Es ist angerichtet

Sechs PCI-Soundkarten in einer Preisspanne zwischen 100 und 250 Euro haben wir auf  Anschluss und Wandler geprüft. Das Ergebnis  überrascht. Professional audio Magazin bittet zu Tisch. 

Von Georg Berger 

Ein oberflächlicher Blick auf die aktuelle Produktpalette vieler Hersteller verheißt, dass es momentan nur einen Weg gibt um analoge oder digitale Signale von außen in den Computer zu senden, nämlich den über externe Audio-Interfaces. Der Markt an PCI-Soundkarten fristet scheinbar ein Schattendasein am Rande, obwohl es nach wie vor eine reichhaltige Palette unterschiedlichster Modelle gibt. Der Großteil der Karten ist dabei schon länger am Markt. Nichts desto trotz sind sie nach wie vor eine ernst zu nehmende Alternative für alle diejenigen, die vornehmlich im heimischen Studio ihre Musik produzieren wollen. Professional audio Magazin holt sechs Soundkarten aus der vermeintlichen Nische heraus und unterzieht sie einem detaillierten Vergleichstest. 

Im Vorfeld dieses Soundkarten Vergleichstests geht es zunächst um die Sichtung des Testfelds. Innerhalb der von uns gesetzten Preisspanne gibt es unzählige ähnliche Produkte, selbst innerhalb des Angebots eines Herstellers. Die Wahl fällt also schwer, da Kriterien wie gleiche Zahl von Anschlüssen oder Aktualität der Produkte nur schwerlich auf einen Nenner zu bringen sind. Schließlich entscheiden wir uns für folgende Kriterien: Sämtliche Soundkarten müssen ein- und ausgangsseitig Abtastraten von 24 Bit und 96 Kilohertz voll duplex bereitstellen, nach Möglichkeit über analoge symmetrische 6,3 Millimeter Klinken Ein- und Ausgänge verfügen und zumindest koaxiale S/PDIF-Anschlüsse enthalten. Des Weiteren sollen die Karten hinsichtlich Ausstattung und Flexibilität, gerade hinsichtlich mehrerer gleichartiger Produkte eines Herstellers, eine größtmögliche Bandbreite aufweisen. Soundkarten im Verbund mit externen Ein-/Ausgangs-Boxen bleiben außen vor. Schließlich entscheiden wir uns für die Mia Midi-Karte von Echo Digital Audio Corporation, die 1212m von E-MU Systems, die Maya44 von ESI, der Marc X von Marian, der Delta 1010LT von M-Audio und der Phase 28 von Terratec. Den Verkaufsschlager von ESI, die Juli@-Karte, lassen wir außen vor, da die Maya44 das jüngere Produkt ist. Die äußerst beliebte Einsteiger-Karte Delta Audiophile 2496, sowie die Delta Audiophile 192 von M-Audio berücksichtigen wir ebenfalls nicht, da uns die Delta 1010LT-Karte die ungleich flexibleren Möglichkeiten offeriert. 

Die Zusammenstellung der Soundkarten bietet ein bunt gemischtes Feld unterschiedlicher Ausstattungs-Merkmale und auch Karten-Konzeptionen. Die Spanne reicht von einer einzigen Karte, die sämtliche Anschlüsse auf dem Slot-Blech enthält, hin zu Lösungen mit einer oder mehreren Kabelpeitschen, bis hin zu einer Verteilung der Anschlüsse auf eine zusätzliche Erweiterungs-Karte. Den Anfang macht die vom Preis her attraktivste Karte des Testfelds, die Maya44, die vier 6,3 Millimeter Klinken-Anschlüsse in Stereo besitzt, aber lediglich über einen koaxialen und optischen S/PDIF-Ausgang und noch nicht einmal eine MIDI-Schnittstelle verfügt. Dieses vermeintliche Manko lässt sich durch den Kauf der optionalen MI/ODI/O-Karte beheben, die über die zuvor vermissten Schnittstellen verfügt und über ein Flachbandkabel mit der Maya44 verbunden wird. Sie schlägt mit 65 Euro zusätzlich zu Buche, was den Gesamtpreis letztlich auf 174 Euro hebt, aber immer noch im Rahmen unseres Testfelds liegt. Besondere Features: Der erste Stereo-Eingang kann zum Anschluss eines Mikrofons auf symmetrisch geschaltet werden. Zusätzlich bietet die Maya44 dafür als einzige Karte auch noch eine Phantomspeisung an. Die beiden Ausgänge enthalten zusätzlich einen Kopfhörerverstärker. Sie empfiehlt sich mit ihren Leistungsmerkmalen gerade für Einsteiger, die mit digitalen Geräten vielleicht noch nicht in dem Maße in Kontakt kommen. 

