Schon gehört?

Sie gehören ins Studio wie der Taktstrich aufs Notenblatt: Kopfhörer. Zwölf Modelle empfehlen sich für Ihre Studioarbeit, unser Test sagt Ihnen, welche Sie getrost aufsetzen können.

Von Harald Wittig

Es gibt grundsätzlich zwei Bereiche, in denen ein Kopfhörer eingesetzt wird: Da ist zunächst die eigentliche Aufnahme, wobei der Kopfhörer vor allem beim Einspielen oder Einsingen von Overdubs praktisch unverzichtbar ist. Der zweite Bereich ist das Mischen. Auch wenn Sie für den eigentlichen Endmix letztlich auf Ihre Monitore vertrauen sollten – um einzelne Spuren sorgfältig auf Details und etwaige Spiel- und Intonationsfehler zu untersuchen, ist ein Kontrolle mit einem guten Kopfhörer empfehlenswert. Schließlich kommen Sie in der Live-Situation wegen des üblichen Umgebungslärms um einen Kopfhörer nicht herum, um einen guten Live-Sound zur Freude Ihres Publikums zu schaffen. Die Ansprüche an einen professionellen Kopfhörer sind also vielfältig und sehr hoch. Um Ihnen die Qual der Wahl zu erleichtern, hat Professional audio Magazin zwölf Kopfhörer eingehend im Messlabor untersucht und natürlich intensiv gehört. Die Preisspanne reicht von 45 bis knapp 250 Euro pro Stück, wobei wir sowohl Modelle etablierter Hersteller wie auch weniger bekannte Produkte ausgewählt haben. Alle Testhörer arbeiten mit dem dynamischen Wandlerprinzip. Das erheblich aufwändigere elektrostatische Wandlerprinzip kommt hingegen nur bei sehr teuren Kopfhörern zum Einsatz. Ein herausragendes Mitglied dieser Gattung, der Stax SRM-006t, diente für den Hör- und Praxistest als Referenz und Bezugshörer. Die zweite und auch letzte Gemeinsamkeit der Testkandidaten: Sie sind alle kabelgebunden – im Unterschied zu drahtlosen Systemen. Ansonsten unterschieden sie sich in wesentlichen Punkten.

Mehrheitlich handelt es sich bei den getesteten Kopfhörern um geschlossene Systeme. Das bedeutet, dass sich die Polster der Hörer komplett um die Ohrmuschel legen und die Ohren komplett abschirmen. Das Ohr wird dadurch nicht mehr von externen Schallquellen abgelenkt. Solche Hörer eignen sich dadurch optimal für Live-Einsätze. Gleichzeitig schirmt das geschlossene System den vom Kopfhörer produzierten Schall nach außen ab. Ein geschlossenes System ist damit bestens für die Aufnahme von Overdubs mit einem Mikrofon geeignet. Hier ist es unerwünscht, wenn Teile des Playbacks mit aufgezeichnet werden.
Nachteil: Bei längerem Betrieb kommt es systembedingt zum Wärmestau. Instrumentalisten und Sänger sollten daher regelmäßige Pausen einlegen. Offene Systeme schirmen die Ohren nicht ab, auch wenn die Polster die Ohrmuschel umschließen. Sie lassen den Schall nach außen dringen, der Träger des Kopfhörers kann gleichzeitig auch externe Geräusche wahrnehmen. Deswegen ist dieser Typ für Mikrofonaufnahmen und den Live-Einsatz ungeeignet. Allerdings können offene Kopfhörer hervorragend fürs Monitoring geeignet sein.

