Sammlerstück

Auf lediglich 500 Exemplare limitiert ist die Signature Edition von Universal Audios Channelstrip LA-610. Akribisch in Handarbeit gefertigt und mit ausgesuchten Bauelementen versehen, empfiehlt er sich jedoch nicht nur für Sammler exotischer Raritäten.  

Von Georg Berger 

Mit der Vorstellung des Channelstrips LA-610 offerierte Universal Audio vor knapp drei Jahren die kongeniale Verknüpfung des Sounds von zwei heiß begehrten Kultgeräten: Dem 610 Preamp und dem Teletronix LA-2A Kompressor (Test in Heft 4/2007). Der Preamp feierte seinerzeit Premiere in der modularen Mischkonsole 610, die ab 1960 für einen legendären Sound sorgte. Der ist unter anderem auf dem Album „Pet Sounds“ von den Beach Boys, unzähligen Aufnahmen von Frank Sinatra und dem Debütalbum von Van Halen zu hören. Die zweite Hauptrolle im LA-610 spielt die sogenannte T4-Zelle, die als optisches Regelelement verantwortlich für das besonders musikalisches Verhalten bei der Dynamikreduktion ist und somit die Seele des Teletronix LA-2A Kompressors bildet. Den Sound dieser beiden Klassiker erhält man im LA-610 für 1.800 Euro quasi zum Schnäppchenpreis. Nebenbei erwähnt, sind für den Erwerb der beiden Originalgeräte auf dem Gebrauchtmarkt, sofern überhaupt erhältlich, exorbitante Preise zu zahlen. Puristen werden zu Recht einwenden, dass der LA-610 den Klang der beiden Originale nicht hundertprozentig wiedergibt. Das war auch nie die Absicht von Universal Audio, da die Schaltungen lediglich auf Basis der Originale entstand, in Teilen aber modifiziert und modernisiert wurden. Allen Unkenrufen zum Trotz mauserte sich der LA-610 sehr schnell zu einem Verkaufsschlager. Ganz aktuell offeriert Universal Audio jetzt eine auf 500 Exemplare limitierte Signature Edition des LA-610. Diese unterscheidet sich nicht nur rein äußerlich durch das vollständig in vornehmem Schwarz gehaltene Gehäuse von der „normalsterblichen“ silber-schwarzen Variante…

Vielmehr erfuhr das Innenleben der SE-Version eine vollständige Revision, ist nun komplett in Handarbeit gefertigt und beinhaltet edelste Bauteile. So finden sich dort anstelle der Standard-Röhren sozusagen mundgeblasene und handgeklöppelte Röhren aus amerikanischer Fertigung – „New old Stock“ genannt – sowie von Hand gewickelte Ein- und Ausgangsübertrager des amerikanischen Herstellers Cinemag. Außerdem erhält der Käufer ein Echtheits-Zertifikat von Firmeninhaber Bill Putnam jr. höchstselbst unterschrieben, das die besondere Qualität dieser Highend-Variante des LA-610 dokumentiert und unterstreicht. All das lässt einen exorbitant hohen Preis für die Signature Edition vermuten, doch mit cirka 2.250 Euro fällt der Verkaufspreis erfreulich niedrig aus und dürfte für Viele attraktiv erscheinen.   Direkt nach dem Auspacken der schwarzen Schönheit interessiert uns natürlich brennend, was die Signature Edition denn nun an inneren Werten zu bieten hat. Nach Abheben des Deckels präsentiert der LA-610 SE seine ganze Pracht. Selbst technische Laien werden von der peniblen Verarbeitung, die ausgehend von der Hauptplatine Verbindungen zu den Bedienelementen der Frontplatte herstellt, angesprochen. Jede Reglereinheit besitzt eine eigene Platine mit darauf befindlicher Elektronik. Weitere Blickfänger sind natürlich die Röhren und das schwarze Kunststoffgehäuse, in dem sich die T4-Zelle mit ihrem optischen Regelelement verbirgt. Auffällig: Die roten Folien-Kondensatoren vom Typ MKP4 stammen allesamt vom deutschen Hersteller WIMA, sind in ihrer Spannungsfestigkeit mit 400 Volt deutlich überdimensioniert und besitzen eine maximale Toleranz von 10 Prozent. Es dürfte nicht wundern, wenn Universal Audio sie zusätzlich akribisch selektiert hat. Hier wurde eindeutig nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ein kleines aber feines Detail am Rande: An der rückseitigen Gehäusekante ist die Lackierung in einem schmalen Streifen ausgespart. Dies garantiert bei aufgeschraubtem Deckel eine optimale Masse-Verbindung. Am Gehäusedeckel selbst findet sich als Gegenstück ein Metallstreifen, der in direkten Kontakt mit dem Gehäuse steht. Universal Audio erhält für den Aufbau des LA-610 SE schon einmal die Bestnote in Sachen Verarbeitung. Die knapp 500 Euro Preisdifferenz zur Normalversion scheinen jetzt schon mehr als gerechtfertigt.

