Lautstark

Angeblich kann man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir wagen es dennoch – mit überraschendem Ergebnis

Von Hans-Günther Beer

Wenn eine Mikrofonaufnahme besonders gut werden soll, greift der erfahrene Recording-Ingenieur nicht nur zu besonders geeigneten Mikrofonen, sondern fast immer auch zu einem spezielle, separaten Mikrofonvorverstärker erlesener Qualität. Doch die Anforderungen an einen solchen Vorverstärker sind höchst unterschiedlich. Manche bevorzugen den Draht mit Verstärkung, setzen also auf lupenreine Puristengeräte, andere wünschen sich die eierlegende Wollmilchsau, weil sie den Klang schon bei der Aufnahme manipulieren und verbessern wollen. Professional audio Magazin untersucht deshalb in einem umfangreichen Test acht unterschiedliche Vertreter dieser Produktgattung inklusive eines Audio-Interfaces, die stellvertretend für das Gesamtangebot die Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen. Unterschiede gibt es in der Konzeption der Testteilnehmer wie auch im Preis. Das Preisspektrum reicht von erstaunlich niedrigen 69 Euro für den einkanaligen Behringer Röhrenvorverstärker bis hin zum vierkanaligen Focusrite für 2300 Euro. Ein üblicher Vergleichstest verbietet sich daher zwar, dennoch findet der Hörtest gemeinsam statt, um die Relationen untereinander heraus zuarbeiten. Die Ergebnisse überraschen teilweise.

 

Der Klangschmeichler

Für den Gegenwert eines einfachen Dinners zu zweit beim Italiener bietet Behringer mit dem Tube Ultragain Mic200 einen vollständig ausgestatteten Mikrofonvorverstärker mit Röhrenstufe an (siehe Steckbrief). Das kleine, beachtlich gut verarbeitete Kästchen verfügt neben vier Drucktasten und einer praxisgerechten LED-Kette für die Aussteuerung über drei nostalgisch designte Drehknöpfe. Zwei davon arbeiten als Pegelregler, einen für den Eingang, der andere für den Ausgang, ein 16-stufiger Drehschalter, mit dem sich 15 verschiedene Soundeinstellungen, mit und ohne Limiter anwählen lassen, komplettiert das Trio. Steht der auf neutral, arbeitet der Behringer ohne jegliche Klangbeeinflussung. Doch von Neutralität kann dabei keine Rede sein – was auch gar nicht die Absicht der Entwickler war. Denn je nach Einstellungs-Verhältnis der beiden Pegelregler zueinander, mischt sich in den die unteren Mitten betonenden Klangcharakter mehr oder weniger Silberglanz in den oberen Mitten, der allerdings nie scharf oder unangenehm klingt. Stimmen spendiert der kleine Flachmann dadurch neben der Wärme eine Prise Präsenz und auch mehr Kraft. Überraschend ist, wie gut dies von Natur aus etwas dünn klingenden Stimmen tut – das Herumschrauben an Kompressoren und Equalizern kann oft entfallen. Der kleine Verstärker, den Behringer als Vacuum Tube Modelling Preamplifier bezeichnet, entpuppt sich hier als kostengünstiger Problemlöser. In den Höhen und in Sachen Auflösungsvermögen kann er allerdings mit keinem der anderen Teilnehmer dieses Testes mithalten. Es fehlt ihm hörbar an Luftigkeit und Transparenz. Griffgeräusche bei Gitarren oder feine Beckenschläge verlieren an Details und Ausdruck. Dies darf angesichts des Preises nicht überraschen und fällt auch nur im direkten Vergleich so deutlich auf. Erstaunlich andererseits, wie viel Kraft und Saft der kleine Behringen in den oberen Bässen liefern kann, ohne allerdings wirklich in den Bass-Keller hinab zu steigen. Benutzt man den Behringer als DI-Box und schließt eine Gitarre direkt an die Klinkenbuchse auf der Rückseite an, erweist sich der Mode-Schalter mit seinen 15 Sound-Einstellungen als leistungsfähiger Klangmanipulator. Das Herumspielen an den Reglern macht mehr als nur Laune und bietet ernsthaften Klangtüftlern viele Möglichkeiten, an die man sich allerdings erst herantasten muss.

Fazit: Der Behringer Tube Ultragain Mic200 will kein neutral klingender Mikrofon-Vorverstärker sein und ist es auch nicht. Er macht angenehmen Sound und kann so mancher Aufnahme den gewünschten Pepp einhauchen. Im Gerätepark eines Home-Recording-Studios macht er eine gute Figur. Und da das kleine Kistchen nur 65 Euro kostet, ist ein Fehlkauf ausgeschlossen.

 

