DJ Workstation deluxe

Mit dem MCX8000 schickt Denon einen voll ausgestatteten Stand-alone DJ Player/Mixer ins Rennen, der nicht nur Steuerfunktionen für Serato DJ bietet, sondern sich auch ganz ohne Computer betreiben lässt.

Von Stefan Feuerhake

Wie Sie schon bei den bisherigen Artikeln des DJ Specials verfolgen konnten, unterscheiden sich die Anforderungen für DJ Hardware schon deutlich, je nachdem wo und auf welchem Weg die Musik aufgelegt werden soll. Ein Stand-alone Gerät wie der Denon MCX8000 mit all seinen Möglichkeiten kann hingegen überall genutzt werden. Überraschenderweise sind solche Schlachtschiffe im Clubbereich mittlerweile eher unbeliebt. Das liegt nicht etwa am Klang oder Handling der Geräte, sondern an deren ausufernden Maßen. Denn wenn jeder DJ mit einem solchen Gerät zum Gig erschiene, würde die Übergabe in den teils doch sehr engen Arbeitsplätzen der Clubs schnell zum Drama.
So zielt Denon mit dem MCX8000 eher auf die große Riege der Hochzeits-, Party- und Veranstaltungs-DJs ab, die teils ganz andere Ansprüche an ihr Arbeitsgerät haben als die Club-Kollegen. Wichtig sind dabei, neben einer soliden Verarbeitung, gutem Sound und Workflow, vor allem große Flexibilität und eine Vielzahl von Anschlussmöglichkeiten.
Grundsätzlich sollte jeder mögliche Zuspieler, egal ob Plattenspieler, CD-Player oder Handy anschließbar sein. Auch wenn gleichzeitig mit Laptop und Software gearbeitet wird, sollte der Player weiter funktionieren, selbst wenn der Laptop mal den Geist aufgibt. Außerdem soll der DJ auf Loopfunktionen, das Abfeuern von Samples, Effekte und weitere eher dem Clubbereich zuzuordnende Funktionen nicht verzichten. All das leistet der Denon MCX8000 für einen UVP von 1.547 Euro als  echte All-in-One-Lösung.

Look & Feel

Der MCX8000 macht mit seinen knapp 9 kg einen imposanten Eindruck und wirkt auf den ersten Blick sehr solide. Sein attraktives Design mit den zwei schicken Jogwheels und Player Displays gefällt uns sehr gut. Der Arbeitsraum ist gut dimensioniert, alle Bauteile fassen sich gut an und zeugen von einer sehr guten Fertigungsqualität, die man angesichts des Preises allerdings auch erwarten darf. Gut gefällt uns auch, dass die Kanten der schlanken Workstation abgerundet sind, so kommt es nicht zu „Verletzungen“ beim Transport. Die Bildschirme der Player stehen praktischerweise angewinkelt zum Betrachter und Funktionsbeschriftungen und Markierungen sind sehr gut abzulesen. Man merkt, dass sich Denon wirklich Mühe bei den Details gegeben hat.
Bei Maßen von 73 x 34 x 7 cm ist die Konsole nicht gerade klein, allerdings muss sie auch nicht zwingend kompakt sein. Es kommt eben darauf an, wo sie eingesetzt wird. Praktisch sind die sechs Antirutsch-Gummiplättchen auf der Unterseite, die hoch genug sind, um Kratzer auf dem Tisch durch die etwas hervorstehenden Schrauben zu vermeiden. Doch besonders wichtig für den flexiblen DJ ist die Rückseite des Gerätes, mit ihren vielen Ein/Ausgängen.

