Wie klingt das Kistchen?

DI-Boxen sind unverzichtbare Helferlein im Studio und auf der Bühne, dass sie aber auch klanglich ein Eigenleben führen, ist nicht jedem klar. Professional audio Magazin taucht in die Klangtiefen der Kistchen ab und fördert Erstaunliches zu Tage. 

Von Michael Nötges und Harald Wittig

Als Felix Radax, überzeugter Leser von Professional audio Magazin, vor einigen Wochen der Redaktion vorschlug, doch mal einen DI-Boxen-Vergleichstest durchzuführen (siehe Leserbrief in Ausgabe 6/2008), war die Testredaktion sofort Feuer und Flamme. Letztlich haben wir den Test auch aus eigener Neugier durchgezogen. Denn als Instrumentalisten haben wir selbstverständlich häufig mit den kleinen Kistchen zu tun – praktisch immer dann, wenn wir direkt mit E-Gitarre oder E-Bass in die Mikrofonvorstufe eines Mischpults oder eines Vorverstärkers gehen.
Nur haben auch wir uns ehrlich gesagt bisher wenig Gedanken über den Faktor Klang bei einer DI-Box gemacht. Hauptsache sie tut das, wofür sie konstruiert wurde: Das hochohmige Signal eines Musikinstruments zu symmetrieren und in ein niederohmiges zu wandeln, um es auch an einem Mikrofoneingang ohne Klangverluste und über sehr lange Kabelstrecken zu nutzen. Umso größer die Überraschung während des umfangreichen Hörtests.

Die Test-Kandidaten

Anbieter                      Modell        Stückpreis in € (UVP)
Atelier der Tonkunst    DI-Box                                   177
Behringer                      Ultra-DI DI600P                      46
Behringer                      Ultra-DI DI100                        58
Countryman                  Type 85                                 269
Klotz                                D-10                                        69
Palmer                           PDI 01                                   116
Palmer                           PDI 02                                   179
Radial Engineering     JDI                                         162
Radial Engineering     J48                                        162
Sommer Cable            Picolino K-PDI-P                   86

Wir haben zehn Testkandidaten ausgesucht und dabei sowohl passive – die klassische Lösung – als auch aktive DI-Boxen einbezogen. Dabei orientieren wir uns einerseits an den Vorschlägen der Leser, recherchieren andererseits natürlich selbst ausgiebig. DI-Boxen gibt es tatsächlich wie Sand am Meer, von äußerst kostengünstig bis richtig teuer. Mag die eine oder andere wichtige Box hier fehlen, keine Bange, denn dieser Test ist erst der Auftakt und Grundlage für künftige DI-Boxen-Tests. Irgendwann sind alle dran.

Bevor wir die aktuellen Prüflinge im Einzelnen vorstellen bereits an dieser Stelle eine kurze Erklärung zum Testverfahren: Die erste Hürde für die Zehn war die akribische Untersuchung im Messlabor, denn ein so vermeintlich einfaches Gerät wie die DI-Box muss bestimmte, messtechnisch überprüfbare Mindestvoraussetzungen erfüllen. Wer sich für die Einzelheiten des aufwändigen Messverfahrens interessiert, findet im Kasten „So misst Professional audio Magazin DI-Boxen“ alle notwendigen Angaben. Da Messergebnisse bekanntlich noch nichts Verbindliches über das Klangverhalten eines Geräts – da machen auch DI-Boxen keine Ausnahme – aussagen können, geht ohne einen Praxis- und Hörtest gar nichts. Um die Klangeigenschaften möglichst präzise zu ermitteln, verwendeten wir eingangsseitig dieselben drei Referenzinstrumente mit ein und demselben Kabel. Ausgangsseitig sorgte die bewährte Kombination aus Lake People Mic-Amp F355 und Lynx Aurora 8 A/D-Wandler für unbestechlichen Gleichklang. Die Details des Testaufbaus einschließlich näherer Spezifikationen zu Testinstrumenten und Kabel finden Sie an entsprechender Stelle.

