Ein wahrhaft göttliches Klangfarben-Füllhorn

Beim Komponieren und Arrangieren von Musik vertrauen viele Musikschaffende auf die inspirierende Kraft von Klangfarben. Mit dem jüngsten Produkt aus dem Hause Sonivox, einer virtuellen Sampler-Workstation, die selbstbewusst „Muse“ getauft wurde und den Untertitel „Instrumentale Inspiration“ trägt, soll das Produzieren von Musik fortan noch besser gelingen. Ob die Entwickler diesem Anspruch gerecht wurden, verrät Ihnen Professional audio Magazin.

Von Georg Berger

Insgesamt neun Musen sind als Schutzgöttinnen der Kunst aus der griechischen Mythologie bekannt, die sich jeweils einer Kunstform zugewandt haben. Musen sind auch Menschen, die andere Menschen inspirieren und sie bei der Schaffung neuer Kunst zur Höchstform auflaufen lassen. Mit der knapp 450 Euro teuren virtuellen Sampler-Workstation Muse tritt die amerikanische Sound-Schmiede Sonivox an, diese Rolle einem Instrument zuzuschreiben. Dabei können die Amerikaner recht selbstbewusst zur Sache gehen. Denn hinter dem neu klingenden Firmennamen steckt das Unternehmen Sonic Networks, das in der Vergangenheit mit einer breiten Palette an Sample-Libraries unter der Marke Sonic Implant auf dem Markt existierte und nunmehr gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Muse in die Firma Sonivox übergegangen ist. Es wundert also nicht, dass sich an Bord des fast 38 Gigabyte großen Arsenals an Samples, das sich auf über 1.400 Presets verteilt, mit fast 14 Gigabyte auch Klänge der Symphonic-Collection Orchester-Library von Sonic Implants finden. Die restlichen 24 Gigabyte verteilen sich auf zwei General-MIDI-Soundsets, sowie weitere akustische Instrumente. So findet sich eine Vielzahl an Tasten-instrumenten, Gitarren, Bässen, Saxophonen, Chören sowie eine breite Palette an Schlagzeugen, aber auch einige ethnische Instrumente. Eine Auswahl an Synthesizer-Klängen unterschiedlicher Prägung ist ebenfalls enthalten, die mit knapp 190 Presets jedoch nichts gegen die akustische Übermacht in Muse ausrichten können und eher als Bonus erscheinen.

Der Großteil der mit 24 Bit und 48 Kilohertz gesampleten Presets wartet mit einem intelligent programmierten Mulitsampling auf, die das Ansteuern klanglicher Variationen etwa über das Modulationsrad, Key- oder Velocity-Switches erlauben. Beim Spielen und Editieren der Presets vertraut Sonivox auf das im Lieferumfang enthaltene GVI-Plug-in, das von Tascam entwickelt wurde und aus dem hauseigenen Sampler-Flaggschiff namens Gigastudio 3 hervorgegangen ist. Das stand-alone und über VST, sowie RTAS lauffähige Plug-in erlaubt vielfältige Eingriffsmöglichkeiten zur Gestaltung von Klängen und verfügt als besonderes Feature über eine abgespeckte Version des Tascam Gigapulse Faltungshalls. Allerdings ist Muse dadurch momentan nur auf die Windows-PC Welt beschränkt. Eine für Mac OSX lauffähige Version ist zwar angekündigt, steht aber noch aus. Mit dieser Ausstattung findet es sich schließlich in guter Gesellschaft mit den virtuellen Sampler-Workstations Plugsound Pro von Ultimate Soundbank (Test in Heft 1/2007) und Independence von Yellow Tools (Test in Heft 6/2006).

Der Erstkontakt mit Muse verläuft zunächst wenig inspirierend. Grund dafür: Die karg gestaltete Bedienoberfläche des GVI-Instruments, die den Charme einer Billig-Software versprüht und im zentralen Bildschirmdialog dicht gedrängt eine unüberschaubare Anzahl an Elementen zeigt. Kenner des offiziellen GVI-Plug-ins, die Abkürzung steht für Giga Virtual Instrument, das für knapp 370 Euro von Tascam erhältlich ist, werden fast keinen Unterschied in der Bedienung des Muse Plug-ins feststellen und könnten mit dem Sonivox-Produkt ohne Umschweife loslegen. Beide Plug-in-Versionen machen sich jedoch keine Konkurrenz und stehen isoliert nebeneinander, denn es existieren durchaus Unterschiede. Das richtige GVI-Plug-in besitzt einen Instrumenten-Browser, der den Import hauseigener Libraries sowie Software von Drittanbietern im GVI- oder Gigasampler-Format gestattet. Die Muse-Version ist ausschließlich auf den im Lieferumfang enthaltenen Datenvorrat beschränkt. Im Test ist es uns daher nicht möglich, beispielsweise die Sounds der VSL Opus I Library (Test in Heft 6/2006) zu laden.

