Gar nicht so übel

In Anbetracht des Angst einflößenden Produktnamens haben wir vor Beginn des Tests von Joe Barresis Evil Drums mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber es kam dann doch ganz anders. 

Von Georg Berger 

Alle Libraries der amerikanischen Sound-Schmiede Platinum Samples enthalten Drumsounds, die von weltbekannten Produzenten und Toningenieuren produziert werden. Der Hersteller will damit Highend-Sound auch für die zugänglich machen, die nicht die Möglichkeit haben, sich solche Experten ins Studio zu holen – und das dürfte wohl auf die Mehrheit der Homerecordler zutreffen. Bereits im Heft 3/2007 konnten wir uns von der exzellenten Qualität der Classic Drums Library, die von Led Zeppelin-Ingenieur Andy Johns produziert wurde, ein Bild machen. Beim jüngsten Wurf des amerikanischen Herstellers wurde das Heft dem Toningenieur Joe Barresi in die Hand gegeben. Joe Barresi hat sich seine Meriten bei Produktionen von Bands der härteren Gangart erarbeitet, bei denen er mal als Toningenieur, mal als (Co-)Produzent beteiligt war. Dazu gehören, um nur die bekanntesten zu nennen, Heavy Metal- und Alternative-Kapellen wie Anthrax, Judas Priest, Limp Bizkit, Monster Magnet, Bad Religion oder Queens of the Stone Age. Die Sounds der Library sollen folglich speziell für diese Art von verzerrter Gitarren-Musik prädestiniert sein.

Die Produktbezeichnung der Library „Evil Drums“ – ins deutsche übersetzt: üble Trommeln – schielt dabei mehr auf den Ruf, den diese Art von Musik besitzt. Denn soviel sei schon verraten: Übel klingt die Library nicht, im Gegenteil.  Die cirka 250 Euro teure Evil Drums Library ist ausschließlich für das BFD-Plug-in der britischen Software-Schmiede Fxpansion produziert worden. Die Library besitzt ein maximales Volumen von cirka 70 Gigabyte. Der Grund: In dieser Ausbaustufe besitzen die Instrumente eine Auflösung von 250 Velocity-Stufen, fast doppelt soviel wie bei den Werkssounds von BFD. Mit dieser feinen Abstufung lässt sich ein dynamisch sehr nuanciertes Schlagzeugspiel produzieren. Platinum Samples bietet allerdings weitere Installations-Optionen an, die sehr flexible Setups ermöglichen: So können die Instrumente auch mit lediglich 20, 40 oder 128 Detailstufen installiert werden, was dann in der kleinsten Auflösung einen Speicherbedarf von lediglich 24 Gigabyte bedeutet. Selbstverständlich lassen sich gezielt nur bestimmte Instrumente und diese wiederum bei Bedarf mit jeweils unterschiedlicher Auflösung installieren. Mit dieser komfortablen Option findet wohl jeder die richtige Balance zwischen Klangqualität und Festplattenauslastung. Um das Optimum aus den Evil Drums zu holen, empfiehlt sich natürlich die Vollinstallation. In dieser Ausbaustufe sollte während des Kompositions- und Arrangier-Prozesses im Layer-Dialog von BFD ein Wert von unter 100 stehen, um ein flüssiges Arbeiten zu gewährleisten, wie sich im Test zeigt. Wir empfehlen, erst beim abschließenden Bouncen der Drumspuren die kompletten 250 Layer zu nutzen, da die Rechner-Ressourcen zu sehr beansprucht werden. Unabdingbar: Die Option, sämtliche Instrumente ins RAM zu laden, muss abgewählt sein und der Sample Cache sollte auf den Maximalwert von 96 angehoben werden.   An Bord von Evil Drums findet sich ein recht  überschaubares Repertoire an Instrumenten. Zur Auswahl stehen lediglich sechs Drumkits allerdings mit jeweils eigens für BFD erstellten und dort hinein ladbaren Mixer-Settings. Das Setup jedes Drumkits zeigt sich schnörkellos und enthält außer dem Standard-Repertoire, nämlich Bass-, Snaredrum und Hihat nur noch je ein Ride- und zwei Crash-Becken. Vier der sechs Drumkits sind mit jeweils drei Toms bestückt, die übrigen beiden besitzen nur zwei davon. Zusätzlich enthält die Library eine Auswahl von je sechs Bass- und Snaredrums zum Austausch in den einzelnen Kits. Das Repertoire an Spieltechniken und Drumsticks ist ebenfalls auf das Übliche beschränkt. Sämtliche Instrumente sind mit normalen Sticks, wahlweise mit Holz- oder Plastikspitze gespielt worden. Die Bassdrums wurden zumeist mit einem Plastikschlegel bearbeitet.   Neben einem normalen Anschlagen offeriert die Library für die Snaredrums die Spieltechniken Flam, Sidestick und Rimshot, die Ride-Becken warten mit einer zusätzlichen Bell-Variante auf. Eine Art Markenzeichen von Platinum-Samples-Libraries sind die Hihats: Auch in den Evil Drums ist das Sound-Repertoire im Vergleich zum Werks-Content von BFD um zusätzliche Viertel- und Dreiviertel-offene Varianten erweitert, was gerade bei diesem meist sehr virtuos gespielten Instrument zu deutlich mehr Farbenpracht führt. Alles in allem konzentrieren sich die Evil Drums auf ein Standard-Repertoire ohne Schnickschnack und Schnörkel. Mehr ist für Gitarrenrock aber auch nicht nötig.  

