Test RME DMC-842

Audio Interfaces,Outboard

Test Digital-Mikrofon-Interface RME DMC-842

Es ist schon erstaunlich: Während heutzutage kaum ein Toningenieur die Vorteile der Digital-Technik mehr missen möchte, DAW-Systeme längst Standard sind und selbst Abhörmonitore digitalisiert arbeiten, tun sich digitale Mikrofone immer noch schwer, Akzeptanz bei Toningenieuren zu finden. Dabei ist die Technik digitaler Mikrofone mittlerweile ausgereift: Beispielhaft seien innovative und hochprofessionelle Produkte wie die Solution D-Serie von Neumann, dem Digital-Verstärker-Modul CMD 2U von Schoeps oder das digitalen Messmikrofonsystem MV 230 digital von Microtech Gefell genannt. Andererseits ist das Angebot an Digital-Mikrofonen nach wie vor sehr überschaubar und bei Mikrofonherstellern selbst stößt das Thema auf wenig Gegenliebe. Die wenigen erhältlichen Digital-Mikrofone begegnen zudem Vorurteilen, die, angefangen bei den zu hohen Preisen, der umständlichen Bedienung, bis hin zum angeblich schlechteren Klang, kaum ausrottbar erscheinen und in Wahrheit Humbug sind. Richtig ist aber, dass es bisher nur sehr wenige Interfaces für digitale Mikrofone nach dem AES42-Standard (siehe hierzu eingehend Seite 40) gibt. Erhältlich sind überwiegend Erweiterungen für ein festes Studio-Setup, wie beispielsweise die Erweiterungskarte XER-M für das Nexus-Kreuzschienensystem von Stagetech oder die PCI-Soundkarten mit AES42-Schnittstelle von Marian (Trace AES42) und Digigram (VX22HR-MIC). Stand-alone-Interfaces wie das mit viel Lob bedachte DMI-2 von Neumann stellen fraglos einen großen Schritt in Richtung Mobilität und (Rechner-)Unabhängigkeit dar. Allerdings ist das DMI-2 nur auf zwei Kanäle beschränkt, so dass für komplexere Set-ups zusätzliche DMI-2-Interfaces anzuschaffen sind. Unabhängig von dieser Diskussion hat sich RME jetzt dieses Schnittstellen-Engpasses angenommen und mit seinem DMC-842 in Sachen Digital-Mikrofone ein klares Statement abgegeben. Es handelt sich bei dem Gerät kurz gesagt um ein achtkanaliges Interface für Digital-Mikrofone aller Art mit AES42-Schnittstelle…

