Spezialisten-Sextett

Steinberg baut seine Palette an Hardware-Produkten weiter aus und präsentiert mit der CMC-Serie jetzt sechs kompakte, individuell ausgestattete DAW-Controller zum gezielten Ansteuern verschiedener Sektionen der hauseigenen Sequenzer Cubase und Nuendo. Die modular kombinierbaren Controller sehen dabei nicht nur schick aus.  

Von Georg Berger

Mit dem Modell CC121 hat das Unternehmen Steinberg bereits vor knapp vier Jahren seinen Einstand ins Marktsegment der DAW-Controller gefeiert. Der Controller ist dabei gezielt auf das Ansteuern des Kanal-Editors von Cubase und Nuendo ausgelegt, inklusive Editieren des dort integrierten EQs. Zusätzlich ist die Ausstattung um Transporttasten und den von Yamaha und Steinberg ersonnenen AI-Knob erweitert. Damit ist der CC121-Controller zwar kein voll ausgebauter DAW-Controller wie etwa das Control-Modell von Mackie oder die Artist-Geräte von Avid (ehemals Euphonix). Dennoch nimmt der Steinberg-Zwerg dem Anwender eine Menge Klickarbeit mit der Maus ab. Dieses Konzept hat Steinberg jetzt nicht nur fortgesetzt, sondern auch weiter ausgebaut und Ende 2011 in Form der CMC-Serie, bestehend aus sechs kompakten Controllern, präsentiert. Jedes Controller-Modul ist zielgerichtet auf das Ansteuern und Editieren spezieller Teilbereiche innerhalb der Steinberg-Sequenzer ausgelegt. Der QC-Controller deckt primär sämtliche Bedienaspekte rund um den Quick-Controller innerhalb des Cubase/Nuendo-Inspektors ab und offeriert darüber hinaus weitere flexible Eingriffsmöglichkeiten. Das PD-Modul ist ein klassischer Pad-Controller im Stile der Akai MPC-Geräte. Weiter geht es mit der Faderbank CMC-FD, mit der sich die Lautstärken und Pegel von vier Kanalzügen einstellen und ablesen lassen.

