Willkommen auf der Frequenz-Achterbahn

Jeder kennt sie, nutzt sie und besitzt sogar mehrere davon. Die Rede ist von Equalizern. Doch mal ehrlich: Wieviele davon genügen Ihren Ansprüchen? Professional audio Magazin hat sechs Plug-ins unter die Lupe genommen und sagt Ihnen, was die virtuellen Frequenzkorrigierer leisten können und wo ihre Stärken liegen.  

Von Georg Berger 

Equalizer gehören mit Abstand und dicht gefolgt von Kompressoren zu den gebräuchlichsten und wichtigsten Gerätschaften im Studio. Sie werden oftmals in die Kategorie der Effekte sortiert, sind aber keine. Ihr Hauptaufgabengebiet besteht in der Frequenzkorrektur von Signalen, die im Gegensatz zu einem Effekt nicht zu hören sein sollen. Bei richtigem Gebrauch vermögen Equalizer durch gezielte selektive Verstärkung und Dämpfung von Signalanteilen,  einer Mehrspuraufnahme zu deutlich mehr Transparenz zu verhelfen. Wie es geht und was man beachten muss, hat unser Mixing-Workshop bereits im letzten Heft gezeigt. 

Doch Equalizer sind nicht gleich Equalizer. Sie finden sich hardwareseitig in mannigfaltiger Form primär in analogen und digitalen Mischpulten. Ihre Ausstattung und ihr Klang weisen aber zum Teil vehemente Unterschiede auf, die von dürftig bis passabel und bei einigen Edelkonsolen aber auch bis hervorragend reichen. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den in Sequenzern integrierten Equalizern, die lange Zeit eher den Stellenwert einer Dreingabe besaßen. Mittlerweile haben zumindest Digitalpulte und Sequenzer in Sachen Equalizerklang zwar aufgeholt. Aber an das Ideal eines warm klingenden analogen Vorbilds, oder einer präzisen und universell einsetzbaren Studiokomponente reichen sie häufig immer noch nicht ganz heran. 

Eine mögliche Alternative auf Hardware-Ebene bieten deshalb externe 19-Zoll Equalizer vom Schlage eines SPL Passeq (Test in Heft 8/2006) oder eines Classic Tube Equalizers von Tegeler (Test in Heft 9/2006). Vorteil: Sie klingen vorzüglich und bieten zum Teil umfangreichen Einstellmöglichkeiten. Nachteil: Ein zwar gerechtfertigter, aber hoher Verkaufspreis und nur ein einziger Grundsound. Doch die Industrie war nicht untätig, hat den Bedarf erkannt und bietet auch auf Software-Ebene Alternativen an. Vorteile hier: Sie simulieren mittlerweile recht authentisch den Klang analoger Originale, kosten nur den Bruchteil einer vergleichbaren Hardware-Komponente und lassen sich auf einfache Weise sogar mehrfach innerhalb einer DAW einsetzen. Der Markt präsentiert sich zweigeteilt: Es sind Equalizer-Plug-ins erhältlich, die ausschließlich auf die Reproduktion eines analogen Originals abzielen.

 

Daneben finden sich Produkte, die mit eigenen Konzepten aufwarten, deutlich mehr Eingriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten als ein einziger analoger Equalizer und somit deutlich mehr Möglichkeiten bieten. Aus dieser Kategorie haben wir ein Testfeld aus sechs Produkten zusammengestellt und bezüglich Ausstattung und Klang einem intensiven Praxis- und Hörtest unterzogen. 

Aus Großbritannien sind die Modelle OXF-R3 von Sonnox und SV517-Mk2 von Sonalksis angetreten. Die USA sind vertreten mit dem Cambridge Equalizer von Universal Audio, dem URS A Mix EQ von Unique Recording Software (URS) und dem Uniquel-izer Plug-in der Firma Roger Nichols Digital. Den Reigen komplettiert der Renaissance Equalizer der israelischen Software-Schmiede Waves, die mit ihren Produkten schon seit langem in vielen Studios beheimatet sind und so etwas wie einen Standard markieren. 

