Zentrales Klang-Werkzeug

Digidesigns erste virtuelle Sampler-Workstation Structure schickt sich an, mit seinen mächtigen Funktionen das wichtigste virtuelle Instrument in der Pro Tools Welt zu werden.


Von Georg Berger

Mit der Gründung der A.I.R.-Group (Advanced Instruments Research) vor knapp eineinhalb Jahren durch die Übernahme der deutschen Soundschmiede Wizoo, konzentriert sich Digidesign verstärkt auf die Produktion von virtuellen Instrumenten. Vorteil: Die von dieser Abteilung entwickelten Instrumente sind ausschließlich und somit gezielt auf eine optimale Zusammenarbeit mit Pro Tools ausgerichtet. So auch geschehen beim jüngsten Streich der A.I.R.-Group, der virtuellen Sampler-Workstation Structure, die in engem Verbund mit der Pro-Tools-eigenen Digital-Audio-Engine arbeiten soll. Außer dem eigentlichen Software-Instrument in Form eines RTAS-Plug-ins, findet sich im Lieferumfang von Structure noch eine cirka 20 Gigabyte umfassende Sample-Library. Als Appetitanreger hat Digidesign dem knapp 520 Euro teuren Sampler eine Demoversion der Goliath-Library aus dem Hause East West beigelegt. Wer nach Ablauf der 30-tägigen Demophase Gefallen an der knapp 40 Gigabyte großen Library gefunden hat, muss für die Voll-Lizenz etwa 730 Euro bezahlen. Mac User, die über eine alte Version des in die Jahre gekommenen virtuellen Sampler-Vorläufers Soft Samplecell verfügen, erhalten überdies die Möglichkeit, für knapp 200 Euro auf Structure upzugraden.   Außer den proprietären Datenformaten der Werks- und der Goliath-Library ist Structure in der Lage, außer Wav-, Aiff-, Mp3- und Wma-Dateien auch die Formate von Kontakt, EXS24, Samplecell und Sound Designer zu lesen. REX-Files [G] sind dank integriertem Player ebenfalls abspielbar. Damit deckt Structure die gebräuchlichsten Audio-Formate ab und zeigt sich für alle Fälle gerüstet. Doch es geht noch weiter: Keineswegs selbstverständlich ist die Fähigkeit, sogar Surroundsound-Samples im 7.1-Format zu lesen und auszugeben. Das virtuelle Sampler-Instrument wartet mit einigen Funktionen und Ausstattungsmerkmalen auf, die Structure zu einem mächtigen, wenn nicht gar zu dem zentralen virtuellen Instrument für Pro Tools machen. Nicht weniger als eine 1.024-stimmige Polyphonie, 128 MIDI-Kanäle, die über fünf Ports organisiert sind, 32 Audio-Ausgänge und der Möglichkeit, das Instrument mit einer Samplingrate von 192 Kilohertz einsetzen zu können, dürfte selbst anspruchsvollsten Bombast-Musikern einiges abverlangen, Structure tatsächlich ausreizen zu können. Der Sampler ist somit bestens gerüstet, auch in den professionellen HD- und Accel-Systemen anstandslos seinen Dienst zu verrichten.  Eine Datenbank und ein Browser zum Indizieren und Suchen von Klängen, eine Effektsektion mit weit reichenden Routing-Möglichkeiten, vier MIDI- und 18 Audio-Effekten, darunter auch ein Faltungshall sowie ein integrierter Wave-Editor zum bequemen Produzieren von Loops bereichern die Ausstattung von Structure und erlauben ein komfortables Arbeiten unter einem Dach. Selbstverständlich finden sich auch die üblichen Verdächtigen wie Filter, LFOs und Hüllkurven, die ein nachhaltiges Verbiegen der Samples ermöglichen. Eine Modulations-Matrix will schließlich für einen gehörigen Schub in Sachen Lebendigkeit der Sounds sorgen und sechs so genannte Smart Knobs erlauben die Steuerung wichtiger Parameter, die dadurch permanent im direkten Zugriff stehen. Sie erinnern in ihrer Funktion an die Hyperknobs von Steinbergs Hypersonic-Workstation (Test in Heft 5/2006) oder an die Makro-Regler von Native Instruments Massive-Synthesizer (Test in Heft 12/2006). Structure bietet noch eine ganze Reihe weiterer nützlicher und interessanter Features, die allerdings alle aufzuzählen, den Rahmen des Artikels sprengen würden.  Grenzenlose Freiheit beim Erstellen von Multisamples  Die große Stärke von Structure ist das flexible Konzept zur Organisation und Erstellung von Sounds und Multisamples. Hier hat die A.I.R.-Group nicht gekleckert, sondern geklotzt: Theoretisch lässt sich eine unendliche Zahl an Sounds in Structure laden, dies geschieht bequem per Drag and Drop.