Der Vielseitige

Mit vier identischen, sehr üppig ausgestatteten  Verstärkerzügen wartet der britische Focusrite ISA 428 auf. Auf der dunkelblauen Front des mit 7 Kilogramm recht schweren Gerätes dominieren die vier großen, beleuchteten und sehr gut ablesbaren Zeigerinstrumente, die in der Praxis dank schneller Reaktionszeiten eine echte Hilfe für präzises Aussteuern sind. Dies ist besonders wichtig beim Ansteuern einer Digital Audio Workstation oder eines Digitalmischpultes, denn dafür ist der ISA 428 konzipiert. Allerdings benötigt man dafür den optionalen AD-Konverter, der seine Heimat in einem speziellen Schacht auf der Rückseite findet. Dieser Konverter (Preis: ca. 900 Euro) kann bis zu einem Samplingfrequenz von 96 kHz acht analoge Kanäle digital wandeln und ist damit für einen einzigen ISA 428 überdimensioniert. Deshalb besitzt der clevere Brite auf seiner Rückseite vier spezielle Analogeingänge (ADC 5 bis 8), die nur bei installierter Erweiterungskarte aktiv sind. Dort lassen sich via XLR-Kabel die Analogausgänge eines zweiten ISA 428 anschließen. Die Karte selbst bietet die acht Kanäle, von denen bei einer Samplingfrequenz von 192 kHz noch vier übrig bleiben, via zweier ADAT-Lichtleiteranschlüsse oder über zwei 9-polige D-Sub-Buchsen im AES beziehungsweise im SPDIF-Format in digitaler Form an. Da den Entwicklern eine korrekte Aussteuerung des aufzeichnenden Recorders äußerst wichtig erscheint, statteten sie den ISA 428 mit zusätzlichen acht sechs-stufigen LED-Ketten für die acht Digital-Eingänge aus. Ohne installierte D-A-Karte arbeiten vier davon parallel zu den analogen Zeigerinstrumenten. Außer Funktion ist übrigens dann auch der Softlimiter der digitales Übersteuern verhindern soll.
Sehr üppig statteten die Entwickler jeden der vier Verstärkerzüge aus. So lassen sich drei Eingänge, Mikrophon, Line und Instrument – auf der Front via Klinkenbuchse anzuschließen – per Druck auf sanft klickende Tasten per Relais anwählen, die Rückmeldung erfolgt jeweils per LED. Darüber hinaus kann man den mit einem Eingangsübertrager des schwedischen Trafospezialisten Lundahl ausgestattete Mikrofoneingang nicht nur in der Phase drehen, sonder auch in seiner Eingangsimpedanz in vier Stufen umschalten. Damit können Mikrofone unterschiedlicher Bauart und Ausgangsimpedanz ganz individuell und feinfühlig angepasst und damit auch die Klangeigenschaften der Mikrofon-Vorverstärker-Kombination in gewissen Grenzen verändert werden – ein äußerst praxisnahes Feature. Sehr praktisch legte Focusrite die so genannte Gain-Sektion zum Aussteuern der Eingänge aus. Die Kombination aus vierstufigem Drehschalter und feinfühligem Trimmregler beherrscht auch unterschiedliche Mikrofonausgangspegel souverän. Das Aussteuern mit den zwar etwas klein geratenen, aber dennoch griffigen Drehknöpfen aus der Messgerätetechnik gerät damit zum Kinderspiel. Ist die Eingangsspannung zu gering hilft eine per Tastendruck zuschaltbare Verstärkung um 30 Dezibel.
Komplettiert wird die umfangreiche Ausstattung durch schaltbare Insert-Send und Insert-Return Ein -und Ausgänge pro Kanal. Damit lassen sich externe Effektgeräte wie Hallgeräte oder Equalizer in den Signalweg einschleifen. Der Umgang mit den vielfältigen  Schalt- und Regelfunktionen auf der trotz der Fülle an Bedienungselementen übersichtlich gestalteten Front geht leicht von der Hand und macht Spaß. Im Messlabor macht der Ausstattungsriese erwartungsgemäß eine sehr gute Figur. Der Mikrofoneingang gerät mit einer Eingangsempfindlichkeit von -75 dBu enorm sensibel und kommt  auch mit leisesten Mikrofonsignalen zu Recht. Gleichzeitig verträgt der Eingang einen außergewöhnlich hohen Eingangspegel von +30 dBu, bevor er anfängt zu verzerren. Die Verzerrungswerte liegen bei hervorragenden 0,004 Prozent und steigen lediglich zu den tiefsten Frequenzen auf  immer noch sehr gute 0,03 Prozent an – was grundsätzlich typisch für Übertrager ist und den eingebauten Lundahl-Trafos ein hervorragendes Zeugnis ausstellt.  Während der umfangreichen Aufnahmesitzungen mit unterschiedlichen Mikrofonen zeigt der ISA 428 auch klanglich seine besondere Klasse. Insbesondere die Dynamik und Vehemenz, die er allen Aufnahmen insbesondere in den Tiefen und Mitten verleiht, beeindruckt die Tester. Dies tritt mit allen eingesetzten Mikrofonen wie zum Beispiel dem AKG B4000C mit seinem eher helleren Klangcharakter, dem samtig und weich klingenden russischen Nevaton M51 oder dem dynamischen und hochpräzisen Sennheiser MKH 40 auf. Hat man die richtige Eingangsimpedanz gewählt, im Test meist die Werte „LOW“ oder „ISA110“ arbeitet der Focusrite die individuellen Eigenschaften der Mikrofone sehr sauber und souverän heraus, so wie es sich für einen erstklassigen Mikrofonverstärker gehört. Dabei klingt er immer neutral und besonders in den Mitten äußerst offen und kontrolliert. Davon profitieren insbesondere Stimmen, die ein hohes Durchsetzungspotential im späteren Mix schon bei der Aufnahme erhalten. Und genau das wünschen sich viele Recording-Ingenieure von einem Mikrofon-Vorverstärker. Die Höhen offeriert er transparent, luftig und gleichzeitig kraftvoll. Kraft besitzen Aufnahmen mit dem ISA 428 auch in den unteren Lagen, tiefe Percussion-Töne beispielsweise kommen originalgetreu wuchtig und gleichzeitig konturiert und kontrolliert.
 
Fazit:
Der Focusrite ISA 428 ist ein sehr guter Mikrofonvorverstärker und überzeugt in allen Kriterien insbesondere in seinen Klangeigenschaften. Für einen Preis von 2319 Euro erhält man gleich vier dieser Prachtexemplare in einem Gehäuse. Wer eine solche Ausstattung braucht, erhält ein Gerät mit überragendem Preis-Leistungsverhältnis. 

 