Widmen wir uns nun den zehn Testkandidaten, soweit es grundsätzlich Konstruktion, Herkunft, Ausstattung und Besonderheiten betrifft. Den Anfang macht die DI-Box des deutschen Herstellers Atelier der Tonkunst. Bei Profis genießt diese passive DI-Box einen ganz hervorragenden Ruf und stand auch bei uns ganz oben auf der Wunschliste. AdT-Chef Michael Tauber hat nach eigenem Bekunden seine DI-Box aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, eine „klassische DI-Box“ mit „deutlich verbesserten Übertragungseigenschaften“, also ohne klangliche Einbußen für anspruchsvolle Anwender anbieten zu können. Die 177 Euro kostende AdT-DI-Box erblickte im Jahr 1995 das Bühnen- und vor allem Studio-Licht, seit drei Jahren wird das silberne Kistchen komplett in Deutschland im Hause AdT gefertigt. Das gilt insbesondere für das klangentscheidende Herzstück jeder passiven DI-Box, den Trafo beziehungsweise Übertrager. Wie es sich gehört, besitzt diese DI-Box neben dem unverzichtbaren Ground-Lift-Schalter einen Dämpfungsschalter, üblicherweise als Attentuator bezeichnet, um Übersteuerungen und Verzerrungen bei angeschlossenen Instrumenten oder Geräten mit hohem Signalpegel, beispielsweise von Keyboards, Lautsprechern oder Röhrenverstärkern zu vermeiden. Der entsprechende Wahlschalter an der AdT ist von bester Machart, die richtige Schalterstellung folgt der Zeichnung auf der DI-Box. Das Gehäuse selbst besteht aus einem harteloxierten, drei Millimeter starken Aluminiummantel und einem Innengehäuse aus Edelstahl. Robustheit ist ein wichtiges Kriterium bei einer DI-Box, Stichwort Bühnentauglichkeit. Insoweit ist der Anwender mit der AdT auf der sicheren Seite, denn sie ist auch Stepptanz-fest.

Das gilt sicherlich auch für die Landsleute von Klotz, Palmer und die winzige Picolino K-PDI-P von Sommer Cable, wenngleich die ein bis zwei Preisklassen tiefer angesiedelten DI-Boxen einen schlichteren äußeren Eindruck als die AdT machen.

Die DI-10 des renommierten Kabelherstellers Klotz ist mit allem notwendigen ausgestattet, was eine passive DI-Box haben muss – einschließlich dreistufigem Attentuator und Ground-Lift-Schalter. Sie besitzt neben dem Standard-Klinkeneingang auch einen parallelen Klinkenausgang zum Durchschleifen des Eingangssignals: Das dient üblicherweise dazu, ein E-Gitarren oder E-Bass-Signal noch an einen Verstärker auszugeben. Auf diese Weise kann der Musiker beispielsweise im Studio über seinen verzerrten Amp einen Part spielen, aufgenommen wird jedoch nur das Clean-Signal des Instruments. Im Wege des Re-Amping kann dieses dann mit optimaler Verstärker-Einstellung nachbearbeitet beziehungsweise neu aufgenommen werden.

Hinter den beiden Palmers steht der Entwickler Martin Schmitz. Seine Zöglinge genießen bei vielen professionellen Anwendern einen sehr guten Ruf. Betrachten wir zunächst die passive PDI 01, die aktive PDI 02 folgt an entsprechender Stelle zusammen mit den aktiven Mitbewerbern. Die PDI 01 hat neben der Standardausstattung ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen, eine sogenannte „Soft Ground“-Schaltung. Normalerweise bewirkt ein Standard-Ground-Lift-Schalter eine vollständige Trennung des Masseschirms des abgehenden XLR-Kabels von der Masse des Eingangskreises. Die Stellung „Soft Ground“ bei der PDI 01 hält hingegen über einen Kondensator die Verbindung. Damit entstehe laut Hersteller ein Hochpasseffekt, der tieffrequente Störsignale – beispielsweise Netzbrummen – wie gewohnt aussperren. Hochfrequente Einstreuungen könnten hingegen wegen des nachlassenden Wechselstromwiderstandes des Kondensators optimal gen Masse abfließen.

Eher spartanisch ausgestattet ist die Picolino von Sommer Cabel, die ob ihrer eigentümlichen Miniatur-Bauform auch als schlichter Adapter durchgehen könnte: Einen Dämpfungsschalter sucht der Anwender vergebens, für eine Beschriftung der beiden Klinkenbuchsen hat es anscheinend schlichtweg an Platz gefehlt. Das ist allerdings auch überflüssig, tatsächlich sind beide Buchsen gleichwertig: Eine dient als Eingangs-, die andere als Durchschleifbuchse – und umgekehrt.