Rein äußerlich hat sich – bis auf das durchgehend schwarze Gehäuse – an der Ausstattung und somit an der Bedienung der Signature Edition nichts geändert. Das Layout der Bedienelemente ist identisch mit dem des Serienmodels. Selbst die Form der Drehknöpfe ist gleich geblieben. Durch feine weiße Linien voneinander getrennt findet sich, wie gehabt, links die Vorverstärkersektion inklusive des Equalizers und halbrechts die Bedienelemente des Kompressors, der ganz außen am Gerät flankiert wird vom hintergrundbeleuchteten VU-Meter nebst Netzschalter und Betriebsleuchte. In Sachen Einstellmöglichkeiten ist ebenfalls alles beim Alten geblieben. Die Vorverstärkung geschieht in zwei Stufen mittels Gain-Drehschalter, der eine Verstärkung/Dämpfung in Fünf-Dezibel-Schritten in einer Spanne von -10 bis +10 Dezibel gestattet, gefolgt von einem Level-Regler zur Feinjustierung. Bei aktiviertem 15-Dezibel-Pad erweitert sich der Bereich nach unten auf -25 Dezibel. An Anschlüssen bietet auch die Signature Edition auf der Rückseite außer zwei XLR-Buchsen für Line- und Mikrofon-Signale, einem XLR-Ausgang und einem frontseitigen Klinken-Anschluss für Gitarren und Bässe nichts Neues, hier haben wir ausnahmsweise auf eine Abbildung verzichtet. Die Eingänge werden durch einen weiteren Drehschalter angewählt, wobei für den Mikrofon- und Instrumenten-Anschluss zwei Varianten mit unterschiedlicher Impedanz angeboten werden. Im Test zeigt sich: Eine Änderung der Impedanz zieht eine entsprechende Verstärkung oder Dämpfung nach sich. Doch dazu später mehr. Der niederohmige Instrumenten-Eingang soll sich für Instrumente mit aktiver Klangregelung eignen, wohingegen laut Handbuch durchaus mit den beiden Impedanz-Varianten für den Mikrofoneingang experimentiert werden soll, da sie deutlichen Einfluss auf den Klang nehmen. Alleine schon mit diesen Optionen empfiehlt sich auch die Signature Edition des LA-610 mehr als kreativer Klangformer, denn als ausschließlich wahrheitsliebender Signalübertrager. Damit nicht genug, auch die Zweistufigkeit der Verstärkungsregelung hat klangliche Auswirkungen. Je höher die Verstärkung über den Gain-Schalter eingestellt ist, desto mehr gehen die Vorstufen-Röhren in die Sättigung. Gleichzeitig verfügt die Schaltung über eine negative Rückkopplung, die bei höheren Einstellungen des Gain sinkt. Somit ist der LA-610 je nach Einstellung in der Lage, eine Klangpalette von klar und transparent bis warm und färbend zu erzeugen. Die beiden in Shelving-Charakteristik arbeitenden Equalizerbänder verfügen über drei aufrufbare Festfrequenzen, die sich mittels Drehschalter in festen Werten verstärken und dämpfen lassen. Hier ist ebenfalls alles beim Alten geblieben. Präzise chirurgische Eingriffe ins Programm-Material sind damit natürlich nicht möglich. Unterschätzen sollte man diese Komponente jedoch nicht, denn sie regelt in einem Bereich von 1,5 bis neun Dezibel und vermag dadurch Signalen von subtil bis drastisch zu entsprechend mehr Charakter zu verhelfen. Von dort aus geht es anschließend in die Kompressor-Sektion, die mit denselben Regelmöglichkeiten aufwartet wie der LA-2A. Durch die besonderen Eigenheiten der T4-Zelle erzeugt der Schaltkreis eine Soft-Knee-Charakteristik und besitzt eine feste Ratio, die nominell zwischen 2:1 und 3:1 liegt. In der Limiter-Betriebsart steigt die Ratio auf 4:1, was im Vergleich zu modernen Kompressoren natürlich sehr überschaubar ist.

