rote nur bei Pegelspitzen aufleuchtet. Die Mikrofon-Sektion hat neben  einem eigenen Gain-Regler weitaus mehr zu bieten. Zwei Kippschalter dienen für die Phantomspannung und die Phasenumkehrung,  zwei weitere zur Aktivierung eines regelbaren Hochpass-Filters und der PAD-Funktion, die den Eingangspegel um 20 Dezibel dämpft. Ist das variable Trittschall-Filter aktiviert, reicht der Wirkungsbereich von 20 Hertz bis 200 Hz. Eine Besonderheit des 2BA-221 ist die stufenlos justierbare Eingangs-Impedanz des Mikro-foneingangs. Je nach Modell des verwendeten Mikrofons kann diese zwischen 100 Ohm und 10 Kiloohm angepasst werden. Zur Orientie-rung dient die in der Bedienungsanleitung aufgeführte Tabelle bekannter Mikrofone, die zur optimalen Anpassung des Mikrofons an den Vorverstärker verhelfen soll. Die Impedanzen der Mikrofone weisen mitunter erhebliche Unterschiede auf und liegen zwi-schen 20 Ohm (Neumann KMS1005, KM183 oder TLM170) und Mikrofonen mit 600 Ohm, wie beispielsweise dem Earthworks QTC1. Als Empfehlung gibt der Hersteller einen Richtwert der Eingangsimpedanz vor, die viermal so hoch wie die des Mikrofons sein sollte – dieser kann aber auch ruhig fünf bis zehn mal höher sein, um auf Nummer sicher zu gehen. Da eine punktgenaue Einstellung durch den Dreh-Regler nicht möglich ist, bleibt nur die ungefähre Justage, die mit Hilfe des geschulten Ohrs zum optimalen Ziel führt. Das Experimentieren kann sich lohnen, da sich dezent unterschiedliche Klangcharakteristika aus einem Mirofon herausholen lassen. Wer aber unliebsamen Klangerlebnissen aus dem Weg gehen möchte, der lässt den Impedanz-Regler am besten auf Rechtsanschlag stehen und kümmert sich um andere klangliche Parameter. Problematisch wird es, wenn ein Mikrofon mit sehr hoher Impedanz verwendet wird und der Drehregler auf 100 Ohm ein-gestellt ist. Die Folge: das Mikrofon verliert allein durch die Übertragung an Leistung und klingt leiser, matt und verliert an Bässen.  Ton-technisch gesehen ist diese Form der Impedanzanpassung eher als eine Spielerei zur Klangmanipulation zu betrachten und weniger als sinnvolle Ergänzung zur exakten Spannungsanpassung. Dafür ist es empfehlenswert einen  Mikrofon-Vorverstärkers mit möglichst hoher Eingangsimpedanz zu wählen, der mit jedem Mikrofon optimal funktioniert. 

Messtechnisch schlägt sich  der 2BA-221 wacker. Der Frequenzgang ist zwischen 20 Hertz und 20 Kilohertz linear und sinkt lediglich ober- und unterhalb leicht ab. Der Klirrfaktor liegt bei guten 0,06 Prozent und steigt auf 0,3 Prozent an, wenn der Gain-Regler auf zehn steht und die Röhrenschaltung die harmonischen Obertöne hinzufügt. Der Geräuschspannungsabstand beträgt 75,7 dBu, der Fremdspannungsabstand 73,1 dBu. Diese Werte sind in Ordnung. 