Der Universelle

Der Mackie Onyx 400F ist ein typischer Vertreter der Gerätegattung Audio Interface mit Firewire-Anschluss. Was hat er also in einem Test von Mikrofon-Vorverstärker zu suchen? Es sind die Qualitäten seiner vier Mikrofon-Vorstufen, die Professional audio Magazin dazu bewogen, ihn ins Testfeld aufzunehmen. Die Verstärker stammen aus der gleichen Entwicklungslinie, wie die in dem großen Mackie-Mixer 2480 (siehe Test in Professional audio Magazin 5/2006) und überzeugten in wochenlangem Redaktionsbetrieb immer wieder ob ihrer Meriten. Denn  auf Grund seiner Konzeption und der sich daraus ergebenden universellen Einsatzmöglichkeiten im Studiobetrieb, erfreut sich der Onyx 400F unter den Redakteuren großer Beliebtheit. Man könnte den auf den ersten Blick unscheinbaren, nur eine Höheneinheit, also 44 Millimeter hohen Mackie ohne weiteres als Wolf im Schafspelz bezeichnen, denn ein großer Teil seiner Möglichkeiten sind von außen gar nicht zu erkennen, sondern stecken im Geräte-Inneren und in dem mitgelieferten Software-Paket. Doch zuerst einmal der Reihe nach. Von seiner Konzeption her gibt sich der 400F zuerst einmal als 10-kanaliges Interface mit vier Mikrofoneingängen – zwei davon auf Instrumenteneingänge auf der Front umschaltbar, vier analogen Line-Klinkeneingängen sowie zwei digitalen Eingängen im SPDIF-Format. Daneben stehen zehn analoge Ausgänge über symmetrisch verschaltete Klinkenbuchsen zur Verfügung, acht Line- und ein von der Front aus regelbarer Controlroom-Ausgang mit linkem und rechtem Kanal. Auf der Front finden sich außerdem zwei individuell einstellbare Kopfhörer-Anschlüsse. Ein weiteres Bonbon: In die Signalwege der Mikrofon-Vorverstärker kann der Recording-Ingenieur  über vier unsymmetrische Insert-Klinkenbuchsen auf der Rückseite externe Effektgeräte einschleifen, wie zum Beispiel einen Kompressor oder ein Hallgerät. Das macht den 400F noch universeller. Ihn jedoch zu Aufnahmezwecken als klassischen analogen Mikrofon-Vorverstärker  einzusetzen – lediglich analog rein und raus – geht an der Konzeption völlig vorbei. Denn die Signale würden grundsätzlich immer zwei Wandlungsprozesse durchlaufen, zuerst analog/digital und dann wieder zurück digital/analog. Obwohl die verbauten  24-Bit 192 kHz-Wandler von AKM  von hoher Qualität sind, macht diese Doppelwandlung keinen Sinn, selbst beste Wandler lassen die Signale keineswegs ganz ungeschoren davon kommen, zumindest theoretisch nicht. Doch die wahre Bestimmung des Onyx 400F liegt in der Zusammenarbeit mit einem Windows oder Mac-Rechner, mit denen er über ein Firewire-Kabel Kontakt aufnimmt. Ist dort die Software Onyx 400F Firewire Console installiert, was ein Kinderspiel ist, mutiert der Mackie zu einem 10-kanal Mischer mit umfangreichen Routing-Möglichkeiten. So lässt sich mit Hilfe der Software der eingebaute Digital Sound Prozessor (DSP) so konfigurieren, dass jeder der zehn Eingänge auf jeden der zehn Ausgänge – immer paarweise zusammengefasst – schaltbar ist. Für jedes der fünf Ausgangspaare steht in der Software eine eigene Mixeroberfläche mit den üblichen Bedienelementen wie Panoramaregler, Fader, Mute und Solo-Schalter sowie Masterfader zur Verfügung. Außerdem lässt sich  noch der Stereo-Ausgang einer auf dem gleichen Computer installierten DAW-Applikation, wie zum Beispiel die des mitgelieferten Mackie-Sequenzers Traktion (siehe auch Übersicht auf Seite xx) zumischen. Insgesamt lassen sich somit fünf unterschiedliche Mischungen auf die Analogausgänge legen, was dem Onyx 400F universelle Monitor-Eigenschaften verleiht. Zum Beispiel kann jeder einzelne von fünf Musikern seinen eigenen Abhörmix bekommen. Insbesondere bei Overdubbing-Aufnahmen spielt der Onyx diese Karte voll aus. Der Mischer arbeitet grundsätzlich mit 64-Bit (Fließkomma Prozess) und bietet damit eine enorm hohe Auflösung, die der Präzision des digitalen Mixes und damit der Klangqualität zu Gute kommt. Zum Vergleich: Der Prozessor im in Ausgabe 5/2006 getestete Tascam Mischer DM 3200 arbeitet mit 32 Bit Auflösung. Beim Ausschalten merkt sich der Onyx 400F die letzten Einstellungen des DSP und kann somit auch mit dieser Konfiguration im Stand-alone-Betrieb arbeiten. Somit lässt sich der Mackie auch als Mischer mit vier Mikrofon-Eingängen betreiben, indem man vor dem Stand-alone-Betrieb, diese auf einen analogen Stereo-Ausgang geroutet hat. Aber wie schon gesagt, sind dann immer zwei Wandlungs-Prozesse aktiv. Im DSP-Betrieb mit einem Rechner liefert der Onyx übrigens vernachlässigbar niedrige Latenzzeiten, also durch den Rechenprozess verursachte Zeitverzögerungen. Integriert man den 400F in eine DAW-Applikation, was die Redaktion ausgiebig praktiziert, dann muss man dort das Software-Monitoring unbedingt ausschalten, um in den Genuss der niedrigen Latenzzeiten zu kommen. Im Test betreiben wir das Audio-interface zusammen mit Logic Pro 7.2 auf einem Dual Core Power Mac G5, eine äußerst stabile, zuverlässig arbeitende Kombination. Der DSP-Prozessor lässt sich auch komplett abschalten, allerdings nicht am Gerät selbst, sondern nur über die Steuersoftware.

Im Messlabor zeigt sich der Mackie Onyx 400F von seiner positiven Seite. Auffallend ist, dass die Empfindlichkeit Line, sowie maximaler Eingangspegel Mikrofon und Line exakt 0dBu betragen. Der maximale Ausgangspegel beträgt -3,5 dBu. Die maximale Eingangsempfindlichkeit des Mikrofoneingangs liegt bei -60 dBu, ein guter und praxisgerechter Wert, der für die meisten Mikrofone, auch die prinzipiell leiseren dynamischen Mikrofone ausreichen dürfte. Der Geräuschspannungsabstand ist mit 87,6 dB sehr gut, der strengere Messwert für die Fremdspannung mit 74,2 dB gut. Während der Aufnahme- und Hörsessions des Tests machte der Onyx in jeder Situation eine gute Figur. Obwohl im Zusammenhang mit der Controll-Software die Einstell- Routing-Möglichkeiten so vielfältig sind, gelangen alle Setups auf Anhieb, das Konsoltieren der Bedienungsanleitung, die insgesamt etwas knapp geraten ist, war nicht notwendig.
Die Klangeigenschaften der Mikrofon-Vorverstärker-Wandler-Kombination – der Mikrofon-Vorverstärker  lässt sich auf Grund der Konstruktion ja nicht allein beurteilen – kann man mit grundsätzlich neutral mit einem leichten Touch zu einer gewissen Helligkeit im Klangbild beschreiben. Diese tritt nicht bei allen Stimmen und Instrumenten gleich stark in Erscheinung, ist aber prinzipiell auszumachen, vor allem wenn man den Mackie zum Beispiel mit der  Kombinationen SPL Gainstation1 und Apogee-Wandler Rosetta 200 vergleicht- allerdings ein Vergleich völlig unterschiedlicher Preisklassen. Von einem klanglichen Makel kann keinesfalls die Rede sein, lediglich von einer Charaktereigenschaft. Und davon besitzt der Onyx 400F einige. Da sind zum Bespiel klare und saubere Höhen, die insbesondere bei angezupften Gitarrensaiten oder feinen Beckenschlägen, aufgenommen über ein Microtech Gefell M300 beispielsweise, differenziert und detailreich rüber kommen. Und da sind die Basslagen, die zwar nicht die Kraft eines Focusrite 428 haben, aber dennoch konturiert und substanzreich aufgezeichnet werden. Bei der Bedienung der vier Aussteuerungsregler muss man freilich sehr sorgfältig auf genügend Abstand zum so genannten digitalen Fullscale-Wert 0dBfs, also digitaler Vollaussteuerung halten. Hier hilft die vierstufige LED-Kette neben jedem Aussteuerungsregler nur bedingt, denn außer der rot leuchtenden Overload-LED hilft als weitere Information, wo man sich aussteuerungstechnisch befindet lediglich die -10dBFs-LED. Diese sollte nur bei extremen Impulsen kurz aufleuchten, die Overload-LED gar nicht, um hässliche Verzerrungen zu vermeiden. Allerdiungs besteht so die Gefahr, das man wertvolle Dynamik verschenkt, weil der Headroom aus Sicherheitsgründen zu groß gewählt werden muss. Hier hilft nur experimentieren. Bei den Aussteuerungsanzeigen spürt man den Kompromiss, der dort notwendig war, um für 1020 Euro ein derart gut ausgestattetes Firewire Audio-Interface mit solch guten Klangeigenschaften zu realisieren. Aber es bleibt der einzige, der deutlich auffällt.

