Live on Stage

Ableton Live ist eine Software, mit der sich musikalische Ideen entwickeln, in fertige Songs verwandeln und auf die Bühne bringen lassen. Welche vielfältigen Möglichkeiten Live für DJs, Live-Acts und Bands bietet, verraten wir in diesem Workshop.

Von Stefan Feuerhake

Die Geschichte von Ableton begann im Jahr 2001, als die Berliner Softwareentwickler ihr erstes Produkt Ableton Live – eine digitale Audio-Workstation – veröffentlichten. Live ist eine DAW, die es Musikern ermöglicht, Samples beliebig zu triggern und zu manipulieren, und das alles auf der Bühne, während der Show, in Echtzeit. Das Publikum ist quasi live dabei. Das hat die komplette Musikszene der letzten Jahre stark beeinflusst und Live findet sich seitdem sehr häufig auf den Bühnen dieser Welt. Ob als DJ-Programm,  für den elektronischen Live-Act oder als Unterstützer für Live-Bands – Live ist extrem vielschichtig einsetzbar. Mittlerweile, ganz am Anfang war die DAW hauptsächlich zum performen gedacht, ist das Programm auch zu einem mächtigen Produktionstool gewachsen, und schafft somit die perfekte Brücke zwischen Studio und Bühne. Ein Grund dafür ist die leichte Bedienung der Oberfläche, lässt sich etwa von DJs, die üblicherweise mit dem Produzieren keine bis wenig Erfahrung haben, schnell erlernen. So gelingt es auch Neueinsteigern aus dem DJ-Lager schnell, mit Live eigene Edits, Mash-ups von bereits veröffentlichten Songs oder einen fertigen DJ-Mix zu erstellen. Ebenso bietet die Integration von Max/MSP als Max for Live unendliche viele Möglichkeiten zur Einbindung neuer Tools und Effekte. Der erst kürzlich mit der Version Live 9.5 eingeführte  Synchronisations-Standard Link schafft zudem neue Maßstäbe beim Erschaffen von großen Setups mit verschiedener Soft- und Hardware.

In diesem Workshop zeigen wir Ihnen die Möglichkeiten, die Ableton Live für DJs, Live Acts und Bands bietet. Außerdem verraten wir einige Tipps zum gleichzeitigen Steuern von Musik und den dazu gehörigen Visuals und einige nützliche Tricks für die eigene Bühnenshow. Zuerst soll jedoch  um die Verwendung von Live als DJ-Programm gehen:

DJ-ing mit Live

Zunächst können Sie mit Ableton Live ganz gewöhnliche DJ-Sets aus der Session Ansicht spielen, einen Track nach dem anderen, ohne dabei etwas  synchronisieren zu müssen (siehe dazu auch Test von Ableton Live 9 in Professional audio 5/2013). Durch die Clip/Loop-basierte Arbeitsweise in Lives Session Ansicht und die globale Quantisierung für das Starten der Clips und Loops gelingt dies so einfach, dass es auch für einen Laien schnell zu realisieren ist. Allerdings bietet das Programm so viel mehr, womit Sie Ihr DJ-Set zu etwas ganz persönlichem und einzigartigem machen können. So können Sie beispielsweise ganze Songs mit zusätzlichen Drums, Sounds oder Synthesizer-Patterns ergänzen, um sich so von der Masse gewöhnlicher DJs abzuheben. Eine weitere wichtige Funktion ist das Warping, Lives Timestretchfunktion, die dafür sorgt, dass sich alle im Set befindlichen Songs und Loops an das Mastertempo anpassen. Für das „Warpen“ stehen verschiedene Modi zur Verfügung, die beeinflussen, wie das Material sich beim Verändern des Tempos verhält. Nutzen Sie den Complex Pro Modus für ganze Songs, wenn Sie nicht möchten, dass sich auch die Tonhöhe mit dem Tempo verändert. Je nach Auflösung der Songs lässt sich so das Tempo um bis zu fünf BPM verändern, ohne den Klang negativ zu beeinflussen. Oder wollen Sie es klassisch, wie beim guten alten Plattenspieler? Dann nutzen Sie den Repitch Modus und die Tonhöhe verändert sich mit dem Tempo. Die Wiedergabe-Qualität wird dabei dennoch nicht negativ beeinflusst.