Um unseren Vintage-Chanel-Strip um einem Röhrenkompressor aufzustocken, dient uns der optisch sehr ähnliche TLA-50. Die XLR-Klinken-Kombi-Buchse auf der Rückseite des Gerätes, hält einen symmetrischen (XLR, +4 dBu), als auch unsymmetrischen (6,35-mm-Klinke) Eingang bereit. Bei den Ausgängen findet sich die gleiche Konstruktion, bloß aufgeteilt auf zwei separate Buchsen. Au-ßerdem verfügt der TLA-50 über einen Side-Chain-Insert-Weg, so dass frequenzabhängige Kompression – damit ist er auch als De-Esser zu verwenden – möglich ist.  Durch ein externes Signal getriggert, ist außerdem der so genannte Ducking-Effekt zu erreichen, der gerade im Rundfunkbereich eine Rolle spielt. Eine andere interessante Anwendungsmöglichkeit des Duckings ergibt sich in Live-Situationen. Beispielsweise lässt sich das Signal der Lead-Gitarre beim Einsatz des Gesangs leicht komprimieren und im Pegel absenken, damit die Stimme sich besser durchsetzt. Bei Instrumental-Parts tritt die Gitarre, da der Kompressor nicht angesteuert wird, ein wenig lauter in Erscheinung. Eine weitere 6,35-mm-Klinken-Buchse ermöglicht das Verlinken zweier Kompressoren für den Stereo-Betrieb. Dafür muss der dreistufige By-pass-Kippschalter (Link, In, Bypass) beider Geräte auf die Link-Position gesetzt und die Kompressoren mit einem Patch-Kabel verbunden werden. Sind Attack- und Release-Zeit, sowie die Gain-Reduction gleich eingestellt übernimmt der Kompressor mit der stärker eingestellten Kompression die Kontrolle über den anderen, so dass diese im Pegel gleich bleiben. 

Im Zentrum der Frontplatte zeigt sich ein beleuchtetes VU-Meter, das entweder Ausgangs-Pegel oder den Grad der Kompres-sion anzeigt, je nach dem auf welcher Position der dazugehörige Kippschalter steht. Viel einzustellen gibt es insgesamt nicht, was das richtige Komprimieren zu einem musikalischen Vorgang macht, der sich weniger an Parametern als am Ergebnis, dem guten Klang, orientiert. Über den Gain-Regler wird der Ausgangs-Pegel bestimmt, während der Gain-Reduction-Regler für Treshold und Ratio zuständig ist. Beide ändern sich in Abhängigkeit der Poti-Stellung, wobei die Kompressionscharakteristik (Soft-Knee) immer beibehalten wird. Eine ECC83 ist für die Aus-gangsverstärkung zuständig und sorgt auch in diesem Modul für den röhrigen Vintage-Sound.

Im Bypass-Modus ist der Frequenzgang von 10 Hertz bis 100 Kilohertz linear, ohne auch nur die geringste Abweichung aufzuweisen: Bypass par Excellance. Bei eingeschalteter Kompression wird der Bassbereich um zwei Dezibel bei 20 Herzt angehoben. Gleichzeitig ist eine sanfte Absenkung der Frequenzen oberhalb von zehn Kilohertz, die bei 20 Kilohertz ebenfalls zwei Dezibel beträgt, festzustellen. Der Klirrfaktor liegt bei einem Maximalwert von einem Prozent bei 200 Hertz. Dieses Messergebnis macht deutlich, dass der Kompressor ein Klangfärber ist, der die unteren Mitten deutlich andickt. Gerade bei Röhrenverzerrungen ist ein solcher Wert schon fast obligatorisch und gehört zum guten Ton. Die Fremdspannungen – Ge-räuschspannungsabstand: 77,9 dBu und Fremdspannungsabstand: 73,4 dBu – liegen auf dem Niveau des 2BA-221. Die Gleichtaktunterdrückung liegt bei -40 dBu, was bei langen Kabelstrecken zu einer hohen An-fälligkeit für Störgeräusche führt. Solange sich der Kompressor aber in nächster Nähe zum Vorverstärker oder Mischpult befindet, sind diese Werte unbedenklich.

