Britische Einstellung

Mit dem Name TL Audio verbinden Kenner edles Röhren-Equipment britischer Machart zu stolzen Preisen. Mit der Ebony-Serie bringt der englische Hersteller nun neues Outboard im mittleren Preissegment auf den Markt, das den charakteristischen Röhrensound als reizvolle klangliche Option und nicht mehr als zwingende Notwendigkeit bietet. Was das -bedeutet, zeigt der Test.

Von Michael Nötges

Gitarristen wie Jimi Hendrix verwendeten die so genannte „britische Einstellung“,  um ihren Marshall-Sound perfekt in Szene zu setzen und drehten alle Regler auf Rechtsanschlag. TL Audio bedient sich zur Umsetzung ihrer Klangphilosophie seit jeher subtilerer Methoden. Dazu gehört das hybride Schaltungs-Design, dem Chefentwickler David Kempson – der übrigens über neun Jahre als leitender Entwickler bei Neve arbeitete – den Vorzug gibt, um zuverlässiges, rauscharmes Outboard auch in Serienproduktion und damit zu erschwinglichen Preisen anbieten zu können. Wie bereits die Tests der analogen Röhren-Pulte M1 (Test in Ausgabe 12/2006) und M4 (Test in Ausgabe 6/2006) oder des Fat Track (Test in Ausgabe 4/2008)  zeigten, hegt TL-Audio allerdings einen gehobenen Qualitätsanspruch, den das Unternehmen konsequent durch selektierte Bauelemente, Handfertigung sowie hochwertige Bedienelementen gewährleisten möchte. Das erklärt dann auch die mitunter hohen Anschaffungskosten beispielsweise eines achtkanaligen M1 Tubetrackers von über 4.000 Euro.

Wie dem auch sei, das Outboard der Ebony-Serie siedelt sich preislich zwischen der Ivory- und der Classic-Serie von TL Audio an und bietet mit der Kombination aus diskreter Class-A-Schaltung und additivem Röhren-Schaltkreis ein flexibles Klangkonzept. Zur Produkt-Linie gehören der zweikanalige Vorverstärker A1 (831 Euro), der Stereoprozessor A2 (1.188 Euro), der einkanalige Channelstrip A3 (1.069 Euro) und der in diesen Tagen vorgestellte und voraussichtlich ab November dieses Jahres lieferbare A4 16:2-Summierer (rund 1.600 Euro).

