Alles neu macht die drei

Nach fünf Jahren präsentiert FXpansion das nächste Major-Update seines Drumsamplers BFD und ist dabei ordentlich in die Vollen gegangen. Neues Design, neuer Sample-Content sowie viele neue Features sollen das Produzieren amtlicher Drumtracks mit BFD3 auf ein neues Level hieven.

Von Georg Berger

Im Verlauf der letzten Jahre schien es, als ob der britische Software-Hersteller FXpansion das Interesse an seinem Drumsampler BFD verloren hatte zugunsten der Entwicklung neuer Produkte wie unter anderem der Synthesizer-Suite DCAM:Synth Squad oder den Drum-Instrumenten Tremor und Geist. Doch das Feuer für BFD ist offensichtlich nicht verloschen, denn seit kurzem ist das dritte Major-Update endlich erhältlich. Dabei hat der Hersteller ordentlich aus dem Vollen geschöpft und einmal mehr sein Produkt-Flaggschiff einer kompletten Neu-Programmierung unterzogen. Der mitgelieferte Sample Content wurde ebenfalls neu produziert und gleich auch noch eine Vielzahl neuer Features hinzugefügt, mit dem sich der Grad an Authentizität beim Produzieren auf virtueller Ebene nachhaltig vergrößern soll. Besitzer der Vorversion brauchen jedoch keine umfangreiche Einarbeitung in die neue Version zu fürchten. Getreu dem Motto nicht alles anders, sondern vieles besser zu machen, finden sich die altbekannten Features und Funktionen recht schnell auch in BFD3 wieder. Bevor wir ins Detail gehen, seien zuvor noch die wichtigsten Eckdaten genannt: BFD3 besitzt einen Datenumfang von 55 Gigabyte. Tatsächlich sind es aber rund 162 Gigabyte, denn die Samples werden erstmals in komprimierter Form auf die Festplatte gespeichert und erst beim Streamen in Echtzeit entpackt. Das ist zwar ein alter Hut und wird auch von anderen Herstellern bereits genutzt. In BFD3 ist es aber eine Premiere. Überdies wurde übrigens gleich auch noch die Audio-Engine in Sachen Leistung und Effizienz optimiert. Beim Erstkauf sind knapp 270 Euro fällig, rund 100 Euro weniger als seinerzeit bei BFD2. Beim Kauf gibts anstelle von DVDs dieses Mal einen 64-Gigabyte-USB-Stick. Upgradewillige BFD2-Nutzer haben zwei Optionen: Sie laden sich BFD3 via Internet herunter – insgesamt sind dies rund 40 Gigabyte – und zahlen dafür 115 Euro oder sie wählen die Variante mit USB-Stick für 155 Euro. 

Lediglich fünf Drumkits sind im Lieferumfang enthalten, was im Vergleich zur Vorversion – dort gabs 10 Kits – recht überschaubar ausfällt. Doch die neuen Kits wurden für BFD-Verhältnisse mit dem bislang größten Detailreichtum akribisch eingefangen, inklusive neuer Spiel-Artikulationen, wie Rim Click auf der Snare, Splash und Bell Tip auf der Hihat sowie Rim Shots und Clicks auf den Toms. Vier Kits wurden  im Ocean Way Studio in Burbank/Kalifornien produziert, wobei der Schwerpunkt bei der Produktion auf dem Erzeugen moderner Drumsounds lag, für die tief in die tontechnische Trickkiste gegriffen wurde. Noch ohne weiteres Zutun sollen diese Kits bereits amtliche Sounds für die wichtigsten Rock- und Popmusikstile liefern. Das fünfte Drum-Kit wurde hingegen im Omega Studio in Rockville/Maryland aufgenommen. Anders als bei den vier anderen Kits wurde dabei Wert auf das Einfangen eines möglichst naturgetreuen Schlagzeugklangs gelegt. Damit nicht genug wurde das dafür verwendete Mapleworks Drumkit nicht nur mit Sticks, sondern auch separat mit Besen und Filzschlegeln gespielt und aufgenommen, eine Premiere zumindest in der Werks-Library von BFD. Somit finden sich also sieben verschiedene Drumkits im Lieferumfang. Hinzu gesellen sich rund 2700 MIDI-Grooves und -Fills, die so ziemlich jedes bekannte Musik-Genre abdecken und aus dem Arsenal des Library-Herstellers Platinum Samples stammen. Sämtliche Drittanbieter-Librarys und selbstverständlich auch der Content aus den beiden BFD-Vorversionen lassen sich natürlich nach vorherigem Scan-Vorgang der Festplatten fast ohne Einschränkung auch in BFD3 nutzen. Einzig die Keymaps, also das Routing der Einzelsounds/Artikulationen und Grooves auf MIDI-Noten kann unter Umständen etwas haken, denn dieser Funktionsbereich wurde von Grund auf neu konzipiert, um den neuen Artikulationen der BFD3-Drums gerecht zu werden. Im Test bemerken wir jedoch nichts davon. Weiterhin lassen sich Kit-Piece-Presets aus BFD2 nicht in BFD3 laden, was zwar ein Manko darstellt, aber aufgrund der komplett neu entwickelten Architektur in BFD3 in Kauf genommen werden muss. Ein Anpassen quasi zu Fuß bleibt also nicht aus, was aber machbar ist, denn die Vorversion ist nach Installation von BFD3 nach wie vor lauffähig. Last but not Least wurde der Vintage Warmer-Effekt von PSP Audioware zugunsten eines neuen Distortion-Algorithmus gestrichen, der von subtilem Eingriff bis brachialer Verzerrung ein weites Feld beackert. 