Wer jedoch noch neu im Umgang mit dem Plug-in ist, wird von Sonivox im Regen stehen gelassen. Zwar existiert ein Handbuch im PDF-Format. Doch die darin enthaltenen Informationen beschränken sich ausschließlich auf den Library-Inhalt. Informationen zur Bedienung des Plug-ins sind nur ansatzweise erwähnt. Der deutsche Vertrieb Best Service teilt uns dazu mit, dass gerade an einem deutschen Handbuch zu Muse und dem GVI Plug-in gearbeitet wird, das demnächst zur Verfügung gestellt werden soll und künftig im Lieferumfang von Muse enthalten sein wird. Bis dahin bleibt als einziger Ausweg zunächst nur der Download des GVI-Handbuchs von der Tascam-Homepage übrig.

Hat man sich schließlich mit den Funktionen des Plug-ins vertraut gemacht, so gestaltet sich das Laden, Spielen und Editieren von Presets und Samples denkbar einfach. Das Plug-in verfügt über insgesamt vier per Menü-Button aufrufbare Hauptdialoge. Zentraler Anlaufpunkt ist der so genannte MIDI-Mixer, der 16 Slots zur Aufnahme von Presets besitzt. Jeder Slot ist dabei automatisch einem MIDI-Kanal zugeordnet. Somit erlaubt eine geladene Instanz des Plug-ins die unabhängige Ansteuerung von 16 Sounds. Drei Regler die mit frei wählbaren MIDI-Controllern belegt werden können, ermöglichen auf dieser Ebene einen bequemen Zugriff auf Klangparameter. Der Clou im MIDI-Mixer besteht in einer komfortablen Stacking-Funktion, die ein mehrfaches Laden und Zuweisen unterschiedlicher Klänge auf einen einzigen MIDI-Kanal gestattet. Mit einem Tastendruck lassen sich damit ganze Klanggebirge spielen.

Doch das gemeinsame Abspielen der Klänge ist nur eine von drei Möglichkeiten: Ein Popup-Fenster bietet die Programmier-Möglichkeit, die gestackten Presets wahlweise über Key-Switches oder einen definierbaren MIDI-Controller separat anzusteuern. Das Stacking dient darüber hinaus auch ausschließlich zum Laden der insgesamt 29 verfügbaren Impulsantworten und folglich der Aktivierung des Gigapulse Faltungshalls. Der Hall schaltet sich dabei automatisch zwi-schen die Sounds und dem Main-out und findet sich schließlich in einem der maximal vier verfügbaren Slots beziehungsweise Bänke der separat aufrufbaren Effektsektion. Die Editierung des Faltungshalls geschieht jedoch in einem separaten Dialog. Wie erwähnt ist der Funktionsumfang von Gigapulse jedoch ein-geschränkt. Der Stereo-Hall lässt sich lediglich in der Lautstärke, im Predelay, dem Effektanteil sowie in der Stereobreite einstellen. Eine nachträgliche Auswahl von Mikrofonen oder neuen Impulsantworten ist in diesem Dialog nicht möglich. Die einzige Möglichkeit zur Aktivierung einer wei-teren Raumsimulation besteht im Austausch der zuvor geladenen Impulsantwort. Das Stacken von Impulsantworten innerhalb einer Effektbank ist ebenfalls nicht möglich. Beim Laden einer zusätzlichen Impulsantwort wird sie in eine neue Bank integriert. Ein serielles Routing von Effektbänken ist dabei nicht möglich. Im Vergleich zum Independence Sampler von Yellow Tools, der ebenfalls mit einem Faltungshall aufwartet, sind die Einsatzmöglichkeiten des GVI-Plug-ins zwar einge-schränkt, aber dennoch ausreichend. Der GVI-Hall vermag den Muse-Sounds zu einer klanglichen Aufwertung zu verhelfen und wartet trotz beschränktem Parametersatz mit einer breiten Palette an Raumformungsmöglichkeiten auf. Der Grundklang des Halls ist authentisch und fein. Erst in Extremstellungen klingt er grobkörnig und rau.

