Einsteiger

Das Handheld-Recorder-Flaggschiff HDR7 des amerikanischen Herstellers iKey Audio hat der Konkurrenz eines voraus: Er nimmt neben SD- und SDHC-Karten auch direkt auf herkömmlichen USB-Sticks auf. Wie sich der günstige Einsteiger ansonsten schlägt, klärt der Test.  

Von Michael Nötges 

GCI Technologies heißt die amerikanische Firma, die außer den DJ- und Live-Equipment-Marken Cortex und Gemini mit iKey Audio auch das Studio-Segment mit Produkten versorgt. Im Portfolio finden sich derzeit Monitore, Kopfhörer, eine Soundkarte und mobile Recorder. Unter den Handhelds ist der HDR7 bei iKey Audio König und bietet neben den beiden kleinen Brüdern G3 und M3 als einziger ein integriertes Stereomikrofon und erweiterte Aufnahme-Features. Der Clou des Testkandidaten, der gerade einmal 179 Euro kostet, findet sich in der Möglichkeit, Audio-Signale direkt auf herkömmliche USB-Sticks aufzunehmen, was den Datenaustausch denkbar einfach und universell gestaltet. Ansonsten nimmt der HDR7 natürlich auch bereitwillig SD- und SDHC-Karten mit bis zu 32 Gigabyte entgegen und zeichnet mit bis zu 24 Bit und 96 Kilohertz im WAV- oder AIFF-Format auf. Alternativ stehen MP3- und AAC-Formate mit Sampleraten zwischen 64 und 320 kbps zur Auswahl. Im Lieferumfang enthalten sind vier AA-Batterien, die der Recorder für die ungebundene Stromversorgung braucht, ein Windschutz, Netzteil, USB-Kabel, 1GB-Speicherkarte und ein Tischstativ als zunächst vielversprechendes Gimmick. Aufgrund seines Preises und seiner Ausstattung reiht sich der HDR7 zunächst in die Riege der Economy-Klasse-Geräte ein. Die direkten Konkurrenten des HDR7 sind also Einsteigerprodukte wie der Swissonic MDR-4 (UVP: 179 Euro; Test, Ausgabe 3/2010), Zoom H-1 (UVP: 117,81 Euro), Tascam DR-05 (UVP: 149 Euro) oder der Yamaha Pocketrak C24 (UVP: 201 Euro).

Der HDR7 folgt konsequent dem Motto „Black is beautyful“ und bringt lediglich durch das briefmarkengroße Farb-LC-Display und eine rote Status LED unterhalb des Record-Buttons etwas Farbe ins Spiel. Die Dialoge im Display sind mit Hilfe des einstellbaren Kontrastes und der guten Auflösung zwar gut lesbar, allerdings bleibt die Größe unterm Strich recht klein. Dank gelungener Menügestaltung ist es den Entwicklern dennoch gelungen, alle wichtigen Einstellungen und Anzeigen auf engstem Raum unterzubringen. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, wobei Flanken und Rückseite mit einer samtweichen Oberfläche aufwarten, die eine angenehme Haptik vermittelt und unliebsame Fingerabdrücke vermeidet. Besonders klein ist der etwas sperrig wirkende und 300 Gramm schwere Aufnahme-Faustkeil nicht. Das Design erinnert etwas an eine alte TV-Fernbedienung. Anstelle eines Infrarot-Senders finden sich stattdessen zwei Mikrofonkapseln in Pseudo-XY-Anordnung – die Kapseln liegen neben- und nicht übereinander – samt Schutzbügeln in einer halbkreisartigen Aussparung am Kopf des Gerätes.  iKey Audio setzt für die kabellose Stromversorgung auf vier herkömmliche Batterien oder Akkus im AA-Format. Das üppige Fach liegt auf der Rückseite des HDR7. Dass trotzdem nur eine Betriebsdauer von rund fünf Stunden je nach Einsatz-Modus angegeben wird, wundert ein wenig. Stromsparspezialisten wie der Yamaha Pocketrak W24 (Test in Ausgabe 6/2010) kommen mittlerweile auf rund 19 Stunden Betriebsdauer mit nur einer AA-Batterie. Nur zum Vergleich: Das Gros an mobilen Recordern – meistens mit nur zwei Batterien bestückt – bietet zumeist eine Gesamtaufnahmezeit zwischen sechs Stunden wie der Tascam Dr-2d (Test in Ausgabe 9/2010) und 10 Stunden wie der Korg Sound on Sound (Test in Ausgabe, 4/2010). 