Samplingraten bis 192 Kilohertz werden von allen Produkten problemlos unterstützt. Preislich bewegt sich das Testfeld in einem Bereich von cirka 150 bis knapp 350 Euro für die nativen Modelle. Sämtliche Produkte sind als VST-, AU- und RTAS-Version erhältlich. TDM-Versionen für Digidesigns Highend-Recordingsysteme kommen bei einigen Kandidaten jedoch deutlich teurer. Das Sonnox Plug-in markiert da mit knapp 900 Euro die einsame Spitze. Besonderheit: Als einziges Produkt lässt es sich auch in TC Electronics DSP-Plattform Powercore einsetzen. Kostenpunkt dieser Variante: Knapp 630 Euro. Sämtliche Plug-ins sind auch innerhalb von Bundle-Lösungen erhältlich. Die genannten Preise beziehen sich aber auf das einzeln erhältliche Produkt. Darunter fällt auch das Waves Plug-in. Anders als sonst in der Firmenpolitik der Israelis, ist es auch als Einzelprodukt erhältlich, das ausschließlich per Download auf der amerikanischen Homepage für einen Preis von 200 Dollar erhältlich ist. 

Bis auf zwei Ausnahmen wartet jedes Equalizer-Plug-in mit sieben separat aktivierbaren Bändern auf. Es findet sich dort zumeist ein Hoch- und Tiefpassfilter, gefolgt von fünf weiteren Bändern dazwischen, die frei wählbar in Shelving- und parametrischer Charakteristik arbeiten können. Ausreißer markieren das Uniquel-izer Plug-in, das eine unbegrenzte Anzahl von Bändern enthalten kann, sowie der Renaissance Equalizer, der lediglich sechs Bänder besitzt, die jedoch völlig frei mit allen Filtercharakteristiken belegt werden können. An Bedienelementen finden sich pro Band die üblichen Regler für Gain, Frequenz und Filtergüte – zumeist „Q“ genannt. Dem Q-Regler fällt in allen Plug-ins eine besondere Rolle zu, wenn ein Band als Pass- oder Shelvingfilter arbeiten soll: In diesen Modi nimmt der Q-Parameter Einfluss auf die Flankensteilheit oder den Over- und Undershoot der Filterverlaufskurve (siehe Kasten). 

Sämtliche Plug-ins bieten ein im Vergleich zu Hardware ungleich größeres Repertoire an Filterverlaufskurven an, die auf einen Schlag eine Vielzahl klanglicher Möglichkeiten bieten und sowohl der analogen als auch der digitalen Welt entlehnt sind. Sonnox, Sonalksis und Universal Audio bieten diese Vielfalt über die Auswahl entsprechender Filteralgorithmen im Plug-in an, teilweise sogar getrennt nach Shelving- und parametrischen Bändern. Der Renaissance Equalizer von Waves, sowie der A Mix EQ von URS realisieren diese Bandbreite ausschließlich über die Einstellung des Q-Reglers und erscheinen im Vergleich zu den erstgenannten Kandidaten eingeengter. Gleichwohl bieten sie immer noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten als die Hardware oder die originalgetreuen Simulationen. Einen etwas anderen Weg geht der Uniquel-izer. Er offeriert ein Repertoire von elf Filterpresets mit unterschiedlichem Kurvenverhalten. 

Allen Plug-ins gemeinsam ist ein Merkmal bei den parametrischen Bändern, das der analogen Welt entlehnt ist: Bei gleicher Einstellung der Filterbandbreite zeigt sich in der Verstärkung und Dämpfung von Frequenzen ein asymmetrisches Bild im Kurvenverlauf. Bei einer Anhebung ist die Filter-Glocke breiter als bei der Dämpfung. Kerbfilter mit präzisen Einstellungen sind somit möglich. Der Renaissance Equalizer, der A Mix EQ und der Uniquelizer besitzen dieses Merkmal standardmäßig. Im Oxford Equalizer, dem SV517-MK2 und dem Cambridge Modell lässt sich dieses Verhalten durch Auswahl eines Algorithmus aktivieren. Die drei letztgenannten Produkte offerieren darüber hinaus weitere Algorithmen für die parametrischen Filter, die in Abhängigkeit zu den Einstellungen von Filtergüte und Gain zusätzliche eigene Filterverlaufskurven zeigen und das Repertoire entsprechend bereichern.