Geht es hingegen darum, einzelne Samples, z.B. Vocals, Timing-genau zum Set abzufeuern, ist das Launch Menü mit seinen vier Start-Modi sehr hilfreich (siehe Abbildung). Dort können für jeden einzelnen Clip in der Session Ansicht Start-Modus und Quantisierungsrate eingestellt werden. So lässt sich das Abspielverhalten von Samples beispielsweise so einstellen, dass sie genau auf dem Raster zu spielen beginnen und auch wieder stoppen. Das ist besonders hilfreich bei Timing-abhängigen Effekten, wie etwa Delays. So laufen sie nie out of sync, egal wie ungenau das Sample getriggert wird.

Ein weiterer kreativer Trick ist das Mitschneiden von neuen Loops, während das Set spielt. Dies gelingt mit Hilfe einer neuen Audio Spur, die im Input des Kanals auf Resampling gestellt wird. So nimmt Live alles auf, was auf dem Masterkanal anliegt. Daraus lassen sich blitzschnell neue Loops erstellen und sofort wieder im Set einsetzten.

Ebenfalls ein wichtiges Feature für mögliche DJ-Sets sind Lives Audio Effect Racks. Schauen Sie sich in diesem Rahmen unbedingt die Presets aus der Kategorie DJ & Performance durch. Darunter finden sich viele nützliche Tools für ein kreatives DJ-Set. Eine besondere Anwendung ist das sogenannte Dummy Effekt Rack (siehe Abbildung), dass so programmiert werden kann, das Effekte über die Slots der Session Ansicht durch sogenannte Dummy Clips (leere, nicht Signal-gebende Audio Clips) getriggert werden können, sozusagen: Effekte auf Knopfdruck. Besonders dafür empfiehlt sich ein entsprechender Pad Controller wie Ableton Push, Akai APC 40 oder das Novation Lounchpad.

Nicht zu vergessen: Die Integration von Max for Live, die auch den DJ eine große Anzahl von kreativen Tools zusätzlich zu  den On-Board-Effekten zur Verfügung stellt. Mehr zu Max for Live finden Sie im Kasten. Aber was wäre ein DJ ohne eigene Edits, Remixes oder Mash-ups?

Edit, Mashup & Remix

Durch das einfache Arbeiten mit Audio Files eignet sich Live besonders gut zum Erstellen von eigenen Song-Edits, Mash-ups und kleinen Remixes von bereits vorhandenen Tracks. Exklusive Songs und Edits zu spielen, erhöhen den Wert eines DJs ungemein.

Um dies auszuprobieren, ziehen Sie einen Track in Lives Arrangement Ansicht. Live ist an dieser Stelle mit einer automatischen Fade Funktion ausgestattet, sodass sich ein Song ohne Probleme schneiden lässt, ohne dass dabei an den Clipgrenzen Knackser entstehen. So kann ein Song mal eben am Ende gekürzt, oder ein Break in der Mitte auf die Hälfte der Zeit geschnitten werden. Dabei hilft die intelligente Zoomfunktion, die Sie immer Rastergenau scheiden lässt. So können Sie auch unkompliziert kleine Breaks oder Stotter-Effekte kreieren.

Wenn Sie jetzt anfangen, einen zweiten Songs dazu zu mischen, entsteht ein Mash-up. Wenn sie nun eigene Sounds und Instrumente hinzugefügen, entwickelt sich dieser ruckzuck zu einem kleinen Remix, mit dem Sie, nachdem er exportiert wurde, im nächsten Set glänzen können. So gestalten sich in Ableton Live Übergänge vom reinen DJ-Set über das Remixen und Produzieren bis hin zum Live-Acting äußerst fließend.

Kreatives Live-Acting

Auch für Musiker aus allen elektronischen Sparten, die ihre Songs live auf der Bühne spielen wollen, bietet Ableton Live eine große Palette an Möglichkeiten. Es ist zwar von Vorteil, wenn Sie Ihre Songs auch in  Live komponieren, allerdings lässt sich die Software auch sehr gut als User einer anderen DAW nutzen. Dazu ist es auch gar nicht notwendig, gleich das Handbuch von vorn bis hinten auswendig zu lernen. Exportieren Sie einfach Ihr Arrangement in Einzelspuren und importieren Sie diese in Lives Arrangement Ansicht. Besonders nützlich ist dabei die Funktion „Zeit zu einer neuen Szene konsolidieren“, mit der Sie einen Bereich markieren können, der dann zu einer horizontale Szene in der Session Ansicht wird und sich dort endlos loopen lässt. So können Sie ein Arrangement in Abschnitte zerlegen und damit Loop-basiert in der Session Ansicht performen.