Die passive JDI des amerikanischen DI-Boxen-Spezialisten Radial Engineering liegt in der gleichen Preisklasse wie die AdT und ist wie ihre aktive Kollegin aus demselben Hause, die J48, vorbildlich verarbeitet. Hier stimmt alles, vom robusten Stahlgehäuse mit Gummibremse am Boden bis hin zu den sanft einrastenden Schaltern. Auch die Radial-Entwickler wissen um die klangentscheidende Bedeutung des Übertragers in einer passiven Box. Das Exemplar in der JDI stammt vom amerikanischen Trafo-Spezialisten Jensen. Eine extra Erwähnung verdient der sogenannte Merge-Schalter, mit dem beide Radials ausgestattet sind: Ist er aktiviert, werden Klinken-Ein- und -Ausgang zum L(inks)- und R(echts)-Eingang und sind damit annahmebereit für ein Stereosignal, beispielsweise eines Keyboards. Am XLR-Ausgang geben die Radials dann ein Mono-Signal aus.

Die günstigsten DI-Boxen im Testfeld kommen von Behringer. Die passive DI600P und ihre aktive Schwester, die DI100, überzeugen beide in puncto Verarbeitung und machen einen robusten Eindruck. Erwähnenswert hier auch die Bedienungsanleitungen: Sie sind übersichtlich gegliedert und mit konkreten Anwendungs-Beispielen und dazu passenden Zeichnungen versehen. So muss das sein, denn hierüber freut sich nicht nur der Einsteiger, auch der fortgeschrittene Anwender kann da noch etwas rausziehen. Die DI600P ist wegen ihres nur einstufigen Dämpfungsschalters zwar weniger flexibel bei der Verarbeitung verschieden lauter Signalquellen, verfügt dafür aber über ein zuschaltbares Höhen-Shelvingfilter, das bei einer Frequenz von 7,5 für eine Dämpfung von -3 Dezibel sorgt. Laut Bedienungsanleitung sei das Filter speziell für Gitarren-Anwendungen nützlich, allerdings sollte es – wenn überhaupt – nur bei akustischen Gitarren mit Piezosystemen Verwendung finden. Bei passiven E-Gitarren wirkt sich der Höhenklau nach unserer Erfahrung eher negativ aus.

Mit der Behringer DI100 leiten wir zu den aktiven DI-Boxen über. Im Unterschied zu den vergleichsweise einfach und vor allem im Live-Betrieb problemlos einsetzbaren passiven Kollegen, benötigen die DI-Boxen eine eigene oder externe Spannungsversorgung. Der Grund hierfür: Es handelt sich bei diesem Typ genau genommen um Vorverstärker, die für den Betrieb eine Versorgungsspannung benötigen. Diese stellt entweder eine 9-Volt-Batterie oder die 48-Volt-Phantomspeisung des Mischpults/Vorverstärkers bereit. Löblich: Alle aktiven DI-Boxen, so auch die DI100 laufen auch mit externer Phantomspannung. Ansonsten gibt es nichts Außergewöhnliches von der recht gediegen verarbeiteten silbernen Box zu vermelden. Im Unterschied zur passiven Schwester ist allerdings der Dämpfungsschalter in ihrem Fall zweistufig, die Gummifüße sorgen für sicheren Stand auf dem Boden oder dem Tisch.

Verweilen wir noch einen Moment in der Heimat und sehen uns die zweite Palmer DI-Box, die aktive PDI 02 näher an: Diese hat einen diskret aufgebauten Eingangsverstärker, der Ausgang ist trafosymmetriert. Wahlweise ist Batterie-Betrieb oder der Betrieb mit 48-Volt-Phantomspannung möglich. Dafür muss der Wahlschalter auf der Gehäuseoberseite in die entsprechende Schalterstellung gebracht sein – bei den Mitbewerbern erfolgt die Umschaltung automatisch. Der Wahlschalter dient auch zur Überprüfung der Batterie, wobei eine aufglimmende LED ausreichende Spannung signalisiert. Der dreistufige Dämpfungsschalter ermöglicht den Anschluss von Gitarren und Bässen, Geräten mit Linepegeln und Lautsprechern.