Der passiv konstruierte Equalizer FeQ-50 besitzt vier regelbare Bänder und zusätzlich einen zuschaltbaren Hochpassfilter. Da keinerlei aktive Bauelemente zur Filterung benötigt werden, gelten diese Konstruktionen als besonders linear und verzerrungsarm. Die Problematik der Phasenverzerrungen, die aufgrund der Übernahmeverzerrungen zwischen den einzelnen Bändern auftreten können, soll durch die ausgetüftelte Anordnung von Spulen, Widerständen und Kondensatoren keine Rolle spielen. Der Blick auf die rückseitigen Anschlüsse  zeigt eine spannende Besonderheit des FeQ-50. Neben der XLR-Klinke-Kombi-Buchse, die wie beim TLA-50 auch wieder symmetrisch und unsymmetrisch vorliegen, entdecken wir zwei Ausgangs-Sektionen mit je einer XLR- und einer 6,35-mm-Klinken-Buchse. Die Philosophie von Summit Audio, Solid-State- und Röhren-Schaltungen zu kombinieren findet sich auch hier wieder. Das interessante daran ist, dass der Equalizer damit über die Solid-State-Ausgangsstufe sowohl klanglich neutrale Er-gebnisse liefert, als auch mit einem warmen Vintage-Sound auffährt, wenn die Röhrenausgangsstufe durchlaufen wird. Dabei liegen beide Signale parallel an den jeweiligen Ausgängen an. Neben  den Möglichkeiten den Equalizer bei  Aufnahmen einzuschleifen ist diese doppelte Ausgangsstufe für Instrumentalisten im Live-Einsatz interessant. Beispiel: ein Bassist führt sein Bass-Signal von seinem Vorverstärker in den FeQ-50. Den Röhren-Ausgang führt er in den ersten Kanal einer Stereo-Endstufe, den Solid-State-Ausgang schleift er durch ein Effektgerät und erst dann in den zweiten Kanal. 

Alle vier Bänder sind über schwarze Dreh-Regler für die Anhebung oder Dämpfung der jeweiligen Frequenzbereiche um +/- 14 Dezibel beeinflussbar und haben einen  definierte Nullstellung. Rote, auf festen Positionen einrastende Bedienelemente der gleichen Art, bestimmen den Wirkungsbereich (siehe Spezialkasten). Die Kennlinien der Filter lassen sich durch Kippschalter variieren. Die Außenbänder verfügen über die Option zwischen Peak- und Shelf-Charakteristik wählen zu können, während für die Manipulation der oberen und unteren Mitten die Güte des Peak-Filters zwischen eng und weit einstellbar ist. Durch die teilweise Überlappung der Frequenzbereiche und die unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten der Filter-Optionen bietet der FeQ-50 eine effektive und kreative Basis für Sounddesign, aber auch um Signale klanglich zu optimieren. Ein zusätzliches Hochpassfilter liefert außerdem eine wirkungsvolle Waffe gegen tieffrequente Störgeräusche, wie dem Trittschall. Um den Equalizer aus der Signalkette auszuschließen und das ursprüng-liche Signal mit dem bearbeiteten zu vergleichen, befindet sich auch hier eine Bypass-Funktion in Form eines weiteren Kipp-schalters. Es gibt keine Kontrolle, ob das Gerät intern übersteuert oder nicht. Deswegen muss man sich wieder einmal auf die Ohren verlassen. Um jedoch vor unliebsamen Übersteuerungen gefeit zu sein wäre für diesen Zweck eine Kontroll-LED wünschens-wert.

Der Frequenzgang weicht zwischen 100 Hertz und 20 Kilohertz nur minimal von seinem linearen Kurs ab und fällt an den Enden des Frequenzspektrums sanft, um maximal zwei Dezibel ab. Erfreulich ist, dass er bei beiden Ausgängen gleich bleibt. Anders sieht das mit dem Klirrfaktor aus. Dieser liegt für die Solid-State-Variante bei 0,015, durch die harmonischen Obertöne der Röhrenschaltung beeinflusst bei etwas höheren 0,025 Prozent.  Der Geräuschspannungsabstand beträgt gute 82,2 dBu, der Fremdspannungsabstand 78,6 dBu. Die Gleichtaktunterdrückung ist  mit -25 dBu noch ein wenig schlechter als die Messwerte des Kompressors. Auch hier ist Vorsicht bei langen Kabelstrecken geboten um Störgeräusche zu vermeiden.