Doch der Faltungshall ist nicht der einzige Effekt, den das GVI-Plug-in bereitstellt. Der Effekte-Dialog hält darüber hinaus vier weitere Algorithmen zum Laden in die vier Effektbänke bereit. Zur Auswahl stehen Reverb, Delay, Chorus und ein vierbandiger Equalizer, die zumeist vier bis sechs Parameter zur Editierung offerieren. Maximal vier Insert-Effekte lassen sich dabei in eine Bank laden. Jede Bank verfügt über einen eigenen Kanalbus, der sich schließlich im MIDI-Mixer auf die geladenen Sounds routen lässt. Im Vergleich zu Gigapulse klingt der zusätzliche Hall-Algorithmus entsprechend künstlicher. Er eignet sich aber hervorragend als Effekthall. Die Klangqualität der übrigen Effekte ist zufriedenstellend und bietet ein ausreichend großes Potenzial zur nachträglichen Verfeinerung von Samples.

Doch es geht noch weiter. Im Edit-Dialog lässt sich den Samples Klang formend zu Leibe rücken. Das Fenster enthält dabei noch einmal vier Reiter zum Aufruf von Unterdialogen, die ihrerseits ein Filter mit vier wählbaren Charakteristiken, Hüllkurven und LFOs für Amplitude, Tonhöhe und Filter bereitstellen. Globale Einstellmöglichkeiten wie etwa die Wirkung des Pitchbend-Rads oder die Justierung der Anschlagsdynamik runden die verfügbaren Parameter ab. Die Hüllkurven und LFOs sind außer über Drehregler auch noch graphisch im Wellenformfenster editierbar. Die Eingriffsmöglich-keiten beschränken sich aber nicht nur auf ein gesamtes Preset. Jedes Teilsample, repräsentiert durch eine gelbe Markierung in der unteren Keyboard-Darstellung, lässt sich individuell editie-ren und wahlweise durch Klick auf das virtuelle oder durch Druck auf eine Taste am Master-Keyboard auswählen. MIDI-Controller sind ebenfalls über diese Dialoge auf Parameter anwendbar. Auffällig: Nur die wichtigsten Parameter sind per MIDI-Controller steuerbar, so etwa die Modulation der Hüllkurven oder die Filter-Eckfrequenz und -Resonanz. Die Mitbewerber Plugsound Pro und Independence zeigen sich da ungleich opulenter. Doch diese vermeintliche Einschränkung dürfte für diejenigen hinsichtlich Bedienung ein Vorteil darstellen, die zumeist nur mit wenigen MIDI-Controllern aus-kommen können. Der Umgang mit dem GVI-Plug-in lässt jedenfalls im Test keine Wünsche offen. Der erforderliche Speicherplatz für die geladenen Presets ist erstaunlich gering. Wir können umfangreiche Stack-Sounds realisieren oder alle 16 Slots mit Sounds belegen, ohne dass der Arbeitsspeicher über-strapaziert wird. Das garantiert einen reibungslosen Betrieb im Verbund mit anderen Plug-ins. Einzig die Stimmenauslastung und die Verwendung von Gigapulse lässt die CPU-Belastung je nach Spielweise und Einsatz der Klänge recht schnell in die Höhe schnellen. Doch alles in allem zeigt sich Muse als Res-sourcen schonend.

Wie eingangs erwähnt, setzt die Library ihren Schwerpunkt auf akustische Klänge. Die oberste Ebene zur Anwahl der Presets zeigt insgesamt 15 Kategorien, die bei Anwahl in weitere Unterkategorien verzweigen. So befinden sich beispielsweise in der Abteilung Synthesizer weitere Unterkategorien wie Lead und Pad Sounds in jeweils analoger und digitaler Form, Stack-Sounds sowie Bass-Sounds in mono- und polyphoner Spielweise. Besonderes Feature: So genannte Preview-Presets enthalten in Form eines Stacks sämtliche Sounds der jeweiligen Unterkategorie zum bequemen Vorhören. Die Keyboard-Sektion enthält Tasteninstrumente unterschiedlicher Art, angefangen bei Konzertflügeln und FM-Pianos, bis hin zu E-Pianos, Cembali, Celesten, Orgeln und sogar String-Ensembles. Bemerkenswert: Das Grand Piano existiert zweifach. Die zweiten Versionen warten mit direkt integriertem Gigapulse Faltungshall auf, der allerdings dazu dient, das Nachklingen der Saiten bei gedrücktem Sustain-Pedal zu simulieren. Presets mit fest integriertem Gigapulse Hall finden sich weiterhin auch in der Schlagzeug-Abteilung. Besonderheit dort: Sowohl komplette Drum-Kits in Form eines gestackten Presets, als auch Einzelinstrumente finden sich dort zum Laden. Auf diese Weise ist entweder die Zusammenstellung eines eigenen Drum-Kits oder der Austausch von Instrumenten in bestehenden Drum-Kits möglich, was sich als äußerst flexibel erweist. Die übrigen Abteilungen Gitarre und Bass, ethnische Percussions- und Melodieinstrumente, Vocals, Pop Blechbläser (Saxophone), Orchester Strings, -Blech- und
-Holzbläser, sowie -Percussion warten mit ähnlichen Unterteilungen auf, die unterschiedliche Spieltechniken eines Klangs enthalten.