Das Beste beider Welten versuchen die Hersteller mit den halboffenen Kopfhörern zu verbinden. Diese bieten einen ähnlichen Tragekomfort wie die offenen, schirmen aber besser ab. Gerade Sänger schätzen halboffene Systeme. Denn mitunter werden diese oft unsicher in der Intonation, wenn sie ihre Stimme bei geschlossenen Systemen ungewohnt im Kopf hören. Allerdings bietet sich hier nicht jeder halboffene Kopfhörer an. Oft verwechselt und durcheinander gewürfelt werden nämlich die Begriffe „halboffen/offen“ und „ohrumschließend/ohraufliegend“. Ohraufliegend bedeutet lediglich, dass die Polster auf den Ohren liegen, sie also nicht umschließen. Ohraufliegende Kopfhörer können durchaus in geschlossener Bauweise (Behringer HPS5000 und Sennheiser Hp 25 1) konstruiert sein. Genauso kann ein offener Kopfhörer ohrumschließende Polster haben. Der AKG 240 K und der Beyerdynamic DT-880 sind halboffen mit ohrumschließenden Polstern. Damit lassen sie wenig Schall nach außen dringen, ohne das Ohr völlig abzuschirmen. Daher sind beide für Sänger eine mögliche Alternative, wenngleich ein halboffener Kopfhörer immer ein wenig Schall nach außen dringen lässt.
Da halboffene Systeme nicht komplett abschirmen, sind sie für Live-Monitoring ungeeignet. Das gilt auch für die ohrumschließenden, halboffenen Hörer. Auch ein geschlossener Kopfhörer kann für diesen Bereich ungeeignet sein. Der Behringer HPS-5000 und der Sennheiser HP 25-1 liegen nämlich auf den Ohren auf und schirmen diese deswegen nicht ganz nach außen ab.

Ein dynamischer Kopfhörer ist üblicherweise bequem zu transportieren und der Benutzer möchte ihn natürlich an die unterschiedlichsten Signalquellen anschließen können. Tragbare CD- und mp3-Player bieten üblicherweise lediglich einen Mini-Stereoklinken-Eingang. Außerdem setzten nicht nur Amateure immer häufiger Laptops bei der Musik-Produktion ein (Stichwort: mobiles Studio). Diese haben aber ebenfalls in der Regel einen Anschluss für die kleine 3,5 mm Klinke. Da ist es natürlich wünschenswert, wenn Sie Ihren Lieblingskopfhörer problemlos anschließen können. Bis auf den Audio-Technica ATH-M40fs, der sich mit einer 6,3 mm Klinke begnügt – die passenden Buchsen sind natürlich Studio-Standard – haben alle Kopfhörer Minklinkenstecker. Auf diese ist ein großer Klinkenadapter aufgesetzt. Dieser ist bei fast allen fest verschraubt. Lediglich der HD 25-1 von Sennheiser hat nur einen aufgesteckten Adapter. Hier müssen Sie hin und wieder überprüfen, ob der Kontakt zwischen Adapter und Stecker wirklich fest ist. Bei den AKGs, den Beyerdynamics, Fischer HP 1 Pro, dem Sennheiser HD 280 und dem SONY MDR-7506 sind diese Adapter zusätzlich vergoldet, während die Schraubadapter der anderen Testkandidaten nur vernickelt sind.

Für Studio- und Live-Betrieb ist ein einseitig geführtes Kabel sehr praktisch, da der Kopfhörer so schnell auf- und abgesetzt werden kann. So genannte „Y-Kabel“ (Audio Technica) sind billiger in der Herstellung, dafür vor allem dann, wenn es schnell gehen muss, unpraktisch. Das Kabel sollte eine gute Länge haben, drei Meter dürfen es schon sein – immerhin möchten Sie sich auch mal bewegen können, ohne gleich die Verbindung zur Signalquelle zu unterbrechen. Auch wenn Sie mit einem glatten Kabeln gut zurechtkommen, so hat ein Spiral-Kabel im Studioalltag Vorteile: Es passt seine Länge den Bedürfnissen stufenlos an, ist ansonsten aber kurz genug, so dass Kabelsalat vermieden werden kann. Der Behringer HPS-5000, die beiden Beyerdynamics, Fischer HP 1 Pro, der Sennheiser HP 280 Pro und der SONY MDR-7506 haben solche Spiral-Kabel. Im Studio und Live kann es schon mal hoch her gehen und hektisch werden. Zum Beispiel ist es nicht selten, dass das Kopfhörer-Kabel von dem Regiestuhl überfahren wird und der Kabelbruch ist zu Ihrem Leidwesen perfekt. Da freuen Sie sich natürlich über ein einfach auszuwechselndes Kabel. Beim Sennheiser HD 25 1 und den drei AKGs ist ein Austausch vergleichsweise einfach, da deren Kabel gesteckt sind. Allerdings lässt sich die Verbindung nur bei den AKGs wirklich bequem lösen: Diese haben einen Mini-XLR-Stecker. Das Kabel ist in Sekundenschnelle mittels der Druckknopf-Kupplung abgezogen und ausgetauscht. Beim Sennheiser dauert dies länger und erfordert mehr Kraft. Im Übrigen wirken die kleinen Gabel-Stecker nicht sehr vertrauen erweckend und etwas instabil.