Beim Erstaufruf von BFD3 wird die Kit-Page aufgerufen und wir blicken auf ein komplett neu designtes GUI, das sich mit seiner hellen Farbgebung dem Corporate Design von BFD eco, Tremor und Geist anschließt. Auffällig: Anstelle einer realistischen 3D-Darstellung findet sich jetzt eine schematische 2D-Darstellung des Drumsets aus der Vogel-Perspektive. Einzig das zentral eingelassene, dunkel eingefärbte Mischpult erinnert noch an das Design der Vorversion. Trotzdem gilt es, zunächst auf Entdeckungsreise zu gehen, denn recht schnell wird klar, dass die Bedienführung komplett neu erdacht wurde. 
Dazu ein kurzer Rückblick auf BFD2: Die Vorversion besaß fünf wechselseitig aufrufbare Haupt-Menüs. Auf der Kit-Page konnten die Samples und ganze Kits geladen und Samples dort im Klang und Ansprechverhalten editiert werden. Die Mixer-Page zeigte das virtuelle Mischpult und erlaubte das Einfügen und Editieren von Insert-Effekten, das Einstellen von Aux-Sends sowie ein flexibles Routing der Kanäle untereinander. Der Groove-Editor hielt, ähnlich wie in einer DAW, sämtliche Features zum Programmieren von Pattern und Erstellen eines gesamten Drumtracks bereit. Die kombinierte Keymap- und Automations-Seite stellte das Zuweisen von Spielartikulationen und ganzer Grooves auf MIDI-Noten sowie das Zuweisen von MIDI-Controllern auf BFD-Parameter ins Zentrum. Die fünfte Seite, der Preferences-Dialog, gewährte Zugang zu grundlegenden Parametern und Funktionen. Das Laden und Verwalten von Presets, Samples und Grooves erfolgte über einen Browser-Dialog, der sich beim Aufruf über die Oberfläche des Plug-ins legte und währenddessen den Zugriff auf weitere Parameter verhinderte.