Bevor wir die Testkandidaten (A1, A2 und A3) im Einzelnen unter die Lupe nehmen und ihre Besonderheiten herausstellen, ist es zunächst hilfreich, die Gemeinsamkeiten des Trios zu beleuchten: Wie der Name der Serie vermuten lässt, sind die zwei Höheneinheiten messenden 19-Zoll-Geräte in edlem schwarzem Design gehalten, wobei die Frontplatte durch ein edles Hochglanz-Finish auffällt. Die Aluminium-Drehknöpfe sind ergonomisch angeordnet und haptisch durch die geriffelte Greiffläche ein Genuss. Die Potentiometer-Wellen laufen zäh und ermöglichen dadurch grundsätzlich punktgenaue Einstellungen. Die silbernen Funktions-Knöpfe sind zwar nur fingerspitzengroß, aber dennoch komfortabel zu bedienen. Alle Anschluss-Buchsen sind ausgezeichnet verarbeitet: Die Stecker rasten satt und verbindungssicher ein. Insgesamt wirken die Geräte gleichermaßen robust und hochwertig. Den analoge Look unterstreicht jeweils ein multifunktionales V-Meter. Sanft hinterleuchtet informiert es auch in dunkler Studio-Umgebung über Ein- und Ausgangspegel der einzelnen Kanäle sowie über die Gain-Reduktion des eingeschalteten Kompressors (A2, A3). Bei hohen Ausgangspegeln kann das VU-Meter außerdem in den +10-Dezibel-Modus geschaltet werden. Das ändert nichts am Ausgangspegel, wohl aber an der Kalibrierung der Nadel: 0VU entspricht dann +14 dBu anstatt +4 dBu. Alle Geräte der Ebony-Serie sind konsequent mit symmetrisierten Ein- und Ausgängen bestückt. Hier geht TL Audio in punkto Schutz vor Einstreuungen auf Nummer sicher. Kompromisslos ist auch die Strom fressende Class-A-Bauweise der Eingangs- und Ausgangsverstärker, um möglichst verzerrungsfreie und rauscharme Schaltkreise anzubieten. Zuschaltbar ist bei allen Geräten eine zusätzliche Röhrenstufe, die mit Hilfe des jeweiligen Tube-Warmth-Reglers dem Signal harmonische Obertöne variabel hinzufügt (siehe FFT-Analysen). Je nach Stellung des Reglers entstehen zusätzliche Verzerrungen zwischen einem und zehn Prozent, wobei die angenehm klingenden k2-Anteile dominieren. Nach Wunsch kann der Röhren-Schaltkreis aber auch komplett aus dem Signal-Weg ausgeschlossen werden, um die Verstärker im reinen Transistor-Betrieb arbeiten zu lassen.  „TL Audio verwendet Doppeltrioden des Typs 12AX7A/ECC83 von Sovtek“ erklärt uns Martin Pohl vom deutschen Vertrieb Sound Service. Außerdem würden die Röhren mit hoher Vorspannung versorgt, um sie im optimalen Arbeitspunkt zu betreiben. Die Instrumenten-Signale (A1 und A3) werden allerdings in alter TL Audio-Manier bereits am Eingang mit einer zweiten separaten Röhrenschaltung verstärkt, die  immer im Signalweg liegt. Am Ausgang arbeitet grundsätzlich ein Transistor-Schaltkreis, der den Ausgangspegel für nachfolgende Geräte, etwa A/D-Wandler anpasst. Apropos Wandler: Alle drei Geräte bieten die Möglichkeit eines nachrüstbaren A/D-Wandlers mit Wordclock-Anschluss (DO-2-Card). Diese erweitert das analoge Outboard für je rund 400 Euro, um eine S/PDIF-Schnittstelle (24 Bit / 48 Kilohertz) zum direkten Anschluss an die DAW oder andere digitale Geräte wie Mischpulte oder externe Rekorder.