Der Fischer HP 1 Pro ist der einzige Kopfhörer, der einen eigenen Lautstärkeregler hat. Wenn Sie den Pegel der Signalquelle nicht herunterregeln können, ist dieses Ausstattungsdetail durchaus nützlich, zumal der Regler notfalls auch mit einem Finger verstellt werden kann. Vor allem der DJ wird sich hierüber freuen.Etwas ganz Besonderes hat der AKG K 271 zu bieten: Eine eingebaute Abschaltautomatik. Sobald Sie den Kopfhörer absetzen, wird die Verbindung zur Signalquelle unterbrochen, der Hörer verstummt. Beim Monitoring ist dies nützlich, wenn Sie beim Abhören der Spuren zwischen Kopfhörer und Abhöranlage wechseln. So werden Sie vom Zischeln des Kopfhörers nicht abgelenkt, wenn Sie den Mix über Ihre Abhöranlage sorgfältigst überprüfen. Für DJs , die bei der Arbeit oft einen Kopfhörer nur ans Ohr ansetzen, um ein zweites Signal für den Livemix mitzuhören, ist die Automatik allerdings unpraktisch.

Sie tragen den Kopfhörer live und während einer Produktion meistens sehr lange, deswegen sollte er sich bestmöglich an Ihre Kopfform anpassen lassen und nicht drücken. Bei den ohraufliegenden Modellen verdienen sich die AKGs K 240 und 271 und der Beyerdynamic DT-880 Bestnoten. Während die AKGs mit ihrem patentierten, selbstjustierenden Bügelband auf wirklich jeden Kopf passen, ohne dass sie lange justieren müssen, ist der DT 880 federleicht und seine weichen Viskose-Polster nehmen Sie kaum wahr. Auch der Sony MDR-7506 und der Beyerdynamic DT-990 tragen sich sehr gut und sitzen leicht und sicher.

Gute Noten auch für die beiden Hörer von Audio-Technica, wobei der ATH-910 PRO subjektiv wegen seines geringen Gewichtes eine Nasenspitze vorne liegt. Der Sennheiser HD 280 Pro bietet dann hohen Tragekomfort, wenn Ihre Kopfform dazu passt: Sein gerader, steifer Bügel lässt sich wenig justieren, so dass er entweder angenehm aufsitzt oder auf den Scheitel drückt. Hier heißt es also ausprobieren. Der Fischer HP 1 Pro schirmt zwar sehr gut ab, dafür trägt er sich recht unangenehm. Er sitzt sehr straff, lässt sich kaum anpassen und drückt sowohl auf die Ohren und zuweilen auf dem Kopf.Die ohraufliegenden Kopfhörer tragen sich im Allgemeinen weniger angenehm. Dass aber auch bei dieser Bauweise ein vergleichsweise hoher Tragekomfort möglich ist, beweist AKG mit dem K 141, denn auch er hat das selbstjustierende Bügelband. Der Sennheiser HD 25-1 hingegen sitzt ziemlich straff, ist aber schön leicht, so dass er erst nach längerem Tragen unbequem wird. Schlusslicht ist der Behringer HPS-5000: Seine Ohrmuscheln sitzen extrem ungleichmäßig – hier lässt sich auch nichts zurechtbiegen. Er drückt oberhalb der Ohren und auf dem Kopf und wird schon nach kürzester Zeit lästig.