Bis zu vier FD-Module lassen sich dabei übrigens kaskadieren, was die Kontrolle von 16 Kanälen auf einen Schlag erlaubt. Die Ausstattung des CC121-Geräts findet sich auf drei weitere CMC-Module verteilt wieder, mit teils deutlich erweitertem Funktionsumfang. So lassen sich im CMC-CH-Modul die Bedienelemente des Kanal-Editors bequem fernsteuern, der TP-Controller ist eine opulent ausgestattete Transport-Sektion mit einigen ausgefuchsten Features und das CMC-AI-Modell rückt – Nomen es Omen – den zuvor schon erwähnten AI-Knopf zum Editieren von Parametern ins Zentrum. Mit einem geforderten Preis von knapp 160 Euro pro Gerät, respektive etwa 200 Euro für das Fader-Modul, fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr günstig aus. Großer Vorteil: Der Cubase-/Nuendo-Anwender kann sich gezielt die für seine Bedürfnisse passenden Geräte aussuchen, die ihn optimal bei der Arbeit unterstützen, denn jeder Controller lässt sich autark einsetzen. Für Features, die nicht gebraucht werden oder auf die man verzichten kann, muss also auch nicht extra bezahlt werden. Das ist klug gedacht und spielt überdies Anwendern mit knappem Budget in die Hände, die sich auf diese Weise nach und nach ihre DAW-Steuer-Zentrale modular ausbauen können. Bevor wir ins Detail gehen und uns jedes CMC-Modul der Reihe nach näher anschauen, sei zuvor noch auf eine Reihe von Gemeinsamkeiten hingewiesen: Die Verbindung zum Rechner erfolgt via USB-Schnittstelle, über die sowohl die Datenübertragung, als auch die ausschließliche Stromversorgung erfolgt. Das birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Wer sich für den Betrieb nur eines oder weniger CMC-Geräte entscheidet, die sich ohne Not direkt an den Computer anschließen lassen, kann sich beruhigt zurücklehnen und profitiert vom Segen der Bus-Powered-Lösung. Wer jedoch knapp an USB-Anschlüssen ist und mehrere CMC-Controller einsetzen möchte, kommt um den Einsatz eines aktiven USB-Hubs nicht herum, was wiederum den Einsatz eines Netzgeräts und je nach Zahl der einzusetzenden Geräte zu einem entsprechend großen Kabel-Gewirr führt, das es zu bändigen gilt. Der Grund: Jedes CMC-Modul besitzt lediglich einen Mini-USB-Anschluss. Eine zweite Buchse zur direkten Verbindung auf USB-Ebene mit einem weiteren CMC-Modul – Stichwort: Daisy Chaining – wäre ungleich komfortabler und würde für weniger Kabelsalat sorgen. Solch eine Lösung würde in Konsequenz jedoch aufwändiger und mithin auch kostenintensiver ausfallen. Zur Ehrenrettung sei an dieser Stelle jedoch vermerkt, dass beim Betrieb mehrerer Artist-Controller von Avid ebenfalls der Einsatz eines zusätzlichen Hubs nötig ist, wobei jeder Artist-Controller über ein eigenes Netzgerät mit Strom versorgt werden muss. Doch Steinberg hat bereits im Vorfeld mitgedacht und bietet für Kabelsalat-gepeinigte CMC-Anwender einen Gehäuse-Rahmen zur Aufnahme von vier CMC-Controllern für circa 130 Euro an, der überdies auch Platz für den erforderlichen USB-Hub bietet, der allerdings nicht im Lieferumfang des CMC-Studio-4-Frame-Gehäuses enthalten ist. Damit nicht genug offeriert der Hersteller sogar eine zweite Gehäuse-Variante für knapp 150 Euro, die den „alten“ CC121-Controller ins Zentrum stellt und Platz für zwei CMC-Module links und rechts vom CC-Gerät bietet (siehe Abbildungen auf Seite XX). Als Alternative zum Schaffen von Ordnung bietet sich ein mitgelieferter Kunststoff-Clip an, der sich auf der Rückseite der CMC-Controller einstecken lässt und jeweils zwei Module miteinander verbindet.