Wie die Radials kommt auch die Type 85 von Countryman aus den USA. Mit rund 270 Euro ist sie die mit Abstand teuerste DI-Box im Testfeld. Selbstbewusst als „High-End-Interface“ angepriesen, verfügt die pechschwarze Amerikanerin über einen Feld-Effekt-Transistor-Verstärker in diskret aufgebauter Class-A-Schaltung. Der soll mit dem Klangverhalten eines klassischen Röhren-Mikrofonverstärkers aufwarten können. Ganz klar, diese DI-Box soll und darf klingen und ist sicher weniger auf absolute Klangneutralität getrimmt. Die Verarbeitung entspricht dem vergleichsweise hohen Preis, allerdings ist ein einfacherer Zugang zur Batterie wünschenswert: Um an den 9-Volt-Block heran zu kommen, ist erst die Bodenplatte des Stahlgehäuses abzuschrauben. Dafür hat die Type 85 eine Ein- und Abschaltautomatik: Ist kein Kabel im Eingang eingesteckt, fließt auch kein Strom.

Ihre Landsmännin, die Radial J48, ist die einzige aktive DI-Box im Test, die ausschließlich – nomen est omen – mit Phantomspannung betrieben wird, Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Die herausragende Besonderheit, welche die J48 von allen anderen DI-Boxen im Testfeld wesentlich unterscheidet, ist ihr Innenleben: Um einen möglichst großen Headroom bereitstellen zu können, bekam sie ein digitales Schaltnetzteil spendiert. Dieses übernimmt die Aufgabe, die niedrige verbleibende Betriebsspannung von nur ein bis zwei Volt auf neun Volt zu erhöhen. Selbst laute Gitarren und Bässe mit aktiver Elektronik – deren Ausgangsspannung kann bis zu sieben Volt betragen kann – übersteuern die DI-Box nicht.

Beim aufwändigen Messverfahren (siehe Kasten) im Labor von Professional audio Magazin wurden mal wieder keine Mühen gescheut, um am Ende klare Aussagen über die Praxistauglichkeit der getesteten DI-Boxen treffen zu können. Das Ergebnis: Alle Hersteller verstehen ihr Handwerk. Die Frequenzgänge (siehe Kurven) sind recht linear und der Ausgangswiderstand (siehe Tabelle) niederohmig genug, um das symmetrierte Signal, auch über lange Kabelstrecken verlustfrei zum Mischpult oder Vorverstärker übertragen zu können. Ausgehend von einer heute üblichen Eingangsimpedanz eines Mischpultes von größer zwei Kiloohm liegen die Ausgangsimpedanzen aller Testkandidaten – wir messen Werte zwischen 30 und 220 Ohm – auf der sicheren Seite. Die Faustformel, Ausgangs- und Eingangswiderstand sollten ein Verhältnis von 1:10 haben, übertreffen sie alle. Das Verhältnis der Impedanzen von Instrumenten-Ausgang und DI-Boxen-Eingang (Werte siehe Tabelle) entscheidet über die Linearität des Frequenzgangs. Bei  einer vergleichsweise hohen Ausgangs-Impedanz von mehr als 14 Kiloohm (90er-Jahre-Modell, siehe Kasten) kann es zu einer leichten Höhenbedämpfung in der DI-Box kommen. Diese hält sich bei den Testkandidaten in mehr als akzeptabeln Grenzen. Die Messwerte zeigen: Alle DI-Boxen bieten praxisgerechte Werte. Doch wie sieht es mit dem Sound aus? Liegen die DI-Boxen klanglich ähnlich nah beieinander wie messtechnisch?

Die Antwort – so viel sei zu Beginn des ausführlichen Hör-Tests von Professional audio Magazin verraten – ist nein, es gibt erhebliche klangliche Unterschiede. DI-Boxen sind Teil des Gesamtsystems und beeinflussen den Klang aber entscheidend mit. So spielt dabei der Verbund des verwendeten Equipments die Hauptrolle und die DI-Box ist ein, wenn auch wichtiger, Parameter von vielen. Auf der Suche nach dem perfekten Ton darf der aber nicht außer Acht gelassen werden. Die Wahl der DI-Box trägt – ähnlich wie bei Mikrofonen – zum Gesamtklang bei und kann mitunter auch zur bewussten Klanggestaltung dienen.