Die Mia Midi-Karte ist ähnlich aufgebaut. Sie bietet jeweils zwei symmetrische 6,3 Millimeter Klinken Mono-Ein- und Ausgänge und durch ein zusätzliches Kabel eine MIDI-Schnittstelle und koaxiale S/PDIF-Ein- und Ausgänge. Eine Einschränkung gilt es zu vermerken: Die Mia Midi-Karte läuft nicht unter allen AMD-Systemen. Interessenten mit diesem Computersystem sollten zuvor abklären, ob die Karte kompatibel ist. 

Die Phase 28- und Delta 1010LT-Karten wählen den Weg über den Anschluss von Kabelpeitschen. Beide Karten verfügen über jeweils acht analoge symmetrische (Phase 28) Klinken- beziehungsweise unsymmetrische (Delta 1010LT) Cinch-Ausgänge und empfehlen sich damit für Surround-Sound Anwendungen. Die Terratec-Karte besitzt hingegen nur zwei analoge symmetrische Klinken-Eingänge, zusätzlich eine MIDI-Schnittstelle und koaxiale S/PDIF-Anschlüsse. Als einzige Karte enthält sie zwei Trim-Potis auf dem Slotblech zur manuellen Anpassung des Eingangspegels, nebst beigeordneten Clipping-LEDs. 
Die Delta 1010LT trumpft im Vergleich dazu auf, indem sie über insgesamt acht Eingänge und sogar über einen Wordclock Anschluss verfügt. Besonderes Feature der M-Audio Karte: Als einzige verfügt sie über zwei XLR-Anschlüsse nebst gesondertem Mikrofonvorverstärker, der per Jumper-Belegung in der Eingangsempfindlichkeit reguliert werden kann. Eine Phantomspeisung fehlt jedoch. Etwas zwiespältig gerät der Gesamteindruck der analogen Anschlüsse bei der M-Audio Karte. Sie enthält zwar die meisten analogen Eingänge und empfiehlt sich damit als einzige Karte für Mehrkanal-Anwendungen. Jedoch sind die weiteren sechs Eingänge lediglich als Cinch-Buchsen ausgelegt und wenig professionell. Wir würden uns zumindest Klinken-Anschlüsse wünschen.

Die Marc X und 1212m Karte verteilen die Anschlüsse über zusätzliche Erweiterungskarten, die zwar einen Slot-Platz im  Computer benötigen, aber keinen zusätzlichen PCI-Anschluss, da sie über ein Flachbandkabel miteinander verbunden werden. Die Marc X enthält auf der Hauptkarte einen Stereo-Klinken Ein- und Ausgang, koaxiale S/PDIF- und optische Adat-/S/PDIF-Anschlüsse. Die im Lieferumfang enthaltene Zusatzkarte enthält zwei Wordclock- und eine neun-Pol-Buchse zum Anschluss einer Kabelpeitsche,  die sogar zwei MIDI-Buchsen-Pärchen enthält. Zusätzliches Plus: Die Hauptkarte besitzt einen weiteren Flachbandkabel-Anschluss, der es gestattet entweder die Zusatzkarte ANX mit zwei analogen, oder die DGX Zusatzkarte mit zwei AES/EBU Ein-/Ausgängen anzuschließen. Ein äußerst flexibles System aus Ein- und Ausgängen lässt sich damit realisieren. Allerdings schlagen beide Erweiterungskarten mit knapp 100 (ANX) und fast 190 Euro (DGX) zu Buche, was den Gesamtpreis der Marc X auf über 300 Euro hebt. 