Sogar Regions aus Pro Tools sind ohne weiteres direkt aus der Regionslist importierbar, ein Feature das ebenfalls nicht alltäglich ist. Der Clou: Innerhalb eines Gesamtsounds lassen sich wiederum theoretisch unendlich viele Einzel- und Multi-Samples und sogar Effekte integrieren, was aus Structure ein wahres Sound-Stacking-Monster macht. Der Digidesign-Sampler verdient seinen Namen damit zu Recht.   Wie üblich bei elektronischen Instrumenten, besitzt auch Structure eine eigene Sound-Terminologie, die gleichzeitig auch das Konzept der Klangorganisation verdeutlicht. Die unterste Ebene der Klang-Hierarchie markiert das Sample. An dieser Stelle ist es bereits möglich, per Filter und Verstärker nebst dazugehörigen Hüllkurven Einfluss auf die Rohwellenform zu nehmen. Selbstverständlich sind auch die üblichen Parameter zur Transponierung des Samples vorhanden. Über vier Send-Wege lassen sich die Samples überdies an Effekte in der globalen Effektsektion leiten. Die nächst höhere Ebene bildet der sogenannte Part. Ein Part kann in der kleinsten Form aus einem einzigen Sample bestehen. Die Stärke und Hauptaufgabe eines Parts besteht jedoch im bequemen Handling von Multisamples, etwa von Drumsets. Gleichzeitig bietet ein Part wiederum Eingriffsmöglichkeiten in den Klang. Einstellbar sind Tastatur- und Velocitybereiche sowie die Gesamttonhöhe des Multisamples, Filter und Verstärker nebst Hüllkurven finden sich ebenfalls dort. Zwei LFOs wirken über die erwähnte Modulations-Matrix auf das (Multi-)Sample ein. Über die Matrix sind insgesamt 16 Modulationen realisierbar. Ein Vorrat aus 32 Modulationsquellen ist in der Lage, auf 19 Modulationsziele einzuwirken. Besonderheit: Die Modulationsquellen sind noch einmal über 50 sogenannte Modifizierer zusätzlich steuerbar. So ist es beispielsweise möglich, mit einem Part-LFO den Filter-Cutoff zu regeln. Der Part-LFO wird wiederum über einen MIDI-Controller beeinflusst. Damit sind sehr komplexe Klangverbiegungen möglich, die mit Leichtigkeit den Ursprungsklang bis zur Unkenntlichkeit verfremden und in Sachen Lebendigkeit den virtuellen Synthesizern analoger Provenienz in nichts nach stehen. Auch ein Part verfügt über vier Sendwege. die das Signal anteilig auf die globale Effektsektion leiten.   Der Klangaufbau: Sample, Part, Patch  An oberster Stelle stehen schließlich die sogenannten Patchs. Sie sind es, die schließlich den spiel- und ladbaren Gesamtsound repräsentieren. Darüber hinaus erweitern sie den Rahmen der üblichen Möglichkeiten zur Sample-Organisation bis ins Unendliche, denn ein Patch kann aus einer unendlichen Menge an Parts bestehen. MIDI- und Audio-Effekte sind überdies als Inserts integrierbar, die für eine zusätzliche Klangveredelung sorgen können. Damit nicht genug, es lassen sich sogar Patchs innerhalb eines anderen Patchs einbetten und steigern die komplexen, aber überschaubaren Organisationsmöglichkeiten noch einmal deutlich. Das so umgewidmete Sub-Patch lässt sich selbstverständlich auch in umgekehrter Weise als ganz normales Patch in Structure nutzen. Die Konsequenz: Mit einem Tastendruck erlaubt ein Patch das Spielen von fettesten Klängen und komplexen Klangtexturen, die sich bei Mitbewerbern wie etwa Plugsound Pro von USB oder dem Tascam GVI-Plug-in ungleich komplizierter und vor allem nicht so weit reichend und flexibel realisieren lassen. Lediglich der Independence Sampler von Yellow Tools kann da noch mithalten, bietet aber nicht die komfortable Patch-Lösung.   