Mobile (Audio-)Eingreiftruppe

Avid rundet mit den brandneuen Fast Track-Modellen seine Palette an günstigen Audio-Interfaces nach unten ab und wartet sogar mit einigen Überraschungen auf. Aber Halt. Fast Track? So hießen doch auch mal Interfaces von M-Audio. Und was ist mit den Mbox-Modellen von Avid? Wir klären auf. 

Von Georg Berger 

Zugegeben, wir waren anfangs schon ein wenig verwirrt als die beiden neuen USB Audio-Interfaces von Avid, das Fast Track Solo- und Fast Track Duo-Modell, in unserer Redaktion eintrafen. Schließlich offeriert der Hersteller schon seit geraumer Zeit mit der Mbox-Serie eine Reihe günstiger Audio-Interfaces, die vor zwei Jahren in überarbeiteter Form bereits in der dritten Generation fröhliche Urständ am Markt feiern. Uns fiel sogleich auch der Test der beiden Modelle Mbox und Mbox Mini ein, die wir in Heft 8/2011 ausgiebig vorgestellt hatten. Gleichzeitig erinnerten wir uns auch an den Test des Fast Track-Interfaces von M-Audio, das wir aufgrund seiner Preis-Leistung, seiner sehr guten Messwerte und seines Klangs schließlich ins 2010er Editors Choice aufgenommen haben (Test in Heft 3/2010). Mit diesem Wissen im Hinterkopf drängte sich uns sogleich die Frage auf, ob sich Avid mit den beiden Neulingen jetzt Konkurrenz im doppelten Sinne im eigenen Hause schafft. Denn beide Interfaces fischen eindeutig im Revier der Mbox Mini und auch im Produkt-Portfolio von M-Audio. Die Verwirrung hat sich nach einer kleinen Auffrischung unseres Kurzzeit-Gedächtnisses jedoch schnell aufgelöst. Denn vor knapp einem Jahr verkaufte Avid die Marke M-Audio an den InMusic-Konzern (siehe Newsteil in Heft 8/2012), wobei Avid offensichtlich die Bezeichnung „Fast Track“ behalten hat. Im Zuge der Markteinführung der beiden Fast Track-Modelle gab Avid schließlich vor kurzem dann auch bekannt, dass die Produktion der Mbox Mini eingestellt wurde, wobei gezielt auf die beiden neuen Interfaces als Nachfolger des Mini-Modells hingewiesen wurde. Mbox und Mbox Pro sind jedoch nach wie vor erhältlich und wenden sich an Tonschaffende, die auf eine entsprechend hohe Ausstattung im Heimstudio wert legen. Die beiden Fast Tracks setzen in Sachen Ausstattung und Einsatz auf ein anderes Pferd. Nach dem Willen des Herstellers sollen sich beide Modelle mit ihrer schnörkellosen Ausstattung sowohl an den Einsteiger wenden, als auch gezielt für mobile Zwecke gedacht sein. Das Solo- und Duo-Interface wird ausschließlich über die USB-Schnittstelle mit Strom versorgt, beide erlauben die simultane Aufnahme und Wiedergabe von jeweils zwei Kanälen mit Samplingraten bis maximal 48 Kilohertz und 24 Bit. Kostenpunkt: Das Solo-Modell gibts schon für rund 200 Euro. Das Duo-Interface geht angesichts einer etwas besseren Ausstattung für knapp 350 Euro über die Ladentheke. Im Vergleich zum M-Audio Pendant, das seinerzeit rund 150 Euro gekostet hat, ist das schon ein wenig teurer. Doch der Verkaufspreis relativiert sich gleich mehrfach. Denn im Lieferumfang jedes Modells findet sich die abgespeckte Express-Version des Pro Tools Sequenzers (siehe Kasten auf Seite 55). Den hats seinerzeit in Form von Pro Tools Essentials zwar auch beim M-Audio-Interface gegeben. Doch um die neue Express-Version nutzen zu können ist ein iLok2-Dongle erforderlich, den Avid seinen beiden Neulingen gleich mit ins Paket gelegt hat. Der kostet, so man ihn extra kauft, schließlich rund 50 Euro, was im Umkehrschluss diese Kosten einspart. Damit nicht genug, erhält der Anwender nach Installation der Software das Moogerfooger-Bundle, bestehend aus vier Plug-ins (Ring-Modulator, Lowpass-Filter, Phaser, Delay) sowie die Vollversion von Avids Spitzenklassen Gitarren-Amp-Emulation Eleven gratis obendrauf. Zusätzliche Kostenersparnis: rund 750 Euro. Insgesamt heimst Avid damit ein paar fette Pluspunkte hinsichtlich Preis-Leistung ein.