Der Vorteil des optischen Regelglieds ist jedoch ihre musikalische Arbeitsweise, denn die Ratio, Attack und Release ändern sich dynamisch in Abhängigkeit zum eingespeisten Signal (siehe Test in Heft 4/2007), was zum legendären Ruf des Teletronix LA-2A beigetragen hat. Denn durch die optische Regelung der Kompression wird das Release in zwei Stufen durchgeführt. Transienten werden in den ersten 60 bis 80 Millisekunden erfolgreich gezähmt. In der zweiten Phase, die mehrere Sekunden dauern kann, wird anschließend das restliche Material wieder weich zurück auf die Ausgangslautstärke angehoben. Aufgrund dessen finden sich lediglich ein Regler für die Dynamikreduktion und ein Gain-Regler für die Aufholverstärkung. Durch dieses Verhalten ist das gefürchtete Pumpen ausgeschlossen und die Kompression klingt unauffällig, weich und rund. Ein Drehschalter bietet nur noch die Option, die Sektion auf Bypass, Kompressor- oder Limiter-Betrieb zu stellen. Allerdings ist damit kein harter Bypass möglich, der die komplette Sektion aus dem Signalweg nehmen würde. Lediglich die T4-Zelle wird umgangen, die intern über einen Sidechain zwischen Preamp und Ausgangsstufe geschaltet ist. Der Peak-Reduction-Regler nimmt dabei auch Einfluss auf den Threshold. Der nachgeschaltete Verstärker, natürlich in Röhrentechnik, ist permanent aktiv und übt zwei Funktionen aus: Bei aktiviertem Kompressor-Schaltkreis dient er als Aufholverstärker und in Bypass-Stellung fungiert er als herkömmlicher Ausgangsverstärker, der über den Gain-Regler kontrolliert wird. Als zusätzliche Hilfe bietet der LA-610 SE dem Anwender mittels Drehschalter die Möglichkeit, die Pegel des Vorverstärkers, der Dynamikreduktion und der Ausgangslautstärke über das VU-Meter zu überwachen. Im Test erweist sich diese Umschaltmöglichkeit als wertvoller Helfer beim Einpegeln, die wir nicht mehr missen wollen, da wir eine umfassende und präzise Kontrolle über gemachte Einstellungen erhalten. Einziger Kritikpunkt: Das VU-Meter hätte ruhig größer ausfallen dürfen. Ein genaues Ablesen der Pegel ist nur in unmittelbarer Nähe zum Gerät möglich. Da hat etwa der Drawmer S3 (Test in Heft 8/2007) und sogar der Remote DCS Preamp aus eigenem Hause (Test in Heft 1/2008) trotz des kleineren Gehäuses die Nase eindeutig vorn. Alles in allem ist die Bedienung des LA-610 SE auch ohne Studium des wie immer sehr gut gemachten Handbuchs schnell erfasst. Ein Blick ins Manual lohnt aber in jedem Fall, da hier eine Menge an Hintergrundinformationen zur Technik und einige nützliche Anwendungstipps stehen.  Im Messlabor von Professional audio Magazin gibt sich die Signature Edition des LA-610 als Röhrenkomponente vom Allerfeinsten zu erkennen. Mit einer maximalen Verstärkung von 78,9 Dezibel am Mikrofon-Eingang ist er auch für schwachbrüstige dynamische Mikrofone bestens gerüstet. Die Messung von Geräusch- und Fremdspannungsabstand ergibt hervorragende Werte von 88,9 und 86,1 Dezibel am Mikrofon- und cirka zwei Dezibel niedrigere Werte am Line- und Instrumenten-Eingang. Bei den Messungen des Klirrfaktors an allen Eingängen und ohne Einsatz des Kompressors zeigen sich Kurvenverläufe, die bis ein Kilohertz bei 0,1 Prozent liegen und darüber bis auf 0,5 Prozent ansteigen. Ein Ergebnis, das für ein Vollröhrengerät mehr als in Ordnung geht, zumal hier harmonische Verzerrungen überwiegen. Bei Einsatz des Kompressors mit einer Dynamikreduktion um zehn Dezibel verläuft die Kurve auf höherem Niveau zwischen zwei und fünf Prozent, was jedoch klanglich durchaus gewollt sein kann. Ein Blick auf die FFT-Spektren zeigt bei neutraler Einstellung des Vorverstärkers und ohne weitere Eingriffe durch Equalizer und Kompressor – Stellung auf Bypass – nur zwei Peaks, je einen k2 und einen k3, die sich klanglich jedoch nicht negativ auswirken. Bei Einsatz des Kompressors ändert sich das Spektrum jedoch deutlich: Jetzt treten die Verzerrungspeaks stärker hervor und reichen bis hinauf auf -40 Dezibel, außerdem entstehen nun Verzerrungen höherer Ordnung ab k4 bis hinauf zu k9. Auffällig sind die Ergebnisse der Frequenzgangmessungen der beiden Impedanzvarianten von Mikrofon- und Instrumenten-Eingang: Während beim Umschalten der Impedanz am Mikrofoneingang keine nennenswerten Unterschiede auftreten, sind sie am Instrumenten-Eingang um so deutlicher. In Stellung 47 Kiloohm ergibt sich ein Frequenzgang, der aussieht, als ob ein Trittschallfilter bei 200 Hertz aktiv wäre. In Stellung 2,2 Megaohm hingegen ist der Frequenzverlauf vorbildlich linear. Hintergrund: Die niederohmige Variante ist für aktive Instrumente gedacht, die mit ihrer Klangregelung, wie der Name schon sagt, aktiv ins Geschehen eingreifen und diese Absenkung entsprechend kompensieren. Die Messung der Gleichtaktunterdrückung ergibt Werte zwischen -85 und -45 Dezibel.