Zum Test-Verfahren: Wie nehmen mit einer Fender Stratocaster American Standard von 1995 (Pickup-Zwischenstellung: Hals/Mitte), einer Gibson Les Paul Studio (Hals-Pickup) und einem Hohner JJ Bass (Hals-Pickup) kurze Takes auf. Dabei liegt die Ausgangs-Impedanz der Standard-Single-Coils zwischen 6,2 und 6,4 Kiloohm, die des Gibson-Humbuckers 490R bei knapp acht und der EMG J-Bass Pickup bei zehn Kiloohm. Via DI-Box geben wir das Signal direkt auf den sehr neutralen Lake People Mic-Amp F355 mit seiner Eingangs-Impedanz von zwei Kiloohm und zeichnen mit 96 Kilohertz und 24 Bit in Cubase 4 auf. Als Instrumentenkabel dient ein Klotz Titanium, die Verbindung zum Vorverstärker stellen wir mit einem NF-Kabel der Platin-Line von WSS her, immer bemüht, möglichst nur den Klang der DI-Boxen aufzunehmen. Natürlich entspricht das keiner Live-Situation, um aber die unterschiedlichen Klangcharakteristiken hörbar zu machen, lag der Focus beim Testaufbau auf verlustfreier Signalübertragung.

Atelier der Tonkunst (AdT) DI-Box: Die kleine silberne überzeugt mit großem Klang. Sie zeichnet sich durch eine feine Auflösung und ein hohes Maß an Plastizität und Transparenz aus. Die Signale werden sehr breitbandig übertragen und klingen edel und hochwertig. Klangliche Details kommen naturgetreu und verfärbungsfrei. Besonders zeigt sich dies in der präzisen Wiedergabe der Anschlagsgeräusche: Die Strat klingt knackig und besonders in den Höhen sehr offen und frisch. Die Berührung des Plektrums mit den Saiten ist in allen Einzelheiten hörbar, das Impulsverhalten ausgezeichnet. Die DI-Box bringt das charakteristische Sirren der Les Paul wie keine ihrer Konkurrenten angenehm zum Vorschein. Der E-Bass klingt zwar eher etwas schlank, dafür aber sehr lebendig, da die Transienten präzise abgebildet werden und dadurch der individuelle Finger-Anschlag gestochen scharf abgebildet wird. Aufgrund der exakten Auflösung überträgt die DI-Box natürlich auch unsauberes Greifen und schlecht klingende Instrumente respektive Pickups. Deswegen eignet sie sich besonders für Profis und Klangfetischisten, die alles aus ihrem Instrument herausholen wollen und hält Perfektionisten zum weitern Üben und Optimieren des Sounds an.

Behringer Ultra-DI DI600P: Die passive DI-Box von Behringer ist der günstigste Testkandidat, kann aber mit ihrem ausgewogenen und neutralen Klang punkten. Sie ist im besten Sinne unauffällig und symmetriert das Signal, ohne etwas am Klang zu verändert. Die Auflösung ist sehr gut, die klangliche Abblidung präzise und ohne nennenswerte Schwächen. Im Gegensatz zur DI-Box von AdT oder der Type 85 von Countryman, die beide ein Vielfaches mehr kosten, sind aber leichte Einbußen in der Auflösung zu verzeichnen, was sich in einem minimal matteren und weniger plastischen Klangbild äußert. Ansonst macht die Ultra-DI DI 600P einen ausgezeichneten Job und symmetriert das Signal mit nur kleinen klanglichen Verlusten.

Behringer Ultra-DI DI100: Die aktive DI-Box zeigt sich klanglich wie ihre passive Schwester: neutral, ausgewogen, breitbandig und fein aufgelöst. Allerdings setzt sie in puncto Impulsverhalten und Auflösung noch einen drauf. Das Klangbild erscheint einen Deut geschärfter und transparenter. Besonders die Strat mit der Pickup-Mittelstellung kommt sehr knackig und die Höhen erhalten zusätzlich einen feinen Schimmer, der bei der passiven Variante nicht zu hören war. Das Plektrum perlt angenehm über die Saiten und das Signal erhält mehr Durchsetzungskraft und Kontur. Insgesamt wirkt sie etwas offener und direkter als das passive Modell. Der Bass kommt ausgewogen und natürlich, die Charakteristik der Paula trifft den erwarteten Klang auf den Punkt. Gemessen am Behringer-Kampfpreis von 58 Euro ist sie ein Geheimtipp mit ausgezeichnetem Preis-/Leistungs-Verhältnis. 