Gehen wir ins Detail: Beim A1 handelt es sich um einen zweikanaligen Preamp, der sowohl als Mikrofon- (ausgelegt für Schallwandler mit einem Ausgangswiderstand zwischen 150 und 600 Ohm), Line- oder auch als Instrumenten-Vorverstärker taugt. Lediglich der Instrumenten-Eingang findet sich für den direkten Zugriff auf der Frontplatte, Mikrofon- und Line-Eingang liegen wie die beiden Ausgänge als XLR-Buchsen auf der Rückseite. Der A1 ist ein Spezialist, der sich ausschließlich der Vorverstärkung verschrieben hat. Es gibt keinen Equalizer oder Kompressor, sondern die Entwickler konzentrieren sich auf das Wesentliche, die optimale Signal-Verstärkung. Dafür bietet er alles, was das Produzenten-Herz begehrt: separat umschaltbare Phantomspannung, einen PAD-Taster zur Dämpfung der Mikrofon- und Line-Eingänge um 30 Dezibel, einen Hochpassfilter mit einer Einsatzfrequenz von 90 Hertz, um tieffrequente Störgeräusche zu eliminieren, je eine Phasen-umkehrfunktion und einen Impedanz-Schalter für den Hi-Z-Eingang, der die Wahl lässt, zwischen einem Mega-Ohm und 70 Kilo-Ohm. Status-LED gibt es für diese Funktionen nicht. Neben der Impedanz des Instrumenten-Eingangs verringert sich auch die Eingangsempfindlichkeit um 18 Dezibel (+8 bis +40 Dezibel und -10 bis +22 Dezibel), sobald die Lo-Einstellung aktiviert ist. Damit können auch aktive Pickup-Systeme oder Keyboards bedenkenlos angeschlossen werden. Pro Kanal gibt es lediglich drei der griffigen Dreh-Regler: Input Gain, Output Gain und Tube Warmth, der den Anteil der harmonischen Obertöne bestimmt, indem die Röhre zunehmend in die Sättigung gefahren wird. Ist der Zusatzschaltkreis aktiviert, helfen drei LEDs bei der Überwachung: Die gelbe Drive-LED erglimmt zaghaft bei einem Prozent Verzerrung und leuchtet zunehmend intensiver bis zur Fünf-Prozent-Hürde, wo sie ihre volle Leuchtkraft entfaltet. Die rote Peak-LED warnt vor Übersteuerung der Röhren-Stufe, die grüne Status-LED informiert, ob der Schaltkreis eingeschaltet ist (LED leuchtet) oder auf Bypass steht. Das VU-Meter lässt sich, wie bereits erwähnt, umschalten, so dass entweder der Ein- oder Ausgang des ersten oder zweiten Kanals angezeigt wird. Das ist eine platz- und auch kostensparende Maßnahme. Allerdings ist besonders bei Stereo-Aufnahmen die gleichzeitige Überwachung der Pegel nicht möglich und das ständige Hin- und Herschalten unabdingbar. Glücklicherweise gibt es aber zwei separate Peak-LEDs, die immer dann aufleuchten wenn +19 dBu am Ausgang anliegen.