Im Hörtest konzentrieren wir uns zuerst auf die klanglichen Qualitäten der Vorverstärker-Sektion. Wir erstellen eine Reihe von Sprach-, Gesangs- und Instrumentalaufnahmen mit unterschiedlichen Stellungen des Gain-Schalters. Wie von Universal Audio empfohlen, stellen wir zu Anfang den Kompressor auf Bypass und den Peak-Reduction-Regler auf Null. Der Equalizer ist ebenfalls auf linear gestellt und der Kompressor-Gain-Regler steht, wie empfohlen, in Zwei-Uhr-Position. Bei einer Gain-Stellung von -10 Dezibel überzeugt die Signature Edition des LA-610 durch einen sehr neutralen, gleichzeitig präsenten und vor allem transparenten Klang. Sämtliche Aufnahmen, ganz gleich ob mit Mikrofon oder über den Instrumenten-Eingang gemacht, bestechen durch ihre Klarheit, eine präzise Auflösung, hohe Dynamik und besitzen außerdem eine angenehme Luftigkeit in den Höhen. Es sind so gut wie keine Unterschiede zu unserer Referenz, dem Lake People Mic Amp F355 festzustellen. Beide Geräte spielen in der gleichen Liga. Der LA-610 erzeugt zusätzlich einen Hauch mehr an Vordergründigkeit. Bei den Aufnahmen mit höheren Einstellungen des Gain-Reglers, bei dem wir den höheren Pegel zunächst mit dem Level-Regler des Vorverstärkers kompensieren, sind anfangs keine sehr großen klanglichen Unterschiede zu hören. Zwar klingen Sprach- und Instrumentalaufnahmen schon runder, voluminöser, weicher und plastischer und können ihren Röhrencharakter nicht verbergen. Doch davon darf ruhig noch etwas mehr enthalten sein. Erst durch geschicktes Austarieren der Level-Regler von Preamp- und Kompressorsektion kommen wir zum gesteckten Ziel und kitzeln aus dem LA-610 SE einen nahezu Röhrensound at it´s best heraus. In Extremstellungen erhalten wir sogar eine durchaus noch verwertbare musikalische Verzerrung, wenn wir elektrische Instrumente anschließen. E-Gitarren bekommen so eine leicht bluesig-crunchige Note und auch der Klang von Bässen erhält durch eine gezielte Übersteuerung eine deutliche Portion mehr Knurrigkeit, die sich merkbar in Arrangements durchzusetzen weiß. Die Option, Mikrofone mit zwei verschiedenen Impedanzen zu betreiben, hinterlässt im Test ebenfalls deutliche klangliche Resultate. Das verwendete Schoeps MK 2 H/CMC 6 Ug klingt im 500-Ohm-Betrieb, der eigentlich eher für ganz alte Mikrofone gedacht ist, im Vergleich zur zwei-Kiloohm-Option etwas weniger höhenreich, deutlich bassiger und somit auch verfärbt. In der Hand von Experten lässt sich mit dieser Option schon bei der Aufnahme gezieltes Sound-Design betreiben. Ein Ausprobieren ist das Umschalten in jedem Falle immer wert. Bei den Impedanz-Varianten für den Hi-Z-Eingang verhält es sich ähnlich. Unterschied: Das klangliche Resultat missfällt durchweg, wenn Instrumente mit passiver Elektrik bei einer Eingangsimpedanz von 47 Kiloohm am LA-610 SE aufgenommen werden. Grund: Diese Eingangsimpedanz ist für Instrumente mit aktiver Klangregelung gedacht. Gitarren und Bässe klingen dann mittig und im Frequenzgang beschnitten, was durch die Messung – siehe oben – ja bestätigt wird. Zumeist wird man also die 2,2-Megaohm-Stellung nutzen. Insgesamt überzeugt der Vorverstärker der LA-610 Signature Edition durch einen edlen Klang, seine Vielseitigkeit und die hohe Flexibilität. Aber das ist ja erst der Anfang. Im weiteren Verlauf des Hörtests widmen wir uns dem Equalizer