Allerdings entpuppt sich diese Lösung im Test als sehr fragil und wenig stabil. Denn dadurch, dass der Clip selbst recht klein ausfällt und zudem am unteren Drittel der Geräte eingesteckt werden muss, besitzt ein derart realisierter Geräteverbund ein deutliches Spiel. Wer solch einen zusammengesteckten, in sich wackeligen Verbund mal eben hochheben oder im Gesamten kurz versetzen möchte, läuft durch die geringe Verbindungsfläche Gefahr, dass der Kunststoff-Clip zwischen den Geräten abbricht. Im Kern ist diese Lösung zwar durchaus pfiffig. Wir hätten uns anstelle eines quadratischen Clips aber eine rechteckige Befestigungsplatte gewünscht, die eine starre Verbindung über den Großteil der Seitenflanken realisiert und ungleich stabiler ausfallen würde. Ansonsten hinterlassen sämtliche Module in Sachen Verarbeitung einen sehr guten Eindruck. Zudem sehen die Kunststoff-Gehäuse mit ihrer weißen Umrandung und dem in schwarz gehaltenem Bedienfeld sehr stylisch aus. Mit diesem Aussehen brechen sie jedenfalls deutlich aus dem schwarzen Einerlei des Studio-Equipment-Standards aus und bestechen als echte Hingucker. Mit durchschnittlich 200 Gramm fallen die etwa Taschenbuch großen CMC-Controller recht leicht aus. Dank eingelassener winziger Gummifüßchen auf der Unterseite besitzen sie dennoch einen festen Stand und verrutschen selbst bei ruppigerem Bedienen von Reglern und Tasten nicht. Dies gilt auch, wenn die CMC-Controller mit Hilfe des ausklappbaren Standfußes auf der Unterseite zwecks besserer Bedienbarkeit hochgebockt werden. Dieser Ständer führt gleichzeitig auch eine Schutzfunktion aus und erlaubt nach dem Aufklappen den Zugriff auf die USB-Buchse. Auffällig: Sämtliche Taster bestehen aus halbtransparentem, sehr griffigem Gummi und sind unterschiedlich farbig hinterleuchtet, was dem Gesamt-Eindruck noch einmal schmeichelt. Beim Drücken zeichnen sie sich durch einen spürbaren Schaltweg und Druckpunkt aus, was wertig ausfällt und dem Anwender zusammen mit der Beleuchtung stets eine deutliche Rückmeldung über die ausgeführten Schaltvorgänge gibt. Anlass zur Kritik gibt allerdings die hellgraue Beschriftung der Taster, die nicht sehr gut lesbar ist. Gerade in der Anfangsphase des Tests führt dies immer wieder zu genauem Hingucken auf die Taster, um die gewünschte Funktion ausführen zu können. Wir hätten uns stattdessen eine leuchtend-weiße Beschriftung gewünscht, die auch in einiger Entfernung vom Arbeitsplatz noch gut erkennbar ist. Damit würde zwar die optische Geschlossenheit des schwarzen Bedienfelds aufgebrochen und der ästhetische Gesamt-Eindruck gestört. Doch getreu dem alten Designer-Spruch „Form follows function“ wäre diese Lösung in jedem Falle vorzuziehen. Wichtig: Die CMC-Controller sind erst ab den Versionen Cubase 5 und Nuendo 5 einsetzbar. Überdies zeigen sich Einschränkungen beim Einsatz des QC-Moduls in den abgespeckten Cubase-Versionen, die über keine Quick Control-Sektion beziehungsweise QC-Learn-Funktion verfügen. Wer also noch mit früheren Versionen oder einer der Cubase-Studio- oder AI-Versionen arbeitet, sollte dies berücksichtigen. Um die Module in Betrieb nehmen zu können, ist zunächst die Installation eines entsprechenden Treibers sowohl für Windows- als auch Mac-Rechner erforderlich. Zusätzlich installieren sich auch separat im Rechner aufrufbare Editoren zum komfortablen Einstellen und Programmieren des Quick-Control- und Pad-Moduls.

Später dazu mehr. Ist dies geschehen, anschließend der/die Controller am Rechner angeschlossen und der Sequenzer gestartet, erscheinen die angeschlossenen Controller automatisch als Einträge im Fernbedienungs-Untermenü des Cubase-/Nuendo-Gerätemanagers. Besonderheit: Mit Ausnahme des Fader-Controllers lassen sich nach Klick auf einen Controller-Eintrag im Editor-Dialog des Gerätemanagers frei wählbare Funktionen auf bis zu acht Taster – im Falle des PD-Moduls sogar auf alle 16 Pads – routen, was den Funktionsumfang und die Flexibilität der Controller über ihren primären Einsatzzweck hinaus erweitert. Nächste Besonderheit: Bis auf das AI-Modul besitzt jeder CMC-Controller eine Shift-Taste, die den Zugang zu einer zweiten Bedien-Ebene gewährt und die Zahl an ausführbaren Funktionen an der Hardware somit verdoppelt. Schön hätten wir gefunden, wenn es eine Möglichkeit geben würde, die Shift-Funktion zu verriegeln, um den zweiten Layer an ausführbaren Befehlen ohne zusätzliches Drücken der Shift-Taste im direkten Zugriff zu haben, was den Bedienkomfort entsprechend verbessern würde. Bemerkenswert: Im Test setzten wir gleichzeitig alle sechs Controller ein, die sich via USB-Hub eine Datenleitung zum Rechner teilen müssen, was die Befürchtung nährt, den Rechner und die Controller in Sachen Performance auszubremsen. Doch wir können Entwarnung geben. Daten-Konflikte in Form ruckelnder Bedienelemente in der DAW oder spürbare Latenzen beim Ausführen von Funktionen oder Parameter-Änderungen sind jedenfalls zu keiner Zeit zu entdecken, zumindest nicht bei Einsatz eines Windows-PCs mit Quadcore-CPU. Doch genug der Gemeinsamkeiten, schauen wir uns die einzelnen Kandidaten der CMC-Serie einmal genauer an. Den Anfang macht der CMC-AI-Controller. Im Zentrum des AI-Controllers steht der gleichnamige AI-Endlos-Drehregler mit Schaltfunktion, der seinerzeit Premiere in den MR-Audio-Interfaces und dem CC121-Controller feierte und sich auch in den Audio-Interfaces der CI-Serie findet (siehe Tests in den Heften 11/2008 und 1/2010). Das Buchstaben-Kürzel steht für „Advanced Integration“ und erlaubt primär das Einstellen jedes Parameters, ganz gleich ob am Sequenzer oder in Plug-ins. Der Anwender muss dazu lediglich mit der Maus auf den gewünschten Parameter zeigen und kann anschließend Buttons, Drehregler und Fader durch Drehen des AI-Reglers ändern. Einzige Einschränkung: Das Ändern von Parametern ist nur in den Sequenzer-eigenen sowie in VST3-Plug-ins möglich. Zwar stellen viele Hersteller ihre Plug-ins mittlerweile auch in einer VST3-Version bereit, doch wer nach wie vor VST2-Plug-ins von Drittanbietern einsetzt, muss den Bedienvorgang komplett mit der Maus ausführen. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen am AI-Controller. Im Test geschieht das Ändern von Parametern jedenfalls deutlich flinker unter Zuhilfenahme des AI-Knopfs. Mit der Maus in der rechten Hand zeigen wir auf die gewünschten Parameter und bedienen den AI-Knopf mit der linken Hand, mit dem wir Parameter zudem deutlich komfortabler und gefühlvoller editieren können als durch Klicken und Ziehen mit der Maus.