Im ausführlichen Hör- und Praxistest von Professional audio Magazin basteln wir uns unseren Summit Audio Channel-Strip zusammen, indem wir die drei Module hintereinander schalten.  Wir benutzen das MA-200 von Mojave Audio (siehe Test, S. 58) und den Aurora 8  von Lynx mit dazugehöriger PCI-Karte, um mit 96 Kilohertz Samplingfrequenz und 24 Bit Wortbreite in Cubase SX aufzunehmen. Unsere Test-kandidaten sind ein E-Bass und eine Steel-string-Akustikgitarre.

Equalizer und Kompressor stehen zunächst auf Bypass, als wir den Bass anschließen, um nur den Vorverstärker zu hören. Nach kurzem Ausprobieren sind die Einstellungen für den 2BA-221 fixiert. Der Eingangspegel-Regler steht auf fünf vor zwölf und der Ausgangspe-gel-Reglers auf neun Uhr, um eine sanfte Röhrenverzerrung zu erreichen. Das Ergebnis ist mehr als zufrieden stellend. Satt und voll im Bassbereich und detailreich in den Oberen Mitten erscheint der Sound im Gegensatz zum vorher benutzten F355 von Lake People im neuen Gewand. Das Schnarren der Saiten bei heftigem Anschlag wirkt dezent runder und der Bassbereich wirkt druckvoller und angenehm warm. Um den Klang weiter zu optimieren schalten wir den Kompressor in die Signalkette. Wir wählen ein kurze Attack- bei mittlerer Release-Zeit, stellen den Gain-Regler auf drei und die Gain-Reduction auf 10 Uhr. Der Spaßfaktor steigt. 

Geslappte Passagen werden knackig und druckvoll wiedergegeben. Durch den zusätzlichen Röhrenschaltkreis des Kom-pressors, wächst das Instrument über sich hinaus. Es klingt mächtig und durch die Kompression trotzdem sehr differenziert. Auch heftige Anschlagsgeräusche hat der TLA-50 im Griff. Durch die Soft-Knee-Charakteristik auch bei starker Kompression greift der TLA-50 zwar intensiv aber trotzdem behutsam in das Klangbild ein und liefert interessante Ergebnisse. Negativ fällt uns bei stark eingestellter Kompression und hohem Eingangs-Pegel ein steigender Rauschanteil auf. Aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Also lassen wir den FeQ-50 zum Zuge kommen. Dieser filtert punktgenau den Rauschanteil aus dem Signal. Eine konkrete Vorstellung eines Stingray-Basses von Music Man mit Ampeg Verstärker im Kopf, versuchen wir diesen Traum wahr werden zu lassen. Eine leichte Anhebung bei 100 Hertz, bei gleichzeitiger Dämpfung mit breiter Güte bei 560 Hertz, sowie eine weitere leichte Anhebung mit schmaler Güte bei 1,2 Kilohertz, führen zum ersehnten Ziel. Auf diesem Weg stellen wir fest, dass der Kreativität für das Sound-Design keine Grenzen gesetzt sind und dass die Kombination dieser drei Geräte für den flexiblen Einsatz im Studio aber auch auf der Bühne sehr gute Dienste leistet.