E-MU wählt einen ähnlichen Weg bei der Konzeption ihres PCI-Karten Systems. Herzstück bildet die 1010-Karte, die koaxiale und optische S/PDIF-Anschlüsse – letztere auch im Adat-Format – enthält und darüber hinaus als einzige noch über eine Firewire-Schnittstelle verfügt. Ausgehend von dieser Karte gibt es mehrere Möglichkeiten: Der Anschluss der 0202-Karte, die über jeweils zwei symmetrische Klinken-Ein- und Ausgänge, sowie über eine MIDI-Schnittstelle verfügt, bildet in diesem Verbund das 1212m-System. Die 1010-Karte enthält weiterhin einen proprietären Anschluss, der es gestattet eine externe Anschluss-Box anzuschließen und sich in dieser Kombination dann zum System 1820 beziehungsweise 1820m wandelt.
Beide Karten bieten sich für diejenigen an, die sowohl analog, als auch verstärkt digital arbeiten wollen, da sie die flexibelsten digitalen Anschlüsse besitzen.
   
Einen Sieger hinsichtlich Anschlüssen und Ausstattung zu küren wäre ungerecht, da jede Karte für sich ganz bestimmte Anwendungszwecke erfüllt. Die Kaufentscheidung muss letzten Endes auch hinsichtlich des vorhandenen Equipments getroffen werden. Eine Empfehlung unsererseits kann also nicht erfolgen.  

Der Lieferumfang der Soundkarten besteht jedoch nicht nur aus Hardware und Software in Form von Treibern. Zum guten Ton gehört es mittlerweile, dass sämtliche Hersteller ihren Produkten auch ein Paket an zusätzlicher Software (Effekt Plug-ins, Sequenzer, et cetera) von Fremdherstellern dazu legt, die für den einen oder anderen wichtig hinsichtlich der Kaufentscheidung sein kann.

ESI gibt dem Käufer ein reichhaltiges Paket unterschiedlichster Effekt-Plug-ins, sowie einige virtuelle Instrumente (unter anderem Tassman AAS Synthesizer und Bovjerg Piano) mit. Marian (Magix audio studio 7 Deluxe), M-Audio (Reason Adapted Express und Ableton Delta Live) und Terratec (FL Studio 5) warten unter anderem mit Sequenzern auf. Der Sieger hinsichtlich Software-Extras ist das E-MU 1212m-System, das unter anderem mit Cubase LE, Sonar LE, Live Lite 4, unzähligen Effekt-Plug-ins, darunter die Gitarrenverstärkersimulation Amplitube LE von IK Multimedia, sowie dem virtuellen Klangerzeuger Proteus X LE aus eigenem Hause die reichhaltigste Palette bereithält. Die Mia Midi Karte wartet zwar mit Acid Express 3.0, Sonar 2, Soundforge 6 und weiteren Programmen auf. Aber im Vergleich zu den anderen Kandidaten bietet dieses Software-Paket nur völlig veraltete Versionen bekannter Programme an. Eine Überarbeitung dieses Software-Pakets würde mit Sicherheit die Attraktivität des Produktes steigern. 