Countryman Type 85: Die teuerste DI-Box im Testfeld macht vor allem eins: Mächtig Sound. Nach intensivem Hören und Vergleichen ist klar, die Type 85 folgt einer ganz eigenen Klangphilosophie. Die Auflösung ist fein und präzise, der Gesamtklang druckvoll und fett. Zusammen mit dem ausgezeichneten Impulsverhalten schafft es Countryman, die Signale wirkungsvoll zu veredeln und ihnen einen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Anschlagsgeräusche wirken samtig weich, ohne dabei an Natürlichkeit und Attack zu verlieren. Die Strat wollen wir gar nicht mehr aus der Hand legen, präsentiert sich die Standard- doch eher als Luxus-Variante. Die Höhen werden durch eine leichte Betonung gekonnt in Szene gesetzt, kommen dadurch frisch und transparent und zeigen sich angenehm offen sowie erfrischend präzise. Nicht ganz so exakt wie die DI-Box von AdT bringt die Type 85 die Paula-Charakteristik zum Vorschein, schafft es aber, den kräftigen Sound adäquat zu featuren und die konstruktionsbedingte Höhenphobie des Instruments kurzer Hand zu vertreiben. Die Type 85 zeigt sich aber auch überaus bassfreundlich. Tiefe Frequenzen bekommen unten herum deutlich mehr Energie und Bauch, ohne dabei aber schwammig zu wirken. Der Hohner JJ-Bass klingt satt, voll und gewinnt deutlich an Lebendigkeit. Insgesamt punktet die Type 85 mit einem Sound, der im Ansatz an hochwertige Class-A-Vorverstärker englischer Machart erinnert – Neve und SSL lassen grüßen – und schafft es guten Instrumenten das gewisse Etwas einzuhauchen.

Klotz D-10: Recht ausgewogen und zurückhaltend zeigt sich die passive DI-Box als grundsätzlich unauffällige Zeitgenössin. Insgesamt schwächelt sie ein wenig bei der Feinzeichnung, und wirkt etwas unterbelichtet in den Höhen. Sie ist aber eine akribische Arbeiterin und verzichtet bewusst auf künstliche Eleganz. Dafür wirf sie aber eine Prise unterer Mitten und Bässe in die Waagschale. Die D-10 zeigt sich unbeeindruckt von den anliegenden Signalen und erfüllt pflichtbewusst ihren Zweck, das Signal zu symmetrieren und die Impedanz anzupassen. Der Strat-Sound ist angenehm zurückhalten und unaufdringlich, das letzte Quäntchen Frische und Biss fehlen, dafür mischt sich eine leicht nasale Note in das Klangbild. In Verbindung mit der Les Paul entsteht ein kräftiger, druckvoller Klang, der minimal mittiger klingt als mit der AdT oder den Behringers. Bassisten, die auf einen kräftigen Sound schwören, werden sich über die D 10 freuen. Sie hat deutlich mehr Bauch als beispielsweise die Ultra-DI DI600P von Behringer und hilft außerdem – auf Kosten der Höhen und der Feinzeichnung – Schnarr- und Rutschgeräusche etwas zu entschärfen.

Palmer PDI 01: Stark zeigt sich die passive Palmer bei tiefen Frequenzen. Der Bass kommt kräftig und druckvoll, mit einer ganz eigenen, aber gar nicht unangenehmen Note. Die Auflösung geht insgesamt in Ordnung kann aber mit der Klasse einer Type 85 von Countryman oder der DI-Box von AdT nicht mithalten. Sie hat Schwierigkeiten mit der Höhenfeinzeichnung, da besonders die Strat etwas matt und wenig brillant klingt. Auch die Anschlagsgeräusche bei den Bassaufnahmen gehen weitestgehend unter, worunter die Präzision ein wenig leidet. Jedoch bei Pickups mit aktiven Schaltungen und mit dem Steg-Pickup gespielt, verhilft die eigene Charakteristik etwas knochigen Instrumenten klanglich auf die Sprünge. Bei der Les Paul schlägt sich die Klangcharakteristik allerdings in einem eher mittigorientierten Klangergebnis nieder, das deutlich hörbar vom Klang der anderen Testkandidaten abweicht. Mit der richtigen Ton- und Pickup-Einstellung kann man das natürlich kompensieren, aber es muss klar sein, die PDI 01 färbt die Signale nach eigenem Dünken ein.