Jetzt fertigen wir drei unterschiedliche Auf-nahmen der Steelstring-Gitarre an. Als erstes so neutral wie möglich, indem wir die Röhren-Ausgangsstufe umgehen und den Stack-Ausgang benutzen, dann mit Röhrenverstär-kung und zuletzt nutzen wir die Spezialität des 2BA-221 das Mikrofon-Signal mit dem des Piezzo-Pickups der Akustikgitarre zu mischen. Die Solid-State-Variante ist erstaunlich neutral. Von extremem Vintage-Sound kann nicht mehr die Rede sein. Zwar ist die warme Charakteris-tik des Röhrenmikrofons deutlich zu erkennen, aber im Vergleich mit dem F355 von Lake People wird deutlich, dass die Klangfarbe durch das Mikrofon und nicht den Vorverstärker erzeugt wird. Die Auflösung ist sehr fein und detailtreu, während die breitbandige  Verstärkung klangliche Nuancen und tiefe Räumlichkeit überträgt. Im Gegensatz zum F355 ist eine minimale Anhebung der unteren Mitten auszumachen, die in sehr zurückgenommener Manier an den 1073 DPD von AMS Neve (siehe Heft, 13/06) erinnert, aber bei weitem nicht so offensichtlich zu Tage tritt. Die Auflösung reicht zwar nicht an die des F355 heran, kommt ihr aber erfreulich nahe. Insgesamt klingt der 2BA-221 dabei allerdings nicht ganz so ausgewogen und natürlich.  Vorsichtig drehen wir den Ausgangs-Regler auf und lauschen der sanften Verzerrung der Röhre. Auf neun Uhr belassen wir es mit der Veredelung und bannen ein wesentlich runder und satter klingendes Audio-Signal auf die Festplatte des Computers. Gerade die Anschlagsgeräusche der rechten Hand und das zeitweilig etwas nervige Quietschen der linken Hand beim unsauberen Umgreifen, erscheinen in einem neuen weicheren Licht. Um die Durchsetzungskraft noch etwas zu erhöhen aktivieren wir den Kompressor, der das Signal wesentlich kraftvoller werden lässt und die veredelten Details in den Vordergrund spült. Mit Plektrum gespielte Akkorde klingen sehr kontrolliert und das perlende Anschlagsgeräusch kommt durch den TLA-50 verstärkt sehr schön zur Geltung. Jetzt sind wir gespannt auf die Kombination aus Mikrofon- und Instrumenten-Signal. Den Kompressor lassen wir diesmal direkt eingestellt und kon-zentrieren uns auf das  richtige Verhältnis der beiden Signalquellen. Bewusst wählen wir eine Position des Mikrofons (nahe des Schalllochs), die den Klang der Gitarre  schon fast etwas dumpf erscheinen lässt, aufgrund der Mittenbetontheit aber den Vinatage-Charakter besser zum Vorschein kommen lässt. Jetzt mischen wir das relativ spitz klingende Signal des Piezzo-Pickups hinzu bis ein ausgewogener Klang im Raum steht. Das Ergebnis ist ein sehr kräftiger und durchsetzungsstarker Vintage-Sound, der durch den Mix der beiden Signale einen ganz eigenen Charakter bekommt, ohne den natürli-chen Klang der Gitarre dabei aus den Augen zu verlieren. Es bleibt Geschmackssache, welche der drei Aufnahmen gefällt und wir sind uns diesbezüglich auch in der Redaktion nicht einig. Aber jeder hat seinen Favoriten gefunden, ob neutral, mit leichter Röhrenverzerrung und Kompression oder durch den Mix der beiden Signale. Über den Geschmack lässt sich vortrefflich streiten, über die klangliche Qualität und die Vielseitigkeit des Summit Audio Equipments  allerdings nicht. 

Fazit

Gelungen ist das Konzept von Summit Audio, die mit ihrer Desktop Recording Line klanglich überzeugendes, Platz sparendes und Geldbeu-tel schonendes Equipment anbieten, das sich sowohl im Live-Einsatz als auch als Front-End für die D.A.W. im Studio qualifiziert. Für klassi-sche und puristische Produktionen ist die Kombination nur bedingt geeignet, als flexibler Klangfärber konzipiert werden kreativen Produzenten und Musikern aber ihre helle Freude an der klanglichen Vielseitigkeit der Audio-Trilogie haben. Als modulares System erinnern die Produkte der Desktop Recording Line an die Portico-Serie von Rupert Neve Design und schlagen sich damit auf die Seite professionellen Equipments mit eigenem Charakter. Vielseitig kombinierbar und mit überzeugenden Zusatz-Features ausgestattet bilden der Mikrofon-Vorverstärker 2BA-221, der Kompressor TLA-50 und der FeQ-50 für insgesamt rund 2200 Euro ein kompaktes Paket, das für die klangliche Gestaltung von Audiosignalen alles bietet, was das Vinatge-Herz begehrt.  

Erschienen in Ausgabe 03/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 949 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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