Vom Instrument zur Library

Was steckt eigentlich hinter dem Thema Sampling? Wie nehme ich Einzeltöne auf, sodass nachher ein virtuelles „Ganzes“ entsteht? Welche Bearbeitungsschritte sind notwendig, welche eher schädlich? Antworten am Beispiel der Digitalisierung eines historischen Cembalos.

Von Nicolay Ketterer (Fotos: N. Ketterer, M. Keller)

Sampling klingt einfach: Einzelne Töne aufnehmen, editieren, im Sampler anordnen – fertig. Doch die Fallstricke der einzelnen Arbeitsschritte sind – je nach Projekt – mitunter groß. Worin besteht die Essenz eines Instruments, und wie kann diese im Sampler transportiert werden? Als Anschauungsbeispiel dient meine Digitalisierung eines historischen Cembalos Baujahr 1738, aufgenommen im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, das ich für mein Unternehmen realsamples gesampelt habe. Ein Blick auf die Überlegungen im Vorfeld, über die Technik, die „Umgebungsvariablen“ beim Aufnehmen bis zum das Editieren der Samples und dem Mapping im Sampler. Am Ende gilt immer: Jedes gesampelte Instrument ist nur so gut wie seine einzelnen Töne.

 

Die Aufnahmeumgebung

Als Ausgangsbasis steht im Idealfall ein einwandfrei gestimmtes, sehr gut spielbares Instrument zur Verfügung. Das war beim vorliegenden Cembalo der Fall. Ein derart guter Zustand ist selbst bei behutsam restaurierten Instrumenten mit knapp 300 Jahren „Geschichte“ in Resonanzboden und Klaviatur beileibe keine Selbstverständlichkeit. Der Aufnahmeraum musste für das Sampling extrem leise sein; bei Verstärkungen am Preamp von bis zu 60 dB wird jedes noch so kleine Geräusch hörbar. Gerade Cembali liefern nur geringe Pegel, beim Sampling einzelner Töne reduzieren sich die Schallereignisse stark gegenüber einer „geschäftigen“ Performance.

Das lässt hellhörig werden und legt Störquellen offen, die „im Vorbeigehen“ völlig verborgen bleiben. Im Aufseß-Saal des Germanischen Nationalmuseum waren glücklicherweise keine „versteckten“ Schallquellen auszumachen. Lediglich der Besucherverkehr weiter vorne im großen Hauptbereich des Gebäudes, getrennt nur durch wenige Flure und die geschlossene Tür des Konzertsaals, war über die Mikrofone gelegentlich auszumachen. Hier half die Abtrennung eines Flurs vom Hauptbereich durch das Schließen zusätzlicher Schallschutztüren. Ein Vorteil: Der Konzertsaal hatte indes kein Außenfenster – Schall von außen war so kein Problem.

 

Geräuscharme Recording-Tools

Ein Notebook wäre zwar ungemein praktisch für die Aufnahme, doch machen das automatischem Lüfter-Management und der laute, verbaute Lüfter dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung, da sich das Notebook zur visuellen Kontrolle der Aufnahme in unmittelbarer Nähe zum Aufnahmeplatz befinden müsste. Stattdessen verwende ich einen sehr leisen PC mit geräuscharmem CPU-Lüfter. Dessen Geschwindigkeit hatte ich zusätzlich mit einer Zalman Fanmate 2-Lüftersteuerung gedrosselt – so, dass die CPU-Temperatur noch unkritisch blieb. Je schneller ein Lüfter dreht, desto höher ist die Frequenz seines Geräuschs – und umso störender wird die Frequenz empfunden. Das Netzteil war ein Be Quiet!-Modell, ebenfalls sehr leise. Da ich ohne zusätzlichen Gehäuselüfter auskommen wollte, verzichtete ich auf ein passiv aufgebautes Netzteil, da hier die Hitzeentwicklung zu stark gewesen wäre.

Wenn der PC noch weiter von den Mikrofonen entfernt sein muss, verwende ich bei Bedarf USB-Verlängerungskabel für Maus und Tastatur, sowie eine Verlängerung für den Bildschirm.

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