Um erfolgreich Signale empfangen und senden zu können, benötigt jede Karte eine Kontroll-Software in Form eines virtuellen Mixers, der das Routing und die Einstellung der Abtastraten regelt. Zwei grundlegende Prinzipien enthalten die Testkandidaten: Mia Midi, Marc X, 1212m und Delta 1010LT integrieren eigene DSP-Mixer auf der Karte, die so die Ressourcen des Computers schonen. Phase 28 und Maya44 enthalten dieses Feature nicht. Das 1212m-System trumpft sogar noch auf. Als einziger Mixer stellt er 28 interne Effekte bereit, die über Inserts bei der Aufnahme und Wiedergabe eingeschleift werden können. Allerdings ist die Bedienung des 1212m-Mixers im Vergleich zu allen anderen gewöhnungsbedürftig und erfordert eine hohe Einarbeitungszeit. Der PatchMix genannte Mischer ist eine Kombination aus Patchbay und Mischpult. Ein- und ausgehende Signale werden über virtuelle ASIO-Kanäle verwaltet, die wiederum als Inserts in die Kanalzüge integriert werden. Die umfangreiche Flexibilität und Einstellmöglichkeiten müssen somit durch eine hohe Komplexität erkauft werden. Es werden zwar Mischer-Voreinstellungen für unterschiedlichste Anwendungs-Szenarien und Abtastraten bereitgestellt. Dennoch muss der Anwender das Prinzip dieser Software beherrschen. 

Im Vergleich dazu gerät der Umgang mit den Mischpultsimulationen der tchMix genannte Mischer ist eine Kombination aus Patchbay und Mischpult. Ein- und ausgehende Signale werden übanderen Karten auf Anhieb leicht und intuitiv. Auffällig geraten hierbei die Applikationen von ESI und M-Audio. Letztere stellt über fünf Reiter umfangreiche aber dennoch übersichtliche Einstellmöglichkeiten bereit. Bemerkenswert ist der Bass-Management-Dialog, der ein bequemes Mischen der Ausgangssignale für Surround-Anwendungen bereitstellt. Die ESI-Karte wartet ebenfalls mit einem eigenen Feature auf, der sogenannten „Directwire“-Applikation. Dieser zusätzliche Dialog stellt sich wie eine Patchbay dar und erlaubt auf virtuellem Wege die Verknüpfung ein- und ausgehender Signale mit unterschiedlichen Treibermodellen (ASIO, WDM, DirectX, GSIF). Zu erwähnen ist ebenfalls der virtuelle Mischer der Marc X, der ähnlich wie das E-MU-System zusätzliche virtuelle Aux-Wege enthält. Zusätzlich enthält die Karte die so genannte „No interrupt-Architektur“, die ohne einen IRQ von Seiten des Computers auskommen und so noch einmal ein Stück mehr ressourcenschonender sein soll.

Grundvoraussetzung für alle Karten in unserem Vergleichstest ist die Möglichkeit, analoge Signale voll Duplex bei 96 Kilohertz und 24 Bit Wortbreite zu verarbeiten. Darüber hinaus sind die standardmäßigen tieferen Abtastraten ebenso möglich. Die Maya44 und die Phase 28 vermögen zusätzlich auch die analoge Wiedergabe von Signalen bei 192 Kilohertz. Sämtliche Karten verarbeiten ebenfalls S/PDIF-Signale bis 96 Kilohertz. Die Adat-Schnittstelle der Marc X verharrt hingegen bei 48 Kilohertz. Das EMU-System 1212m sticht hierbei abermals heraus und wird zum Sieger in Sachen Signalverarbeitung gekürt: Sie kann die Abtastrate von 192 Kilohertz sowohl aufnehmen, als auch wiedergeben und das auf analogem Weg und im S/MUX-4 Modus über die Adat-Schnittstelle. 

Ein anderes Thema ist die Kompatibilität zu unterschiedlichen Computersystemen. Lediglich Echo, M-Audio und Terratec bieten Treiber für den Macintosh an. Alle anderen beschränken sich auf die Windows-Welt. Marian hat zwar für ihre Produktpalette entsprechende Treiber für den Mac angekündigt. Bis dato hat sich da jedoch noch nichts getan.

Die Einstellung der Latenz bei sämtlichen Karten auf 256 Samples in Cubase SX3 zeigt im Durchschnitt einen Wert von unter drei Millisekunden und zeugt von sachgemäßer und ordentlicher Treiber-Programmierung. Einziger Ausreißer ist die Phase 28 mit 5,333 Millisekunden Eingangslatenz. Hier sollte noch einmal nachgebessert werden.  

