Die Rückkehr der Bandmaschine

Nachdem sie bei Einführung der Digitaltechnik beinahe komplett in Vergessenheit geraten wäre, erlebt die Bandmaschine heute ein regelrechtes Revival. So manches Tonstudio holt die alten Schätzchen wieder aus der Mottenkiste und macht sie flott für den teil- oder reinanalogen Produktionsworkflow. Doch längst nicht alle wissen noch, wie die dahinterstehende Technik funktioniert und wie eine Bandmaschine eingemessen wird. Uli Apel klärt auf.

von Uli Apel

Im Jahr 1898 erfand der Däne Valdemar Poulsen die magnetische Signalspeicherung und er baute auch den ersten funktionsfähigen Prototypen einer nach diesem Prinzip arbeitenden Maschine. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 stellte er sein Telegraphon vor, eine Sensation der Veranstaltung. Der Informationsträger bestand aus homogenem Stahldraht von 1 mm Durchmesser und 100 m Länge, spiralförmig auf einer Trommel befestigt, auf der er mit einer Geschwindigkeit von ca. 2 m/s abläuft. Der Magnetkopf war umschaltbar für die drei Betriebsarten „Aufzeichnung“, „Wiedergabe“ und „Löschen“.
1902 erhielt Poulsen ein Patent auf die von ihm entwickelte Gleichstrom-Vormagnetisierung, welche bis zur Einführung der HF-Vormagnetisierung im Jahre 1940 Stand der Technik auf dem Gebiet der magnetischen Vorbehandlung des Informationsträgers während des Aufzeichnungsvorgangs war.
Nach dem Trommelapparat konstruierte er 1901 den Spulenapparat mit einem 3 mm breiten und 0,05 mm dicken Band aus homogenem Stahl als Informationsträger. Die maximale Aufnahmedauer beträgt bei ca. 2 m/s Band-Geschwindigkeit max. 16 min. Im Gegensatz zum Trommelapparat, bei dem durch die Konstruktion des Magnetkopfes der Draht in Längsrichtung magnetisiert wurde, erfolgte hier die Magnetisierung quer zur Laufrichtung.
Als Urknall auf dem Wege zur heutigen Bedeutung der Magnetaufzeichnungen ist rückwirkend das Erscheinen des Magnetbandgerätes Magnetophon K1 der AEG auf der Berliner Funkausstellung im Jahre 1935 anzusehen. Es verwendete erstmalig als Informationsträger das 1928 von Fritz Pfleumer erfundene, von der IG Farben, Werk Ludwigshafen, zur Serienreife entwickelte 6,5 mm breite Magnetband. Dieses war zunächst ein mit Eisenpulver beschichtetes Papierband. Später wurde dünnes Kunststoffband verwendet, in das das Eisenpulver quasi eingeschmolzen wurde. Dieses Band zeichnet sich vor allem aus durch preiswerte Herstellung, Anwendbarkeit verschiedener, jeweils optimaler Speichermaterialien (Eisen, Chromdioxid) sowie die Möglichkeit des einfachen Schneidens und Klebens. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin – besser bekannt als AEG – begann darauf mit der Herstellung professioneller Studio-Bandmaschinen.

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