Sehr schön: Per Lock-Taster lässt sich, wie gehabt, ein zuvor mit der Maus ausgewählter Parameter fest auf den AI-Regler routen, der solange dort aktiv ist, bis der Lock-Taster wieder deaktiviert wird, etwa um die Automation eines Filter-Cutoffs bequem zu realisieren. Daneben offeriert der AI-Controller noch zwei, respektive drei Betriebs-Modi: Durch Druck auf den Volume-Taster dient der AI-Regler zur Kontrolle des Mastersummen-Faders. Durch Druck auf den Jog-Taster scrollen wir uns durch das Projekt und können zielgerichtet gewünschte Passagen anfahren. Beim Ausführen der Schaltfunktion des AI-Reglers öffnen sich in Abhängigkeit zum gerade geöffneten Fenster entsprechende Browser-Dialoge. Mit Hilfe der Pfeiltasten und des AI-Reglers können anschließend Presets ausgewählt und geladen werden. So ist es ein Leichtes etwa Spur-Presets zu laden oder bei geöffnetem Plug-in entsprechende Effekt-Presets, was wiederum sehr komfortabel ist. Die vier per Geräte-Manager frei mit Funktionen belegbaren Funktions-Tasten runden die Ausstattung des CMC-AI-Moduls schließlich ab. Insgesamt offeriert der AI-Controller ein in sich stimmiges Konzept zum bequemen, raschen und gefühlvollen Editieren von Parametern, was allerdings mit Abstrichen verbunden ist. Wem die Vielzahl an Drehreglern anderer Controller ein Graus ist, erhält mit dem CMC-AI-Modul jedenfalls ein einfach und übersichtlich zu bedienendes Gerät. Im Zentrum des CH-Controllers steht die Steuerung sämtlicher Bedienelemente des Kanal-Editors, wobei dieses Modul die größte Nähe zum CC121-Controller aufweist, aber dennoch anders ausgestattet ist. So fehlen im CMC-CH-Modul Drehregler zum Steuern des Kanal-Editor-EQs, was innerhalb der CMC-Serie dem QC-Controller obliegt. Doch der Reihe nach. Das Bedienfeld des Controllers enthält jeden wichtigen Button des Kanal-Editors. Die wichtigsten Funktionen – Mute, Solo, Direct Monitoring, Aufnahme-Aktivierung – sind prominent am Fuß des Controllers platziert. Darüber hinaus finden sich Taster zum Aktivieren des Lese- und Schreibvorgangs von Automationen, zum Öffnen und Schließen des Kanal-Editors sowie virtueller Instrumente. Per Insert-, EQ- und Send-Taster lassen sich die gleichnamigen Sektionen auf Bypass schalten und Pfeil-Taster erlauben den Aufruf der vorherigen, respektive nachfolgenden Kanäle. Via Freeze-Taster lässt sich die Spur zwecks Einsparen von CPU-Ressourcen einfrieren und der Druck auf den Folder-Taster gestattet das Öffnen des Inhalts von Ordner- oder Automations-Spuren. In Kombination mit der Shift-Taste lassen sich acht weitere frei wählbare Befehle und Funktionen an den Tastern ausführen. Ab Werk sind darauf Transporttasten-Funktionen wie unter anderem Start, Stop, Cycle, schneller Vor-/Rücklauf geroutet. Steinberg gibt mit dieser Voreinstellung einen deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl und zeigt anschaulich, wie flexibel sich der CH-Controller über seine angestammte Kern-Funktion hinaus flexibel einsetzen lässt, was letztlich auch für die anderen Module gilt. Wem das Steuern der Transport-Funktionen mit Hilfe der Shift-Taste reicht, braucht sich über die Anschaffung des dezidierten CMC-Transporttasten-Controllers keine Gedanken zu machen. Doch das Beste kommt zum Schluss: Anstelle eines Faders zum Einstellen der Kanal-Lautstärke besitzt der CH-Controller eine berührungsempfindliche vertikale Leiste, ähnlich eines Laptop-Touch-Pads. Der Clou: In diesen Touch-Fader sind zusätzlich LEDs eingelassen, die Auskunft sowohl über die Fader-Stellung, als auch über den anliegenden Pegel geben.