Der Frequenzgang eines Kopfhörers kann erstaunlich viel über seinen Klang aussagen – wenn er richtig gemessen wird. Die Messungen bringen Verblüffendes zu Tage – im Guten wie im Schlechten. Zunächst sehen wir uns die Kopfhörer an, deren Messergebnisse gut oder besser sind:

Als Star im Testlabor tut sich der Beyerdynamic DT-880 hervor: Sein Frequenzgang verläuft vorbildlich linear, ab fünf Kilohertz wie mit dem Lineal gezogen. Sein Bruder DT-990 weist hingegen eine deutliche Anhebung im Bassbereich mit einem Maximum bei 55 Hertz auf, ansonsten ist der Kurvenverlauf ebenfalls sehr gut. Die drei AKGs erlauben sich ebenfalls messtechnisch keine Schwächen. Der K 271 kommt dem DT-880 sehr nahe, trotz einer leichten Anhebung im Mittenbereich bei 350 bis 500 Hertz und einem sanften Abfall unterhalb 50 Hertz. Ähnliches gilt auch für seine Geschwister K 141 und K 240. Bei beiden geht lediglich der Höhenpegel ab etwa acht Kilohertz nach oben. Sehr ausgeglichen ist auch der Frequenzgang des Sony MDR-7506, er übertrifft den guten Sennheiser HD 280 Pro, der ab 50 Hertz die Bässe deutlich anhebt. Der kleinere Sennheiser, der HD 25-1 hebt hingegen die Höhen ab acht Kilohertz an, sein Frequenzgang ist gleichwohl gut. Gleiches gilt für den Audio-Technica ATH-910 Pro, der allerdings im Bassbereich ab 50 Hertz abfällt.

Das Mittelfeld teilen sich der Audio-Technica ATH-M40fs und der Fischer HP1 Pro. Der ATH-M40fs hat einen deutlich erkennbaren Mittenbauch. Insgesamt ist sein Frequenzgang nicht schlecht, dennoch reicht es hier nicht ganz für ein „gut“. Der Fischer verpasst ebenfalls das “gut“.. Grund: Die starke Pegelanhebung zwischen acht und neun Kilohertz. Bs auf diesen Schnitzer verläuft die Kurve nahezu vorbildlich. Nur für ein „ausreichend“ reicht es bei dem billigsten Kopfhörer im Test, dem Behringer HPS-5000. Der Frequenzgang des Behringer wäre an sich gar nicht so schlecht, ließen sich die Membranen besser an die Ohren ankoppeln.

Die aufwändigen Messungen bereiteten die Testhörer gut für die Höhr-Sessions vor: Denn diese müssen ähnlich wie Lautsprecher eingespielt werden.

Als Referenz- und Bezugshörer diente der STAX SRM-006t. Wegen seiner extrem guten Auflösung, die auch winzigste Details offenbart, seiner hervorragenden Darstellung des Raumklangs und seiner allgemein ausgezeichneten Klangqualität, zogen wir ihn regelmäßig zu Rate, um eine endgültige Sicherheit bei unseren Hörergebnisse zu erreichen. An Musik wählten wir Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Bereichen (Klassik, Jazz, akustische und elektronische Musik, Rock und Pop aus). Die Musik ließen wir uns von dem Masterrekorder Alesis ML-9600 zuspielen, der hier ein wenig unterfordert als sehr guter CD-Player zu Einsatz kommt.

Damit es für Sie übersichtlich bleibt, stellen wir Ihnen im Folgenden die Ergebnisse unserer Hörtests für jeden Kopfhörer nacheinander vor. Dabei gehen wir alphabetisch, entsprechend der Übersichts-Tabelle auf den Seiten 32 und 33 vor. Dies ist letztlich übersichtlicher als eine Sortierung nach den erzielten Bewertungen.

AKG K 141: hat eine gute Auflösung, seine Klangcharakteristik ist grundsätzlich neutral, wobei die Tendenz eher dezent hell und präsent ist. Sein Bassverhalten ist gut, Bässe kommen präzise und sehr trocken, allerdings gibt er sich beim Tiefbass zurückhaltend. Dies verschlankt den Bass ein wenig, dafür wird er zu keiner Zeit dominant. Bei den Höhen wirkt er eine Idee zu präsent, was das Timbre von Stimmen, aber auch Streichern und Bläser ein Spur schärfer macht. Allerdings erklingen auch sehr hohe Instrumente nie schrill. Das Stereopanorama wirkt er bei guter Kanaltrennung etwas eng, zur Mitte hin vorschoben. Insgesamt ein guter, recht neutral klingender Kopfhörer, der beim Monitoring gute Dienste leistet.