Anschlüsse

Dass der MCX8000 nicht nur ein DJ-Controller, sondern auch ein Mischpult ist, wird beim Blick auf die Rückseite des Geräts klar. Er verfügt über mehrere Anschlussbuchsen für externe Zuspieler und kann sogar Licht-Equipment via „Stage LinQ“ steuern. Dazu gesellen sich eine USB-Buchse, zwei Mikrofonanschlüsse in XLR- und Klinkenausführung, eine Netzwerkschnittstelle, ein Master-Cinch- und ein Master-XLR-Pärchen und ein Monitorausgang in XLR-Ausführung. Externes Equipment wird über ein Quartett von Cinch-Steckern angeschlossen. Kanal 1 und 2 führen ausschließlich Line-Signale, für Kanal 3 und 4 kommt zusätzlich eine Phono/DVS-Option via Dip-Schalter plus Erdung für die Turntables hinzu. An der Vorderseite finden sich lediglich die beiden Kopfhörerbuchsen, einmal große Klinke und einmal Miniklinke sowie das X Fader Contour-Poti, welches das Regelverhalten des Crossfaders einstellt. Dieses steht unglücklicherweise etwas hervor – also Vorsicht beim Transport!
Zusätzlich gibt es noch neben dem linken Player auf der Oberseite zwei Anschlüssen für USB-Sticks und Co. So bleiben schon einmal auf der Anschluss-Seite keine Wünsche offen. Schauen wir doch als nächstes, was der Mixer zu bieten hat.

Mixer-Bereich

Im Zentrum des MCX8000 findet man die Mixersektion. Sie bietet genügend Platz um komfortabel arbeiten zu können. Die Ausrüstung des Mixers ist Standard: Effektzuweisung, Quellen-Wahlschalter, Gain und eine dreibandige Klangregelung, die in den Höhen und Mitten mit maximal + 10 dB arbeitet. In den Bässen hingegen geht der EQ mit maximal +6 dB zu Werke – in die entgegengesetzte Richtung gedreht, wird das Signal vollständig ausgelöscht. Dazu gesellen sich ein DJ-typisches Kombi-Hoch/Tiefpassfilter und Cue-Buttons fürs Vorhören. Die vier 60 mm-Linefader werden von einem 45 mm-Crossfader ergänzt. Der Crossfader ist hinsichtlich seiner Flankencharakteristik einstellbar und er regelt sich angenehm.
Die Vorhörsektion, die sich bei vielen Konkurrenzmodellen meist links befindet, sitzt hier rechts unten, woran man sich aber schnell gewöhnt. Zur Verfügung stehen dort, außer der Volume-Regelung, ein stufenloser Cuemix-Regler und die Option, Master und Preview zu splitten. Über der Cue-Sektion logieren der X-Fader Link-Button, der den Crossfader mit Serato Video Blends verlinkt, gefolgt vom ebenfalls für den Software-Betrieb vorgesehenen Sampler-Volume sowie Lautstärkeregler für Master und Booth. Der Mixer ist sehr übersichtlich und es macht Spaß mit ihm zu arbeiten. Er kann natürlich auch als Stand-alone Audio-Mixer genutzt werden.

Mikrofon-Bereich

Was wäre der DJ ohne ein Mikrofon? Auf der linken Seite des Mixers befindet sich die Mikrofonsektion. Es können zwei Mikros an den MCX8000 angeschlossen werden. Jeder Mikrofon-Kanal bietet neben einem Gain Poti einen 2-Band Equalizer mit einem Hi- und Low-Poti. Beide stellen einen Regelbereich von -15 bis +15 dB zur Verfügung. Als kleines Bonbon verfügt jeder Kanal über Echo mit Intensitätspoti. Eine Clip-LED signalisiert Übersteuerungen im Kanal. Eine weitere nützliche Funktion ist das Talkover, das zwar nicht in Schwellenwert oder Absenkung eingestellt werden kann, in der Praxis aber dennoch gute Dienste leistet.