Näheres dazu erläutern wir im nachfolgenden Abschnitt zum Fader-Controller. Über den einzigen Drehregler des CMC-CH ist schlussendlich die Positon des Signals im Stereo-Panorama einstellbar. Besonderheit: Der fein gerastete, leicht gängige Regler besitzt im Zentrum eine Beleuchtung, die in der Intensität variiert, abhängig von der eingestellten Panorama-Position. Im Test müssen wir uns zunächst an diese Art der Informations-Übermittlung gewöhnen. Um präzise Einstellungen vornehmen zu können, ist jedoch nach wie vor ein genauer Blick auf den Monitor erforderlich. Schön hätten wir noch gefunden, wenn sich der Drehregler zusätzlich auch zum Einstellen der Send-Level einsetzen lassen könnte. Alles in allem haben wir im Test mit Hilfe des CH-Controllers alles rund um die Verwaltung, Aufnahme und Wiedergabe von Spuren fest im Griff. Wer auf das Editieren des Kanal-Editor-EQs sowie auf die Möglichkeiten des AI-Knopfs verzichten kann, erhält mit dem CMC-CH eine kostengünstige Alternative zum nach wie vor erhältlichen CC121.Mit dem FD-Controller findet sich auch eine klassische Faderbank innerhalb der CMC-Serie, die ein rasches Einstellen der Lautstärke von vier Kanälen erlaubt. Wie zuvor schon im CH-Controller kurz beschrieben, realisiert Steinberg die Bedienung mit Hilfe von vier vertikalen Touch-Pads anstelle herkömmlicher Fader. Das ist nicht nur innovativ und eigenwillig gelöst, sondern hält auch noch einige Vorteile bereit. Aber der Reihe nach. Mit Hilfe der Channel-Pfeil-Tasten schalten wir die Kanalbank um jeweils einen Kanal nach oben beziehungsweise unten. Gleich vier Kanäle auf einmal werden mit Hilfe der Bank-Pfeil-Tasten umgeschaltet. Wie eingangs erwähnt, lassen sich bis zu vier FD-Module miteinander kaskadieren, die laut Steinberg automatisch erkannt werden und als Verbund jeweils um einen Kanal oder als gesamte Bank, in diesem Fall, um 16 Kanäle versetzt werden können. Per Shift-Taster sind dabei verschiedene pfiffige Betriebs-Modi und Zusatz-Features wählbar. Im Test liefern uns die in den Touch-Pads eingelassenen LEDs zuverlässig Auskunft über die Position des Kanalfaders im Steinberg-Sequenzer. Wahlweise zwei Bedien-Modi, „Catch“ und „Jump“, sind einstellbar. Im Catch-Modus müssen wir den Finger auf die Position der leuchtenden LED legen. Erst dann ist ein Editieren des Faders möglich. Anders verhält sich der Jump-Modus, bei dem sich die Stellung des Faders blitzschnell auf die ins Touch-Pad angetippte Position ändert. Im Test vertrauen wir jedoch zumeist dem Catch-Modus, um allzu heftige Lautstärke-Sprünge durch versehentliches Berühren zu vermeiden. Doch letztlich ist es Geschmackssache, welcher Modus der bessere ist. Die Bedienung der Fader durch bereits sanftes Streichen über das Touch-Pad geschieht äußerst komfortabel. Im Vergleich zu herkömmlichen Fadern vermissen wir rein gar nichts. Die Auflösung ist zwar mit 127 Schritten im Vergleich zu den Mitbewerbern recht grob aufgelöst. Dennoch bemerken wir bei Fader-Fahrten keine groben, stufenartigen Lautstärkesprünge, im Gegenteil. Damit lässt sich im Test hervorragend arbeiten. Doch da ist noch mehr: Durch Drücken der Shift-Taste erhöht sich die Auflösung des Regelwegs um ein Vielfaches und das Streichen über die Pads ermöglicht hauchfeine Änderungen, was sich hervorragend für die letzten Feinschliffe am Mix einsetzen lässt. Das Gleiche gilt mit Ausnahme des AI-Moduls übrigens auch für die Drehregler in den anderen Controllern. Im Test vermissen wir gerade bei diesen Einstellarbeiten die eingangs monierte, fehlende Möglichkeit, die Shift-Taste verriegeln zu können. Besonderheit: Durch Tippen in die obere Hälfte des Touch-Pads bei gehaltener Shift-Taste schalten wir den Kanal stumm. Das Tippen in die untere Hälfte schaltet ihn auf solo, was pfiffig gelöst ist.