Der Slot für die SD- und SDHC-Karten befindet sich am Fuß des Recorders. Der Steckplatz ist nicht durch einen Verschluss oder eine Klappe geschützt. Das hat zunächst den Vorteil, dass Speicherkarten im Handumdrehen und sehr komfortabel gewechselt werden können. Allerdings ist dafür der abdeckungslose Spalt anfällig für Staub, Sand oder Feuchtigkeit von außen. Direkt unterhalb des Kartenslots ist ein Gewinde ins Gehäuse geschnitten, um den HDR7 auf ein Kamerastativ oder den mitgelieferten Tripod befestigen zu können. Die Montage gelingt allerdings nur, wenn das hintere Bein verkürzt und die beiden vorderen ausgefahren sind, um dem weit nach vorne verlagerten Schwerpunkt entgegenzuwirken. Weniger wackelig wäre die Angelegenheit, wenn das Befestigungsgewinde auf der Rückseite, oberhalb des Batteriefaches angebracht wäre.   Alternativ zu den SD-Karten kann auch direkt auf herkömmliche USB-Sticks aufgenommen werden. Der dazugehörige Steckplatz liegt an der rechten Flanke unterhalb der Mini-USB-2.0-Schnittstelle, um den Datenaustausch mit Mac oder PC zu gewährleisten. Der HDR7 verfügt ansonsten über einen Mikrofoneingang (3,5-mm-Klinkenbuchse), um externe Mikrofone anzuschließen. Allerdings schränkt die lediglich vorhandene Plug-in-power von drei Volt die Auswahl auf entsprechende Elektret-Kondensatormikrofone, dynamische Schallwandler oder solche mit eigener Stromversorgung ein. Der Line-Eingang liegt, ebenso wie der Kopfhörer-/Line-Ausgang jeweils unterhalb einer Mikrofonkapsel. Wird der Kopfhörerausgang als Monitorweg verwendet, um die Aufnahmen über die internen Mikrofone zu kontrollieren, erweist sich der Platz als etwas problematisch, da das Kabel im Eifer des Gefechts schnell einmal die Kapseln berührt und unerwünschte Nebengeräusche hervorruft.

Alle wichtigen Bedienelemente sind verstellsicher im Gehäuse eingelassen und befinden sich zum direkten Zugriff am Gehäuse: Outputlevel-Wippe, Mic-Gain (Low/High) sowie Input-Gain (-20, 0, +10 dB) und Power-Schalter. Die Eingangsverstärkung hingegen wird über das griffige und fein gerastete Endlos-Navigations-Drehrad auf der Oberseite vorgenommen. Dafür muss sich der Recorder allerdings im Aufnahme-Modus befinden (Rec-Taste drücken). Ansonsten gibt es die obligatorischen Transport-Taster, die nicht unbedingt groß sind, aber vertrauensvoll ihren Job erfüllen sowie Menü- und Enter-Button, die bei der Navigation hilfreich sind. Last but not least legt je ein Druck auf den fingerspitzengroßen Loop-Button Anfangs- und Endzeitpunkt eines bestimmten Bereichs im Track fest, der anschließend automatisch wiederholt abgespielt wird. Eine Hold-Funktion, um die Tasten zu sperren, gibt es auch. Allerdings muss dafür die etwas umständliche Tastenkombination aus Enter- und Loop-Button gedrückt werden.  Der HDR7 besitzt drei überschaubare Menüs: Im Main Menü finden sich allgemeine Einstellungen wie Datum, Zeit, Kontrast und ein Factory Reset aber auch Datenverwaltungsfunktionen (Move, Copy, Delete, Rename), die das Handhaben der aufgenommenen Tracks erleichtern. Besondere Erwähnung verdient die Funktion Save as/Normalize. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein aufgenommener Track normalisieren und in ein gewünschtes Format konvertieren. Das ist besonders hilfreich wenn ein Originaltrack im WAV-Format bestehen bleiben soll, aber schnell eine MP3-Kopie des Probemitschnitts für die Bandmitglieder benötigt wird. Mit der Move-Funktion kann auf diese Weise rasch eine Kopie auf die USB-Sticks der Musiker übertragen werden.   