AKG K 240: wirkt auch ein wenig präsent, insgesamt ist er aber neutraler und löst feiner auf als der kleinere K 141. Sein Bassverhalten ist sehr gut: Bässe kommen präzise und konturiert, er reicht tief hinab, ohne Tiefbässe ausbrechen zu lassen, die oberen Bässe kommen klar und neutral. In den Höhen klingt er fein und luftig. Eine leichte Höhenpräsenz geht auf Kosten der Mitten, was Stimmen ein wenig rauer und zum Beispiel Konzertgitarre und Flügel schärfer beziehungsweise gläserner macht. Das Stereopanorama erklingt offen und breit, die Trennung der Kanäle ist sehr gut. Ein empfehlenswerter Kopfhörer für Monitoring.

AKG K 271: Seine Auflösung ist sehr gut, dem K 271 entgehen auch kleine Details nicht. Er ist außergewöhnlich neutral, wobei er im Gegensatz zum K 240 keine Schwächen im Mittenbereich aufweist. Sein Bassverhalten ist vorbildlich: Er bildet Bässe sehr konturiert und kantenscharf ab und erlaubt auch bei sehr breiten Bässen (gestrichener Kontrabass) kein Ausbrechen. Seine Höhen klingen sehr sauber ohne störende Überbetonung bestimmter Frequenzbereiche. Streicher klingen füllig und geschmeidig, Becken niemals scharf und zischelnd. Das Stereopanorama ist breit und offen, die Trennschärfe geht auch bei schwieriger Musik, zum Beispiel sehr basslastiger Pop- und Rockmusik nie verloren. Ein echter Allrounder, der im Studio und Live immer bestens in Form ist.

Audio-Technica ATH-M40fs: klingt grundsätzlich recht neutral bei guter Auflösung, schwächelt aber bei Bässen und Höhen. Der Grund hierfür ist seine deutlich hörbare Mittenbetonung, die Höhen und Tiefen etwas zurückdrängen. Sein Bassverhalten ist gut, denn die Bässe kommen trocken und ausgewogen, erstaunlich tiefe Bässe schafft der Kopfhörer auch. Die Höhen klingen manchmal etwas scharf, weniger bei Stimmen, dafür aber bei hohen Bläsern (Flöte in der dritten Oktave). Das Stereopanorama stellt er gut dar: Nicht allzu weit und offen, aber auch nicht schmal. Sicherlich ein guter Kopfhörer, mit dem sich gut im Studio und live arbeiten lässt.
Audio-Technica ATH-910 PRO: löst recht gut und fein auf, er hat ebenfalls eine leichte Mittigkeit im Klang wie der ATH-M40fs, verfärbt allerdings weniger. Er ist also insgesamt neutraler. Bässe kommen klar und konturiert, allerdings schafft es der ATH-910 PRO nicht, Tiefbässe darzustellen. Deswegen fehlt es Bässen mitunter ein wenig an Substanz und Körper. Auch wenn er bei Instrumenten wie Gitarre und Flügel tendenziell die Obertöne ein wenig unterdrückt, erweist er sich bei der Höhendarstellung als sehr feinfühlig und zart. Bekäme er auch die Obertöne in den Griff wäre er sogar ein richtig guter Hörer. Sein Klang ist schließlich sehr räumlich, allenfalls ein wenig distanziert/fern. Die Kanaltrennung ist gut. Insgesamt ein guter Kopfhörer, der durchweg gute Leistungsnoten verdient und vielseitig einsetzbar ist.

Behringer HPS-5000: Der Klang des Behringer ist unangenehm blechern und metallisch verfärbt, die Auflösung ist nur befriedigend, Feinheiten wie dezente Atemgeräusche entgehen ihm. Sein Tieftonsverhalten wäre grundsätzlich nicht schlecht, da er Bässe konturiert und fokussiert wiedergibt. Da der Kopfhörer nicht richtig an die Ohren angepasst werden kann, schwächeln Bässe hörbar: Ein Kontrabass wird zum Cello. Die Höhen wirken flach und leblos, da die Darstellung des Hochton-Bereichs nicht ausgewogen und gleichmäßig ist. Bei der Darstellung des Stereopanoramas kann der HPS-5000 nicht überzeugen: Der Klang wirkt flach und zweidimensional, die Kanaltrennung ist schwach und führt bei sehr starken Impulsen zu einem eigenartigen Ping-Pong-Effekt. Dieser Kopfhörer kann trotz seines niedrigen Preises angesichts seines nur ausreichenden Klanges nicht empfohlen werden.