Fazit: Der Mackie Onyx 400F kann selbst als reinrassiger Mikrofon-Vorverstärker locker mit den guten Geräten im Markt mithalten. Als komplettes Audio-Interface mit insgesamt zehn Ein- und Ausgängen und den vielfältigen Routing-Möglichkeiten sucht er noch einen Herausforderer, der das besser kann. Sein Preis-Leistungsverhältnis jedenfalls ist überragend.

 

Der Klassische

Rein äußerlich entspricht der Tampa von M-Audio ziemlich genau dem, was man sich gemein hin unter einem klassischen, einkanaligen Mikrofon-Vorverstärker vorstellt. Große nostalgische  Knebelknöpfe neben ebenso nostalgisch wirkenden analogen Zeigerinstrumenten künden vom 60er Jahre Stil des vorigen Jahrhunderts. Doch der Tampa ist ein hochmoderner Vertreter dieser Gattung, davon kündet auch seine Ausstattung mit einem 24-Bit-Analog-Digital-Wandler, dessen Samplingfrequenzen sich zwischen 44.1kHz und 96kHz in vier Stufen umschalten lassen. Dieser gibt seine digitalisierten Signale sowohl über eine XLR-Buchse im AES/EBU-Format (Studiostandard) oder SPDIF-Format über eine Cinch-Buchse aus. Damit prädestiniert sich der Tampa als Vorarbeiter für einen Mixer mit Digitaleingang, zum Beispiel um dessen Mikrofoneingang um einen mit besserer Qualität zu ersetzen, oder um eine im Computer installierte Soundkarte mit Mikrofonsignalen zu beliefern. Als besonderes Feature verfügt der M-Audio-Vorverstärker über einen vollwertigen Kompressor dessen Parameter (siehe Steckbrief) nach Gehör einzustellen sind. Denn die Skalen-Aufdrucke um die vier kleinen schwarzen Knöpfe im Nostalgie-Look, die wie alle Drehregler ein wenig kratzen und nicht sonderlich wertig erscheinen, können nur als grober Anhaltspunkt dienen. Eine Hilfe kann dabei aber das analoge Zeigerinstrument mit der Bezeichnung Gainreduction rechts neben dem Regler-Satz des Kompressors sein. Es zeigt an, wie stark der Kompressor das Signal bearbeitet. Eine hilfreiche Einführung in die Bedienung des Kompressors gibt die Bedienungsanleitung, allerdings nur in Englisch. Dort findet man auch vordefinierte Presets für Stimme und verschiedene Instrumente- eine gute Ausgangsbasis zum Experimentieren. Umschalten kann man die Eingangsimpedanz des Mikrofonverstärkers, der seine Signale über eine kombinierte Klinken-/XLR-Buchse (Combo-Buchse) auf der Front erhält. Die Klinkenbuchse dient übrigens als hochohmiger Instrumenteneingang. Die vierstufige Impedanzwahl ist mit den Werten 300, 600, 1200, und 2400 Ohm sehr praxisgerecht ausgelegt und ermöglicht eine optimale Anpassung an das verwendete Mikrofon und erlaubt darüber hinaus auch geringfügige Klangveränderungen durch Variation der Impedanzanpassung. Die Anleitung gibt zwar einfache, wichtige Hinweise, doch auch hier ist Ausprobieren angesagt. Ausprobieren muss man auch das Einpegeln der Ausgangsspannung, insbesondere, wenn man die Digital-Ausgänge benutzt. Denn das dafür zuständige Aussteuerungsinstrument ist hierfür völlig unbrauchbar. Bei gemessenen Ausgangspegeln von -3 dBfs, also drei Dezibel unter digitaler Vollaussteuerung, leuchtet zwar pflichtgemäß die Overload-LED warnend auf, aber der Zeiger bleibt selbst bei einem eingespeisten Dauersignal schon bei etwa – 15 dB stehen. Resultat: Hübsch aber nutzlos. Allerdings sollte man dies nicht überbewerten, andere, deutlich teurere Vorverstärker besitzen überhaupt keine Aussteuerungsanzeige. Und außerdem kann man den Kompressor so einstellen, dass er ein Clipping im Digitalwandler verhindert. Eine Besonderheit des M-Audio Mikrofon-Vorverstärkers ist seine „Temporal Harmonic Alignement“-Schaltung, die mit „the Secret behind the Sound“ näher definiert wird. Damit ist eine elektronische Schaltung gemeint, die in Abhängigkeit von der Aussteuerung des Eingangsverstärkers harmonische Verzerrungen produziert, die dann gegenphasig zum Originalsignal dazu gemischt werden. Damit wollen die Tampa Entwickler einen warmen, klangschmeichelnden Röhrensound simulieren. Betätigt man den Dämpfungs-Kippschalter auf der Front, reduziert man das Ausgangssignal um 20 Dezibel und kann dann diesen Effekt durch weiteres Aufdrehen des Gain-Reglers verstärken. In der Praxis funktioniert das tatsächlich, der Tampa verändert seine Charakteristik: Höhen wirken plötzlich heller, der Präsenzbereich rückt ein wenig stärker in den Vordergrund. Auch messtechnisch lässt sich der Einfluss der Röhrensimulations-Schaltung nachweisen. Der Gesamtklirrfaktor über den Frequenzbereich, von 20 bis 20.000 Hertz gemessen, liegt konstant bei 0,1% – etwas viel für einen modernen Verstärker in Halbleitertechnik. Doch die FFT-Analyse offenbart: Hauptsächlich harmonische, also geradzahlige Klirrwerte (K2 und K4) sind dafür verantwortlich und die sind typisch für Röhrenverstärker. Damit haben die Entwickler ihr Ziel erreicht. Die übrigen Messwerte bleiben von diesem Effekt unbeeinflusst und sind gut bis sehr gut. Grundsätzlich gehört der Tampa zu den gut klingenden Vorverstärkern, der im Blindtest immer wieder durch seine Offenheit und Transparenz in den Mitten und Höhen auffällt. Verzichtet man auf den Einsatz des Dämpfungsschalters und entsprechend notwendigem Hochdrehen des Pegelreglers bleibt der Tampa außerdem neutral. Instrumente und Stimmen klingen dynamisch und beachtlich kraftvoll. In den unteren Mitten und Tiefen, beispielsweise bei Akustikgitarre oder Bassdrum, bringt er viel Substanz und Druck und klingt konturiert und kontrolliert. Ein insgesamt sehr erfreuliches Ergebnis.