Der Clou ist jedoch die Möglichkeit, die eingelassenen LEDs auch zur Echtzeit-Pegelanzeige nutzen zu können. Mit insgesamt 13 LEDs ist die Auflösung dieser Meter-Funktion zwar sehr grob und gibt im Test lediglich eine ungefähre Vorstellung, zumal Clippings überhaupt nicht angezeigt werden und eine Skala auch nicht auf dem Bedienfeld aufgedruckt ist. Doch als rasche Orientierung reicht das Feature allemal, was auch noch schick aussieht. Einzig vermisst haben wir die Möglichkeit, den nach den Kanalfadern zweitwichtigsten Parameter einer Faderbank einstellen zu können: Den Panpot. Steinberg sollte sich überlegen, diese schmerzlich von uns vermisste Möglichkeit nachträglich zu implementieren, was die Flexibilität des FD-Moduls in jedem Falle erweitern würde, auch wenn dies über die Touch-Pads realisiert werden muss. Um das Panorama einstellen zu können, muss der Anwender zurzeit wahlweise auf den AI-, CH- oder QC-Controller ausweichen, was letztlich mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Einen Ausreißer aus den klassischen DAW-Controllern markiert hingegen das CMC-PD-Modul. Ausgestattet mit 16 anschlagsdynamischen Pads ist der Controller prädestiniert zum Ansteuern virtueller Drum-Instrumente und zum Einspielen von Grooves oder zum Einfliegen von Loops, wobei sich das Gerät als ideales Pendant zum Groove Agent One-Instrument empfiehlt. Dabei trumpft auch das PD-Modul mit einer Reihe bemerkenswerter Features auf, die teils über seine Kern-Funktion hinausragen. So lassen sich mit Hilfe der Curve-Taste 16 unterschiedliche Anschlagsdynamik-Kurven auswählen, um die Ansprache der Pads dem eigenen Spiel präzise anpassen zu können. Der sogenannte „4-Velocity-Modus“ teilt die 16 Pads in vier Spalten. Pro Spalte ist lediglich eine MIDI-Note spielbar, die jedoch vertikal mit unterschiedlichen fest vorgegebenen Anschlagswerten getriggert werden, was sinnvoll ist, um gezielt Akzente und/oder velocity-basierte Sample-Varianten eines Sounds anzutriggern. Über die Shift-Taste in Verbindung mit den Pads können acht Bänke mit verschiedenen Mappings und/oder Velocity-Einteilungen aufgerufen werden. Gleiches ist auch im Normal-Modus möglich, wobei sich schließlich 15 frei definierbare Noten-Mappings blitzschnell aufrufen lassen. Bei Anwahl des 16. Mappings legen sich DAW-Schalt-Funktionen auf die Pads, die sich einmal mehr im Editor des Gerätemanagers frei programmieren lassen. Somit kriegt der Pad-Controller auch in Sachen DAW-Steuerung die Kurve gekratzt und je nach Auswahl der Funktionen bietet er sich als willkommene Alternative etwa zum CH- oder TP-Modul an, indem sich ganz einfach die Transport- und Kanal-Funktionen dort programmieren lassen. Last but not Least offeriert der PD-Controller, ähnlich wie das AI-Modul, mit dem Browse-Taster nebst beigeordnetem Drehregler die Möglichkeit, Instrumenten-Preset-Ordner aufzurufen, um darin zu navigieren und anschließend den gewünschten Sound laden zu können. Im Test bestechen die Spielflächen des PD-Controllers mit einer überaus feinen und sensiblen Ansprache, die unabhängig von der gewählten Anschlagsdynamik-Kurve ein gefühlvolles Ansteuern von Sounds ermöglicht. Grobmotorische Eingriffe sind zu keiner Zeit vonnöten, selbst dann nicht, wenn der höchste Velocity-Wert gespielt werden soll.