RME DMC-842

RME DMC-842 Frontplatten-Detail RME DMC-842 Frontplatten-Detail

RME DMC-842 Anschlüsse

RME DMC-842 Innenansicht

Claudio Becker-Foss

RME DMC-842 Steuerungs-Software

Für diesen Test steht uns ein Schoeps MK 4/CMD 2U zur Verfügung, zusammen mit dem DMC-842 nehmen wir ein Instrumental mit akustischer Steelstring-Gitarre auf. Selbstverständlich wird Professional audio Magazin künftig weiter Digital-Mikrofone mit dem DMC-842 testen. Heute geht es zuerst einmal und vor allem um das praktische Arbeiten mit dem DMC-842. Die Abtastrate steht beim Interface auf 96 Kilohertz, vom DMC-842 geht es via ADAT auf die RME Hammerfall-Karte, die im Studio-Rechner sitzt und gleichzeitig als DAW-Interface für Sonar 7 fungiert. Die Einrichtung geht ausgesprochen zügig vonstatten, so dass der erste Take schnell im Kasten ist. Alternativ ist der ADAT-Ausgang des DMC-842 auch einmal mit dem Motu 828mk3 (Test in dieser Ausgabe, Seite 86) verbunden. Auch in dieser Konfiguration gibt es keinerlei Probleme. Wie überhaupt die Arbeit mit dem DMC-842 richtig Spaß macht. Nicht umsonst steht auf der Geräteoberseite: „Plug it in, switch it on, Gain Control“. Mit einem eher puristischen Mode 1-Mikrofon wie dem Schoeps in Verbindung mit dem REM-Interface wird „Plug and Play“ tatsächlich reanimiert – sofern der Anwender, wie bereits vorher beschrieben, daran denkt, Sync, Cp und Sync Pulse zu deaktivieren. Ansonsten gestaltet sich die Arbeit denkbar einfach: Das Einstellen der Verstärkung ist dank der präzisen Level-Meter-Anzeige mit ihrer 13-Segment-LED-Kette kinderleicht. Mit einem Wert von -3 dBFS bei kräftigstem Anschlag sind wir auf der sicheren Seite. Über den Pegel der fertigen Aufnahme kann sich der Musiker oder Toningenieur getrost hinterher Gedanken machen. Besser ausgedrückt: Ist die Aufnahme zu leise, einfach den Kanalfader hochziehen. Da die üblichen analogen Nebengeräusche wie Rauschen kein Thema sind – es werden schließlich nur Daten gesendet – muss der Mensch an den Reglern zwar ein wenig umdenken, dafür wird die Arbeit spürbar erleichtert. Denn gerade bei puristischen Akustik-Aufnahmen, wo Dynamikbegrenzer tabu sind, ist bei der üblichen Aufnahmekette, bestehend aus Mikrofon, Analog-Verstärker und A/D-Wandler ist viel Zeit und Mühe aufs Einpegeln zu verwenden. Auf dem volldigitalen Aufnahmeweg kann die Pegelfeinabstimmung hingegen nachträglich erfolgen. So einfach und schnell haben wir noch nie eine gute Aufnahme erstellt. Der Klang überzeugt spontan mit außergewöhnlicher Klarheit, wobei auch feinste dynamische und klangfarbliche Nuancen gewissermaßen lupenrein vorhanden sind. Ganz gleich, ob es sich um spieltechnisch bedingte Nebengeräusche beim Lagenwechsel und Saitenziehen oder um Glissandi/Slides und Bindungen unterschiedlichster Stärke handelt: Alles ist da und schon bei geringer Abhörlautstärke ohrenfällig. Es ist eindeutig, dass hier die Schoeps-Nieren-Kapsel MK 4 (ausführlicher Test in Ausgabe 5/2006) für die bekannte Feinstauflösung sorgt. Ein Vergleichstake mit derselben Kapsel – diesmal am analogen Verstärker CMC 6 – und der bewährten Kombination Lake People Mic-Amp F355 und Lynx Aurora 8 Wandler hinterlässt einen ersten Höreindruck, der sehr für das Digital-System einnimmt. Insoweit sind wir auf künftige ausführliche Vergleichstests zwischen Digital-Mikrofonen und den analogen Verwandten gespannt. Der aufmerksame Leser fragt jetzt: „Was hört ihr denn eigentlich? Den DMC-842 oder das Schoeps-Mikrofon?“ Klare Antwort: Das Mikrofon, beziehungsweise die Kapsel und den dahinter sitzenden D/A-Wandler in reinster Form. Der DMC-842 selbst soll nicht klingen und tritt auch hörbar nicht in Erschienung, was bei diesem Testaufbau auch die Qualität seiner SRCs unterstreicht. Damit tut das Gerät genau das, was ein Interface tun soll und übermittelt lediglich Daten. Weswegen Aussagen über die Klangqualität des Geräts unterm Strich fehl am Platz sind. Ein gutes AES42-Interface ist insoweit vergleichbar mit einem MIDI-Interface. Und da bewertet der Anwender – hoffentlich – den Klang seiner virtuellen Instrumente und nicht die des Interfaces.

RME DMC-842 Steuerungs-Software/Devices Setup

Erschienen in Ausgabe 05/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 3798 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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