Ein anderes Thema ist die Kaskadierbarkeit mehrerer Soundkarten. Marian, M-Audio und Terratec bieten diese Möglichkeiten. Bis zu vier unterschiedliche Kartenmodelle aus eigenem Hause lassen sich innerhalb eines Computers miteinander synchronisieren. Terratec wählt den Weg über eine eigens entwickelte, so genannte „EWS-Schnittstelle“. Hierzu muss über einen Jumper eine Karte als Master und die anderen als Slave definiert werden. Der Verbund wird über ein Flachbandkabel hergestellt. Marian geht denselben Weg, wählt dafür aber ein so genanntes Sync Bus-Kabel. Mia Midi und Maya 44 sehen diese Möglichkeit nicht vor. Das EMU-System bietet diese Möglichkeit ebenfalls nicht. Aber durch die eigene Konzeption aus zentraler Soundkarte im Verbund mit weiteren Karten beziehungsweise einer externen Ein-/Ausgangs-Box sind, wenngleich auch etwas eingeschränkt, modulare Erweiterungsmöglichkeiten gegeben. 

Die Messung der Soundkarten mit dem Audio Precision 2722 gestaltet sich für uns zu einer nervenaufreibenden Prozedur, bei der am Ende nur eine Erkenntnis herauskommt: PCI-Karten lassen sich kaum messen (siehe Kasten). Wir installieren jede Karte in den D.A.X. Pro-Audioworkstation Computer – siehe Test Ausgabe 7/2006 –, spielen die Treiber auf und verbinden die Karten sowohl analog, als auch digital mit dem Audio Precision Messcomputer. 
Bei Standard-Messungen wie Frequenzgang, Empfindlichkeit und maximalen Pegeln der Ein- und Ausgänge spielen alle Karten noch klaglos mit. Doch dann zeigt jede Karte auf individuelle Weise teilweise völlig widersprüchliche Messergebnisse – zwar reproduzierbar, aber technisch nicht so ohne weiteres erklärbar.
So kommt es vor, dass eine Karte ein gutes Rauschverhalten bei cirka -90 Dezibel zeigt, was wir mittels FFT-Analyse feststellen. Die anschließende Messung des Klirrfaktors zeigt auf einmal einen Wert, der 25 Dezibel schlechter liegt. Andere Karten wiederum zeigen eine vorbildliche Wandlerlinearität, geben allerdings ein völlig katastrophales Jitterspektrum von sich.

Unser Leiter der Technik, Uli Apel, zweifelte zwischendurch an der Funktionstüchtigkeit des Audio Precision-Gerätes. Zur Kontrolle misst er das Audio Precision selbst und schließlich sogar Geräte, die zuvor schon einmal gemessen wurden, um einen Defekt auszuschließen. Das Ergebnis ist wie erwartet: Unser Messgerät arbeitet einwandfrei.
Eine Nachfrage bei RTW (Radio technische Werkstätten) in Köln, dem Vertrieb von Audio Precision, verschafft uns Klarheit: 
Das Phänomen ist bestens bekannt und hängt mit vielen Faktoren, unter anderem mit der Wechselwirkung zwischen dem Computer, in die die Karte installiert ist, und der Karte selbst ab. Einer der Gründe: Über die PCI-Schnittstelle werden Signale in den Computer geleitet, dort verarbeitet und wieder in die Karte  zurückgeschickt. Die Art und Weise dieser Signalverarbeitung geschieht je nach Ausbau und Ausstattung der Computer-Komponenten auf unterschiedliche Art und Weise. Verlässliche Messergebnisse sind also nicht möglich. Wir messen trotzdem jede Karte durch und prüfen sie hinsichtlich Frequenzgang, Klirrfaktor, Übersprechen, Wandlerlinearität und Jitter. Doch dadurch, dass die Ergebnisse an einem oder mehreren Punkten immer wieder Nonsens-Werte ergeben, können wir keine sachgemäße Aussage über alle technischen Qualitäten der Soundkarten abgeben. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, diese strittigen Werte nicht zu veröffentlichen. Sie würden ein verzerrtes und auch falsches Licht auf die einzelnen Soundkarten werfen.