In BFD3 sind die oben aufgezählten Dialoge nach wie vor existent, dabei aber teils auf pfiffige Art miteinander kombiniert, so dass sich ein häufiges Wechseln von Seiten ab sofort deutlich verringert und die Arbeit, ausweislich unseres Tests, merkbar flotter von der Hand gehen lässt. So gibt es als Haupt-Dialoge nach wie vor die Kit-Seite, den Groove- und auch den Keymap-Editor. Der Preferences-Dialog wurde als Teil-Eintrag ins File-Menü ausgelagert, was sinnvoll ist. Neu ist eine Effects-Seite, in der sich jetzt sechs Insert-Effekte (in BFD2 waren es nur vier) pro Kanal/Instrument einsetzen und editieren lassen sowie das Einstellen von vier Aux Sends erlaubt. Der bislang als schwebendes Fenster realisierte Browser ist jetzt als ständig erreichbares Element – unabhängig vom gewählten Haupt-Dialog –­ in einer Spalte auf der linken Seite im GUI integriert, der sich bei Bedarf aber auch wegklappen lässt, um Platz für die übrigen Bedienelemente zu schaffen. Gleiches gilt auch für das Editieren der Samples. War dies bislang nur auf der Kit-Page möglich, können diese Funktionen in einer Spalte auf der rechten Seite, dem sogenannten Drum-Editor, ausgeführt werden. Den größten Unterschied zur Vorversion markiert jedoch der Mixer, der jetzt unabhängig vom aufgerufenen Haupt-Dialog als ständiges Element im direkten Zugriff steht, was uns bereits im Test von BFD eco äußerst positiv aufgefallen ist. Lediglich beim Aufruf des Groove-Editors ist er nicht erreichbar, was erstens logisch und zweitens verschmerzbar ist. Dennoch: FXpansion lässt dem Mixer in BFD3 somit die Rolle als zentrales Arbeitswerkzeug angedeihen. Insgesamt gebührt FXpansion für dieses neue Bedienkonzept ein besonderes Lob. Im Test entsteht der Eindruck, dass wir stets alles im direkten Zugriff haben, unabhängig davon, welchen Haupt-Dialog wir gerade aufgerufen haben. Die Eingewöhnung und das Zurechtfinden in BFD3 geschieht trotz dieser Umgestaltung problemlos und so gut wie ohne lästiges Suchen nach altbekannten Features.