 

Dieselbe Reichhaltigkeit zeigt sich auch bei den Shelving-Filtern: Außer einem gleichmäßigen Verlauf der Kurve gestatten die Plug-ins auch die Realisierung von Over- und Undershoots, die bei den Überschwingern für einen Schuss mehr Präsenz im Klangbild sorgen und bei den Unterschwingern ein nachhaltigeres Absenken von Frequenzen ermöglichen. Auch dieses Merkmal ist wiederum analogen Equalizern entlehnt, für das sie das Attribut „musikalisch klingend“ eingeheimst haben. Sonnox, Waves, und URS haben diese Funktion standardmäßig an Bord und können nur am Einsatzpunkt der Kurve, also der Centerfrequenz dieses Merkmal realisieren. Der Uniquel-izer bietet wählbare Shelving-Presets mit gleichmäßigem Verlauf und mit Überschwingern an beiden Eckpunkten an. Sonalksis und Universal Audio hingegen bieten wiederum drei unterschiedliche Algorithmen zur Auswahl, die die Über- und Unterschwinger nur am Anfang oder am Ende der Kurve oder an beiden Knien der Verlaufskurve gleichzeitig offerieren. 

Bei allen Gemeinsamkeiten, die das Testfeld besitzt, zeigen sich bei jedem Produkt hinsichtlich Ausstattung und Konzept auch individuelle Eigenarten. 

Den Reigen eröffnet das Sonnox Plug-in. Bemerkenswert sind die beiden Hoch- und Tiefpassfilter, die eine maximale Flankensteilheit von 36 dB/Oktave, einstellbar in sechs-Dezibel-Schritten, besitzen. Ein kraftvolles Aussieben von Störsignalen stellt für das Oxford Plug-in damit kein Problem dar. Überdies wartet das Plug-in mit vier Filter-Algorithmen für die parametrischen Bänder – siehe oben – auf. Außer einem symmetrischen und asymmetrischen Verlauf der Filterglocken bieten sie noch weitere Merkmale, die stellvertretend im Wesentlichen auch für den SV517Mk2 und den Cambridge Equalizer gelten: Der erste Algorithmus zeigt schon bei geringen Gain- und hohen Q-Werten einen schmalbandigen Filterverlauf, der bei höheren Gain-Werten konstant bleibt. Bei Verstärkung und Dämpfung zeigen die Kurven ein symmetrisches Verhalten. Das Gegenteil dazu liefert der zweite Filter-Algorithmus, der das erwähnte asymmetrische Verhalten besitzt. Der dritte Algorithmus weist eine in Abhängigkeit zur Verstärkung variierende Bandbreite auf: Je niedriger die Verstärkung/Dämpfung ist, desto schmalbandiger zeigt sich, ungeachtet der Einstellung der Güte, die Filterkurve und umgekehrt. Die Ergebnisse klingen im Vergleich zum ersten Algorithmus dadurch weicher und angenehmer. Der vierte Algorithmus basiert auf dem dritten und liefert eine noch größere Bandbreite. 

Das Sonalksis Plug-in weist auf den ersten Blick eine frappante Ähnlichkeit mit dem Sonnox-Plug-in auf. Doch die beiden Firmeninhaber Gus Miller und Kieran Tyrrell haben in ihr Produkt ein ganz eigenes Konzept einfließen lassen, das keinem speziellen analogen Vorbild nacheifert. Bei der Realisation ihres Plug-ins haben die Sonalksis-Masterminds auf eine virtuelle Reproduktion von Signalwegen und analogen Schaltungen gesetzt. Über zwei Dreh- und Kippschalter lassen sich drei unterschiedliche Filteralgorithmen getrennt nach Shelving- und parametrischen Filtern global auf die Bänder anwenden. Profilierend zeigt sich schließlich ein zuschaltbarer Spektrum-Analysierer im Graphik-Display, der simultan Auskunft über die Frequenzverteilung des anliegenden Signals gibt.

Ähnlich opulent ausgestattet wie das SV-517Mk2-Plug-in zeigt sich auch der Cambridge Equalizer von Universal Audio. Er bietet drei global aktivierbare Algorithmen für die parametrischen Bänder an. Als einziges Plug-in ist es in der Lage jedes aktivierte Shelving-Filter per Tastendruck mit unterschiedlichen Algorithmen zu betreiben, die wiederum Over- und Undershoots in allen Kombinationen offerieren. Als Ausstattungssieger zeigt sich der Cambridge-Equalizer schließlich bei den Hoch- und Tiefpassfiltern. Ein Drop-down-Menü bietet insgesamt 17 Presets mit vier unterschiedlichen Flankencharakteristiken. Als einziges Plug-in des Testfelds lässt es sich ausschließlich über die UAD1 DSP-Karte betreiben. 