Damit nicht genug, haben die Avid-Entwickler die Attraktivität der beiden Fast Tracks zusätzlich erhöht, indem sie eine Multipin-Buchse integriert haben, an die sich das iPad von Apple anschließen lässt, das seinerseits mit einer entsprechenden Recording-App alternativ als Aufnahme-Maschine und -Medium fungieren kann. Das ist immer noch keine Selbstverständlichkeit in diesem Marktsegment. Damit das funktioniert, operieren das Solo- und Duo-Modell im Class Compliant-Modus, will heißen, auf Mac-Rechnern und Tablets ist keine gesonderte Treiber-Installation nötig und beide Interfaces werden direkt erkannt und eingebunden. Die Stromversorgung der Fast Tracks muss in diesem Fall übrigens per USB-Netzadapter erfolgen. Im Test – es muss schon ein iPad2 sein, darunter geht nichts – funktioniert das im Zusammenspiel mit der Multitrack-App von Harmonic Dog hervorragend. Sehr schön: Der Erwerb des Apple Camera Connection Kit zum Verbinden von Tablet und Interface ist nicht nötig. Ein entsprechendes Verbindungskabel mit rund einem Meter Länge ist im Lieferumfang enthalten. Abseits dessen sollen die beiden neuen Interfaces selbstverständlich auch hervorragende Dienste im Verbund mit Desktop- und Klapprechnern leisten. Schauen wir uns beide Kandidaten also einmal etwas näher an. 
Die Gehäuse beider Fast Tracks setzen sich in ihrer rechteckigen Form mit abgerundeten Kanten von den deutlich runderen Mbox-Modellen ab. Der Großteil besteht dabei aus stabilem, schwarz eloxiertem Metall. Lediglich die in grau gehaltene Front- und Rückblende ist aus Kunststoff, was auf den ersten Blick wenig Vertrauen erweckend ist, aber insgesamt immer noch besser dasteht als etwa die Mboxen der zweiten Generation oder das bereits mehrfach erwähnte M-Audio-Interface. Doch Pro Tools Sales-Manager Boris Prell versichert uns, dass die Kunststoff-Blenden nur zur Zierde sind. Dahinter findet sich ebenfalls eine Metall-Blende, auf der die Buchsen und Bedienelemente montiert sind. Tatsächlich sind diese auch bombenfest und ohne jegliches Spiel montiert worden, ein weiterer Pluspunkt. 
Wie eingangs erwähnt, sind beide Interfaces zweikanalig ausgelegt, wobei die Ausstattung des Fast Track Solo, bis auf den neuen Tablet-PC-Anschluss, auffälligerweise identisch zu seinem Namens-Vetter von M-Audio ausfällt und im Vergleich zur Mbox Mini merkbar reduzierter ist. Frontseitig findet sich eine XLR-Buchse zum Anschluss eines Mikrofons, die von einer 6,3-Millimeter-Klinken-Buchse flankiert wird und ausschließlich zur Aufnahme elektrischer Instrumente dient. Je ein Drehregler erlaubt das Einpegeln der Verstärker hinter den Eingängen. Ein drittes Poti nimmt gleichzeitig Einfluss auf die Lautstärke am frontseitigen Kopfhörer-Anschluss sowie den beiden Cinch-Ausgängen auf der Rückseite, womit sich das Solo-Modell bequem an die heimische HiFi-Anlage anschließen lässt. Direkt daneben ist die Tablet-PC-Buchse sowie ein Schalter zum Aktivieren der Phantomspannung am ersten (XLR-)Kanal eingelassen. Per Druckschalter auf der Front kann schließlich das Direct Monitoring aktiviert werden, wobei das Eingangs-Signal zum Vermeiden hörbarer Latenzen direkt an den Ausgang geschleift und dort mit dem von der DAW ausgegebenen Signal gemischt wird. Wichtig: Damit keine hörbaren Phasen-Auslöschungen oder Verzögerungen auftreten, muss das Direct Monitoring in der DAW in dem Fall deaktiviert werden. Insgesamt empfiehlt sich das Fast Track Solo für Recording-Einzelkämpfer, die bei Bedarf in Singer-Songwriter-Art gleichzeitig Gesang und E-Gitarre aufnehmen wollen, sei es zu Hause, sei es unterwegs im Hotelzimmer.