Die Kategorie Combis enthält Presets aus zwei Sounds, die sich unter anderem mit dem Modulations-Rad oder über die Anschlagsdynamik überblenden lassen. Muse besitzt auch ein Set an General-MIDI-Sounds und denkt sogar an Anwender mit eher flachbrüstigen Computern. Zur Auswahl stehen Sets mit einer Datenmenge von zwei oder vier Gigabyte. Das Laden von GM-Sounds gestaltet sich in unserer Testversion jedoch als unmöglich, da lediglich das gesamte Sound-Set anwählbar ist und keine Einzel-Sounds. Auf Nachfrage bei Sonivox wird uns mitgeteilt, dass es sich um einen Bug handelt an dem zur Zeit gearbeitet wird. Mit Erscheinen dieses Tests sollte ein entsprechendes Update Patch auf der Sonivox-Homepage zum Download bereitstehen.

Sämtliche Presets überzeugen durch ein detailliert programmiertes Multisampling, das sich zumeist in zwei bis vier anschlagsdynamisch abhängigen Klangvariationen zeigt und korrespondierend zum Tastendruck entsprechend subtile bis vehemente Änderungen im Klang nach sich ziehen. So lässt sich über diese Velocity-Switch Funktion zum Beispiel der Klang einer Piccolo-Flöte einmal hauchzart gespielt mit einer deutlichen Betonung des Anblasgeräuschs bis hin zu einem sehr schrillen und spitzen Ton mit einem deutlichen Vibrato im Klang per Tastendruck modellieren. Fast sämtliche Instrumente enthalten aber auch so genannte Easy-Versionen mit reduzierter Anschlagsdynamik und folglich auch geringerem Speicherbedarf. Weitere Presets erlauben mit Hilfe des Modulations-Rads, etwa bei der Klarinette oder Oboe, das Hinzufügen von Vibrato oder aber – bei den Synthesizer-Sounds – das Öffnen und Schließen des Filters. So genannte Release-Presets ermöglichen durch Drehen am Modulations-Rad oder in Abhängigkeit zur Anschlagsdynamik das Einblenden einer Nachklangphase nach erfolgtem Loslassen der Keyboard-Taste, was etwa am Ende einer melodischen Phrase für Authentizität sorgt. Ein intelligenter Abspiel-Algorithmus, von Tascam Round Robin genannt, sorgt für au-thentischen Klang durch Ansteuern unterschiedlicher Sample-Varianten bei ostinatem Spiel auf einer Taste. Es existieren weiterhin Sounds mit einer von Tascam entwickelten Portamento-Funktion, die ein nahtloses und sehr musikalisches Gleiten zwischen zwei Tonhöhen gestattet, so etwa bei den Orchester Blechbläsern und Streichern. Glissandi sind damit ohne den Einsatz zusätzlicher Samples möglich. Über die Slider im MIDI-Mixer lässt sich die Geschwindigkeit des Portamentos justieren. So genannte Legato-Presets erlauben gestatten dem Spieler schließlich einen flüssigen Übergang zwischen den Tönen durch Absenken der Attack-Lautstärke mit Hilfe des Modulations-Rads. Buchstaben-Kürzel am Ende jedes Preset-Namens geben dem Anwender Hinweise auf besondere Spieltechniken und die oben dargestellten Eingriffsmöglichkei-ten.

In Gesamtheit präsentiert sich das Repertoire von Muse als vielgestaltig und musikalisch kreativ einsetzbar. Sicherlich kann Muse damit nicht speziellen Libraries, die sich nur um ein Instrument in aller Gründlichkeit kümmern wie etwa die Vienna Instruments Libraries (Test in Heft 6/2006) das Wasser reichen. Dafür überzeugt das Sonivox-Produkt aber mit einem Füllhorn von Klangfarben, die sich ungleich leichter verwalten lassen und sich bestens für Arrangements mit mehreren Instrumenten eignen. Solistische Vorträge stoßen nämlich ab einem bestimm-ten Punkt an ihre Grenzen.