 

Im Record-Modus können selbstredend die unterschiedlichen Formate, Wortbreiten und Samplingfrequenzen (siehe Tabelle) ausgewählt werden. Darüber hinaus wartet der HDR7 mit einigen hilfreichen Features auf. Zunächst kann in stereo aber auch mono, sprich beide Kanäle (links und rechts) addiert oder jeweils nur der rechte oder linke Kanal aufgenommen werden. Die Auto-Track-Funktion legt automatisch ein neues File an, sobald der Recorder während der Aufnahme aus dem Pause-Modus wieder gestartet wird. Ist das Auto-Rec-Feature aktiviert, startet der Recorder erst dann die Aufnahme, wenn ein Signal anliegt, was etwa beim Überspielen von Line-Signalen hilfreich ist. Um die eigenen Aufnahmen eindeutig zu kennzeichnen kann ein File-Präfix – beispielsweise die eigenen Initialen oder der Name des jeweiligen Projekts – eingestellt werden. Außerdem verfügt der HDR7, wie mittlerweile viele Handheld-Recorder, über einen Pre-Record-Buffer von fünf Sekunden, um beim Aufnahmestart nicht zu spät zu kommen. Um die Übersicht bei langen Aufnahmesessions nicht zu verlieren, hilft der Mark-Timer, der automatisch Markierungen nach festgelegten Intervallen setzt, die in 15-Sekunden-Schritten einstellbar sind. Der so genannte File-Timer legt nach gleichem Prinzip jeweils automatisch neue Tracks an. Marker- und Titel-Informationen können wahlweise im CUE- oder Sony-Format abgelegt werden, je nachdem mit welcher Soft- oder Hardware die aufgenommenen Tracks weiterbearbeitet werden. Bei leisen Schallquellen hilft außerdem die Boost 24dB-Funktion, den Aufnahmepegel anzuheben.  Der HDR7 bietet überdies noch eine Dynamik-Sektion mit Kompressor, Limiter und so genannter AGC-Funktion – nicht zu verwechseln mit der aus anderen Handheld-Recordern bekannten Auto Gain Control – , um die Dynamik bei Bedarf zu optimieren, Transienten abzufangen und Übersteuerungen zu vermeiden. Der AGC-Effekt ist ein spezieller Kompressor, der den Mittenbereich betont, um die Stimme hervorzuheben. Parameter-Einstellmöglichkeiten (Threshold, Ratio, Attack- und Release-Zeit) sucht man indes vergebens. Das zusätzliche Noise-Gate hilft, Hintergrundrauschen in leisen Passagen zu eliminieren.  Das Play-Menü bietet lediglich drei Unterpunkte: zum einen kann ausgewählt werden, ob das virtuelle VU-Meter im Display angezeigt werden soll. Steht der Eintrag auf off, ist die Anzeige des LCD deutlich übersichtlicher. Außerdem finden sich darin die obligatorischen Playback-Features (play one, all und repeat one, all) und, ebenso wie im Record-Menü, übrigens auch die beiden Time-Modi REM und ELA. 