Messtechnisch zeigt sich der A1 in guter Form. Die Eingangsempfindlichkeit von -52,4 Dezibel könnte zwar für schwache Bändchen-Mikrofone ein wenig mehr Verstärkungsreserven aufweisen, reicht aber für den Großteil der auf dem Markt befindlichen Schallwandler völlig aus. Geräusch- und Fremdspannungsabstand liegen bei sehr guten 88,0 und 85,4 Dezibel und der Klirrfaktor ohne Röhrenschaltung bei ebenso guten  0,03 Prozent. Ein Blick auf das FFT-Spektrum zeigt harmonische Obertöne, die bereits ohne Röhrensättigung auftreten. Der Peak (k2) liegt bei -76 Dezibel, alle anderen Einstreuungen oder Verzerrungen bei maximal -96 Dezibel. Will heißen, ohne die klanggestalterischen Obertöne liegen die THD+N-Werte jenseits von 100 Dezibel. Die Instrumenten-Eingänge weisen mit einem Geräuschspannungsabstand von 63,6 und einem Fremdspannungsabstand von 55,8 Dezibel zunächst nicht so erfreuliche Werte auf. Grund dafür sind wohl das Netzbrummen und die Einstreuungen bei 150 Hertz (siehe FFT-Spektrum). Was die Übersprechdämpfung angeht, steigt diese zwar zu hohen Frequenzen an, das Übersprechen bleibt aber deutlich unter -50 Dezibel. Bei der Gleichtaktunterdrückung unterschieden sich zwar die Kanäle, sie bleibt aber in beiden Fällen unterhalb von guten -70 Dezibel. Der Stereo-Prozessor A2 ähnelt zwar konzeptionell dem A1, konzentriert sich allerdings auf die Bearbeitung beziehungsweise Veredelung von Line-Signalen. Sein Einsatzgebiet ist also in erster Linie das Mastering oder das Bearbeiten  von Subgruppen oder Einzelsignalen als eingeschleifter Signal-Prozessor in der DAW oder am Mischpult. Für diese -Zwecke bietet er zwei Ein- und Ausgänge im XLR-Format auf der Rückseite. Grundsätzlich arbeitet er wie die anderen Ebony-Geräte auch mit zwei regelbaren Transistor-Stufen am Ein- und Ausgang, verfügt aber ebenso über die zuschaltbare Röhren-Stufe und zusätzlich über ein dreibandiges Equalizer- und ein Kompressor-Modul. Als Zusatz-Feature für die Eingangsstufe dienen lediglich zwei Phasenumkehr-Taster für jeden -Kanal – das war’s. Der Equalizer des A2  besitzt zwei Shelving-Filter. Einer für die Bässe mit einer Einsatzfrequenz von 80 Hertz und bei einer Flankensteilheit von 12 Dezibel pro Oktave. Der andere, das Höhen-Filter, setzt bei 12 Kilohertz an und ermöglicht Amplitudenänderungen – wie übrigens alle Filter – von ±15 Dezibel. Das flexible Glockenfilter für das Mittenband verfügt über eine variable Centerfrequenz zwischen 150 Hertz bis sieben Kilohertz. Der unveränderbare Q-Faktor beträgt 0.7, also erfolgen die Frequenzgangänderungen eher breitbandig und behutsam. Per Tast-Schalter kann der EQ aus dem Signalweg entfernt werden, um die vorgenommenen Veränderungen zu überprüfen. Außerdem lässt sich die Reihenfolge des EQ- und Kompressor-Moduls ändern (EQ-Pre-Button) und der Equalizer in den internen Side-Chain-Weg des Kompressors einschleifen. Dadurch sind frequenzabhängige Kompressionen oder das De-essen von Vocal-Tracks möglich.