Wer möchte, kann auf die Schnelle vom Streichquartett bis hin zum Kammer- und sinfonischen Orchester einen schon sehr authentischen klassischen Klangkörper realisieren. Unterschiedliche Instrumenten-Gruppierungen etwa für Jazz sind realisierbar, angefangen mit dem klassischen Trio aus Kontrabass, Klavier und Saxophon bis hin zu Jazz-Rock Konstellationen mit Gitarre, Bass und Synthesizern. Die Reichhaltigkeit der Gitarren und Bass-Sektion gefällt uns beson-ders gut. Außer gespielten Einzeltönen enthält die Abteilung eine farbenprächtige Auswahl unterschiedlicher Instrumente, Spieltechniken und Sounds von clean bis verzerrt und sogar Samples mit geschlagenen Akkorden, die es quasi im Baukasten-Prinzip erlauben Rockmusik zu produzieren. Ebenfalls erwähnenswert sind die ethnischen Instrumente. Außer einer indischen Tambura, den üblichen lateinamerikanischen und afrikanischen Percussions-Instrumenten, sowie einer Steel-Drum, finden sich dort auch ein Dudelsack, sowie ein Banjo.

Sehr hübsch und mitunter nützlich ist auch die Auswahl an chinesischen Instrumenten mit ihren Flöten, Hackbrettern, Sai-ten-Instrumenten und diversen Zimbeln. Arrangements, die an die klassische Peking-Oper erinnern, sind damit möglich. Einzig ein balinesisches Gamelan-Orchester vermissen wir. Auffällig bei den Orchester-Streichern: Es existieren keine Presets mit Tremolo, die für manch expressive Dramatik in Arrangements sorgen können und das Repertoire an legato, (Bartok-)pizzicato und marcato gespielten Klängen bereichert hätten. Ungewöhn-lich: Bei vielen Solo-Streichern ist das Bogen-Anstrichgeräusch in den Loop integriert, was beim Spielen zunächst auffällig gerät, aber durch geschickten Einsatz die Lebendigkeit des Spiels unterstützt.

Den einzigen klanglichen Ausreißer markieren nach unserem Empfinden die Synthesizer-Sounds. Zwar bestechen die Solo-, Bass- und Flächensound-Presets durch charakteristische Klangspektren jenseits der üblichen Brot-und-Butter-Sounds. Doch ihr Grundklang besitzt fast durchweg eine auffällige Beto-nung im Mittenbereich, die einen färbenden und eher dünn klingenden Eindruck hinterlassen und es im Umkehrschluss bei den analogen Sounds manches Mal an Druck und Wärme vermissen lassen. Plugsound Pro etwa ist da eindeutig besser aufgestellt. Erst durch das Stacken mehrerer Flächen- und Solo-Sounds in Verbindung mit dem Filter lässt sich dem begegnen. Allen Presets gemeinsam ist jedoch ein sauberes und glasklares Klangbild, das die Instrumente ausgewogen und naturgetreu überträgt. Einige Presets, zu nennen sind die Orchester- und Schlagzeug-Sounds, warten mit gesampleter Rauminformation auf, die jedoch mehr gefallen als stören und nicht übermäßig negativ auffallen. Hörbar auffällige Registerwechsel zwischen den einzelnen Teilsamples eines Presets, sowie Loop-Punkte sind nicht zu entdecken und zeugen insgesamt von der Meisterschaft der Muse-Entwickler.

Fazit

Die virtuelle Sampling-Workstation Muse von Sonivox verdient ihren Namen zu Recht. Der Schwerpunkt des Instrumentes liegt bei akustischen Klängen, die sich intuitiv spielen lassen  und mit ihren verfügbaren Klang- und Spielvariationen ein großes musikalisches Potenzial offeriert. Einzig die Qualität der Synthesizer-Sounds und die nicht spielbaren GM-Sounds trüben den ansonsten tadellosen Eindruck. Im Vergleich zu Plugsound Pro und Independence erscheinen die Editiermöglichkeiten eingeschränkt, gereichen Muse aber gerade dadurch in Sachen übersichtlicher Bedienung zum Vorteil. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut.

Erschienen in Ausgabe 03/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 449 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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