Die einzigen Messungen, die schließlich bei allen Soundkarten einwandfrei über die Bühne gehen bestehen im Frequenzgang, der sich bei allen Karten übrigens als musterhaft zeigt, sowie der Messung der Ein- und Ausgangspegel und der Fremd- und Geräuschspannungsabstände. Sämtliche Karten bewegen sich bei den Fremdspannungsabständen in einem Bereich zwischen 90 und knapp 95 Dezibel. Sieger hier sind die Karten von EMU und Marian mit jeweils 95,1 Dezibel. Beim Geräuschspannungsabstand verhält es sich genauso. Mit erstklassigen 98 Dezibel liegen wiederum die Marc X und das 1212m-System gleichauf. Diese spärlichen Ergebnisse können jedoch ebenfalls nur einen kleinen Einblick in das mögliche Potenzial der Soundkarten abgeben. Was bleibt ist die rein analoge Messung über die Ohren durch einen Hör-Vergleichstest.  

Im Zentrum unseres vergleichenden Hörtests steht die Qualität der Analog-Digital-Wandler jeder Soundkarte. Wir verbinden dazu die analogen Eingänge der einzelnen Soundkarten mit unserer Referenzquelle, der Telefunken M15A, die im Verbund mit dem Telcom C4 Rauschunterdrückungssystem ein ausgezeichnetes analoges Referenz-Signal liefert. Über Cubase SX3 wandeln wir über die einzelnen Karten dieses analoge Tonmaterial mit 24 Bit Wortbreite und 96 Kilohertz Abtastrate und speichern es auf der Festplatte des D.A.X. Pro-Audioworkstation Computers. Um eine verlässliche Referenz-Abhörmöglichkeit zu erhalten, wandeln wir die digitalisierten Signale über den Apogee Rosetta 200 wieder zurück und hören die Ergebnisse über die Adam S3A Monitore und den Stax 006T-Kopfhörer ab. 

Allgemein ist festzuhalten, dass sämtliche Karten sehr gute klangliche Eigenschaften besitzen. Einen Ausreißer gibt es nicht. Die Unterschiede sind gering und auch nur dann feststellbar, wenn äußerst konzentriert gehört und immer wieder mit der Referenzquelle verglichen wird. Allen Soundkarten gemeinsam ist, dass sie es nicht ganz schaffen, die Räumlichkeit und die Selbstverständlichkeit des Originals zu erreichen. Der Eindruck entsteht, als ob etwas an Luftigkeit in den Höhen abhanden gekommen ist. Dennoch lässt sich allen Karten attestieren, dass sie die eingespeisten Signale klar, detailliert, sehr lebendig und transparent abbilden. 

Testsieger unseres Hör-Vergleichstests ist die EMU 1212m-Karte, dicht gefolgt von der Marian Marc X. Der Klang einer akustischen Gitarre, aber auch einer weiblichen Gesangsstimme wird von der EMU-Karte im Vergleich minimal feiner aufgelöst. Mitten- und Höhenspektrum erklingen klar und sehr seidig. Die Nähe zum Original ist bei dieser Karte im Vergleich zu den anderen noch am höchsten. 
Die Marc X Karte besticht ebenfalls durch ein analytisches und differenziertes Klangbild, jedoch verleiht sie den Klängen ein wenig Wärme. Bei dieser Karte bestechen vor allem die Mittenfrequenzen, die ausgewogen und räumlich sehr differenziert übertragen werden. Bemerkenswert ist auch der Klang der Mia Midi-Karte, die eine sehr gute Auflösung besitzt und nur minimal unter den Qualitäten der EMU und Marian Karte auf den dritten Platz kommt. 