Das Kompressor-Modul, es handelt sich um eine VCA-Bauweise, birgt keine Überraschungen und bietet die üblichen Einstellmöglichkeiten per Dreh-Regler wie Threshold (-20 bis +20 Dezibel), Ratio (1:1,5 bis 1:30), sowie je einen Taster zum Umschalten der Attack- und Release-Zeit (fast/slow), sowie einen, um die Kompressorkennlinie von Soft- auf Hard-Knee (siehe Kompressor-Kennlinie auf Seite 50) umzustellen. Die Aufholverstärkung (0 bis +20 Dezibel) bestimmt ein weiterer Drehregler. Auch das Kompressor-Modul kann für A/B-Vergleiche aus dem Signalweg ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zum A1 hat das VU-Meter eine Zusatzfunktion. Per Knopfdruck zeigt es die Gain-Reduction des Kompressors an, um dessen Wirkungsgrad zu überwachen. Es gibt wie beim A1 zwei Peak-Anzeigen für den linken und rechten Kanal, die auch wieder bei anliegenden +19 Dezibel am Ausgang vor Übersteuerung der nachfolgenden Geräte warnen. Allerdings beziehen sich alle klanglichen Veränderungen des A2 immer auf beide Kanäle, können also nicht für rechten und linken Kanal getrennt eingestellt werden. Vorteil: Man muss sich keine Gedanken über ungleiche Kanalbehandlung machen und auf identische Kanaleinstellungen achten. Allerdings sind flexible, kanalunabhängige Bearbeitungen beispielsweise bei StereoAufnahmen von Akustikgitarren nicht möglich.
Natürlich nehmen wir den A2 genauso messtechnisch ins Gebet wie den A1, auch wenn es sich grundsätzlich um die gleichen Verstärker-Schaltkreise handelt. Aber schließlich arbeiten im Stereo-Prozessor Bauteile für Kompressor- und Equalizer-Module und die Interaktionen zwischen den Schaltkreisen sind nicht zu unterschätzen. Geräusch- und Fremdspannungsabstand des A2 liegen bei sehr guten 96,5 und 93,5 Dezibel und  ein Blick auf das FFT-Spektrum zeigt auch warum. Tieffrequente Einstreuungen werden mit  100 Dezibel gedämpft, spielen klanglich also überhaupt keine Rolle. Da scheint sich die aufwändige Abschirmung des Ringkerntrafos (siehe Foto auf Seite 47) und die diskret aufgebauten Schaltkreise, sowie die konsequent symmetrische Signalführung bestens zu funktionieren. Die harmonischen Obertöne, hauptsächlich k2, treten wie beim A1 deutlich zum Vorschein und prägen den Klang entscheidend mit. Die Übersprechdämpfung liegt oberhalb von -80 Dezibel und die Gleichtaktunterdrückung reicht mit maximal -50 Dezibel für störgeräuschfreie Signalübertragung allemal aus, solange die Kabelwege keine extremen Ausmaße annehmen. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Entwickler bei TL Audio ihr Handwerk verstehen, ist der sehr gute Klirrfaktor von 0,015 Prozent.