Anders als bei Samples und Parts konzentrieren sich die Eingriffsmöglichkeiten bei den Patchs lediglich auf die grundlegenden Parameter des Gesamtklangs wie Tonhöhe, Tastaturbereich und Anschlagsdynamik. Vier Effekt-Sends erlauben es allerdings, den Gesamtsound zusätzlich zu verfeinern. Überdies gestattet der Main-Dialog eines Patchs die Programmierung des Modulationsrads und von Aftertouch. Sie sind fest mit zwei programmierbaren LFOs verknüpft, die auf die wichtigsten Parameter, wie unter anderem Tonhöhe, Filter-Cutoff oder Panorama einwirken können. Schließlich lässt sich auf Patch-Ebene das Fernsteuern von Sound-Parametern erledigen. Filter und Hüllkurven stehen für ein Patch nicht mehr zur Verfügung, denn es ist lediglich ein reiner Container zum simultanen Ansteuern mehrerer (Multi-)Samples und Effekte. Gleichwohl würden solche Bausteine die Klangformungsmöglichkeiten noch einmal komfortabel erweitern und übersichtlicher gestalten. Denn wer etwa den Filter-Cutoff ändern möchte, muss dies auf der Part-Ebene tun, was allerdings problemlos möglich ist, da sich Änderungen an einem Sample innerhalb eines Parts bei Bedarf automatisch auf die übrigen Samples auswirken – nicht jedoch auf sämtliche Parts eines Patchs. Hier führt kein Weg an einer geschickten Programmierung und Zuweisung von Controllern vorbei. Patch-Hüllkurven und -Filter würden diese Schritte einsparen.  Ist das Klangorganisations-Konzept einmal verstanden, gestaltet sich die Arbeit mit Structure zu einem Kinderspiel. Mit den komplexen Klanggestaltungsmöglichkeiten dürften Filmmusik-Komponisten und ambitionierte Klangschrauber mit Anspruch auf das Besondere ihr Sampler-Eldorado finden. Lediglich die musikalische Phantasie des Sounddesigners stellt hier die Grenze dar.   Eine Hauptbedienoberfläche und ein separates Editor-Fenster  Bei Aufruf von Structure zeigt sich eine aufgeräumte Bedienoberfläche. Die Spalte auf der linken Seite dient zur Aufnahme von Patchs. Die Darstellung des geladenen Patchs enthält Bedienelemente, die den wichtigen Parametern eines Sequenzers entlehnt sind. So sind dort bequem Lautstärke und Panorama einstellbar. Das Patch kann hier auf solo oder stumm geschaltet werden und außerdem sind per Ausklapp-Menü die MIDI-Ein- und Audio-Ausgänge einstellbar. Das Patch lässt sich um eine Liste erweitern, die schließlich die enthaltenen Parts, Effekte oder Sub-Patchs zeigt. Der Signalverlauf geht dabei von oben nach unten durch die einzelnen Parts und Effekte. Den größten Teil der Bedienoberfläche nimmt jedoch das Dialog-Fenster ein, das von den fünf Haupt-Menü-Buttons und den Smart Knobs sowie der virtuellen Klaviatur eingerahmt wird.