Im Gegensatz zu den glänzenden Ergebnissen der oben genannten Karten fällt der Klang der Terratec Phase 28 Soundkarte auf. Obwohl wir peinlich genau die Pegel eingestellt haben und auf die Aussteuerung achten, hören wir minimale Rauschfahnen in der Aufnahme, obwohl die Messwerte keinen Hinweis darauf geben. Weiterhin entsteht der Eindruck, dass die Klänge etwas zu prominent in den Höhen sind, was allerdings durch das etwas schwache Mittenspektrum hervorgerufen wird. Die Aufnahmen klingen dadurch ein wenig gläsern und flach. Jedoch sind die von uns festgestellten Auffälligkeiten so minimal, so dass die Terratec-Karte dennoch ein gut bis sehr gut von uns für den Klang erhält.

Die anderen beiden Karten rangieren zwischen Phase 28 und Mia Midi. Auffällig ist das fast gleiche Klangbild der ESI- und M-Audio-Karte. Es sind praktisch keine Unterschiede auszumachen. Beide Karten fallen durch einen eher hellen Klang auf, der im Vergleich zur Terratec-Karte jedoch differenzierter gerät, aber nicht ganz an die Marian oder die EMU-Karte reichen. 

Alles in allem lässt sich feststellen, dass trotz der nicht verlässlichen Messergebnisse, sämtliche Karten eine sehr gute Klangqualität besitzen. Mehr noch ist dies ein Zeichen für gute Verarbeitung und hohes Knowhow auf Seiten der Hersteller. Für bereits etwas über 100 Euro bekommt man gute Klangqualität, die nichts vermissen lässt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die zum Test angetretenen Karten nicht den Anspruch besitzen in der Spitzenklasse der Digitalwandler zu agieren. Egal für welches Produkt Sie sich entscheiden, Sie können rein klanglich nichts falsch machen.

Fazit

Der Gesamtsieger unseres Vergleichstests ist die EMU 1212m Soundkarte. Sie überzeugt nicht nur klanglich, sondern steht auch mit ihren knapp 150 Euro Verkaufspreis im Vergleich zum Lieferumfang als Preis-/Leistungs-Sieger an der Spitze. Ein anderes Thema ist wiederum Bedienung, Flexibilität und Ausstattung. Einen Sieger in diesen Kategorien zu küren ist unmöglich, da jede Karte ihre individuellen Qualitäten hat und unterschiedlichen Anforderungen gerecht wird. 
So erfordert das Bedienkonzept des virtuellen Mixers, obwohl ungleich besser ausgestattet als die anderen, bei der EMU-Karte einiges an Einarbeitungszeit und dürfte gerade Neueinsteigern eine Menge Probleme bereiten. Die virtuellen Mixer der anderen Karten erschließen sich hingegen direkt und intuitiv. Weiterhin lässt sich die EMU-Karte höchstens durch den Anschluss einer Desktop-Box erweitern. Wer also plant ein komplettes System aus mehreren Soundkarten in den Computer zu installieren fährt mit Marian, M-Audio und Terratec besser. Das Thema Ausstattung ist ähnlich kontrovers belegt. Denn nicht jeder wird beispielsweise Wert auf eine Adat-Schnittstelle legen. Geht es um mehrkanalige analoge Aufnahmen sticht die M-Audio Karte als einzige innerhalb unseres Testfeldes einsam heraus. Die Integration von XLR-Buchsen zum Anschluss von Mikrofonen macht sie zusätzlich attraktiv. Wer darüber hinaus vornehmlich analoge Signale wandeln möchte und eine Phantomspeisung benötigt, gleichzeitig dazu auch noch aufs Geld achtet, wird mit Sicherheit die Maya44 als Objekt seiner Begierde ausspähen. 
Sie sehen, es ist also eine eher philosophische Frage, welche Karte nun die ungleich besser ausgestattete ist. Entscheiden Sie also selbst, gehen Sie in sich und hinterfragen, was Sie wirklich an Ausstattungsmerkmalen bei einer PCI-Soundkarte benötigen. 

Erschienen in Ausgabe 08/2006

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 149 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: überragend

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