Bevor wir zum ausführlichen Hörtest des Outboard-Trios kommen, steht noch die Begutachtung des Channelstrips A3 auf dem Plan. Wirklich Neues gibt es hier allerdings nicht zu berichten, handelt es sich doch um eine einkanalige Kombination aus dem A1 und dem A2. Will heißen, wir haben es hier mit einem Pre-amp á la A1 zu tun, dem anstatt des zweiten Kanals das Equalizer- und Kompressor-Modul des A2 eingepflanzt wurde. Der klassische Channelstrip hat also einen Mikrofon-, Line-, und Instrumenten-Eingang mit den gleichen  Eingangs-Features, wie der A1 (Phantomspannung, Phasenumkehrung, Hochpassfilter, PAD und Impedanzanpassung), verfügt über den Ebony-typischen separaten Röhrenschaltkreis und die Class-A-Ein- und Ausgangsverstärker und besitzt identischen Filter- und Kompressions-Möglichkeiten wie der A2, inklusive Bypass-, EQ-S/C- und EQ-Pre-Funktion. Das VU-Meter gleicht ebenso dem des A2, nur eben als Mono-Variante. Einen entscheidenden Zusatz gibt es dann aber doch: der Insert-Weg. Zwei symmetrische Klinkenbuchsen auf der Rückseite des A3 dienen dem Einschleifen externer Effekte in den Signalweg. Außerdem kann der Send-Weg als Direct-Out verwendet werden, um das Signal vor EQ- und Kompressor-Modul abzugreifen und separat aufzunehmen.
Der Klirrfaktor des A3 liegt knapp unter 0,04 Prozent. Im FFT-Spektrum sind die gleichen charakteristischen Obertöne auszumachen, die sich deutlich verstärken sobald die Röhren-Stufe in Betrieb geht oder der Kompressor eingeschaltet wird. Ein Klirrfaktor von fünf Prozent und mehr ist je nach Einstellung machbar und dient der Klanggestaltung.  Geräusch- und Fremdspannungsabstand betragen 87,2 und 84,7 Dezibel, die Eingangsempfindlichkeit für den Mikrofoneingang bietet selbst für schwache dynamische Mikrofone mit -54,1 Dezibel genügend Verstärkungsreserven. Die Gleichtaktunterdrückung bleibt deutlich unter -70 Dezibel, das Übersprechen, wie beim A1 auch, unterhalb von -55 Dezibel. Sind die Frequenzgänge über Mikron- und Line-Eingang gemessen ohne Fehl und Tadel zeigt sich der Instrumenten-Eingang etwas höhenschwach. Er fällt zwischen fünf und 20 Kilohertz sanft um drei Dezibel ab. Im Hörtest von Professional audio Magazin vergleichen wir Akustikgitarren- und Gesangsaufnahmen der drei Ebony-Geräte, die wir parallel mit dem neutralen F355 von Lake People (Test in Ausgabe 8/2006) anfertigen. Dabei verwenden wir für möglichst neutrales Ausgangsmaterial ein M 930 von Microtech Gefell. Anschließend spielen wir zusätzlich E-Gitarre und E-Bass ein, um auch die Qualität der Instrumenten-Eingänge zu überprüfen. Den A2 schleifen wir über die analogen Ein- und Ausgänge als externen Effekt in Cubase ein, und verwenden ihn zum Mastern eines Mixes. Dabei dient der Lynx Aurora 8 als digitale Schnittstelle. Klanglich schöpft der A1 aus dem Vollen und spielt seine charakteristische britische Art elegant aus. Bei den Aufnahmen ohne Röhren-Stufe liefert der Vorverstärker ein klares, wenn auch nicht ganz neutrales Signal. Besonders in den unteren Mitten und im Bass-Bereich ist mehr Energie vorhanden als beim F355, dafür fehlt es dem A1 etwas an der Feinauflösung und Detailtreue des F355, der hier allerings auch Maßstäbe setzt. Besticht der F355 durch eine sehr präzise Darstellung der Höhen und durch seine besondere Plastizität, geht der A1 etwas kerniger zur Sache und liefert insgesamt mehr Druck und einen angenehm runden Sound – britisch eben. Das macht sich besonders bei den Gesangaufnahmen mitunter sogar positiv bemerkbar, da der A1 der Stimme insgesamt mehr Kraft verleiht und Atem- und Schmatz-Geräusche nicht ganz so gnadenlos ehrlich abbildet wie der F355. Wer auf kompromisslosen Purismus schwört, wird den A1 wohl eher als dezenten Klangschmeichler bezeichnen und daher vielleicht für bestimmte Einsatz-Zwecke meiden. Freunde des kraftvollen Tons hingegen freuen sich über seine unaufdringlich druckvolle Art. Braucht man noch mehr Rock ’n’ Roll, hilft zusätzlich der Röhrenschaltkreis. Zunächst kaum merklich, steigern sich die Anteile harmonischer Obertöne, je mehr der Warmth-Regler aufgedreht wird und fetten damit das jeweilige Signal zunehmen an. Plötzlich strotz die aufgenommene Gitarre vor Energie und bekommt eine lebendige Körnigkeit, die ab einem bestimmten Punkt in eine eher unangenehme Verzerrung mündet – als Effekt aber eine prima Sache. Dezent eingesetzt erscheinen die Transienten angenehm abgerundet, so dass Anschlagsgeräusche zwar präsent aber deutlich veredelt klingen.