Doch damit hat die Neuheiten-Gala erst begonnen, denn die Entwickler haben es sich nicht nehmen lassen und jedem Funktionsbereich weitere neue Features hinzugefügt, von denen wir die interessantesten jetzt kurz vorstellen wollen. So gestaltet sich das Laden von Drumkits und das Hinzufügen einzelner Instrumente merkbar flexibler. Anders als in BFD2 können Drumsets jetzt beliebig mit Instrumenten erweitert werden. Maximal 64 Instrumente können pro Instanz geladen werden, wobei jeweils maximal fünf Instrumente desselben Typs, also etwa fünf Bassdrums oder fünf High-Toms, gleichzeitig einsetzbar sind. Ausnahmen: Die Hihat liegt nach wie vor nur als Einzelinstrument vor und je nach Auslastung mit anderen Instrumenten können sogar bis zu 23 Percussion-Instrumente eingesetzt werden. Die schematische, zweidimensionale Graphik des Drumkits in der Kit-Page erweitert sich analog zum Hinzufügen weiterer Instrumente. Besonderheit: Die Graphik kann mit der Maus verschoben werden und gibt dabei auch die Positionen der Overhead- und einer Vielzahl von Raum-Mikrofon-Kanälen preis. Ebenfalls pfiffig: Außer einer Informations-Spalte, die Auskunft über das gerade selektierte Instrument gibt, lässt sich jetzt eine Torten-Graphik einblenden, die anschaulich zeigt, wie hoch die Datenmengen für jedes einzelne Instrument ausfallen. Sollten also einmal Probleme mit dem Arbeitsspeicher auftreten, liefert diese Anzeige nützliche Hilfe beim gezielten Entfernen von Instrumenten und nicht benötigten Artikulationen. Ein Klick auf eines der schematisch dargestellten Instrumente spielt wie gehabt den dort geladenen Sound ab, ruft das Sample im Drum-Editor auf und selektiert gleichzeitig den dazu korrespondierenden Kanal im Mischpult. Weiter geht’s mit dem Drum-Editor, der in zwei Reiter – Tech und Model – unterteilt ist. Außer den sattsam bekannten Einstellmöglichkeiten (Laustärke, Tonhöhe, Abklingverhalten, Lautstärkeanteile in den Raum-Kanälen, Übersprechanteile), die sich zumeist im Tech-Reiter versammeln, finden sich vornehmlich im Model-Reiter eine Reihe neuer Features, mit dem der Klang einzelner Instrumente noch authentischer ausfallen soll. Den Anfang macht die Cymbal-Swell-Funktion, die logischerweise nur in Becken-Samples aktivierbar ist. Per Emulation wird das Aufschaukeln des Beckenklangs, ähnlich einem Crescendo, simuliert, wenn mit dem Stick mehrfach hintereinander auf das Becken geschlagen wird. Ein Ausklapp-Menü offeriert dazu acht verschiedene Algorithmen mit entsprechenden Verhaltensweisen von Hihats, Crash- und Ride-Becken. Über einen Regler kann dabei die Lautstärke dieses Effekts feinjustiert werden. Im Test sind wir gleich mehrfach von dieser Funktion begeistert. Dort wo früher entsprechende Samples/Loops dies realisieren mussten, kommt lediglich ein eigens entwickelter Algorithmus zum Einsatz, was wertvollen Arbeitsspeicher spart. Obendrein klingen die Ergebnisse richtig authentisch. Wer BFD3 vor allem mit einem E-Drumset ansteuert – rund 40 Keymaps stehen dafür zur Auswahl – wird sich gerade über dieses Plus an Authentizität beim Spielen freuen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das nächste neue Feature im Drum-Editor, das lediglich auf Bass- und Snaredrum sowie den Toms einsetzbar ist: Die Tom Resonanz. Per Lautstärkeregler lässt sich das Brummgeräusch der Toms einblenden, das entsteht, wenn auf andere Trommeln geschlagen wird und die Toms dadurch ins Resonieren versetzt werden. Auch dahinter werkelt ein Algorithmus, der in gleichem Maße für akustischen Realismus sorgt. Dieses Resonieren kann überdies als Übersprech-Signal in Tom-Mikrofone anteilig beigemischt werden. Im Test macht sich die Funktion