Player-Bereich

Ziemlich imposant sind die beiden Player, die locker die Größe eines DJ-CD-Players erreichen. Zuerst fällt das große Display ins Auge. In der Mitte findet sich das handliche Jogwheel, mit dem manuelles Beatmatching und einfache Scratch-Techniken kein Problem sind. Im unteren Bereich schließen sich die acht Pads und die Loop Funktion an.
Um den MCX8000 mit möglichst vielen verschiedenen Medien auf Touren zu bringen, haben wir Tracks vom USB Stick benutzt, einen Laptop mit Serato DJ angeschlossen, und zusätzlich noch einen Technics 1210 Plattenspieler genutzt.
Via USB spielt der Player AAC, AIFF, MP3 und WAV Files mit 16 oder 24 Bit ab. Die USB Speichermedien können in HFS+ und FAT16/32 formatiert sein und mit maximaler Größe von 2 TB daherkommen. Das ist sehr zufriedenstellend, denn so lässt sich leicht eine endlose Zahl an Songs plus Backups auf USB Sticks transportieren. Wenn man bedenkt, dass ein 128 GB Stick mittlerweile für nur 25 Euro zu haben ist, ist das auch noch eine sehr günstige  Variante.
So lässt sich der Controller wunderbar Stand-alone ohne Computer betreiben und ist damit besonders interessant für alle mobilen DJs, die Veranstaltungen aller Art bespielen und dabei auf ein großes Repertoire zurückgreifen müssen. Das Laden und Browsen der Songs vom Stick geht mittels Push-Encoder schnell von der Hand. Dabei werden die Tag-Infos ausgelesen und eine Wellenausschnitts-Betrachtung erstellt. Wenn es keine BPM Tags im Song gibt, werden auch keine ausgelesen. Man muss also das Tempo manuell, nach Gehör anpassen. Die Tasten der Beatgrid-Abteilung funktionieren nur im Zusammenspiel mit Serato.
Das Jogwheel mit dem beleuchteten, optional invertierbaren „Nadelindikator“ liegt gut an der Hand und setzt Bewegungen akkurat um. Im Pausenmodus kann mittels Shift eine Schnellsuche erfolgen. Alternativ bemüht man den Touchstrip unter dem Screen für die Navigation.
Egal ob beim Spielen von Tracks aus Serato oder dem USB Stick, die Player fassen sich dabei sehr gut an, reagieren flott und es mangelt uns an nichts.

 

Klang

Natürlich ist bei einem Gerät wie dem MCX8000 die Soundausgabequalität besonders wichtig, wird es doch regelmäßig an den verschiedensten Anlagen betrieben. Auch in dieser Hinsicht haben wir absolut nichts zu beanstanden. Der MCX liefert druckvollen, satten Sound an alle Ausgänge. Sehr lobenswert ist der 2-Band-Equalizer am Monitorausgang. Dieser zeigt sich als ein sehr guter Helfer, wenn man einen zweiten, akustisch ganz anders beschaffenen Raum gleichzeitig beschallen möchte.  Der Kopfhörerausgang ist laut und transparent im Sound. Dennoch fängt er bei hoher Lautstärke etwas an zu zerren.

EQs & Effekte

Beim klanglichen Finetuning gehen die EQs und das Filter gut zu Werke. Außerdem lassen sich die Effekte auf die Einzelkanäle legen, wobei für die Kanäle drei und vier der Deckswitch betätigt werden muss. Das ist zunächst etwas irritierend, aber immerhin lassen sich so alle Kanäle mit Effekten bearbeiten.
Klanglich würden wir die drei integrierten Effekte eher als Standard bezeichnen. Beim Phaser und Echo ist neben der Intensität das Timing die Stellschraube, ein Parameter-Regler ist nicht dabei. Der dritte im Bunde ist ein Noise-Effekt und das war es dann auch schon. Der eine oder andere Mastering-Effekt hätte dem Effekt-Bundle nicht geschadet, aber bei einem Gerät mit einem derart großen Funktionsumfang ist das kein Grund zum Meckern.