Die Produktbezeichnung der Library „Evil Drums“ – ins deutsche übersetzt: üble Trommeln – schielt dabei mehr auf den Ruf, den diese Art von Musik besitzt. Denn soviel sei schon verraten: Übel klingt die Library nicht, im Gegenteil.  Die cirka 250 Euro teure Evil Drums Library ist ausschließlich für das BFD-Plug-in der britischen Software-Schmiede Fxpansion produziert worden. Die Library besitzt ein maximales Volumen von cirka 70 Gigabyte. Der Grund: In dieser Ausbaustufe besitzen die Instrumente eine Auflösung von 250 Velocity-Stufen, fast doppelt soviel wie bei den Werkssounds von BFD. Mit dieser feinen Abstufung lässt sich ein dynamisch sehr nuanciertes Schlagzeugspiel produzieren. Platinum Samples bietet allerdings weitere Installations-Optionen an, die sehr flexible Setups ermöglichen: So können die Instrumente auch mit lediglich 20, 40 oder 128 Detailstufen installiert werden, was dann in der kleinsten Auflösung einen Speicherbedarf von lediglich 24 Gigabyte bedeutet. Selbstverständlich lassen sich gezielt nur bestimmte Instrumente und diese wiederum bei Bedarf mit jeweils unterschiedlicher Auflösung installieren. Mit dieser komfortablen Option findet wohl jeder die richtige Balance zwischen Klangqualität und Festplattenauslastung. Um das Optimum aus den Evil Drums zu holen, empfiehlt sich natürlich die Vollinstallation. In dieser Ausbaustufe sollte während des Kompositions- und Arrangier-Prozesses im Layer-Dialog von BFD ein Wert von unter 100 stehen, um ein flüssiges Arbeiten zu gewährleisten, wie sich im Test zeigt. Wir empfehlen, erst beim abschließenden Bouncen der Drumspuren die kompletten 250 Layer zu nutzen, da die Rechner-Ressourcen zu sehr beansprucht werden. Unabdingbar: Die Option, sämtliche Instrumente ins RAM zu laden, muss abgewählt sein und der Sample Cache sollte auf den Maximalwert von 96 angehoben werden.   An Bord von Evil Drums findet sich ein recht  überschaubares Repertoire an Instrumenten. Zur Auswahl stehen lediglich sechs Drumkits allerdings mit jeweils eigens für BFD erstellten und dort hinein ladbaren Mixer-Settings. Das Setup jedes Drumkits zeigt sich schnörkellos und enthält außer dem Standard-Repertoire, nämlich Bass-, Snaredrum und Hihat nur noch je ein Ride- und zwei Crash-Becken. Vier der sechs Drumkits sind mit jeweils drei Toms bestückt, die übrigen beiden besitzen nur zwei davon. Zusätzlich enthält die Library eine Auswahl von je sechs Bass- und Snaredrums zum Austausch in den einzelnen Kits. Das Repertoire an Spieltechniken und Drumsticks ist ebenfalls auf das Übliche beschränkt. Sämtliche Instrumente sind mit normalen Sticks, wahlweise mit Holz- oder Plastikspitze gespielt worden. Die Bassdrums wurden zumeist mit einem Plastikschlegel bearbeitet.   Neben einem normalen Anschlagen offeriert die Library für die Snaredrums die Spieltechniken Flam, Sidestick und Rimshot, die Ride-Becken warten mit einer zusätzlichen Bell-Variante auf. Eine Art Markenzeichen von Platinum-Samples-Libraries sind die Hihats: Auch in den Evil Drums ist das Sound-Repertoire im Vergleich zum Werks-Content von BFD um zusätzliche Viertel- und Dreiviertel-offene Varianten erweitert, was gerade bei diesem meist sehr virtuos gespielten Instrument zu deutlich mehr Farbenpracht führt. Alles in allem konzentrieren sich die Evil Drums auf ein Standard-Repertoire ohne Schnickschnack und Schnörkel. Mehr ist für Gitarrenrock aber auch nicht nötig.  