Fazit: Mit seinen guten Klangeigenschaften empfiehlt sich der Tampa als Ergänzung im Outboard eines Homerecording-Studios. Auch wenn die Verarbeitungsqualität Verbesserungspotential zeigt, tut das der Praxistauglichkeit dieses Verstärkers keinen Abbruch, insbesondere, weil der Kompressor eine gute Figur macht.

 

Der Klangpurist

Schon auf den ersten Blick unterscheidet er sich von anderen, professionellen Mikrofon-Vorverstärkern. Keine dunkelblaue oder silberfarbene mit Knöpfen, Schaltern, Eingangsbuchsen und Aussteuerungsinstrumenten übersäte Front, keine Legionen von Anschlussbuchsen auf der Rückseite. Der HV-3C des amerikanischen Herstellers Millennia ist vielmehr ein absoluter Minimalist und könnte mit der hochglänzend schwarz eloxierten, dickwandigen Frontplatte und den beiden massiven Drehknöpfen glatt als edler Hifi-Vorverstärker durchgehen. Und in der Tat gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. So rühmt sich der im kalifornischen Placerville ansässige Hersteller, der HV-3C entstehe wie so manches High-End-Gerät ausschließlich in Handarbeit und nur erlesenste Materialien würden verwendet,
In der Tat wirkt jedes Detail an dem eleganten Verstärker enorm solide und wertig, die Verarbeitung zeugt auch in Details von hoher Fertigungsqualität. Aus dem großzügigen Materialeinsatz resultiert nicht zuletzt auch das vergleichsweise hohe Gewicht von über 5 Kilogramm. Großen Anteil daran hat neben der massiven Frontplatte und dem aus dicken Aluteilen bestehenden Gehäuse der schwergewichtige, für einen Vorverstärker eigentlich überdimensionierte sogenannte Toroid-Netztrafo. Der soll besonders wenig Brummeinstreuung erzeugen, was sich im Messlabor von Professional audio Magazin problemlos nachweisen lässt. Die Ausstattung des HV-3C reduziert sich auf das Nötigste. Line-Eingänge oder etwa Phasenumkehr- oder Dämpfungs-Schalter sucht man vergebens. Doch die Zahl der Erweiterungsoptionen ist beachtlich. Drei Module kann man nachrüsten: Eine 130-Volt-Phantomspannungs-Erweiterung für die transformatorlose Version der Mikrofonserie 4000 des dänischen Herstellers DPA, eine so genannte DC-Input-Option für Bändchenmikrofone und ab Sommer 2006 einen 24-Bit 192kHz A-D-Wandlern namens „Pow-R“, der Preis steht noch nicht fest. Mit diesen Erweiterungen unterstreicht der Hersteller ganz klar die Rolle des HV-3C. Er soll Mikrofonsignale in bestmöglicher Qualität verstärken und sonst nichts. Millennia bezieht übrigens ganz klar Stellung für die transformatorlose Version der DPA-Mikrofone, die bei Orchesteraufnahmen deutlich klarer und natürlicher klingen sollen.
Für die beiden Pegelsteller verwendeten die Entwickler keine Potentiometer sondern wählten satt klickende, zwölfstufige Drehschalter mit Festwiderständen und kombinierten sie mit zwei hinterleuchteten Druckschaltern, mit denen sich die Verstärkung um 18 oder 36 Dezibel anheben lässt. Dies erlaubt einerseits eine präzise und exakt reproduzierbare Kanalgleichheit beim Aussteuern, andererseits können sich die 1,5 Dezibel-Sprünge auch als etwas zu grob erweisen, will man die Aussteuerung fein justieren. Im Zweifelsfall- und das zeigte sich im Test – sollte man die Drehschalter lieber einen Klick zurückdrehen, um eine Übersteuerung des nachgeschaltenen Recorders oder Digital-Wandlers zu vermeiden. Dies kann sich der zweikanalige Vorverstärker allerdings auch leisten, denn seine Messwerte für den Geräuschspannungsabstand liegen bei fast unglaublichen 94,8 beziehungsweise 92,1 Dezibel. Das sind Traumwerte, die ein Verschenken von ein, zwei Dezibel bei der Aussteuerung verschmerzbar machen. Hier ist mehr als ausreichend Reserve vorhanden, denn die Gefahr von hörbarem Rauschen, das leiseste Signale bei geringer Aussteuerung überdecken könnte ist nicht zu befürchten. Auch bei den Verzerrungswerten setzt der Millennia Maßstäbe. So beträgt der Klirrfaktor lediglich sage und schreibe 0,0007 Prozent und ist weit jenseits von Gut und Böse. Über den Frequenzgang muss man nicht diskutieren, er verläuft wie mit einem Lineal gezogen schnurgerade. Als perfekt lässt sich auch die Kanalgleichheit bezeichnen, die Ausgangsspannungen der beiden Verstärkerzüge weichen um nur 0,3 Dezibel voneinander ab. Ob solch geringe Pegelabweichungen eine Bedeutung im Praxiseinsatz haben, muss jedoch jeder Toningenieur für sich entscheiden.
Und die können zumindest bei der Bedienung des HV-3C während einer Aufnahmesitzung nicht viel falsch machen. Hat man sich mit der Bedienung der Pegelstelle einmal vertraut gemacht und die richtige Einstellung gefunden gelingen Aufnahmen in höchster Qualität. Eine Aussteuerungsanzeige bietet der Millennia freilich nicht und so sollte insbesondere bei digitaler Aufzeichnung unbedingt ein externes Aussteuerungsinstrument benutzt werden. Die Aussteuerungsanzeige des Apogee Wandlers Rosetta (Test in der nächsten Ausgabe), den Professional audio Magazin in diesem Test einsetzt, erweist sich als ausreichend genau. Zusätzliche Präzision bringt das dort angeschlossene Digital Program Meter, ein hochpräziser digitaler Aussteuerungsmesser des Konstanzer Herstellers Lake People – darüber demnächst mehr. So ausgestattet geht es in den Aufnahme- und Hörtest. Und dort zeigt der Millennia mit jedem Mikrofon seine besondere Klasse. Auf einen Nenner gebracht, der HV-3C klingt gar nicht. Will heißen, er ist ein Musterbeispiel an Neutralität, von der sich die Redaktion in wochenlangen Tests, unter anderem auch anlässlich des Mikrofontests in Ausgabe 5/2006, immer wieder überzeugen konnte. Dem Ideal eines neutralen Verstärkers, Draht mit Verstärkung, also nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen, kommt er ziemlich nahe. Dabei vermittelt er eine fast atemberaubende Dynamik und belässt selbst heftigsten Percussion-Impulsen ihre enorme Kraft, sie klingen stabil und beeindruckend souverän. Auf der anderen Seite kommen leiseste Griffgeräusche ungemein fein und detailliert und erscheinen selbst monophon aufgenommen auf eigenartige Weise dreidimensional. Stereoaufnahmen mit einem gematchten Mikrofonpaar erhalten eine enorme Plastizität und Durchhörbarkeit. Die Ortbarkeit ist in allen Dimensionen hervorragend. Auffallend ist die Dynamik in den Höhen, Beckenschläge klingen immer gleichzeitig fein und dennoch dynamisch, gleichgültig wie heftig sie bearbeitet werden. In den Bässen klingt der HV-3C unauffällig neutral. Sind tatsächlich Bässe da, kommen sie konturiert und substanzreich, sind keine da, erfindet der Millennia auch keine dazu.