vornehmlich durch ein tieffrequentes Brummgeräusch bemerkbar, das für unseren Geschmack jedoch zuviel des Guten ist, weshalb wir die Resonanz-Funktion auch deaktivieren. Unabhängig davon sollte damit in jedem Fall sehr behutsam umgegangen werden, denn die Grenze zwischen akustischem Realismus und Störgeräusch ist sehr schmal. Last but not Least findet sich beim Aufruf der Hihat als drittes neues Feature im Model-Reiter das sogenannte Hihat-Tightening. Ausgehend vom Damp-Wert, der das Verklingen sämtlicher Artikulationen bestimmt, lässt sich der Klang der Closed Tip und Shank Artikulation nochmals verkürzen und auch in der Tonhöhe beeinflussen. Das Resultat: Ein hörbares Plus an klanglicher Abwechslung bei virtuos gespielten Hihat-Figuren. In Konsequenz wird gleichzeitig auch dem berühmt-berüchtigten Maschinen-Gewehr-Effekt damit ein weiteres Schnippchen geschlagen. Um diesem Effekt auch in allen anderen Instrumenten Einhalt zu gebieten, haben sich die Entwickler ebenfalls etwas Neues einfallen lassen. Außer einem global schaltbaren Anti-Machine-Gun-Modus in den Preferences, verfügt das sogenannte Dashboard im mittig eingelassenen LC-Display am Kopf des GUI (siehe Abbildung auf Seite 70 oben) über die zwei Parameter Loud und Tone, mit deren Hilfe sich wohldosiert zufällige Varianten in Lautstärke und Tonhöhe einstellen lassen. Damit wird die eigentlich im Hintergrund werkelnde Round-Robin-Funktion, die zufällig verschiedene Sample-Varianten beim ostinaten Spiel auf einem Instrument triggert, um zwei weitere Optionen zum lebendigen Ausgestalten des Klangs erweitert. Dafür gibt’s erneut ein Extra-Lob. 
]Der Groove-Editor wurde beim Überarbeiten ebenfalls nicht außer Acht gelassen. Außer einer Reihe an neuen Funktionen, mit denen der Editor jetzt auf Augenhöhe zu den DAW-Pendants agiert, findet sich als besonderes Highlight die Rudiments-Funktion, die in Kombination mit dem neuen Paint-Tool das Programmieren kunstvoller, rhythmischer Spielfiguren zu einem Kinderspiel macht. Ein Klick auf den Rudiments-Button öffnet einen schwebenden Dialog, der eine Reihe von Spielfiguren bereitstellt, etwa Wirbel, Flams, Paradiddle sowie mannigfaltige n-tolen-Varianten. Sobald dort eine Phrasierung gewählt wurde, führt das Malen mit dem Paint-Werkzeug im Drumraster zu einem rhythmisch korrekten Einfügen der MIDI-Noten und sogar auch der Velocity – Stichwort: Ghost-Notes – analog zur vorher gewählten Phrasierung. Wer mag kann sogar zwei Artikulationen, etwa normalen Snare-Schlag und die Half-Edge-Variante, verlinken und anschließend werden die MIDI-Noten dieser Spielfigur alternierend auf beide Artikulationen verteilt. Sinn und Zweck: Damit kann das Spiel von linker und rechter Hand simuliert werden, was im Test hervorragend funktioniert, uns vor aufwändigem und lästigem Programmieren zu Fuß bewahrt und ab sofort einen gewaltigen Satz nach vorne in Sachen Pattern-Erstellung macht. Auch für dieses geniale Feature hat FXpansion ein Sonderlob verdient. 
Neues gibt es auch in Sachen Effekte. Außer einer FFT-Anzeige sowie Testton-Generatoren, wartet FXpansion mit einem Acht-Band-Equalizer für noch präziseres Entzerren und seiner eigenen DCAM-modellierten Variante eines Transienten-Designers auf, in BFD3 Envelope Shaper genannt. Nächstes erwähnenswertes Highlight ist der FXverb-Algorithmus, der das Arsenal an Hall-Effekten aufstockt und neben den nach wie vor integrierten Breverb-Effekten des Herstellers Overloud ab sofort eine weitere Alternative zum Veredeln von Signalen bietet. Im Test kann sich der FXverb durchaus mit Stand-alone-Plug-ins messen. Der bereits erwähnte Distortion-Effekt komplettiert schließlich die Riege an neuen Algorithmen.