m Hörtest konzentrieren wir uns auf die von Joe Barresi zusammengestellten Drumkits, inklusive der für das jeweilige Set erstellten BFD-Mixer-Settings. Gleichzeitig verschaffen wir uns auch einen Überblick über die mitgelieferten MIDI-Grooves und -Fills für den in BFD integrierten MIDI-Player. Das Repertoire fällt allerdings mit cirka 130 Grooves und 100 Fills recht spärlich aus und enttäuscht. Zumeist sind lediglich eher durchschnittliche Rock-Rhythmen zu hören, die zwar in allen Spielarten harten Gitarren-Rocks sehr gut einsetzbar sind, aber auf Dauer langweilig werden und wenig Profil besitzen. Zusätzliche Stile wie etwa Jazz, Funk oder Country fehlen zwar, wären aber auch völlig fehl am Platz. Was wir aber tatsächlich vermissen, sind virtuose und komplexe polyrhythmische Grooves, gerne auch auf den Toms und in ungeraden Taktarten, wie sie in progressivem Gitarren-Rock immer mal wieder zu hören sind. Wer außerdem auf ein Repertoire an knüppelharten Heavy Metal Grooves mit Double-Bassdrum-Dauerfeuer spekuliert, wird ebenfalls nur ansatzweise durch einige wenige Grooves dieser Art befriedigt. Da hatten wir uns angesichts des Produktnamens weitaus mehr versprochen.   Mehr als entschädigt werden wir dafür aber durch die Klangqualität der Sounds und hier vor allem der sechs Drumkits, die jedes für sich über einen eigenen geschlossenen Klang-Charakter verfügen. Joe Barresi glänzt hier mit seinem sicheren Gespür bei der Zusammenstellung der einzelnen Instrumente, die perfekt aufeinander abgestimmt sind. Klug eingesetzt, unterstreichen sie markant die musikalische Atmosphäre von Arrangements. Das erste Drumkit präsentiert sich im Test als solides Rock-Kit für alle Standardanwendungen. Drumset Nummer zwei hingegen überrascht durch einen düsteren Charakter, erzeugt durch einen hohen Raumanteil und Instrumente mit deutlicher Betonung im Bassanteil und langem Nachklang. Blues- und schwerfälliger Slow-Rock dürften mit diesem Drumset am Besten zur Geltung kommen. Es entsteht der Eindruck, als ob die Sounds schwerfällig wie Öl aus den Lautsprechern tropfen. Heavy Metal und Uptempo-Rock dürfte mit dem sechsten Drumset optimal zu produzieren sein. Es zeichnet sich im Vergleich zu den übrigen Schlagzeugen durch Kraft, Volumen und Vordergründigkeit aus. Einen Ausreißer markiert Drumkit Nummer vier: Es besitzt einen sehr schlanken Grundklang und kann auch für die eine oder andere Pop-Produktion und auch für Dancefloor eingesetzt werden. Drumkit Nummer drei ähnelt klanglich eher dem ersten, klingt aber direkter, jedoch nicht ganz so voluminös. Das fünfte Drumkit schließlich liefert eine etwas plastischere Variante des vierten ab.  

