Ich mach mir die DAW, wie sie mir gefällt

Abseits der altbekannten Big Player hat sich die DAW Reaper seit nunmehr zehn Jahren eine eigene kleine Nische geschaffen, die ihr den Ruf eines kostengünstigen Independent-Produkts eingebracht hat, das mit Profi-Qualitäten aufwartet und sogar den Etablierten in Sachen Features und Funktionen oftmals vorauseilt. Ähnlich wie Robin Hood mit seinen Gefolgsleuten erfreut sich Reaper zudem einer überaus treuen und agilen Fangemeinde. Was das Besondere an Reaper ist, was mit der DAW möglich ist und für wen sie sich eignet, haben wir für Sie ergründet.

Von Georg Berger

Wenn es um rechnerbasierte Musikproduktion geht, werden immer wieder die drei Großen Cubase, Logic und Pro Tools in einem Atemzug genannt. Alle anderen Mitbewerber rangieren unter „ferner liefen“. Trotzdem gab und gibt es, ähnlich wie das berühmte kleine gallische Dorf in Aremorica, das dem Eindringling erfolgreich Widerstand leistet, Produkte, die der Übermacht des Mainstreams beharrlich entgegentreten. Die DAW Reaper zählt ganz ohne Zweifel dazu. In den vergangenen Jahren ist uns Reaper immer wieder begegnet, sei es als Geheimtipp unter vorgehaltener Hand oder in Form von Leserzuschriften, die nach einem profunden Test von Reaper fragten. Wir haben das zehnjährige Jubiläum dieser DAW – geht man vom Release der Version 1 als Shareware aus – zum Anlass genommen, um die durch und durch eigenwillige Independent-DAW endlich einmal einer grundlegenden Prüfung zu unterziehen.

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Anders als hartnäckige Gerüchte es immer noch verkünden, ist Reaper keine Shareware. Zwar lässt sich die Software für 60 Tage kostenlos und ohne jedwede Einschränkung testen. Danach fordert die DAW den Anwender aber zum Kauf auf. Amateure, Bildungsinstitutionen und Profis, die mit ihrer Arbeit weniger als 20.000 Dollar pro Jahr erwirtschaften, zahlen äußerst attraktive 60 US-Dollar, um Reaper weiterhin nutzen zu können. Profis, die einen Umsatz über dem genannten Betrag erzielen, zahlen immer noch attraktive 225 US-Dollar. Dafür erhalten beide Gruppen kostenlose Updates bis über das nächste Major-Update hinaus. Zum Test tritt die Version 5.16 an, wobei die Updates bis hinauf zur Version 6.99 kostenlos sind. Das ist wahrlich nicht selbstverständlich und zeugt von einer hohen Kundenfreundlichkeit.

Der Preis relativiert sich allerdings für diejenigen, die beim Kauf auf ein fettes Paket an Sounds und virtuellen Instrumenten hoffen. Die gibt es nämlich nicht und im Lieferumfang finden sich gerade einmal drei Instrumente mit eher überschaubarer Ausstattung: ein analoger Synthesizer, ein Drum-Synthesizer und ein Sampler. Letzterer kommt ebenfalls ohne Sounds daher. Dafür sprengt Reaper den Rahmen in Sachen mitgelieferte Insert-Effekte (siehe Kasten auf Seite 22). Diese „Klangarmut“ ist dabei der Firmenpolitik des Herstellers Cockos geschuldet, der Wert auf ein komplett unabhängiges Entwickeln von Reaper legt (siehe Kasten auf Seite 20). In Konsequenz fällt die Installations-Datei von Reaper überaus klein aus. Gerade mal zehn Megabyte umfasst das File, das sich auf dem Rechner auf rund 60 Megabyte erweitert. Die Lizenzierung erfolgt nach dem Kauf über den Import eines Lizenz-Files. Besonderheit: Mit dieser Auslegung ist es sogar möglich, Reaper von einem USB-Stick oder anderem mobilen Datenträger aus zu starten. Bei Bedarf hat man also seine DAW stets am Schlüsselbund dabei.

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