Etwas eingeschränkter in Sachen Ausstattung zeigt sich im Vergleich dazu der Renaissance Equalizer von Waves mit seinen sechs Bändern. Vorteil: Jedes Band lässt sich mit Pass-, Shelf- und parametrischen Filtern versehen und besitzt einen wählbaren Frequenzbereich von 16 Hertz bis hinauf auf 21 Kilohertz. Hauptfeature im Waves-Equalizer sind die sogenannten Resonant Shelf-Filter. Durch die gleichzeitige Nutzung der separaten Cut- und Boost-Regler konnten Shelving-Kurven im Pultec-Gerät mit entsprechenden Over- und Undershoots realisiert werden. Der Renaissance Equalizer ahmt dieses Verhalten nach und bietet diese Formungsmöglichkeit über den Q-Parameter.

twas gewöhnungsbedürftig gestaltet sich im Test das Editieren von Parametern über die als Schaltflächen realisierten Bedienfelder: Um eine Änderung vornehmen zu können, muss auf das Feld geklickt und die Werteänderung durch Ziehen mit der Maus vorgenommen werden. Anlass zur Kritik gibt die insgesamt viel zu kleine Bedienoberfläche des Plug-ins. Das Ablesen von Werten im Display gerät, unabhängig von der fehlenden Möglichkeit der Darstellungsänderung, zur Qual. Dasselbe gilt für das Ablesen von Werten in den Bedien-Schaltflächen. 

Das URS A Mix Plug-in von Unique Recording Software (URS) scheint im Vergleich zu allen anderen Kandidaten in Sachen Ausstattung überhaupt nicht ins Bild zu passen. Am meisten vermissen wir ein graphisches Display. – ein wirklich großes Manko. Beim Editieren ist also ausschließlich den Ohren zu vertrauen. Wichtig zu wissen: Außer dem A-Modell finden sich auch noch ein N- und ein S-Modell im Angebot. Die A- und N-Versionen schielen dabei in Richtung Neve. Die S-Version orientiert sich primär an SSL.

Bei der Bedienung des Plug-ins vermissen wir einige Features, die weiterhin Anlass zur Kritik geben. Hoch- und Tiefpassfilter besitzen zwar einen Q-Regler zur Einstellung der Flankensteilheit. Die Anzeige enthält aber analog zu den übrigen Bändern nur numerische Werte. Komfortabler und hilfreicher wäre da eine Anzeige in dB/Oktave. Ein Ärgernis stellen die Frequenzwahlregler dar. Sobald wie Einstellungen in den Kilohertz-Bereich gehen, ist eine Einstellung sowohl über den Regler als auch durch Werteeingabe nach Doppelklick auf die Anzeige nur noch in 100-Kilohertz-Schritten möglich. Eine Feineinstellung ist somit nicht möglich und engt die Möglichkeiten des Plug-ins ein. 

Das Konzept des Uniquel-izer Plug-ins markiert den exotischen Höhepunkt in unserem Testfeld. Das ebenfalls noch sehr junge Unternehmen, das vom Toningenieur Roger Nichols geführt wird, gibt mit seinem Produkt dem Anwender alle Freiheiten. Über elf Schaltflächen lassen sich ebenso viele Filterpresets in eine darunter befindliche Liste laden. Durch Klick auf einen Eintrag ist das jeweilige Filter entweder über die üblichen Regler oder graphisch im Display editierbar. Grenzen gibt es nicht. Theoretisch lassen sich also unendlich viele Filter aktivieren. Doch das Plug-in besitzt noch einige weitere Besonderheiten: Zu erwähnen sind die zwei Harmonic-Filter, die aus einer Reihe von Peak-/Kerbfilter im Abstand der Obertonreihe bestehen. Wahlweise lassen sich entweder der Grundton, die geraden, die ungeraden, oder sämtliche Teilton-Peaks einsetzen. Damit offeriert das Uniquel-izer Plug-in Möglichkeiten jenseits des herkömmlichen Einsatzzwecks. Darunter fällt auch die Möglichkeit die Flanken der Pass- und Shelving-Filter an ihren Eckpunkten bis hinauf in eine einsetzende Filterresonanz zu verstärken.