Ungleich reichhaltiger fällt die Ausstattung im Fast Track Duo Interface aus. Zwei einzeln im Pegel justierbare Combo-Buchsen auf der Frontseite erlauben Stereo-Mikrofon-Aufnahmen. Wer mag, kann dank Hi-Z-Empfindlichkeit hinter den frontseitigen Klinken-Buchsen auch simultan zwei elektrische Instrumente aufnehmen. Per Drucktaster kann separat für jeden Kanal auch auf die rückseitigen Klinken-Eingänge umgeschaltet werden, die zur Aufnahme von Line-Signalen dienen und logischerweise mit den frontseitigen Drehgebern im Pegel justierbar sind. Ausgangsseitig finden sich auf der Front wiederum ein Kopfhörer-Anschluss und rückseitig zwei servosymmetrische Klinken-Buchsen. Sehr schön: Kopfhörer- und Monitor-Outs lassen sich separat in der Lautstärke regulieren. Der Direct Monitoring-Druckschalter zum Durchschleifen des Eingangs zum Ausgang findet sich ebenfalls wieder, ebenso wie der Schalter auf der Rückseite zum Aktivieren der Phantomspannung, direkt neben dem Tablet-Anschluss. Damit überflügelt das Fast Track Duo dank zweiter Combo-Buchse sogar die Ausstattung der Mbox Mini, verbleibt aber immer noch merkbar unterhalb der nach wie vor erhältlichen Mbox, die mit S/PDIF- und MIDI-Schnittstellen aufwartet und zwecks Steuerung und Routing über einen virtuellen Mixer inklusive DSP-On-Board-Effekte verfügt. Das virtuelle Control Panel der Fast Tracks, das nach der Treiber-Installation auf Windows-Rechnern aufrufbar ist, erlaubt lediglich das Einstellen der Samplingrate und des Sample-Buffers. Insgesamt zeigen sich die Fast Tracks in Sachen Ausstattung und Umgang also spartanisch, wobei die Einstellung zum Großteil an der Hardware stattfindet. Anschließen, Einstellen, Loslegen lautet hierbei die Devise. 
Im obligatorischen Messtest heißt es für die Fast Tracks, sich zunächst gegenüber der hauseigenen Mbox-Konkurrenz zu behaupten. Doch diesem Vergleich können das Solo- und Duo-Interface gelassen gegenüber treten, wenngleich die Ergebnisse zumeist ein wenig schlechter ausfallen, aber immer noch sehr gute Resultate liefern. So zeigt das FFT-Spektrum am Mikrofon-Eingang des Solo-Modells zwar einen Noisefloor unterhalb hervorragender -110 Dezibel. Doch zwischen 400 Hertz bis zwei Kilohertz steigt er auf immer noch sehr gute -90 Dezibel an, wobei sich ein Peak bei k2 innerhalb dieser Grenze zeigt. Ein ähnliches Bild zeigt die Messung am Duo-Interface, wobei die Werte um zehn Dezibel schlechter ausfallen, was aber immer noch ein sehr gutes Ergebnis ist. Die Mboxen sind da ein wenig besser aufgestellt. In Sachen Verstärkung zeigen sich die Fast Tracks ebenfalls unterschiedlich aufgestellt. So liefert das Solo-Interface mit rund -52 Dezibel zwar ordentliche Verstärkungsreserven. Das Duo-Modell übertrifft dies mit gemessenen -67 Dezibel jedoch deutlich. Insgesamt liegen sie mit den Mboxen dabei ungefähr gleich auf. In Sachen Fremd- und Geräuschspannungen zeigt sich sowohl zwischen den Fast Tracks, als auch im Vergleich zu den Mboxen ein teils sehr unterschiedliches Ergebnis. So liefern die Mboxen an den Mikrofon-Eingängen ein um zehn Dezibel besseres Ergebnis als die Fast Tracks, die jedoch immer noch bei durchschnittlich 80 Dezibel liegen. Ähnlich verhält es sich auch an den Line- und Instrumenten-Eingängen, wobei die Ergebnisse dennoch in Ordnung gehen (siehe Steckbrief).

