Kleines Pult ganz groß

Klein und unscheinbar wirkt das MW 12 USB Mixing Studio von Yamaha. Doch Größe ist nicht alles. Auf die inneren Werte kommt es an. 

Von Georg Berger 

Die Bezeichnung USB Mixing Studio beschreibt das MW 12 recht treffend: ein zwölf-Kanal Mischpult mit integriertem USB Audio-Interface. Damit empfiehlt es sich grundsätzlich für mehrkanalige Anwendungen im Heimstudio und hebt sich darüber hinaus von den üblichen Desktop- oder Rack-Lösungen anderer Audio-Interfaces ab. Maximal vier Mono- und vier Stereo-Signale lassen sich digital übertragen, was in Summe eben zwölf Kanäle ausmacht. Obendrein ist im Lieferumfang auch noch der Software-Sequencer Cubase LE von Steinberg enthalten. Der Käufer erhält für knapp 390 Euro somit ein attraktives Musikproduktions-Paket. 

Das Äußere des Mixing Studios gibt sich sehr aufgeräumt und übersichtlich. Ein kurzer Blick genügt und die Bedienelemente des Mischpults sind erfasst. Mit seinen fünf Kilo Kampfgewicht ist das kompakte Pult recht schwer. Der Grund dafür liegt in einer äußerst robusten Verarbeitung. Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Ausprobieren der Bedienelemente, die stabil und zuverlässig arbeiten. Die 60 Millimeter- Fader gleiten so wohlig zäh wie sich auch sämtliche Drehregler bedienen lassen. Selbst die Drucktaster lassen sich nur mit einem vergleichsweise höheren Kraftaufwand betätigen. 

Wie so üblich bei Kompaktmischpulten – das Yamaha Pult macht da keine Ausnahme –, sind mehr Eingänge als Kanalzüge vorhanden. Die ersten vier Kanalzüge sind als Mono-Eingänge mit Mikrofon- und Line-Anschluss ausgestattet. Die nächsten zwei bilden eine Mischform mit mono XLR- und stereo Line-Buchsen. Die letzten beiden Kanalzüge sind als reine stereo Line-Eingänge wahlweise über Klinke oder Cinch ausgelegt.
Fast sämtliche Kanalzüge weisen dieselben Funktionen und Bestandteile auf. Hervorzuheben sind die Dreiband-Klang­regelung mit festen Frequenzen und die zwei Aux-Wege, von denen einer per Drucktaster auf prefader schaltbar ist.  Lediglich die letzten beiden Kanalzüge kommen ohne Trittschallbedämpfung und Vorverstärkungs-Regler aus, da sie lediglich Line-Eingänge besitzen. 

Die Master-Sektion ist ebenfalls sehr übersichtlich gehalten. Auffällig ist in der Return-Sektion ein dritter Drehregler, der es zusätzlich erlaubt, Signale vom Return-Anschluss anteilig in die Stereosumme zu mischen. Der USB-/2 TR-Drehregler ermöglicht es schließlich, das vom Computer zurück gelieferte Signal anteilig in die Stereosumme zu mischen. 

Ausgangsseitig ist der kleine Japaner reichhaltig bestückt. Außer der Stereosumme (XLR- und Klinke), gibt es weitere Ausgänge für den Control Room und die Subgruppe. Bemerkenswert sind zwei Paare Cinch-Buchsen (2 TR In und Out). Ein- und ausgangsseitig lassen sich dort CD-/MD-Player anschließen. Die dort eingespeisten beziehungsweise herausgeführten Signale gehen direkt auf die Stereosumme. Die Aufzeichnung einer Recording-Session beispielsweise auf DAT lässt sich so bequem herstellen, oder aber Musik direkt einspeisen. Geregelt werden diese Eingangssignale durch den bereits erwähnten USB-/2 TR-Drehregler. Allerdings kann es dabei zu Konflikten kommen, wenn gleichzeitig über USB und den 2 TR-Cinch-Eingang Signale ins Pult gelangen. Lediglich die Gesamtlautstärke dieser beiden Signale lässt sich gemeinsam im Verhältnis zu den anderen Eingangssignalen regeln.   

Die Auseinandersetzung mit den Bedienelementen verführt fast dazu, das zweite Hauptfeature des Pults zu übersehen: die USB-Schnittstelle. Sie erlaubt die von maximal zwölf Kanälen Übertragung im USB 1.1 Protokoll mit Abtastraten von wahlweise 44,1 oder 48 kHz, bei einer Wortbreite von 16 Bit. Das ist –gerade hinsichtlich der Wortbreite – ein wenig dürftig. Andere USB Audio-Interfaces bieten durchweg 24 Bit Auflösung und lassen das MW 12 so gesehen schlechter aussehen. Allerdings kosten solche Geräte deutlich mehr, was wiederum für den Japaner spricht.