Mit Hilfe des CMC-QC-Controllers ändert sich das jedoch binnen kurzer Zeit und wir lernen das Potenzial dieser Sektion immer mehr zu schätzen, dank der maßgeschneiderten Hardware-Lösung. Auch die Möglichkeiten des MIDI-Modus sind nicht zu unterschätzen, nicht zuletzt auch durch die Möglichkeit sich im QC-Editor die Routings für unterschiedliche Plug-ins speichern zu können. So ist das Einstellen der Macro-Controller von Steinbergs hauseigener Workstation Halion Sonic oder dem Halion 4 Sampler ein Klacks. Für Parameter-Junkies und Schrauber-Freaks unter den Cubase/Nuendo-Nutzern ist der CMC-QC-Controller in jedem Falle ein Muss. Den Controller-Reigen beschließt als sechstes Modul das CMC-TP-Gerät, das als Hardware-Frontend zum Steuern der Cubase-/Nuendo-Transportleiste dient. Dabei markieren Standard-Funktionen wie Start, Stop, Aufnahme, schneller Vor-/Rücklauf und aktivierbarer Cycle-Modus erst den Anfang einer Reihe von pfiffigen Features. Bereichert wird die Ausstattung durch einen Taster zum Setzen von Markern plus Navigationstasten zum Anfahren der gesetzten Marker. Drei weitere Tasten erlauben das Setzen eines Locator-Bereichs sowie das direkte Anfahren des Locator-Anfangs- und -Endpunkts und zwei weitere Pfeiltaster erlauben das taktweise Versetzen des Positionszeigers nach vorne oder hinten. Nicht alltäglich ist der Copy-Taster, der das Kopieren der gerade aktiven Spur realisiert, die anschließend automatisch als neue Spur unterhalb des Originals erscheint, was sehr komfortabel ausfällt, zumal sämtliche Insert- und Send-Effekte mitsamt Einstellungen 1:1 mit kopiert werden. Das lästige Rumfummeln im virtuellen Mixer, um Effekte zu kopieren erübrigt sich dadurch. Dafür gibt’s ein Sonderlob. Unumstrittenes Highlight im TP-Modul ist jedoch der horizontal angeordnete Touch-Fader, der bei gehaltener Slider-Mode-Taste und anschließendes Tippen im Fader verschiedene Funktionen ausführt. Durch sanftes Streichen über den Fader sind übliche Funktionen wie Jog und Shuttle ausführbar, was im Test äußerst feinfühlig geschieht. Sehr schön: Im Locate-Modus können wir den Positionszeiger dynamisch durch das Arrangement bewegen. Der Ausschnitt des Arrangements im Projektfenster lässt sich hingegen rasch im Scroll-Modus ändern. Das Streichen im Touch-Fader bei aktiviertem Zoom-Modus führt zu einem horizontalen hinein- oder herauszoomen in und aus dem Projekt. Gleiches ist übrigens unter Zuhilfenahme von zwei Fingern in jedem Modus möglich, wobei das Spreizen der Finger zu einem Vergrößern des Bildausschnitts führt. Die umgekehrte Bewegung verkleinert den Ausschnitt logischerweise. Last but not Least erlaubt das Tippen auf den Touch-Fader im Tempo-Modus die Eingabe eines Tempos. Im Test gerät gerade der Umgang mit den einzelnen Touch-Fader-Modi zu einem wahren Vergnügen. Einstellungen geraten stets flüssig und ohne Aussetzer. Mit Hilfe des Shift-Tasters erhöht sich, ebenso wie im Fader-Modul, die Auflösung des Touch-Faders. Abseits dessen finden sich in der Shift-Ebene weitere sinnvolle Transport-Funktionen wie das Aktivieren des Metronoms, das Springen zum Nullpunkt, das Abspielen des gerade gewählten Events sowie vier frei wählbare Funktionen. Mit den ab Werk vorbelegten Routings können wir im Test jedoch nichts anfangen. Dafür programmieren wir uns das Umschalten auf  die nächst höhere und tiefere Spur sowie das Aktivieren des Direct Monitorings und die Aufnahme-Aktivierung der Spuren. Damit haben wir schließlich alle für uns relevanten Funktionen im TP-Modul zum Abspielen und Aufnehmen fest im Griff. Ebenso wie der QC-Controller legt Steinberg mit dem TP-Modul ein maßgeschneidertes Hardware-Pendant zum Steuern eines zentralen Bedienfelds vor, das überdies mit einer Vielzahl weiterer, praxisgerechter Funktionen punktet und das Steuern von Projekten zu einem wahren Vergnügen macht.