Sehr schön: Beide Fast Tracks trumpfen trotz ausschließlicher Stromversorgung per USB mit Bilderbuch-Ergebnissen beim Messen der Phantomspannung. Das Solo-Modell legt mit glatten 48 Volt und einem maximalen Strom von sieben Milliampère eine Bilderbuch-Landung hin. Das Duo überzeugt mit gemessenen 47,8 Volt und 9,4 Milliampère. Das ist noch lange keine Selbstverständlichkeit. Die Messungen der Gleichtaktunterdrückung liefern ebenfalls leicht unterschiedliche Ergebnisse. So zeigt das Solo-Interface einen fast konstanten Kurvenverlauf über den gesamten Bereich bei -80 Dezibel, ein hervorragendes Ergebnis. Das Duo-Modell ist hingegen etwas schlechter aufgestellt und zeigt im relevanten Bereich einen Verlauf bei immer noch sehr guten -75 Dezibel, die ab 500 Hertz abwärts kontinuierlich auf immer noch gute -50 Dezibel ansteigen. In Sachen Klirrdämpfung liefern beide Fast Tracks jedoch ein fast gleiches Ergebnis, wobei ebenso wie bei den Mboxen die Messkurve wie mit dem Lineal gezogen verläuft. So zeigen die Mikrofon-Eingänge mit gemessenen 0,005 (Solo) und 0,007 (Duo) ein exzellentes Ergebnis. Die Line- und Instrumenten-Eingänge liefern mit 0,02 Prozent ein etwas schlechteres, aber immer noch sehr gutes Ergebnis. Auch in dieser Disziplin zeigen sich die Fast Tracks vergleichbar gut aufgestellt wie die Mboxen. Unterm Strich hinterlassen die Fast Tracks im Messtest somit einen sehr guten Eindruck. 
Die Nagelprobe erfolgt schließlich im Hör- und Praxistest. Meckern müssen wir dabei gleich zu Anfang, denn das Einpegeln der Eingänge gerät nur allzu leicht zu einem fummeligen Geduldsspiel, wobei sich teils große Pegelsprünge in den Meter-Anzeigen der DAW zeigt, obwohl wir die Regler höchstens im Mikrometer-Bereich bewegt haben. Sogleich keimt in uns der Wunsch auf nach Potis mit weniger sensibler Ansprache und entsprechend größeren Regelwegen zum bequemeren Einpegeln. Auffällig sind auch die merkbar höheren Latenzen im zugegebenermaßen unfairen Vergleich zu unserer Oberklasse-Referenz, dem Fireface 400. Ebenso wie bei den Mboxen ist ein reibungsloses Aufnehmen erst bei Buffer-Einstellungen ab 128 Samples abwärts möglich. Während die Avid-Interfaces dabei Werte von rund sieben Millisekunden liefern, ist das Fireface 400 mit durchschnittlich 3,6 bis 4,6 Millisekunden fast doppelt so flott. Im Vergleich zum damaligen Test der Mboxen stehen die Fast Tracks übrigens um eine Millisekunde besser da. Sollte das jedoch alles nichts nützen, gibt es ja immer noch den Direct-Monitor-Button, um die unangenehm hörbaren Verzögerungen erfolgreich zu eliminieren.Im Hörtest lassen wir die beiden Fast Tracks erneut gegen das RME Fireface 400 antreten. Ein zugegeben unfairer Vergleich, der jedoch die vermuteten Klassen-Unterschiede deutlicher zu Tage treten lassen soll. Dabei erleben wir jedoch eine faustdicke Überraschung, denn beide Avid-Geräte wissen sich gegenüber dem teutonischen Fireface sehr gut zu behaupten. Mehr noch, entpuppen sich das Solo- und Duo-Modell in Sachen Grundsound primär der  Transparenz verpflichtet. Das haben wir bei den Mboxen in der Art nicht erlebt, die seinerzeit im Test auf angenehme Weise deutlich Klang färbender ans Werk gingen und einen Analog-Sound ähnlichen Eindruck hinterließen. Dabei schenken sich das Solo- und Duo-Modell untereinander nichts und liegen hinsichtlich der Klangqualität gleichauf. Die Auflösung nach oben hin ist sehr detailliert und beide Geräte fangen Nebengeräusche, wie das Fingerrutschen auf dem Gitarren-Griffbrett akkurat ein. Dennoch zeigen sich nach intensiven Hörvergleichen schließlich doch Unterschiede zu unserer Oberklasse-Referenz. Ebenso wie bei den Mboxen hören wir eine ganz leichte Dominanz im unteren Mittenbereich, die jedoch angenehm subtil ist und ganz leichte Anleihen ans Analog-Sound-Ideal macht. In Konsequenz klingen vor allem Gitarren- und E-Bass-Aufnahmen dadurch voluminöser und vordergründiger, in Folge dessen aber auch zweidimensionaler. Das ist per se kein Mangel und letzten Endes auch eine Frage des Geschmacks. Mit diesen Qualitäten sind sie jedenfalls fürs Produzieren aller Spielarten von Rock- und Popmusik bestens gerüstet und haben sich insgesamt einen Platz in der Mittelklasse redlich verdient.