Fazit: Wer teure Mikrofone für seine Aufnahmen einsetzt und einen entsprechend hochwertigen und  extrem ehrlichen, außergewöhnlich gut klingen Mikrofon-Vorverstärker sucht, ihn in eine entsprechend hochwertige Studioumgebung integriert und gleichzeitig mit puristischer Ausstattung zufrieden ist, kann mit dem Millennia HV-C sehr glücklich werden. Er ist jeden seine 2179 Euro wert.

 

Der Spartanische

Man nehme acht identische Mikrofonvorverstärker, baue sie in ein typisches Rackgehäuse eine Höheneinheit hoch ein, montiere auf die Front acht Combobuchsen und auf die Rückseite die acht Ausgangs-Kinken-Buchsen, natürlich symmetrisch beschaltet und schon ist er fertig, der PR8E des australischen Herstellers SM Pro Audio. Bezahlen muss man für den gut verarbeiteten Flachmann lediglich 169 Euro, also etwas mehr als 20 Euro pro Verstärkerzug. Als Zugabe gibt es pro Kanal eine individuelle schaltbare Phantomspeisung – mit LED-Anzeige versteht sich, solide laufende, griffige Aussteuerungsregler und pro Kanal eine Übersteuerungs-Hilfe in Form einer zuverlässig aufleuchtenden zweiten LED. Nicht zu vergessen sind die auf der Rückseite neben den Ausgangsbuchsen zu findenden Phasenumkehr-Schalter. Außerdem verpassten die Entwickler in Down-Under dem PR8E ein ansprechendes Design und ein externes Netzteil. Wer braucht nun einen solchen achtkanaligen Vorverstärker? Diese Frage lässt sich endgültig erst nach dem Mess- und Aufnahme-/Hörtest beantworten. Im Labor entlockte ihm der Audio Precision 2722 durchweg sehr gute Messwerte. Niedrige Eingangsempfindlichkeit (-60 Dezibel), hoher maximaler Eingangspegel (+8 Dezibel), gute Fremd- und Geräuschspannungsabstände (81 und 83 Dezibel) sowie der Klirrfaktor von 0,01 Prozent zeugen von solider Entwicklung und Fertigung in Melbourne. Hier erreicht der Vorverstärker ohne weiteres das Niveau von Spitzengeräten dieser Kategorie. Klanglich kann der SM PR8E erwartungsgemäß mit den erheblich teureren Mitbewerbern nicht mithalten. Dennoch: Er macht keine richtigen Fehler und klingt insgesamt auch recht neutral und ehrlich. Doch hin und wieder wirkt er auch etwas müde. Vergleicht man ihn beispielsweise klassengerecht mit den Mikrofonverstärker-Eingängen des Yamaha-Mischers MW12 USB Mixing Studio (siehe Test Seite 94) erhärtet sich dieser Eindruck, und zwar unabhängig vom verwendeten Mikrofon – die unterschiedlichen Klangcharaktere der verwendeten Mikrofone arbeitet der SM Pro Audio dennoch sehr sauber heraus. Der Australier klingt insgesamt sogar ein wenig neutraler als der Yamaha und in den Höhen auch minimal offener und transparenter, doch vor allem beispielsweise bei einer dynamisch gespielten Gitarre oder einer Stimmen, die eine hohe Variabilität in der Lautstärke besitzen, klingen die Aufnahmen mit dem PR8E gebremster und distanzierter als mit dem Yamaha. Die Bässe kommen sauber und klar, aber fehlt es ihnen doch ganz unten herum an Kontur und Kraft. Das absolute Klangurteil für den schönen Australier lautet demnach befriedigend. Gemessen an seinem Preis allerdings macht er seine Arbeit gut. Für wen eignet sich nun der der PR8E in der Praxis? Die Antwort fällt schwer. Im Vergleich zum Behringer Tube Ultragain, der auf Grund seines eigenen Soundcharakters und seiner Möglichkeiten zur  Klangmanipulationen eine klare Rolle hat, ist der SM Pro Audio zu ehrlich, zu neutral. Wer sein Mischpult aufwerten will, braucht acht Line-Eingänge zum Anschluss des PR8E und wer hierüber verfügt, hat meist schon die entsprechenden Mikrofoneingänge.

Fazit: Der SMPro Audio PR8E ist ein ordentlich klingender achtkanaliger Mikrofon-Vorverstärker, der mit allen notwendigen Features ausgestatte ist und einen reelen Gegenwert für Geld bietet. Wer ihn tatsächlich braucht, wird mit ihm zufrieden sein -Fehlkauf ausgeschlossen.