Beyerdynamic DT-880: Er löst sehr fein und detailgenau auf, unabhängig von der Musik bleibt er sehr neutral, sein Klangbild ist in der Grundtendenz eher hell. Beim Bassverhalten liegt der DT-880 gleichauf mit dem AKG K 271: Er beherrscht auch kritische, sehr breite und prominente Bässe, bringt diese stets punktgenau und klingt sehr klar und sauber. Höhen klingen sehr fein, störende Präsenzen machen wir nicht aus. Das Stereobild ist bei sehr guter Kanaltrennung durchaus gut, jedoch nicht sehr offen. Die Kanäle werden direkt auf die Ohren geleitet. Aufgrund seiner halboffenen Bauweise ist er nicht für Live-Monitoring geeignet, im Studio ist er aber wegen seiner bemerkenswerten Neutralität ein exzellenter Hörer für Monitoring.

Beyerdynamic DT-990: Bei der Auflösung setzt sich der DT-990 deutlich von den meisten Testkandidaten ab: Wir konnten selbst nicht glauben, dass es sich nur um einen dynamischen Kopfhörer handelt. Allenfalls der AKG K 271 kommt dem DT-990 insoweit nahe, ohne ihn zu erreichen. Die Höhen kommen klar und präzise, ohne jede Spur von unangenehmen Präsenzen. Sänger, Streicher, Bläser – das Timbre bleibt stets rund. Was der Kopfhörer in nden Höhen leistet hat Elektrostaten-Niveau. Dies gilt auch bei der Räumlichkeit: Die Ortbarkeit ist außergewöhnlich gut, sozusagen ohrläppchengenau. Die einzige Schwäche, die sich der DT-990 leistet, ist eine Überbetonung der Bässe. Sie reichen sehr tief hinab und klingen klar und sehr kantenscharf wieder, dennoch macht der DT 990 zuweilen zu viel des Guten und bläht die unteren Lagen zu sehr auf.. Dennoch ist der DT 990 einen vorzüglichen Kopfhörer, der fürs Monitoring eine gute Wahl ist.

Fischer HP1 Pro: löst sehr gut auf, allerdings neigt er zu einer Präsenzanhebung die auf Kosten der Neutralität geht. Bässen gibt er klar und konturiert wieder und reicht auch tief hinab. Allerdings wirken Bässe ein wenig verschlankt. Problematisch beim HP1 Pro sind die Höhen: Durch die hörbare Pegelanhebung im Bereich von zwischen acht und neun Kilohertz wirken diese sehr vordergründig. Hier können vor allem Streicher und hohe Bläser schrill klingen, Becken zischen unangenehm. Dadurch treten auch die guten Bässe zurück. Die Kanaltrennung des HP1 Pro ist gut bis sehr gut, allerdings wirkt er sehr direkt und wenig offen bei der Darstellung des Stereopanoramas. Für Monitoring sollten Sie den Fischer nicht einsetzen, im Live-Einsatz werden Sie aber seinen Lautstärke-Regler schätzen lernen.
Sennheiser HD 25-1: Der Kopfhörer ist laut. Seien Sie also vorsichtig und regeln den Pegel des Signalgebers entsprechend zurück. Die Auflösung ist gut, aber nicht überragend, kleine Details entgehen dem HD 25-1. Vor allem die Bässe können aber gefallen, obwohl sie nicht allzu tief hinunter reichen. Die Höhen kommen sehr präsent, mitunter fast schrill. Dadurch klingt ein Flügel sehr gläsern, auch eine im Nagelanschlag gespielte Konzertgitarre wird schärfer, der Ton verliert an Wärme. Die Kanaltrennung des HD 25-1 ist gut, allerdings macht er Räume ein wenig eng, zumal er das Signal sehr direkt auf die Ohren ausgibt. Als Monitorhörer ist er bedingt geeignet.