Die Main-Page enthält sämtliche Parameter zum Sounddesign, die nochmals über fünf Unter-Menü-Buttons aufgeteilt sind. Der Inhalt der Unterfenster ändert sich jedoch, wenn wahlweise auf die Patch-Oberfläche oder auf einen Eintrag in der Patch-Liste geklickt wird. Beim Klick auf einen Insert-Effekt zeigt sich direkt ein Dialog zur Einstellung des Effekts. Schon nach kurzer Zeit finden wir uns beim Editieren von Sounds dort leicht zurecht. Der Output-Unterbutton zeigt bei Patchs und Parts die erwähnten vier Send-Kanäle, sowie einen Ausgangs-Lautstärkeregler.   Das Control-Menü auf Patch-Ebene gestattet über drei Reiter, übersichtlich aufgeteilt, eine separate Programmierung der Smart Knobs, Key-Switches sowie von MIDI-Controllern, diese können absolut, relativ oder als Schalter arbeiten, die Key-Switches sind in ihrer Arbeitsweise ebenfalls einstellbar. Zur Auswahl stehen fünf Schaltzustände wie etwa das Hin- und Herschalten oder ein einfaches Aktivieren. So ist es möglich, die Fernsteuerung optimal auf die Arbeitsbedürfnisse anzupassen. Durch Rechtsklick auf einen beliebigen Structure-Parameter ist es zusätzlich möglich, eine MIDI-Learn-Funktion zu aktivieren. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Structure verfügt lediglich über 16 Automationskanäle, die sich auf jeweils ein Patch routen lassen, um die Zahl möglicher Fernsteuerungen bändigen zu können. Doch das ist immer noch mehr als ausreichend, um wahre Controller-Orgien zu feiern.   Über den Effekt-Button im Hauptmenü ist die globale Effektsektion erreichbar, die schließlich sämtliche geladenen Patchs, Parts und Samples veredelt. Dort finden sich vier in der Lautstärke regelbare Kanäle, die jeweils vier Insert-Slots zum Einfügen von Effekten besitzen. Ein Summenregler komplettiert den Dialog, der ebenfalls vier Inserts aufnehmen kann. Damit sind ganze Effekt-Gewitter realisierbar und reichern die komplexen Klanggestaltungsmöglichkeiten zusätzlich zu den Insert-Effekten der Patchs noch einmal an.   Nicht alltäglich: Ein skalierbares Plug-in-Fenster  Zusammen mit den Buttons zum Aufruf des Browsers und der Datenbank, verfügt die Bedienoberfläche über sämtliche Möglichkeiten zum Laden und Erstellen von Patchs. Die Datenbank zeigt sämtliche mit Metadaten indizierten Patchs, Parts und Samples, die mit einer Reihe von Attributen versehen sind und die sich als Suchkriterien auswählen lassen. Die Metadaten können dort übrigens nachträglich geändert werden. Beim Abspeichern eines selbst erstellten Patchs erlaubt der Speicher-Dialog außerdem ein Hinzufügen dieser Informationen. Wer diese Daten direkt von Anfang an pflegt, erhält mit dieser Datenbank ein mächtiges Werkzeug, das ein endloses Suchen nach dem passenden Sound erheblich verkürzen kann. Der Browser hingegen arbeitet ähnlich wie der Windows-Explorer oder der Mac-Finder und erlaubt ein Suchen von nicht indizierten Patchs, Parts und Samples über die gesamten Festplatten des Computers. Das Handling nach Auffinden des gewünschten Sounds ist denkbar simpel: Einfach den gewünschten Patch aus Browser oder Datenbank auf die linke Spalte ziehen und schon ist er geladen. Mit Parts wird genauso verfahren, nur dass sie in die aufgeklappte Patchliste gezogen werden. Insert-Effekte lassen sich per Rechtsklick blitzschnell einfügen. Pro Tools-Kenner werden in beiden Modulen eine Nähe zur Digibase von Pro Tools erkennen, die den gleichen Funktionsumfang besitzt. Doch bis hier hin arbeitet man nur mit den oberen zwei Sound-Ebenen. Um in die Tiefen der Sound-Organisation abzusteigen, ist der Aufruf eines separaten Editor-Fensters erforderlich, das sämtliche Funktionen zur Bearbeitung von Samples und zum Erstellen von Multisamples bietet. Dazu ist lediglich auf den Edit-Button innerhalb einer Patch-Oberfläche zu klicken, woraufhin die bisherige Plug-in-Oberfläche verschwindet und ein neues Fenster erscheint. Den A.I.R.