Weitaus schwerwiegender als die Auslegung der USB-Schnittstelle ist allerdings das Fehlen eines eigenen ASIO-Treibers im Lieferumfang unseres Testgerätes. Selbst das ansonsten tadellos geschriebene Handbuch vermerkt zu diesem Thema lediglich, dass der Standard Multimedia ASIO-Treiber verwendet werden soll, was allerdings im Test Latenzen von sage und schreibe 110 Millisekunden bringt – ein induiskutabler Wert. Abhilfe schafft ein Blick auf die Yamaha-Homepage. Dort gibt es für das MW 12 einen ASIO-Treiber zum herunterladen, der die Latenz bedeutend herabsetzt. Nach der Installation dieses Treibers und einigen Einstellungen messen wir Latenzen zwischen 13 und 16 Millisekunden. Das sind zwar keine Traumdaten, aber durchaus akzeptable Werte. 

Ein Druck auf den Kanal-Einschaltknopf und schon ist der jeweilige Kanal bereit, anliegende Signale postfader digital zu übertragen. Equalizer-Einstellungen und Signalanteile von Effektgeräten, die an den Aux-Wegen angeschlossen sind, werden also ebenfalls mit übertragen. 

Ohne großen Aufwand gelangt das Stereo-Signal aus dem Computer wieder zurück ins Pult auf die Stereo-Summe des Mischpult-Teils. Über den separaten USB-/2 TR-Drehregler ist der Lautstärkeanteil der Computer-Signale regelbar. Ein Drucktaster über dem Master-Fader schaltet dieses Computer-Signal wahlweise auf die Stereosumme oder den Control-Room-Ausgang. Soll das Pult primär als Audio-Interface genutzt werden, so muss das ankommende Signal auf den Control Room-Weg geschaltet werden, da ansonsten bei einer weiteren Aufnahme auf eine neue Spur das Stereo-Signal aus dem Rechner mit in den neu aufzunehmenden Track gemischt wird. Innerhalb dieser Anwendungssituation ist der Main-Ausgang arbeitslos, da nur über den Control Room-Anschluss abgehört werden kann. Das ist etwas unglücklich gelöst, wie wir finden.

Im Praxistest zeigt sich das Yamaha MW 12 in guter Form, ärgert die Tester aber mit einer Unausgegorenheit: Die Aussteuerungsanzeige zeigte bei einem anliegenden Pegel von tatsächlich gemessenen +6 dBu am Main-Ausgang einen Pegel von lediglich -1 dBu an. Vertraut ein Nutzer dieser Anzeige blind, so übersteuert er nachfolgendes Equipment maßlos. Hier sollte Yamaha unbedingt nachbessern.    

Bei den Messwerten zeigte sich das kleine Yamaha-Pult richtig erwachsen: Der Frequenzgang verläuft fast vorbildlich linear. Der Klirrfaktor überzeugt durch sehr gute Werte (0,007%), der Fremdspannungs- (-81,7 dBu) und Geräuschspannungsabstand (-85,5 dBu) gereichen selbst teureren Pulten zur Ehre. Auffällig ist der maximale Ausgangspegel von +27 dBu. Das ist sogar über der Studio-Norm und garantiert eine hohe Übersteuerungsfestigkeit.  
Doch das sind Ergebnisse, die nur den analogen Teil des Mischpults betreffen. Denn so kraftvoll wie es sich auf der analogen Seite zeigt, so kraftlos ist es in der digitalen Signalübertragung. 

Es ist unmöglich, Aufnahmen mit ausreichenden Pegeln herzustellen. Ein Signal mit einem Pegel von +6 dBu, das in den Rechner gelangt, kommt dort mit kümmerlichen -7 dBu an. Das Pult beziehungsweise die USB-Schnittstelle verschenken dadurch verfügbaren Headroom. Auch an dieser Stelle ist Nachbesserung nötig.

Vergessen wir die kühle Welt der Daten und widmen uns dem Klang, der sich am besten als neutral und etwas steril beschreiben lässt. Übertragene Sprachsignale von einem Kondensatormikrofon erklingen ein wenig komprimiert. Der Bass- und untere Mittenbereich sind wenig ausgeprägt. Die Stimme wirkt ein wenig nasal. Sprach-Signale über ein dynamisches Mikrofon sind  hingegen äußerst bassbetont. Einen ähnlichen Eindruck hinterlassen Instrumenten-Signale. Eine angeschlossene E-Gitarre besticht durch wenig Präsenz im Bass- und Mittenbereich. Dafür erklingen hohe Frequenzen etwas prominenter, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Der sterile Grundklang lässt Instrumente etwas passiv erscheinen. 
Musik aus einem an den 2 TR-Cinch-Eingang angeschlossenen CD-Player erklingt ein wenig verhalten und matt. Auch die Stereo-Trennung könnte besser sein. 

Fazit

Das MW 12 USB Mixing Studio von Yamaha ist unschlagbar im Preis und macht es deshalb attraktiv für Einsteiger in den Bereich des computerbasierten Recordings. In dieser Preisklasse steht es momentan alleine da. Die fehlerhafte Aussteuerungsanzeige und die im Vergleich zu den hervorragenden Werten des Analog-Teils unterdimensionierte USB-Schnittstelle trüben den sonst positiven Eindruck.

Erschienen in Ausgabe 06/2006

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 389 €
Bewertung: gut
Preis/Leistung: sehr gut

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