Mit allen Plug-ins gestaltet sich der Umgang im Praxis- und Hörtest, bis auf die genannten Kritikpunkte, einfach und unkompliziert. Die Bedienmöglichkeiten erschließen sich binnen weniger Augenblicke. Im direkten klanglichen Vergleich der Plug-ins treten zwei grundlegende Tendenzen zu Tage. Waves und Sonnox sind einem neutralen Grundklang verpflichtet. Sonalksis, Universal Audio und URS besitzen einen warmen Grundsound. Roger Nichols positioniert sich mit seinem Produkt in der Mitte. Das Uniquel-izer Plug-in klingt durch entsprechende Wahl der Filterpresets sowohl neutral, als auch färbend. Allen Kandidaten gemeinsam ist: man kann mit ihnen auf sehr effektive Weise arbeiten. Sie alle empfehlen sich für den eigentlichen Haupteinsatzzweck, dem Korrigieren von Frequenzen, um Transparenz im Mix zu erhalten. Sie machen aber nicht nur eine gute Figur bei der Entzerrung einzelner Spuren. Als Mastering-Werkzeug eingesetzt, vermag jedes Plug-in sogar ganzen Arrangements eine eigene Note zu verleihen Jedes besitzt für sich eigene Vorzüge. Eine absolute Aussage über die Qualität des Klangs abzugeben, ist deshalb unmöglich und würde letztlich zu einer Diskussion über Geschmack führen. Aus diesen Gründen enthält die Tabelle auf den Seiten 60 und 61 auch keine Klangbewertung. Gleichwohl zeigen sich klangliche Merkmale, die durchaus näher beschrieben werden können.

Das Oxford Equalizer-Plug-in von Sonnox weiß mit einem sehr neutralen Grundklang zu überzeugen, der beim Einsatz durch Unauffälligkeit gefällt. Frequenzkorrekturen geschehen ohne färbenden Einfluss. Selbst kraftvolle Eingriffe ins Material klingen im Vergleich zu den anderen Kandidaten immer eine Spur subtiler. Das Ausfiltern von Frequenzen mit dem Kerbfilter gerät im Oxford Equalizer am präzisesten. Eine Einwirkung auf Nachbarfrequenzen ist nur minimal hörbar. Der Einsatz von Glockenfiltern bei Verstärkung von Frequenzen hinterlässt ein präsentes und luftiges Klangbild. Je nach Breite der Glocke erklingen die verstärkten Nachbarfrequenzen homogen und organisch verstärkt mit einem kleinen Schuss Wärme. Der Umstand, dass die Shelving-Filter lediglich über Undershoots verfügen, lässt selbst extreme Einstellungen immer wieder eigentümlich angenehm erklingen. In Gesamtheit vermag er bearbeiteten Signalen eine gewisse Art von Luftigkeit und einen edlen Glanz hinzuzufügen. 

In Sachen Neutralität weiß auch der Renaissance Equalizer von Waves zu überzeugen. Die Höhen-Shelving-Filter liefern bei Verstärkungen ein ähnlich luftiges Ergebnis wie der Oxford-Equalizer. Bei Dämpfungen mit dem Höhen und Tiefenband fällt jedoch eine etwas stärkere Mittenpräsenz auf, die im Vergleich zu den übrigen Kandidaten jedoch minimal ausfällt. Ein ähnliches Bild ergeben Anhebungen mit parametrischen Filtern. Sie lassen die einbezogenen Nachbarfrequenzen ein wenig stärker als der Oxford Equalizer erklingen, aber immer noch neutraler als etwa der Sonalksis oder der Universal audio Kandidat. In Sachen breitbandiger Verstärkung und Dämpfung kann er ebenfalls nicht ganz mit dem Briten aus Oxford mithalten, der ja vier unterschiedliche Algorithmen zur Auswahl anbietet. Als Kerbfilter eingesetzt, weiß er sich im Vergleich zu den übrigen Kandidaten im oberen Bereich zu behaupten, wenngleich auch hier der Oxford-Equalizer wieder die Nase vorn hat. In Gesamtheit besitzt der Renaissance Equalizer einen durchweg neutralen Klang, der sich bei einigen Einstellungen durch eine gewisse Bissigkeit und Schärfe im Mittenspektrum bemerkbar macht und ihn in seiner Neutralität etwas rauer und nüchterner klingen lässt. 