-Entwicklern ist für eine elegante und komfortabel zu bedienende Lösung großes Lob auszusprechen. Denn das Editorfenster ist nahtlos bis hinauf auf Bildschirmgröße skalierbar, was beim Großteil von Plug-ins zumeist nicht vorgesehen ist. Der Anwender kann dadurch je nach Arbeitssituation die für sich beste Darstellung wählen. Was fehlt, sind die üblichen Standard-Buttons zum Maximieren und Minimieren des Fensters.   Bequemes Suchen und Finden von Sounds dank Datenbank- und Browser-Dialog  Der Aufbau des Editors folgt demselben Prinzip wie die Hauptbedienoberfläche. Die linke Spalte zeigt jetzt sämtliche eingefügten Parts des Patchs sowie die darin enthaltenen Samples. Ein weiteres ständiges Element ist die virtuelle Klaviatur und die Mapping-Darstellung.  Die über die Klaviatur verteilten Samples sind dort als Vierecke – zumeist Balken – dargestellt. Bei Druck auf eine Taste am Masterkeyboard lässt sich ein Sample kinderleicht und gezielt zur Bearbeitung anwählen, was natürlich auch mit der Maus geht. Vier Menü-Buttons lassen in der oberen Hälfte des Fensters unterschiedliche Dialoge erscheinen. So verfügt auch das Editorfenster über eine Datenbank und den Browser zwecks Auswahl und Import von Klangdaten.

Der Zone-Dialog offeriert ähnliche Einstellmöglichkeiten wie die Main-Page. Dort lässt sich bei Bedarf für jedes einzelne Sample der Trigger-Modus (immer, zufällig oder im Wechsel mit anderen Samples im gleichen Tastaturbereich), der Filter- und Lautstärkeverlauf, sowie die Tonhöhe und das Routing auf die Effektsektion einstellen. Bei Betätigung des Wave-Buttons erscheint ein klassischer Wave-Editor, der es erlaubt, die gebräuchlichsten Eingriffe quasi an der offenen Wellenform vorzunehmen. Ähnlich wie in Pro Tools bietet er komfortable Möglichkeiten zum Zoomen in die Wellenform hinein und heraus, so dass präzise Einstellungen möglich sind, das Handling erklärt sich fast wie von selbst. Einzelne Bereiche der Wellenform sind mit der Maus selektierbar, die sich anschließend mit den üblichen Bearbeitungsmöglichkeiten wie Ausschneiden, Kopieren, Einfügen und Löschen bearbeiten lassen. Die Ränder einer Selektion können auch als Loop-Grenzen definiert und bei Bedarf graphisch angepasst werden. Das geht auch mit Hilfe der beigeordneten Text-Dialoge. Knackt ein Loop trotz aller Bemühungen immer noch, schafft der Crossfade-Button Abhilfe, der genau wie in Pro Tools ein graphisch editierbares Fade-Element zeigt, mit der sich der Loop-Übergang weich überblenden und anpassen lässt. Auch hier wird sich der langjährige Pro Tools-Nutzer direkt heimisch fühlen. Im Test ist nicht zuletzt dank der Zoom-Funktionen von Wave- und Mapping-Dialog und der Skalierbarkeit des Fensters mit Leichtigkeit das gewünschte Ergebnis zu erzielen.   