Engine

Engine ist Denons hauseigene DJ-Software für PC und MAC. Sie liegt in der Version 1.5 vor und bietet farbige Wellenformanzeigen für Songs und diverse Filter für die Library wie Tonart, Genre, BPM, Album und Key.
Allerdings sei hier gleich erwähnt, dass Engine keine vollwertige DJ-Mix-Software wie Traktor, Serato oder Rekordbox ist, obwohl es zu letzterem gewisse Ähnlichkeiten hat.
Im oberen Abschnitt der Software befindet sich die Abspieleinheit, im unteren Teil die Library. Das Ganze ist optisch ansprechend gestaltet. Der Workflow mit Engine ist praxisgerecht und gut.
Laut Denon lassen sich in Engine pro Collection bis zu 100.000 Musikstücke verwalten. Playlisten dürfen bis zu 1.000 Titel enthalten, die virtuellen Plattenkisten (Crates) außerdem sechs Untergruppen (Subcrates). Engine ermöglicht außerdem den Import von m3u- und XML-Playlisten, einzelnen Dateien und ganzen Verzeichnissen.
Hinsichtlich der BPM-Analyse kennt Engine zwei Methoden: BPM-Average und RAW. Im ersten Fall wird das Taktraster anhand der ermittelten Geschwindigkeit auf die Laufzeit gezeichnet. Im zweiten Fall erfolgt eine genauere Analyse anhand der Transienten. Die ermittelten Daten kann man zum Schluss auf den USB Stick exportieren und am Controller nutzen.
Beim Beatmatching fällt auf, dass der Sync-Button sehr wohl das Tempo, das im Player zehntelgenau ausgegeben wird, synchronisieren kann, jedoch nicht den Takt. Die Tracks müssen also erst einmal per Gehör in den Gleichlauf gebracht werden. Engine hat noch einigen Aufholbedarf im Vergleich zu anderer DJ-Software wie Recordbox und hat uns noch nicht richtig überzeugt.

Steuerung von Serato

Was die Steuerung von Serato DJ angeht,  läuft der MCX8000 einwandfrei. Die Jogwheels, Regler und Tasten arbeiten ohne spürbare Verzögerungen mit der Software zusammen. Die Wellenformen  der Tracks und die Serato-Informationen werden dabei schnell und gut von den Screens aufbereitet. Selbst wenn man alle vier Player gleichzeitig nutzt, behält man über die Displays und das Status-Feedback bestens die Übersicht. Man muss dabei auch nicht dauernd auf den Laptop schauen.
Der MCX8000 unterstützt außerdem die noch recht frische Serato Pitch Play Funktion, die sehr viel Spaß macht. Hierbei wird über eine Tastenkombination ein Cuepoint aufgerufen und dieser kann dann über die Performance Pads in verschiedenen Tonlagen, ähnlich wie auf einer Klaviatur, Samples spielen. Dabei stehen drei verschiedene Bandbreiten zur Verfügung. Kleiner Wermutstropfen an dieser ansonsten coolen Funktion: Es wird ein kostenpflichtiges Serato Plug-in benötigt, das Pitch’n‘Time heißt und 29 Euro kostet. Dieses Plug-In bietet aber auch noch weitere nützliche Möglichkeiten zur Tonhöhenmanipulation und ist sein Geld wert.

DVS

Zuletzt ist der MCX8000 noch DVS-zertifiziert. Das heißt, er kann Seratos Decks über zeitcodiertes Vinyl und mit dem Plattenteller steuern. Zum Mixen und Scratchen werden die Plattenspieler an Kanal drei und vier angeschlossen. Allerdings setzt das Ganze ein weiteres optionales Plug-in voraus: Serato DVS. Dieses schlägt nochmals mit 99 Euro zu Buche. Doch das finden wir fair. So kann Denon den Gesamtpreis des MCX niedrig halten, denn nicht jeder DJ braucht diese Funktion.

Fazit

Denons Workstation MCX8000 ist ein echtes Schwergewicht, und das nicht nur aufgrund seiner soliden Verarbeitung, den zahlreichen Schnittstellen, der gebotenen Flexibilität und des Workflows. Sowohl Ausstattung und Software-Unterstützung als auch die ganzen Features machen das Gerät zu einem exzellenten Allrounder, der für jede Situation gewappnet ist.

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