 

Der Grundsolide

Die Gainstation1 der SPL electronics GmbH in Niederkrüchten bei Mönchen Gladbach fällt in jeder Beziehung aus dem Rahmen. Da ist einmal das äußerst kompakte und vergleichsweise schwere, solide wirkende Gehäuse. Die in edlem Gold eloxierte Front ist drei Höheneinheiten hoch (122 Millimeter) aber auch nur genauso breit. Zwei handliche Griffe oben und unten prädestinieren das sehr gut verarbeitete, handliche Gerät für den mobilen Einsatz, eine praktische Tragetasche (69 Euro) bietet der Hersteller an. Doch trotz aller Kompaktheit, die Ausstattung der Gainstation, die wie alle SPL-Geräte in Handarbeit entstehen, gerät nahezu opulent. Auch die inneren Werte zeugen, wie der Test zeigen wird, von besonderer Klasse. Großen Wert legte Entwickler Ruben Tilgner auf möglichst hohe Dynamik und schnelle Impulsverarbeitung. Mit 60 Volt Betriebsspannung wird der diskret aufgebaute Operationsverstärker, der in verzerrungsarmer Class-A-Technik arbeitet,  deshalb versorgt. Die Eingangs-Impedanz lässt sich dreistufig umschalten (siehe Steckbrief), die Phase drehen, ein Hochpassfilter schalten und eine Gitarre anschließen. Doch das Besondere ist der eingebaute zusätzliche Röhrenverstärker, der den Klang der Gainstation nach Bedarf im wahrsten Sinne des Wortes bereichern soll. Dessen Verstärkung lässt über den mittleren der drei griffigen, gummiarmierten und geschmeidig laufenden Drehregler variieren. Da er mit dem Operationsverstärker in Reihe geschaltet ist, addieren sich die beiden Verstärkungen. Steht der Regler auf Linksanschlag, wird der Röhrenverstärker komplett aus dem Signalweg herausgenommen. Für das Aussteuerung ohne Tube Gain spendierte SPL zwei weitere Regler, „Clean Gain“ für die Verstärkung des Eingangsverstärkers und „Output-Level“ für die des Ausgangsverstärkers. Der Aussteuerungsprozess ist in dem ausgezeichneten Handbuch sehr genau und nachvollziehbar erklärt. Hält man sich daran und das haben wir im Test überprüft, gelingen perfekt ausgesteuerte Aufnahmen. Hilfreich ist dabei die  vierstufige LED-Kette plus eine fünfte LED, die das Clipping anzeigt: Die beiden eingebauten Limiter arbeiten, so zeigt sich im Test äußerst effektiv und gleichzeitig subtil, wenn man gelernt hat, mit den Gain- und Ausgangspegel-Reglern umzugehen. Insbesondere nach Installation des optionalen Analog-Digital-Wandlers (24-Bit, 96kHz, mit SPDIF- und optischem Ausgang, Preis bescheidene 229 Euro) fällt dem Limiter die Aufgabe zu, diesen vor dem gefürchteten Übersteuern zu schützen. Wie man das macht, steht ebenfalls im Handbuch. Und da es nicht die Aufgabe eines Tests ist, dieses abzuschreiben, lautet unsere Empfehlung: Von der SPL-Website herunterladen und studieren – es lohnt sich. Der Umgang mit der Gainstation machte im Test ausgesprochen Spaß, obwohl die kompakten Abmessungen für eine hohe Schalter- und Reglerdichte verantwortlich sind und die Bedienung manchmal ein wenig behindern. Aber das war, wenn überhaupt, der einzige Kritikpunkt. Im Messlabor ermittelte der Audio Precison 2722 sehr gute Werte für alle Messwerte, insbesondere fällt der sehr niedrige Klirrfaktor von nur 0,0015 Prozent auf. Der Fremdspannungsabstand ist mit 80 Dezibel, gemessen bei einer Eingangsspannung  von -40 dBu mehr als in Ordnung. Für den Aufnahme- und Hörtest hat die Redaktion Professional audio Magazin den üblichen Aufwand getrieben und mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Mikrofone verschiedenste Instrumente aufgenommen. Und wie in diesem Test bei allen Mikrofon-Vorverstärkern praktiziert, übernimmt der Apogee Rosette Wandler im 192 kHz-Modus die analogen Ausgangssignale vom SPL und reichte sie via Firewire-Kabel an das auf einem Power Mac G5 DualCore installierte Logic Pro 7.2 weiter. Klanglich, das zeigte sich schnell, ähnelt der SPL bei ausgeschalteter Tube Gain in hohem Maße dem Millennia HV-3C. Insbesondere faszinierte die Dynamik und grundsätzliche Souveränität, mit der die Gainstation zu Werke ging. In allen Frequenzbereichen bleibt das Klangbild bei leisen und lauten Pegeln immer enorm klar, rein und offen. Wenn es einen Unterschied zum Millennia gibt, dann kristallisiert sich nach endlosen Aufnahme und Wiedergabe-Sessions eine minimal ausgeprägte Helligkeit in den oberen Mitten heraus, deren Auffälligkeit allerdings sehr stark vom aufgezeichneten Material abhängt. Bei einer Frauenstimme war diese klangliche Feinheit etwas leichter auszumachen, als bei den aufgenommen Männerstimmen, bei Instrumenten, gleichgültig ob Percussion, Gitarre oder Querflöte, war der Unterschied so gut wie gar nicht mehr wahrnehmbar. Änderungen an der Eingangsimpedanz hatten darauf zumindest bei den verwendeten Mikrofonen (Sennheiser MKH 40, AKG B4000C und Nevaton M 51) keinen relevanten Einfluss. Auf jeden Fall ist der Unterschied extrem gering. Immer wieder begeistert die Gainstation auch an den Bereichsenden des hörbaren Frequenzbereichs. In den Höhen, beispielsweise bei Beckenschlägen klingt er glasklar und transparent, differenziert die feinen Griffgeräusche einer akustischen Gitarre enorm transparent und detailgetreu. In den untern Mitten und in den Bässen strotz der SPL vor Kraft und Vitalität (Percussion), fügt nichts hinzu und lässt auch nichts weg. Der Millennia macht ihm hier allenfalls in Sachen Stabilität und Durchhörbarkeit  ganz unten noch etwas vor. Auch hier muss man sich den Unterschied aber erst erarbeiten, ist aber immer wieder reproduzierbar.
Dreht man den Tube Gain-Regler aus seiner Aus-Position langsam im Uhrzeigersinn auf, ändert die Gainstation mehr und mehr ihren Charakter. Die Begeisterung einiger Redakteurs-Kollegen, ob dieses Features in Tests anderer Zeitschriften, können wir nachvollziehen. So, als ob man einen Booster dazu schaltet, legt die Gainstation vor allem in den Mitten enorm an Drive zu, verleiht Stimmen mehr Volumen und schiebt sie regelrecht nach vorne, ohne allerdings den Klang tatsächlich zu verändern. Die Messung im Labor zeigt, dass die  Tube Gain ausschließlich harmonische Oberwellen  der zweiten Ordnung (K2) dazumischt und keinen Klirr höherer Ordnung. Das spricht für ein ausgezeichnetes Schaltungskonzept. Große Beliebtheit erlangt die Gainstation in kürzester Zeit bei den Gitarre spielenden Kollegen in der Redaktion. Als kombinierte Vorverstärker-DI-Box eingesetzt, schätzen sie vor allem den enorm klaren und druckvollen Klang und den fetten Sound, wenn die Tube Gain zugemischt wird „So habe ich meine Fender Stratocuster noch nicht gehört“ lautet der Kommentar. Dem ist nichts hinzu zufügen.
 