Heavy Metal Jünger, die bei Evil Drums auf einen hochgezüchteten, wuchtigen Studiosound mit knackig kurzen Bassdrums und knalligen Snares spekulieren, werden allerdings enttäuscht. Sämtliche Sounds klingen nun mal so wie ein Schlagzeug zu klingen hat, mit viel Holz im Kessel, resonierenden Fellen und Snareteppichen. Der akustische Charakter jedes Instruments ist originalgetreu eingefangen worden.   Auffällig bei den Bassdrums ist ein durchweg kurzer, eher impulsartiger Sound mit hohem Bassanteil, der sich durch eine deutliche Betonung beim Anschlagsattack und mit unterschiedlich kleinen Anteilen im resonierenden Nachklang auszeichnet, was sich bei nachträglicher Bearbeitung mit Kompressor und Equalizer nun doch zum gewünschten Schwermetall-Trommel-Sound modellieren lässt. Wem dies dann immer noch zu tight und kurz klingt, dreht einfach den PZM-Kanal auf: Mit einem Mal klingt jede Bassdrum offen, wuchtig, voluminös und klingt sehr lange nach. In Extremstellungen schaffen sie es sogar, das Ride-Becken zu übertönen. Mit dieser Option dürften auch Blues-Musiker hoch zufrieden sein, oder Musiker, die schwermütige Rockmusik in langsamen Tempi produzieren wollen. Im Test vermissen wir die Option, Eingriff in die Balance der beiden Bassdrum-Mikrofone nehmen zu können, überhaupt nicht.   Die Snaredrums schlagen in eine ähnliche Kerbe wie die Bassdrums. Sie bestechen ebenfalls durch einen tighten Klang mit Betonung der ersten Impulse. Das Repertoire erstreckt sich auf verschieden hoch gestimmte Instrumente, die mit unterschiedlich langem Resonieren des Snareteppichs und eher subtilen Kesselanteilen aufwarten. Auffällig zeigt sich die Snare des ersten Drumkits und die sechste Extra-Snare, die ihren markanten voluminösen Charakter durch einen in der Aufnahme enthaltenen Raumanteil bekommen. Wem in den Drumkit-Presets die eine oder andere Bass- und Snaredrum hinsichtlich Attack oder Tonhöhe nicht gefällt, findet mit den Extra-Instrumenten eine ausreichende Alternative.   Unabhängig von den individuellen Merkmalen der einzelnen Instrumente und Drumkits, zeichnet sich die Evil Drums Library durch einen druckvollen und durchsetzungsfähigen Grundklang aus, selbst wenn die Sounds mit viel Raumanteil versehen sind. Aus verzerrten Gitarrenwänden lassen sich die Instrumente immer wieder problemlos herausschälen und können ihren Platz im Arrangement behaupten. Dabei klingen sie sehr fein nach oben hin aufgelöst, ohne etwa bei den Becken aufdringlich zu wirken. Alles klingt sehr organisch und homogen. Übel klingt anders. Die Werkssounds von BFD können im direkten Vergleich nicht mithalten und klingen nicht annähernd so fein aufgelöst und vordergründig. Beim Vergleich mit der in Heft 3/2007 getesteten Andy Johns Library bestätigt sich der Gesamteindruck der Evil Drums noch einmal. Der Grundsound der Andy Johns Drumkits ist zwar feiner, aber auch höhenreicher, schlanker und nicht ganz so direkt.

Fazit

Die Joe Barresi Evil Drums Library ist speziell für alle Spielarten von Rockmusik der härteren Gangart produziert, bei denen die verzerrte Gitarre im Vordergrund steht. Sie kommt ohne überflüssiges Brimborium aus und konzentriert sich auf das Wesentliche. Platinum Samples hat es auch mit dieser Library geschafft, durch das Know-how eines Profis eine exzellent klingende Library mit Highend-Profi-Sound vorzulegen.

Erschienen in Ausgabe 02/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 249 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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