Palmer PDI 02: Im Gegensatz zur passiven PDI 01 löst die aktive DI-Box von Palmer deutlich besser auf und zeigt sich insgesamt ausgewogener mit einer Affinität zu den Höhen. Der Klang öffnet sich ein wenig und wirkt etwas brillanter. Trotzdem, der mittige Grundklang bleibt. Im Vergleich zu den Behringer-DI-Boxen zeigt sich auch hier wieder ein eher druckvoller, kräftiger Sound, dem aber immer ein leicht vordergründiger Mittenanteil hinzugefügt wird. Auch hier gilt es wieder den Sound an der Gitarre oder mittels Mischpult-Equalizer anzupassen. Je nach persönlichem Geschmack und Gitarren/Pickup-Kombination kann die aktive Palmer auch helfen ein blasses Signal mit Charakter zu versehen. Für ein gutes Endergebnis muss der Techniker aber dann schon sehr genau wissen, wie seine Palmer klingen – ein Versuch ist es aber in jedem Fall wert.

Radial JDI: Einen eigenen Weg geht auch die passive DI-Box von Radial, deren feine Auflösung mehr als in Ordnung geht und auch kleine Details originalgetreu abbildet. Allerdings kann und will die JDI ihr Herkunftsland nicht verheimlichen, klingt sie doch sehr nach amerikanischen Gitarrenverstärkern á la Fender Twin Reverb. Dadurch klingt die Strat sehr schön knackig und ein wenig nasal mit dem typischen Fender-Chime. Die Transienten werden scharf abgebildet und führen zu einem präsenten und transparenten Klangbild. Für funky Gitarren und Freunde aggressiver Clean-Sounds eine echte Empfehlung. Die Les Paul kommt etwas harscher und erscheint ein wenig ihrer charakteristischen Tiefmitten beraubt. Das führt zu einem durchsetzungsstarken allerdings auch etwas kantigen Sound. Beim Bass fehlt ein wenig der Druck, dafür treten die Anschlagsgeräusche selbstbewusst in den Vordergrund, was dem Bass zu mehr Präsenz verhilft.

Radial J48: Die aktive Radial-Variante legt noch ein Schippchen Brillanz drauf. Der Klang wirkt dadurch ein wenig glasiger, ansonsten unterscheiden sich die Radials nur wenig. Für die Amis spricht deren konsequentes Sound-Design – wo Radial drauf steht ist auch Radial drin. Gekonnt in Szene gesetzt, ergeben sich charakteristische und sehr durchsetzungsstarke DI-Signale, die den Klang des Instruments schärfen und profilieren, den Bassbereich aber eher etwas stiefmütterlich behandeln.

Sommer Cable: Picolino K-PDI-P: Die passive DI-Box hat eine gute Auflösung und ist äußerst neutral. Sie lässt die Signale, wie sie sind und zeichnet deren akustisches Bild detailtreu nach. Die Übertragung ist sehr breitbandig und es geht kaum etwas an Originalsignal verloren. Höhen und Mitten kommen ähnlich fein, wie bei der AdT. Mit deren Plastizität und Brillanz kann sie allerdings nicht ganz mithalten. Die Strat strahlt und die Anschlagsgeräusche kommen sauber und perlend, ohne dabei künstlich oder aufgesetzt zu klingen. In den unteren Mitten und im Bassbereich wirkt sie kräftig und satt. Dabei ähnelt sie der Type 85, versucht es aber erst gar nicht den edlen Vintage-Sound zu simulieren, sondern bleibt neutral und nüchtern – nah am Original. Die Les Paul kommt druck- und charaktervoll, bleibt aber ohne Verfärbung und zeigt ihr wahres, unverfälschtes Gesicht. Ähnliches gilt für den Bass: Dieser zeichnet sich durch präzise Anschlagsgeräusche und einen angenehmen Bauch aus. Eine gute, ausgewogene Mischung, die den meisten Instrumenten gut steht. Die K-PDI-P ist ein flexibles Allround-Talent, ohne Ecken und Kanten.