und natürlich auch dem Kompressor. Trotz der vermeintlich eingeschränkten Eingriffsmöglichkeiten – weniger ist oft mehr – entpuppen sich beide Komponenten als kraftvolle Werkzeuge fürs Sound-Design. Der Equalizer fällt sofort durch sein angenehmes, musikalisches Verhalten auf. Verstärkungen und Dämpfungen klingen angenehm weich und verfärben auch nicht ungewollt. Bei voller Verstärkung wissen beide Bänder kraftvoll zuzupacken. Das Klangbild ist ebenfalls als edel zu bezeichnen und erinnert an Kandidaten wie das Equalizer-Modul der Audient Black-Series (Test in Heft 9/2007) und durchaus auch an den Passeq von SPL (Test in Heft 8/2006). Die Auswahl der drei aufrufbaren Frequenzen pro Band ist sinnvoll gewählt und zeugt vom Know-how der Entwickler. Eine weibliche Gesangsstimme verschönern wir durch kräftige Dämpfung bei 70 Hertz und behutsame Verstärkung bei 4,5 Kilohertz. Elektrische Instrumente gewinnen durch geschmackvolle Auswahl von Gain und Frequenz mehr an Charakter und klingen deutlich schöner. Der Wunsch nach Einstellung von Zwischenwerten, die über die Dreh- und Kippschalter nicht erreichbar sind, kommt zu keinem Zeitpunkt auf. In dieselbe Kerbe haut auch der Kompressor. Die schon im Test des Teletronix LA-2A beschriebenen klanglichen Merkmale sind auch bei der Signature Edition des LA-610 zu hören, sie sind als weich, warm und angenehm zu umschreiben. Schon bei behutsamer Kompression – Peak Reduction maximal in 10-Uhr-Stellung – macht er Signale deutlich fetter, größer und auch dreidimensionaler. Gesangsstimmen erhalten das gewisse durchsetzungsfähige Etwas, das man sofort vermisst, wenn der Kompressor auf Bypass geschaltet wird. Allerdings sollte man mit höheren Einstellungen bei Gesangsaufnahmen mit Vorsicht umgehen – abhängig vom Programm-Material und Interpreten. Denn allzu leicht können die Atemgeräusche vor dem eigentlichen Gesangseinsatz unbeabsichtigt verstärkt werden, die man dann durch geschicktes Schneiden im Sequenzer entfernen muss.In einem weiteren Test schleifen wir die Signature Edition als externes Effektgerät in Nuendo 4 ein und nehmen ein nachhaltiges Soundshaping mit Hilfe des Kompressors an einer durchschnittlich klingenden E-Bass-Aufnahme vor. Das Resultat: Der dröhnende Tiefbassanteil wirkt wie ausgefiltert und das Anschlagsattack der Saiten ist deutlich in den Vordergrund modelliert worden. Der Anschlag einzelner Töne ist im Arrangement jetzt besser zu hören und fügt sich organisch ins Rest-Arrangement ein, ohne gleichzeitig überbetont spitz und scharf zu klingen. Ansonsten können wir im Test mit dem Kompressor anstellen, was wir wollen. Er nimmt jedwede Stellung klaglos hin und tut das, was er am besten kann: musikalisch, weich und angenehm klingen.  

Fazit 

Die auf 500 Exemplare limitierte Signature Edition des LA-610 Channelstrips von Universal Audio ist eine hochwertig verarbeitete Luxus-Variante des Serienmodells mit erfreulich gutem Preis-/Leistungsverhältnis. Er bringt ausnahmslos edlen Highend-Klang in jede DAW und wertet jede Produktion deutlich auf. Ihn nur als reines Sammler- oder Spekulationsobjekt erwerben zu wollen, wäre viel zu schade.

Erschienen in Ausgabe 05/2008

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 2251 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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