Im Messlabor von Professional audio schlägt sich der HDR7 sehr wacker. Die Eingangsempfindlichkeit des Mikrofoneingangs liegt bei -51,1 dBu, was auch bei Aufnahmen mit dynamischen Mikrofonen genügend Verstärkungsreserven bereitstellt. Bei leisen Schallquellen empfehlen sich allerdings ausgangsstärkere Kondensatormikrofone mit eigener Stromversorgung. Geräusch- und Fremdspannungsabstand könnten mit 64,4 und 60,1 besser sein. Die Messwerte sind rund zehn Dezibel schlechter als beispielsweise die Werte eines Tascam DR-2d (74,4/70,9; Test in Ausgabe 9/2010), liegen aber etwa auf Augenhöhe mit dem Swissonic MDR-4 (67,4/63,7; Test in Ausgabe 3/2010). Der Noisefloor liegt unterhalb sehr guter -90 Dezibel, wobei k3 zwar vorhanden ist, aber nicht aus dem allgemeinen Rauschen herausragt. Die THD+N-Werte steigen bis auf ein Prozent bei 20 Kilohertz an, liegen durchschnittlich aber bei ordentlichen 0,15 Prozent. Der Frequenzgang über den Mikrofoneingang gemessen, weist eine Absenkung ab 50 Hertz auf, so als wäre ein Hochpassfilter eingeschaltet, ansonsten verläuft er linear. Im Hör- und Praxistest erweist sich die Navigation und Menüführung des HDR7 anfänglich als etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gelingt die Bedienung aber stetig besser. Weniger erfreulich ist die unzureichende Aussteuerungsanzeige des Eingangspegels. Die beiden Balken im Display reagieren ziemlich grob und ungenau. Sie zeigen zwar irgendetwas an, aber zu viel mehr als der Kontrolle, ob ein Pegel anliegt oder nicht und zur vagen Clip-Vermeidung taugen sie nicht. Es gelingt zwar mit viel Vorsicht einen optimalen Pegel einzustellen, ein sicheres Gefühl stellt sich allerdings nicht ein. Umso empfehlenswerter ist der Einsatz des Limiters, der einen ganz guten Job macht, wenn es darum geht leichte Pegelspitzen abzufangen. Denn eine automatische Pegelkontrolle hat der HDR7 nicht.  Klanglich liefert der HDR7 sehr ordentliche Ergebnisse. Die Aufnahmen (Atmo, Stimme, Gitarre) gelingen weitestgehend rauschfrei, es sei denn, der Recorder soll eine sanft gezupfte Gitarre aus einem Meter Entfernung einfangen. Dann müssen für einen Optimalpegel alle Verstärkungsreserven mobilisiert werden und ein leichtes Rauschen ist nicht zu vermeiden. Im Low-Modus mit einem externen Kondensatormikrofon lassen sich aber sehr ordentliche Ergebnisse erzielen. Ansonsten lösen die internen Mikrofone fein auf und liefern gerade in den Höhen einen offenen und detailgetreuen Klang, der zwar etwas an Plastizität vermissen lässt, aber dennoch filigrane Rauminformationen und Reflektionen enthält. Die Aufnahmen klingen zwar weitestgehend ausgewogen und natürlich, unterm Strich bleiben sie allerdings etwas dünn und bassschwach. Diese Eigenschaft kommt primär Stimmaufnahmen zu Gute, da sie den Signalen zu mehr Durchsetzungskraft und Präsenz verhilft, was bei Interviewsituationen zu sehr guter Verständlichkeit führt.  

Fazit 

Der HDR7 ist ein kostengünstiger Handheld-Recorder, der sehr ordentlich klingt, mit einer guten Dynamic-Sektion ausgestattet ist und trotz Aussteuerungsschwäche für den Einsteiger ins mobile Aufnahmegeschäft ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Mit der Möglichkeit, direkt auf USB-Sticks aufnehmen zu können, ist er der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus.

Erschienen in Ausgabe 06/2011

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 179 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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