Fazit

Avid adressiert sich mit den beiden USB-Audio-Interfaces Fast Track Solo und Fast Track Duo ohne Zweifel ans Einsteiger-Klientel. Dabei zeigt der Hersteller in vorbildlicher Weise, dass sich ein günstiger Verkaufspreis und seine sehr gute Klangqualität nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen müssen. Als mobil eingesetztes Zweit-Gerät dürften sie selbst professionellen Ansprüchen gerecht werden. Mit den immer noch nicht selbstverständlichen, dezidierten Tablet-PC-Anschlüssen erweitert Avid zudem den Einsatzbereich der Interfaces, hebt sie auf ein modernes Niveau und lockt überdies mit einem fetten Software-Paket, das einen Einstieg in die Pro Tools Welt zum Schnäppchenpreis ermöglicht. 

Pro Tools Express im Überblick

Wer immer schon einmal mit dem weltweiten DAW Industrie-Standard Pro Tools arbeiten wollte, konnte dies bis vor wenigen Jahren ausschließlich durch Kauf einer Hardware erreichen, denn die gesamte Produktionsumgebung aus Soft- und Hardware war in sich geschlossen. Seit Pro Tools 9 gehört dies jedoch der Vergangenheit an (Test in Heft 6/2011) und endlich kann die DAW auch ohne dezidierte Avid-Hardware genutzt werden. Abseits der seitdem erhältlichen Demo-Version offeriert Avid mit Pro Tools Express eine weitere Alternative zum Einstieg in die Pro Tools-Welt, die zudem unbegrenzt nutzbar ist. Allerdings ist der Hersteller dabei zu alten Verfahrensweisen zurückgekehrt. Zwar muss die Express-Version über eine iLok-Lizenz nebst entsprechendem, mitgeliefertem USB-Dongle autorisiert werden. Lauffähig ist die DAW jedoch ausschließlich im Verbund wahlweise mit den Fast Track oder Mbox Interfaces. Folglich ist die Express-Version nicht separat erhältlich und liegt ausschließlich diesen Geräten bei. Wer aber nach ausgiebiger Arbeit mit der kleinen Pro Tools-Variante Blut geleckt hat, kann auf die native Vollversion für rund 570 Euro upgraden. Im Kern basiert Pro Tools Express auf der Version Pro Tools 10 (Test in Heft 4/2012). Beim Upgrade erhält der Anwender dabei die vor kurzem veröffentlichte Version 11. Die Ausstattung der Express-Variante mag auf den ersten Blick zu spartanisch ausfallen und das Produzieren von Songs zu einem nervenaufreibenden Unterfangen machen. Doch im Vergleich zu den Mitbewerbern, die vergleichbares anbieten, ist diese Pro Tools-Version in guter Gesellschaft. Maximal 16 Audio-Spuren können in einem Projekt existieren. Dabei macht die Express-Version keinen Unterschied mehr, ob es sich um eine Mono- oder Stereo-Spur handelt. Schließlich wurde in Version 10 der Import von Interleaved-Files bis hinauf 32 Bit