Fazit

Steinberg ist mit der CMC-Serie trotz einiger Schwachpunkte ohne Zweifel ein großer Wurf gelungen. Dank des modularen Konzepts, des günstigen Verkaufspreises und der flexiblen Einsatzmöglichkeiten, die über die primäre Kernaufgabe jedes Controllers hinausreichen, haben es die Entwickler geschafft den Steinberg-Sequenzern für so ziemlich jeden wichtigen Programm-Bestandteil ein maßgeschneidertes, praxisgerechtes Hardware-Frontend zu verpassen. Wer bereits mit DAW-Controllern anderer Hersteller arbeitet, dabei aber den einen oder anderen Bedienkomfort vermisst, erhält mit den CMC-Modulen als zusätzliches Add-on mit Sicherheit das Passende geliefert. Für Cubase-Einsteiger und kostenbewußte Amateure ist die CMC-Serie jedenfalls ein perfekter Einstieg in die Welt der DAW-Controller. Nuendo-Routiniers sei ebenfalls ein näherer Blick auf die CMC-Module empfohlen. Denn auch wenn sie im Vergleich zu Profi-Konsolen wie billiges Spielzeug wirken, können sie den Workflow auf die eine oder andere Art mit Sicherheit nochmals verbessern.

 

Erschienen in Ausgabe 02/2012

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 159 € /CMC-FD 199 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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