Das Mapping von Samples erfolgt ebenso problemlos. Beim Import mehrerer Samples erscheint ein Dialog, der es ermöglicht zu bestimmen, auf welche Art die Samples automatisch über die Klaviatur verteilt werden sollen. Zur Auswahl steht unter anderem eine chromatische oder wahlweise Verteilung auf die schwarzen oder weißen Tasten des Keyboards. Eine vertikale Anordnung verteilt die Samples auf eine zuvor definierte Taste, und zwar gleichmäßig über den gesamten Velocity-Bereich. Dieses Feature nimmt dem Anwender eine Menge Mausarbeit ab und fügt sich als weiterer Pluspunkt in die Bewertung der Bedienung ein. Wer beispielsweise von einem Klaviersample unterschiedliche Dynamikvarianten ausgewählt hat, kann dies mit dieser Funktion ohne viel Umschweife direkt realisieren. Nachträgliche Anpassungen an den Tastaturumfang oder den Dynamikbereich erfolgen bequem in der graphischen Anzeige über dem Keyboard. Die einzelnen Balken sind horizontal und vertikal skalierbar, sie lassen sich verschieben, ausschneiden, kopieren und an anderer Stelle einfügen. Überlappungen in Form von Tastatur- und Velocity-Layern sind ebenfalls möglich. Kleine Anfasspunkte innerhalb der Balken lassen sich verschieben und sorgen für ein weiches Ein- und Ausblenden in den Schnittbereichen zweier Sample-Rechtecke. Alles in allem offeriert das Editorfenster alles, was das Herz begehrt. Sämtliche Funktionen stehen im direkten Zugriff oder durch einen einzigen Mausklick bereit und ermöglichen ein schnelles und effektives Arbeiten.  Vier Send-Kanäle mit jeweils vier Effekten  Bis jetzt hinterlässt Structure in Sachen Bedienung einen sehr guten Eindruck. Doch es kommt noch besser, denn der Sampler offeriert auch opulente globale Einstellmöglichkeiten, um sich optimal in die Pro Tools-Umgebung einzufügen. Hier zeigt sich der Vorteil der eigenen A.I.R.-Entwicklungsabteilung. Den Reigen der Features eröffnet die Möglichkeit, Samples in den Arbeitsspeicher zu laden oder von der Festplatte zu streamen. Das bieten zwar auch die Mitbewerber, aber eher selten bis überhaupt nicht anzutreffen ist die Möglichkeit, beim Abspielen von Arrangements zu bestimmen, welcher Art von Audio-Daten, also Samples oder Audio-Spuren, die Priorität eingeräumt werden soll. Das ist besonders bei umfangreichen Projekten hilfreich, Sample- und Pro Tools-Engine arbeiten dabei Hand in Hand. Die Datenmenge der in den Arbeitsspeicher zu ladenden Samples lässt sich außerdem dynamisch einstellen, bei Bedarf können Samples von einer DVD automatisch auf die Festplatte kopiert werden und wer möchte, kann sogar die verwendeten Samples direkt in den Projektordner seines Arrangements kopieren. Gerade bei umfangreichen Setups in Structure bieten diese Features weit reichende Möglichkeiten, um so lange wie möglich einen flüssigen Arbeitsablauf während der Produktion zu garantieren.   Etwas ambivalent stellt sich Structure jedoch in Sachen Klang dar. Denn die 20 Gigabyte fassende Werks-Library ist von der Qualität her eher durchschnittlich und vergleichbar mit denen von Synthesizer-Workstations, die einen Kompromiss aus Samplespeicher und Editiermöglichkeiten eingehen müssen. Dies liegt zum Teil an Patchs, die aus dem Fundus des Xpand-Sample-Players aus eigenem Hause stammen, der kostenlos bei Kauf eines Pro Tools-Systems enthalten ist. Ihnen fehlt es an Glanz, Räumlichkeit und Durchsetzungskraft. Es gibt auch einige Patchs, die dem Hybrid-Synthesizer von Digidesign entstammen. Klanglich sind sie zwar eindeutig besser aufgestellt, liefern aber vom Repertoire her nur Standard-Ware, die zwar für Pop- und Rockmusik durchaus geeignet ist, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Überdies lassen sich Parts und Samples aus den