„Jetzt kann ich beides haben“, könnte der Slogan für den Uniquel-izer bezüglich seiner klanglichen Qualitäten lauten. Er weiß sich durch die richtige Auswahl der Filterpresets sowohl durch Neutralität, als auch durch extreme Klangfärbung als Exot richtig in Szene zu setzen. Die Kerbfilter sind in Sachen Präzision gleichauf mit dem Oxford-Equalizer. Umgekehrt als Peak-Filter eingesetzt besitzt er im Vergleich zu allen anderen Kandidaten den engsten Filterverlauf. Es existiert nur ein parametrisches Preset, das proportional zur Einstellung von Gain und Güte einen gleichmäßigen Kurvenverlauf ergibt. Unterschiedliche Filterverhalten in Abhängigkeit zu Gain und Güte-Einstellung wie beim Oxford oder etwa beim Cambridge Equalizer gibt es nicht. Vielfältige klangliche Facetten sind mit ihm nicht realisierbar. Die Komponente zeigt sich der digitalen Seite verpflichtet, die in diesem Fall nüchtern klingt und es an Wärme vermissen lässt.  

Höhen und Tiefen-Shelving-Filter wissen bei Anhebung und Absenkung dafür durch einen behutsamen Eingriff ins Material zu überzeugen, der sehr ausgewogen klingt. Die Hoch- und Tiefpassfilter zeigen sich im Vergleich mit den übrigen Kandidaten hingegen am kraftlosesten. Steile Filterflanken sind nicht realisierbar und lassen vergleichsweise mehr Signalanteile hindurch. Doch das ist nur die eine Seite. Der Einsatz der alternativen Shelving-Presets ermöglicht die Nutzung von Over- und Undershoots an den Knien der Verlaufskurven. Je nach Einstellung ist eine überdeutliche Betonung der davon betroffenen Frequenzbereiche zu hören. Der Uniquel-izer schießt in Extremstellungen sogar übers Ziel hinaus indem sie sogar in Eigenschwingung geraten. Over- und Undershoot treten immer in Kombination auf und bieten deshalb nicht dieselbe klangliche Flexibilität in Sachen Frequenzmodellierung wie der Cambridge Equalizer und der SV517-Mk2.

Wandlungsreich und vielgestaltig präsentiert sich das Klangspektrum des SV517-Mk2-Equalizers von Sonalksis. In allen Einstellungen verleiht er anliegenden Signalen einen deutlichen Schuss an Wärme. Mit seiner Ausstattung vermag er eine breite Palette klanglicher Facetten zu erzeugen. Am meisten können die Shelving-Filter überzeugen. Je nach gewähltem Filter-Algorithmus reicht das Spektrum von subtil und fein bis präsent und rau, da sich die Over- und Undershoots in vielfältigen Kombinationen einsetzen lassen. Je nach Einsatzfrequenz sorgen die Overshoots für eine merkbare Anhebung im Überschwingbereich und das sowohl bei Anhebung, als auch bei Absenkung des Filters. In beiden Fällen klingen die bearbeiteten Signale präsenter und schärfer. Damit verfügt der SV517-Mk2-Equalizer über zusätzliche klangliche Facetten, die etwa der Oxford- oder Renaissance-Equalizer nicht besitzen. 
Die Kerbfilter präsentieren sich nicht so präzise wie bei Sonnox oder Roger Nichols Digital. Die schmalste Einstellung senkt im Vergleich zu ihnen deutlich mehr Nachbarfrequenzen ab. Bei breitbandigen Anhebungen werden die einbezogenen Nachbarfrequenzen eine Spur zu deutlich mit angehoben. Das Sonalksis-Modell schielt insgesamt auf die Reproduktion analogen Klangs und besitzt einen leichten Hang zur Betonung des Mittenspektrums.