Wortbreite ermöglicht. Hinzu gesellen sich maximal acht Instrumenten-, 16 MIDI- und sogar eine Video-Spur. Komplettiert wird die Ausstattung von acht Aux-Kanälen und 16 Bussen. Für den Profi mag das so gut wie nichts sein, für den Einsteiger reicht das allemal, um die Wesenszüge der Avid-DAW grundlegend zu erforschen  und auch um Vorproduktionen ohne viel Schnickschnack zu realisieren. Das Arsenal an mitgelieferten Instrumenten und Effekt-Plug-ins kann sich dabei ebenfalls sehen lassen. Außer den allseits etablierten Xpand!- und Structure-Instrumenten findet sich mit Boom sogar ein reinrassiger, patternbasierter Drum-Computer im Stile einer Roland TR-808. Das Effekt-Arsenal setzt sich aus einer Vielzahl an Filtern und Equalizern zusammen. Dynamik-, Delay- und Modulations-Effekte sowie ein Hall in Form des D-Verb-Plug-ins liefern sämtliche wichtigen Studio-Prozessoren, um Aufnahmen nachhaltig zu veredeln. Ebenso wie die Vollversion erlaubt Pro Tools Express das Laden von  Plug-ins im RTAS- und AudioSuite- und sogar auch im neuen AAX-Format. Das Beste: Das Laden von Drittanbieter-Plug-ins ist ebenfalls möglich, was bei dem einen oder anderen Mitbewerber so nicht möglich ist. Damit lässt sich das verfügbare Klang-Repertoire also nach eigenen Wünschen erweitern. Die zentralen Kern-Funktionen sind selbstverständlich ohne Abstriche vorhanden. Spuren lassen sich im Arrange-Fenster nach allen Regeln der Kunst editieren, inklusive Automationsspuren. Der virtuelle Mixer offeriert, bis auf die maximale Zahl der verfügbaren Kanäle, den gleichen Funktionsumfang. Sogar die separat aufrufbaren MIDI- und Noten-Editoren sind vorhanden. Gleiches gilt auch für das Digibase genannte Verwaltungs-System zum Ordnen und Suchen von Audio-Clips. Sehr schön ist auch die in der Express-Version vorhandene Möglichkeit zum Einstellen des Latenz-Ausgleichs, was zwar in anderen DAWs eine Selbstverständlichkeit ist, in Pro Tools aber erst seit Version existent ist. Wer unter einigem anderen auf MP3 und OMF/AAF-Im- und Export verzichten kann, die Clip Gain-Funktion nicht vermisst, auf die Beat Detective TimeStretch-Anwendung verzichten und mit dem Echtzeit-Bouncing leben kann, dürfte für einige Zeit bestens mit Pro Tools Express zurecht kommen. Einzig das Fehlen eines Demo-Songs sowie eines Arsenals an  Loops und Samples haben wir zu bemängeln, was den Einstieg in diese Version noch einmal versüßt hätte.

Erschienen in Ausgabe 09/2013

Preisklasse: Mittelklasse
Preis: 202 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut – überragend

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