Fazit

Vorab ein großes Lob an die Hersteller, alle Testkandidaten erfüllen technisch ihren Zweck. Will heißen, sie symmetrieren die Signale und transformieren das hochohmige Eingangssignal in ein niederohmiges, um es dann via Mischpult oder Vorverstärker weiter zu verarbeiten. In der Ausstattung unterscheiden sie sich nur geringfügig, allerdings zeichnen sich die Modelle mit dreistufigem PAD – DI-Box von Adt (177 Euro), D-10 von Klotz (69 Euro), die beiden Palmer PDI 01 (116 Euro) und PDI 02 (179 Euro) durch höherer Flexibilität aus. In puncto robuster Verarbeitung haben die beiden Radial-Modelle JDI (162 Euro) und J48 (162 Euro) die Nase vorn. Klanglich gibt es erhebliche Unterschiede, wobei sich die AdT (177 Euro) und die Countryman (269 Euro) als Spitzenreiter etablieren. Das breite Mittelfeld bietet unterschiedliche Klangcharakteristiken, wo für jeden Geschmack und Einsatzzweck etwas dabei ist. Eindeutiger Preis-Leistungs-Sieger ist die aktive Ultra DI DI100 von Behringer für knapp 60 Euro. Dieser Test ist erst der Anfang und wir freuen uns die nächsten, um peut á peut einen Gesamtüberblick, der auf dem Markt befindlichen DI-Boxen zu liefern.

So misst Professional audio Magazin DI-Boxen

Grundlage für die Messungen an den DI-Boxen bildet die elektrische Nachbildung von zwei verschiedenen Gitarren-Tonabnehmern klassischer Bauart. Damit simulieren wir am Eingang der Testkandidaten Signalquellen mit konstanten und reproduzierbaren Werten unter Laborbedingungen. Wir wählen als Referenz einen Fender Stratocaster Single Coil aus dem Jahr 1954 mit einer Impedanz von 6.500 Ohm und einen Fender-Lace Sensor Red aus den 90er Jahren mit einer Impedanz von 14.500 Ohm. Diese Nachbildungen schalten wir für zwei Messdurchgänge jeweils in Reihe zum Ausgang des Signalgenerators im Audio Precision 2722. Gemessen werden bei jeder DI-Box folglich zwei Frequenzgänge, einmal mit 54er-Pickup (rote Kurve) und einmal mit dem 90er-Modell (blaue Kurve). Besitzt ein Testkandidaten ein- oder mehrstufige Dämpfungsschalter, so hat das Testlabor auch hier pro Schalterstellung ein weiteres Frequenzdiagrammen aufgezeichnet. Bei diesem Messdurchgang zeigen die Testkandidaten durch die Bank ein ähnliches Verhalten: Der hochohmigere Pickup (Modell 89) sorgt für einen früheren Höhenabfall im Frequenzgang als das niederohmigere (Modell 54). Die gemessenen Dämpfungswerte entsprechen übrigens exakt den Herstellerangaben. Außerdem bleiben die Frequenzgänge bei eingeschalter Dämpfung immer schön linear. Zusätzlich ermitteln wir bei allen Testkandidaten die Eingangs-Impedanzen (Wechselstromwiderstand) mit einem Rhode & Schwarz Scheinwiderstands-Messgerät (siehe nebenstehende Tabelle). Für die Messungen der Ausgangs-Impedanzen gehen wir nach dem Prinzip der Leistungsanpassung vor. Will heißen: Der belastende Messwiderstand wird so lange variiert, bis die Ausgangsspannung um die Hälfte, also sechs Dezibel, abgesunken ist. Nun entspricht der Ausgangswiderstand dem Messwiderstand. Diese liegen bei den Testkandidaten im niederohmigen Bereich, zwischen 30 und 220 Ohm. Wenn man nun von einer Eingangs-Impedanz zwischen 2.000 und 10.000 Ohm bei einem Mischpult oder Channelstrip ausgeht, zeigt sich, dass es bei allen Testkandidaten möglich ist, sogar Kabel bis zu einigen zig Metern Länge zwischen DI-Box und Pult zu verwenden, ohne wesentliche klangliche Veränderungen befürchten zu müssen.

Erschienen in Ausgabe 07/2008

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 177 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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