Werks-Patchs nicht in einen neuen Part oder Patch einfügen, was wir doch als zu konservativ und einschränkend empfinden. Wer sich ein Drumset aus mehreren Patchs zusammenstellen will, muss die gewünschten Drumsets laden und die jeweiligen Instrumente umständlich über unterschiedliche MIDI-Kanäle ansprechen. Als Verkaufsargument empfiehlt sich die Werks-Library da nicht. Die Goliath-Library macht das zwar spielend wett, aber dafür sind noch mal 730 Euro fällig. Doch bei aller Kritik sind auch ein paar Highlights zu nennen. So überzeugt der Steinway-Flügel durch einen angenehm warmen Grundsound, der fein aufgelöst ist und den Ohren schmeichelt. Er weiß sich subtil in Arrangements, aber auch als Solo-Instrument sehr gut zu behaupten. Die akustischen Drumsets gefallen ebenfalls durch einen authentischen Klang mit viel Holz, sie liegen mit unterschiedlichen Rauminformationen sogar mehrfach vor. Über Key-Switches sind bequem unterschiedliche Ambiente abrufbar. Schließlich finden sich auch einige Patchs aus der East West Orchestral Elements Library, die ausgewählte Sounds und Spielvariationen klassischer Instrumente enthalten. Sie klingen luftig, sehr fein aufgelöst und wissen durch einen vollen und räumlichen Klang zu gefallen. Im Vergleich zum Rest der Werks-Library stechen sie deutlich hervor.   Ein anderes Thema sind hingegen die in Structure integrierten Klangbausteine, hier stellt sich die Sache ganz anders dar. Die Filter überzeugen durch einen angenehm warmen Klang, der auf subtile Weise aber dennoch nachhaltig Samples beeinflusst. Extrem-Einstellungen der Resonanz klingen zwar bissig und scharf, aber niemals unangenehm. Wer gezielt auf Trash-Effekte spekuliert, muss sich anderweitig behelfen. Die Effektsektion ist da eine gute Anlaufstelle, die außer mit den üblichen Brot- und Butter-Effekten auch mit Surround-Algorithmen aufwartet. In der Equalizer-Abteilung finden sich einige recht scharf klingende Algorithmen, die diesen Job sehr gut erledigen. In Gesamtheit überzeugen die Effekte ebenfalls mit einem sehr guten Klang, der sich durchaus in die obere Mittelklasse einreihen kann. Einziger Ausreißer: Die Impulsantworten des Faltungshalls. Sie klingen eindeutig zu höhenreich und somit künstlich. Die algorithmischen Hall-Effekte klingen da eindeutig schöner und überzeugen im Gegensatz dazu mit einem feinen Nachhall. Überdies fehlt dem Faltungshall-Dialog ein integrierter Equalizer zum Entzerren der Hallfahne, der die Scharte auswetzen könnte. Zwar lassen sich Impulsantworten von Drittanbietern ebenfalls einladen, doch in Gesamtheit sind die Einstellmöglichkeiten zu eingeschränkt. Da ist noch Spielraum für ein kommendes Update.  

Fazit

Structure überzeugt durch seine komfortablen Bedienmöglichkeiten, nicht zuletzt durch das skalierbare Editorfenster. Mit Leichtigkeit ist komplexes Sounddesign und -Stacking realisierbar. Allerdings ist der mitgelieferte frei verfügbare Sample-Content wenig geeignet, um als Verkaufsargument zu dienen. Das Instrument wendet sich deshalb vielmehr an Musiker, die schon ein Arsenal von Libraries besitzen und jetzt auf der Suche nach einer mächtigen Sample-Steuerzentrale und All-in-one-Lösung sind, die sich überdies nahtlos in Pro Tools einfügt. Und hierin überzeugt Structure vollends.

Erschienen in Ausgabe 10/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 524 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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