Sennheiser HD 280 Pro: Der große Sennheiser klingt auch erwachsener als sein kleiner Bruder: Die Auflösung entspricht der des AKG K 271, lediglich der Beyerdynamic DT-990 kann es noch besser. Bässe bringt er sehr druckvoll und sauber – gerade DJs wissen dies zu schätzen. Bei klassischer oder akustischer Musik trägt er aber zu dick auf. Die Höhen sind präsent, aber fein aufgelöst, ein Fünkchen mehr an Wärme und der HD 280 Pro wäre hier ganz vorne. Die Raumdarstellung ist erfreulich weit und offen, bei hoher Trennschärfe. Der HD 280 Pro empfiehlt sich besonders für Musiker und DJs, die druckvolle Bässe wünschen.
Sony MDR-7506: Der Sony verhält sich weitgehend neutral, sein Klang wirkt lediglich eine Winzigkeit zu präsent. Die Auflösung ist gut bis sehr gut, insoweit kann er sich mit den Besten im Test messen. Ausgezeichnet ist das Bassverhalten des MDR-7506: Seine Bässe sind immer konturiert und verlieren nie an Substanz, da er auch Tiefbässe gut darstellen kann. Bei den Höhen leistet sich der Kopfhörer keine gravierenden Schwächen, diese erscheinen allenfalls etwas vordergründig. Dies wird nicht jeden stören, da er die Mitten angemessen würdigt. Die Trennschärfe des Sony ist sehr gut und macht sich gerade bei der Darstellung des Stereopanoramas bemerkbar: Die räumliche Staffelung von Sängern und Instrumentalisten im Raum ist sehr schön nachvollziehbar. Der MDR-7506 ist also ein Allrounder, der vielseitig einsetzbar ist.

Bei den geschlossenen Kopfhörern teilen sich der AKG K 271 und der Sony MDR-7406 das Siegertreppchen: Beide sind vielseitig im Studio- und im Live-Betrieb einsetzbar, wobei der AKG mit seiner sehr guten Ausstattung und vor allem seiner außergewöhnlichen Neutralität um ein Öhrchen vorne liegt. Dafür bekommen Sie den Sony günstiger. Bei den offenen und halboffenen Systemen sind die beiden Beyerdynamics klare Sieger. Würde es Beyerdynamic schaffen, die unübertroffene Auflösung und die vorzügliche Höhendarstellung des DT-990 mit dem Bassverhalten des DT-880 zu verbinden, wäre der absolute Traumhörer für anspruchsvollstes Monitoring geboren. Wem der DT-880 zu teuer ist, bekommt mit dem AKG K 240 einen guten Hörer, der zwar klanglich nicht ganz an den DT-880 heranreicht, dafür sehr gut ausgestattet ist und mit einem Preis von nur 145 Euro fast ein Schnäppchen ist. Wenn Sie einen kostengünstigen, guten Kopfhörer suchen, sind die Audio-Technicas eine gute Wahl: Der ATH M40fs ist für knapp 100 Euro erhältlich und zeigt sich den meisten Aufgaben gewachsen. Für rund 20 Euro mehr erwerben sie mit dem ATH-910 Pro einen guten Allround-Hörer, der den klanglich besseren Sennheiser HD 280 Pro beim Tragekomfort schlägt. Ansonsten ist letzterer gerade für Freunde der mächtigen Bässe eine Empfehlung wert. Trotz seines praktischen Lautstärkereglers ist der Fischer HP1 Pro nur denen zu empfehlen, die gerade hierauf Wert legen. Als zweitteuerster Hörer im Test, hat er sich nur ein „ausreichend“ im Preis-/Leistungsverhältnis verdient. Bei den ohraufliegenden Systemen kann der AKG K 141 am Besten gefallen: Er klingt gut, trägt sich angenehm und kostet genau so viel wie der Sennheiser HP 25-1, der dem AKG in allen wesentlichen Punkten unterlegen ist. Der einzige Ausreißer im Test ist der Behringer HPS-5000: Er klingt nur ausreichend, sein Tragekomfort ist mangelhaft. Auch wenn er mit seinem niedrigen Preis lockt: Investieren Sie besser geringfügig mehr und kaufen Sie sich einen guten Kopfhörer. Die Wahl wird Ihnen nicht schwer fallen.

Erschienen in Ausgabe 06/2006

Preisklasse: Spitzenklasse
Preis: 185 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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