Auch beim Instrumenten-Eingang des A1 sind keine Störgeräusche zu hören, auch wenn Geräusch- und Fremdspannungsabstand dies vermuten ließen. Die Aufnahmen kommen klar sowie transparent und besonders die Bass-Aufnahmen wissen restlos zu überzeugen. Diese klingen satt und lassen sich mit der zusätzlich eingeschalteten Röhren-Stufe anheizen – leicht angezerrt, klingt der Bass rotzig und zunehmend aggressiv. Bei der E-Gitarre – einer Music Man Axis Sport – kommen die Pickup-Zwischenpositionen überzeugend, aber nicht gewohnt klirrend spitz sowie nicht ganz so quäkend nasal. Die Hals-Stellung erscheint eher etwas dumpf und matt. Ihr fehlt es an einer Portion Höhen und Frische. Dafür kann die leicht entschärfte Steg-Variante punkten. Alles in allem liefert der A1 aber klanglich eine erstklassige britische Vorstellung.
Als nächstes knöpfen wir uns den A3 vor, da sein Einsatzgebiet eher dem A1 als dem A2 ähnelt. Der Grundsound weicht nur minimal von dem des A1 ab, der insgesamt etwas klarer und transparenter kommt, so als fehle dem A3 das letzte Quäntchen Energie und Spritzigkeit. Alles in allem zeigt er sich aber in ähnlich guter klanglicher Verfassung wie sein zweikanaliger Bruder, der sich allerdings nicht mit zusätzlichem Schnickschnack wie Kompressor oder Equalizer herumschlägt. Aber gerade die machen den A3 interessant. Im Handumdrehen optimieren wir sowohl Gesangs- als auch die Akustikgitarren-Aufnahmen mit einer leichten Kompression, heben die Höhen ein wenig an und bearbeiten Mitten- und Bass-Bereich, bis uns das Ergebnis gefällt. Das letzte I-Tüpfelchen erreichen wir dann mit der Röhrenstufe, die – egal welches Signal wir nehmen – mehr Lebendigkeit bringt. Besonders eindrucksvoll funktioniert das bei den E-Gitarren- und Gesangsaufnahmen. Mit Hilfe von Equalizer und Kompressor bekommen wir den etwas mumpfigen Sound des Hals-Pickups angenehm erfrischt und das Signal deutlich profiliert. Die Stimme klebt mit Hilfe des Kompressors förmlich an den Monitor-Membranen und der Equalizer ermöglicht das geschmackvolle Herausarbeiten des Timbres. Der Kompressor geht zwar insgesamt sehr konsequent zu Werke, fällt aber klanglich eigentlich erst dann auf, wenn man ihn aus dem Signalweg entfernt. Dabei wirkt er nicht nur auf die Dynamik, sondern lässt wie die bearbeitete Gesangsaufnahme deutlich zeigt, den Klang größer und mächtiger erscheinen.
Letztlich schleifen wir noch den Stereo-Prozessor A2 als externen Effekt in ein Cubase-Projekt ein und bearbeiten mit ihm einen fertigen Mix. Das Ergebnis ist sehr überzeugend. Alleine der Grundsound des A2 gibt dem Klangbild eine edle Note. Es wirkt insgesamt kräftiger und bekommt unmittelbar einen angenehm analogen Touch. Jetzt wollen wir sehen, was wir klanglich rausholen können. Zunächst bemühen wir den Kompressor, wählen ein leichte Kompression mit einer Ratio von 1:3 und stellen den Threshold so ein, dass die Nadel des VU-Meter eine maximale Gain-Reduktion von drei Dezibel anzeigt. Die Kompressorkennlinie steht auf Soft, Attack- und Release-Zeit auf Slow. Unmittelbar wirkt der Mix direkter mit kräftigen unteren Mitten und satten Bässen. Der Kompressor zeigt sich als wahrer Gentleman und drückt dem Mix seinen angenehmen Charakter auf. Mit dem Equalizer ziehen wir die Höhen ein wenig an, um etwas mehr Frische zu bekommen. Das wirkliche Aha-Erlebnis bringt dann die Röhrenstufe. Langsam fahren wir die ECC83 in die Sättigung. Der Raum öffnet sich und das Klangbild wird kompakter und vor allem plastischer und griffiger. Der Mix klingt organisch und lebendig, ohne dabei zu verschmieren. Der A2 zeigt eindrucksvoll, was es heißt, einem Mix den letzten Schliff zu geben.

Fazit

Die Geräte der Ebony-Serie von TL Audio überzeugen durch ihren transparenten und druckvollen Analog-Klang in bester britischer Manier. Dabei haben sie einen eigenen Grundcharakter auf Transistor-Basis, der sehr zurückhaltend die anliegenden Signale auf eine neue Ebene hebt. Die zuschaltbare Röhren-Stufe sowie die Kompressor- und Equalizer-Module (A2, A3) bieten zusätzliche Manipulationsmöglichkeiten, um bei der Aufnahme oder beim Mastern den Klang nach allen Regeln der Kunst zu veredeln. Sehr gut verarbeitet und praxisgerecht konzipiert sind die drei Ebonys mit Anschaffungskosten von rund 830 Euro für den A1, knapp 1.190 Euro für den A2 und gut 1.000 Euro für den A3 jeder für sich und auf seinem Gebiet reizvolle Schnäppchen.

Erschienen in Ausgabe 10/2008

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 1069 €
Bewertung: gut – sehr gut
Preis/Leistung: gut

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