Fazit:
Die Gainstation1 aus dem Hause Sound Performance Lab gehört zu den wirklich ausgezeichnet klingenden Mikrofon-Vorverstärkern, jede Aufnahmekette profitiert durch seine Qualitäten enorm. Die Verarbeitung ist außerdem top und die Ausstattung äußerst praxisgerecht. Ein besonderes Bonbon ist die Röhrenstufe, mit der viele Recording-Ingenieure und Gitarristen ihre Aufnahmen subjektiv verbessern können.

 

Der Charmante

Gut sieht er aus, der TL-Audio PA-1. Die Britischen Ingenieure, und das haben sie auch bei dem Analogmischer M4 (siehe Test Seite 16) bewiesen, können mit Farbe, insbesondere mit der blauen, und mit Formen und Material umgehen. Da sie sich auch mit Röhrenschaltungen auskennen, haben sie für ihre Produkte international viel Anerkennung erhalten. Auch beim zweikanaligen PA-1 sitzen hinter jedem Eingangs-Übertrager Röhrenstufen. Für die Kenner: zuerst eine Pentode EF86 und dahinter eine gegengekoppelte Doppeltriode ECC83. Allerdings ist der PA-1 kein reinrassiger Röhrenverstärker, denn vor den beiden Ausgängen (symmetrisch XLR und asymmetrisch Klinke) werkeln Halbleiter-bestückte Operationsverstärker. Verpackt ist die Elektronik in ein solides und wertiges 19-Zoll-Gehäuse dessen Front von zwei analogen Aussteuerungsinstrumenten und den schicken Lüftungsblechen, sie lassen den Röhren die notwendige kühlende Luft zu kommen, dominiert wird. Ähnlich wie der SPL verfügt der PA-1 über getrennte Pegelmöglichkeiten für die Eingangs- und Ausgangsverstärker. Der solide rastende und mit einem griffigen Messgeräte-Knopf ausgestattete Gain-Schalter für den Eingang besitzt vier Schaltposition (20, 20, 40, 50 dB). Er steuert die Verstärkung der erste Röhrenstufe, der Gain-Trimm Control, variiert die Verstärkung der Triode und damit  die Gesamt-Verstärkung nochmals um +- 12 Dezibel. Ähnlich wie bei dem Röhrenmischer M4 (siehe Seite 16) dürfen für eine korrekte Aussteuerung der Eingangsstufe die Drive-LED nur bei Impulsspitzen kurz aufleuchten, bleiben sie immer dunkel, ist man in Sachen Klirrwerte (K3,K5) auf der sicheren Seite. Leuchtet die Peak-LED auf, ist das Ausgangssignal schon extrem verzerrt. Mit dem Fader-Regler schließlich stellt man den Pegel am Ausgang des TL Audio ein, kontrollieren lässt sich dieser über das gut ablesbare, analoge Zeigerinstrument, das  zuverlässig arbeitet und auch auf kurze Impulse schnell genug reagiert. Ein Übersteuern eines nachgeschalteten Analog-Digital-Wandlers ist so vermeidbar. Zwei in mehreren Stufen schaltbare Hochpass- und Tiefpass-Filter vervollständigen die Ausstattung. Deren Filterverlauf können Sie übrigens, wie alle anderen Messkurven auf der Website von Professional audio Magazin herunterladen Messtechnisch bringt der PA-1 durchweg sehr gute Ergebnisse. Die Fremd- und Geräuschspannungs-Abstände sind für einen Verstärker mit Röhren-Eingangsstufen sogar ausgezeichnet und können mit den Werten von Halbleiter-Geräten locker mithalten. Puristen könnten sich lediglich an den leichten Abfall im Frequenzgang ab 100 Hertz stören, der bei 20 Hertz –3 Dezibel beträgt. Außerdem könnte der maximale Eingangspegel des Mikrofoneingangs um einige Dezibel höher sein, um noch mehr Aussteuerungsreserve für laute und explosionsartige Impulse zu sichern. Im obligatorischen Aufnahme- und Hörtest offenbarte der TL-Audio seine Familienähnlichkeit zum M4 und fiel in jedem Hördurchgang mit seinem charakteristischen Klangbild immer wieder sofort auf. Saftig ist eine Vokabel, die den Klang des PA-1 mit einem Wort und sehr treffen beschreibt. Saftig gibt er insbesondere Klänge wieder, ab den unteren Mitten aufwärts. Stimmen, Gitarren, Percussions-Instrumente kommen sehr detailliert und dynamisch und treten immer einen halben Meter vor, sobald man bei der Wiedergabe auf den Aufnahmetrack des PA-1 wechselt. Ihn als nicht-neutral zu bezeichnen, wäre falsch, denn der TL-Audio macht im eigentlichen Sinne nichts falsch, er macht es nur ein bisschen anders. In den Höhen und Mitten bietet er zumal eine enorme Plastizität und Feinzeichnung und behält hier jederzeit den Überblick. Kein Detail wird verschluckt, im Gegenteil, Gitarrenriffs erhalten eine besondere Plastizität. Lediglich bei den tieferen Frequenzen wirkt der PA-1 zuweilen ein wenig weicher als so manch anderer Vorverstärker. Zwar ist auch Kraft und Substanz da, aber nicht ganz so klar umrissen und konturiert. Männer- und Frauenstimmen wiederum sind die Domäne des PA-1 und gewinnen eine gewisse Intimität durch Präsenz und Nähe. Sie treten im Mix hervor, ein Effekt den viele Toningenieure sehr schätzen. Alle bisher beschriebenen Klangeigenschaften gelten für einen relativ weit zurückgenommen Aussteuerung der Eingangs stufen und recht weit aufgedrehtem Fader. Diese Präsenz lässt sich noch deutlich erhöhen, wenn man die Eingangspegel-Schalter und Regler weiter auf und den Fader weiter zu dreht. Diese Möglichkeiten der Klangoptimierung sind bei Röhrenfans äußerst beliebt. Wenn man die Ergebnisse, die ein Könner mit einem solchen Gerät herstellt, einmal intensiv genossen hat, kann man verstehen, dass Kompressoren in solchen Fällen völlig überflüssig werden.

Fazit: Der zweikanalige TL-Audio PA-1 bietet für knapp 1400 Euro ein gutes Finish, eine sehr schöne nostalgische Optik und jede Menge Klang fürs Geld. Ihn als absolut neutral klingenden Verstärker zu bezeichnen träfe die Wahrheit nicht auf den Kopf, eine Wahrheit, die Röhrenfans auch gar nicht interessiert. Die sollten sich dieses Schmuckstück auf jeden Fall näher ansehen.

Erschienen in Ausgabe 06/2006

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 1021 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: überragend

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