In Bezug auf den Grundklang und die Palette an realisierbaren Filterverläufen zeigt sich der Cambridge-Equalizer auf gleicher Höhe mit dem Sonalksis-Kandidaten. Gleichwohl besitzt er einen deutlichen Schuss mehr Wärme als der SV517-Mk2-Equalizer. Darüber hinaus vermag er auch kraftvoller in das Frequenzspektrum anliegender Signale einzugreifen. Dadurch klingen Ergebnisse im Vergleich zum Sonalksis-Equalizer bei Dämpfungen etwa eines Shelving-Filters eine Spur dumpfer. Auffällig: Die Verstärkung derselben Frequenz liefert hingegen ein sehr luftiges und feines Ergebnis, das sich gleichauf mit dem Oxford-Equalizer zeigt. Ein ähnliches Ergebnis zeigen auch die parametrischen Filter. Breitbandige Absenkungen nehmen eine Menge an Energie weg, die sehr dumpfe Ergebnisse zeigen. Anhebungen lassen die vom Glockenfilter einbezogenen Nachbarfrequenzen wiederum deutlich hervortreten. Als Kerbfilter eingesetzt vermögen sie ebenfalls nicht ganz so schmalbandig ans Werk zu gehen. Als Peakfilter eingesetzt setzen sie sich in puncto Schmalbandigkeit hinter dem Uniquel-izer auf den zweiten Platz. Besonders gefallen haben die Hoch- und Tiefpassfilter, die in Sachen Flankensteilheit und Kurvenverlauf eine Bandbreite von eher subtilen bis hin zu drastischen Frequenzbeschneidungen offerieren. Von allen Kandidaten vermag er dank des Elliptic-Filter Presets etwa Höhenanteile mit dem Tiefpassfilter am wirkungsvollsten auszusieben.

Trotz aller Kritik an der spartanischen Ausstattung des A Mix EQ-Plug-ins, weiß sich der Equalizer in Sachen Klang und Frequenzkorrektur sehr gut zu behaupten. Er liefert einen ausgewogenen Klang, der jeden Frequenzbereich in optimaler Weise dämpft und verstärkt. Durch den Q-Regler vermögen die Passfilter kraftvoll Frequenzen herauszunehmen. Den Shelving-Filtern lässt sich durch Einstellungen am Q-Regler ebenfalls ein Overshoot hinzufügen, der den Signalen um die Einsatzfrequenz des Filters etwas mehr Präsenz verleiht. Moderat eingesetzt besitzen die Shelving-Filter in den Höhen fast dieselbe Luftigkeit wie der Oxford Equalizer. Anhebungen im Bassbereich hingegen geraten ähnlich druckvoll wie beim Cambridge Equalizer. Die parametrischen Filter erzeugen bei Verstärkungen ebenfalls eine merkbare Anhebung der Nachbarfrequenzen, die vom Filter mit beeinflusst werden. Jedoch gerät dies nicht so deutlich wie etwa beim Sonalksis-Equalizer. Alles in allem schmeichelt der A Mix EQ anliegenden Signalen und offeriert für alle Frequenzbereiche automatisch den passenden angenehmen Klang, der sowohl für Wärme in Bässen und Mitten als auch für einen edlen Glanz in den Höhen sorgt. 

Fazit

Das Ergebnis dieses Vergleichstests kann nur wie folgt lauten: Eine Rundum-Universallösung gibt es nicht. Ähnlich wie ein Bildhauer zur Anfertigung einer Skulptur eine Anzahl unterschiedlicher Meißel benötigt, empfehlen wir die Anschaffung mehrerer Equalizer-Plug-ins. Aufnahmen, die in ihrem Klang bereits optimal sind und lediglich aus Transparenzgründen frequenzkorrigiert werden müssen, sollten mit einem neutral klingenden Equalizer bearbeitet werden. Möchten Sie Ihren Aufnahmen mehr Wärme oder Charakter verleihen, empfiehlt sich ein eher klangfärbender Equalizer. Mit dieser Kombination ist man für alle Eventualitäten im virtuellen Studio somit bestens gerüstet. Die Entscheidung für ein Produkt oder eine Kombination hängt natürlich in erster Linie vom eigenen Geschmack ab. Die hier getesteten Produkte haben im Test jedenfalls einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen.

Erschienen in Ausgabe 07/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 239 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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