Die weitaus umfangreichsten Neuheiten hat jedoch der neue Haupt-Akteur in BFD3 erfahren: Der Mixer. Ähnlich wie bei den Haupt-Dialogen verfügt er jetzt ebenfalls über vier aufrufbare Teil-Dialoge mit fest umrissenen Aufgabengebieten. Die Fader-Sektion hält die wichtigsten Parameter des Mixers bereit, in der Effects-Ansicht werden spaltenweise die Insert-Slots jedes Kanalzugs angezeigt, wobei darin das Auswählen und Aktivieren von Effekten möglich ist. Ein Druck auf den E-Button lässt automatisch die Effects-Seite zwecks Editieren erscheinen. Weiter geht’s mit der Aux-Ansicht, in der die maximal vier Aux-Sends pro Kanal auf einen Schlag sicht- und editierbar sind. Die Tweaks-Ansicht zeigt auf übersichtliche Weise schließlich die wichtigsten Parameter des Drum-Editors. So können dort rasch in jedem Instrumentenkanal die Lautstärke, die Tonhöhe und das Abklingverhalten der Samples eingestellt werden. Die virtuellen Raumkanäle sind hingegen in der Distanz vom Drumkit sowie in der Stereo-Breite justierbar, sofern die Kanäle in stereo ausgelegt sind. Außer den Overheads und wie gehabt zwei weiteren Raumkanälen erweitern in BFD3 erstmals auch bis zu drei Mono- und zwei sogenannte compressed-Raumkanäle die Möglichkeiten zum räumlichen Ausformen des Schlagzeugklangs. Neu ist auch ein separater Metronom-Kanal mit dem sich dieses Signal bei Aufnahmen nach allen Regeln der Kunst feinjustieren lässt. Nächste Besonderheit: Bass- und Snaredrum sowie die Raumkanäle liegen jetzt als Gruppenkanäle vor. Ein Klick auf das kleine Dreieck im Gruppenkanal lässt die darin eingefassten Kanalzüge erscheinen. Bass- und Snaredrum-Gruppen setzen sich dabei aus drei Kanälen zusammen. Die nächste Neuheit ist der sogenannte Mini-Mixer, der stets am rechten Rand erscheint. Darin können nach Bedarf wichtige Kanalzüge eingefügt werden, die entsprechend rascher im Zugriff sind noch ohne Zuhilfenahme der Scrollleiste. Im Prinzip können damit Fader-Gruppen unkompliziert realisiert werden. Doch es kommt noch besser: Mittels Button kann das gesamte GUI in der Breite skaliert werden, wovon primär der Mixer profitiert, so dass sich das Scrollen durch die Kanalzüge auf ein Minimum reduziert. Für dieses banal erscheinende Feature gibt’s ein weiteres Sonderlob, denn so hat der Anwender stets alles im Zugriff. Nicht unerwähnt bleiben soll schließlich auch die Möglichkeit, erstmals externe Signale zum Steuern Sidechain-fähiger Effekte in BFD3 zu routen. Alles in allem wird der Mixer mit dieser Vielzahl an Neuheiten seiner Rolle als Zentral-Werkzeug in BFD3 mehr als gerecht. Allerdings erfordert der souveräne Umgang durch die Vielzahl an Möglichkeiten ein gewisses Maß an Einarbeitung. 
Doch all das kommt erst richtig zur Geltung, wenn das Grundmaterial, also die Library zum Einsatz kommt, die im Hörtest ohne Wenn und Aber überzeugen kann. Allerdings hat dies seinen Preis. Denn in der höchsten Detailstufe schaufelt BFD3 „mal eben so“ rund sieben Gigabyte an Daten in den Arbeitsspeicher. Wer noch in 32 Bit und/oder mit älteren Rechnern produziert, muss tief in die Trickkiste greifen, respektive den Preferences-Dialog aufrufen. Ein Umschalten auf den 16 Bit-Mode, das Reduzieren der maximalen Velocity-Stufe sowie das Aktivieren der „Preview RAM Audio only“ und/oder der „Load on Demand“ Funktion schaffen Abhilfe und reduzieren die Datenmenge im Test auf rund zwei Gigabyte. Mit diesen Kniffen wird BFD3 zwar um den Gutteil dessen gebracht, was es klanglich zu leisten im Stande ist, aber immerhin. Ein wirkliches Manko ist dies aber nicht. Denn festzuhalten bleibt hierbei, dass BFD3 konsequent auf 64 Bit getrimmt ist, wobei mehr als acht Gigabyte RAM dringend empfohlen sind. Dennoch wären entsprechende Eco-Presets mit reduziertem Datenumfang wünschenswert gewesen. Abseits dessen gefallen die Presets durch einen äußerst fein aufgelösten Klang, der sehr luftig daherkommt und den Instrumenten einen edlen Highend-Anstrich verpasst. Vor allem die Raumsignale bestechen durch Plastizität. Dabei klingen sie äußerst fein, fast schon zart und zerbrechlich. Im Vergleich dazu klingen die Drumkits aus BFD2 ungleich vordergründiger, teils sogar brachial und eher grobschlächtig. Die Signale der Raumkanäle dringen ungleich vordergründiger und teils auch bissiger aus den Lautsprechern. Die BFD3-Drums geben sich hingegen merkbar zurückhaltender, was sie tatsächlich noch ohne großes Zutun besser in Arrangements einfügen lässt und das mit einem entsprechend feinen Klang. Selbst die dezidierten Hard Rock- und Heavy Metal-Presets klingen solo gespielt eher nach Pop, im Arrangement sitzen sie aber perfekt. Bei den BFD2-Drums verhält es sich genau umgekehrt. Beide Werks-Librarys ergänzen sich mit diesen Qualitäten jedoch gegenseitig. 

Fazit

FXpansion hat alles richtig gemacht und legt mit BFD3 ein Bravourstück hin. Der in jeder Hinsicht überarbeitete Drumsampler klingt nicht nur highendiger, sondern macht im Vergleich zur Vorversion einen Riesensatz nach vorne in Sachen Workflow, Sounddesign, Samples und Features. Mit BFD3 produzierte Drum-Tracks klingen zwar subtil, aber dennoch merkbar ein Stück weit authentischer als noch in der Vorversion. Gleichzeitig legt FXpansion die Messlatte sowohl für das nächste Major-Update, als auch für die Mitbewerber gehörig nach oben.

Erschienen in Ausgabe 12/2013

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 269 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

Jetzt alle Vorteile von Professional-audio.de nutzen und kostenlos registrieren!

  • Sie erhalten vollen Zugriff auf alle Inhalte unserer Website.
  • Sie erhalten unseren regelmässigen PAM-Express-Newsletter mit exklusiven Vorab-Inhalten.
Hier kostenlos registrieren

Anmelden
   
Bitte teilen Sie diesen Beitrag