Eine weitere für Live Acts wichtige Funktion sind die sogenannten Follow Actions. Diese erlauben es, Verkettungen von Clips zu erzeugen, bei denen ein Clip einen anderen auf vorbestimmte oder zufällige Weise (oder beides) startet beziehungsweise triggert. Mit der Follow Action eines Clips bestimmt man also, was mit anderen Clips nach der Wiedergabe des Clips passiert. Das bringt ordentlich Leben in die Ihr Set.

Ein weiterer Pluspunkt sind die Instrumenten Racks in Live. Dank dieser lassen sich gleich mehrere Synthesizer pro Spur laden und auf einen der acht Macros gemappt blitzschnell auswählen. Die Einbindung von Hardware Synthesizern oder Groove-Boxen ist ebenso kein Problem, die Synchronisation dank Ableton Link kinderleicht. Doch dazu kommen wir später noch einmal ausführlicher zurück.

Tools für Bands

Natürlich bietet sich Live auch im Kontext einer Liveband an. Mit den Nudge-Tasten lässt sich das Mastertempo leicht beschleunigen oder abbremsen, außerdem sind Tempoautomationen möglich.  Ein besonders nützliches Tool ist das Plug-in Beatseeker (siehe Abbildung), ein Device für Max for Live, der für 24 Euro auf der Ableton Webseite angeboten wird. Er passt Lives Tempo an das Timing eines Schlagzeugers oder eines beliebigen anderen rhythmischen Signals an. So können Bands ihrem natürlichen Groove folgen, wenn sie mit Live performen. Wenn dann das Auge noch mitessen soll, versuchen Sie es doch mal mit eine paar Visuals zur Musik.

Visuals mit Max for Live

Ein weiteres interessantes Thema, das sich  dank der Verbindung aus Ableton Live und Max For Live realisieren lässt, sind optische Showelemente, sogenannte Visuals. Diese lassen sich mit Hilfe von Plug-ins direkt aus dem Live-Set und synchron zur eigenen Musik steuern. Warum sollte ich als Musiker oder DJ meine Visuals selbst zusammenstellen und steuern? Ganz einfach: Weil niemand Ihre Musik so gut wie Sie selbst kennt. Damit wissen Sie auch am besten, welche Videos oder Grafiken zu Ihrem Sound passen. Mittlerweile gibt es ganze 59 Devices zum Thema Visuals auf der Max for Live-Website, die kostenfrei zum Download bereit stehen. Außerdem bietet Ableton auf seiner Webseite zusätzliche Devices an, unter anderem das Plug-in RokVid, ein Effekt zum Abspielen und Manipulieren von Videos. Es erzeugt in Echtzeit coole visuelle Effekte, die auf die Musik im Set reagieren. Hier wird in Zukunft bestimmt noch viel mehr passieren.

Ableton Link

Link ist eine Technologie, die Musikanwendungen über ein lokales Netzwerk automatisch synchronisiert, damit Sie sich eine mühevolle Einrichtung ersparen und sich ganz aufs Musikmachen konzentrieren können. Link ist seit der Version 9.5 ein Teil von Ableton Live und auch in anderen Musikprogrammen und -Apps enthalten.

Wählen Sie sich mit anderen Anwendern Link-fähiger Software in dasselbe Netzwerk ein und schon können Sie loslegen. Jeder Teilnehmer kann unabhängig von den anderen die Wiedergabe starten und stoppen oder das gemeinsame Tempo ändern. Dafür sind weder MIDI-Kabel noch ein Installationsprozess nötig. Dabei bietet Link eine frei fließende, zuverlässige Synchronisation.

Neben der Synchronisation von zwei oder mehreren Computern, was natürlich extrem spannend für die Bühne sein kann, gibt es mittlerweile mehr als 50 Programme und Apps, die mit Link ausgestattet sind, darunter Propellerhead Reason, Serato DJ oder Native Instruments iMaschine – es werden stetig mehr. Viele Apps gibt es auch für iOS oder Android, viele darunter kostenlos und einige davon in erstaunlich professioneller Qualität. Und auch hier sind wir gerade erst am Anfang. Ein Liste mit allen zur Zeit verfügbaren Programmen und Apps die Link nutzen können, ist auf der Ableton Webseite  zu finden.

Fazit

Als Performance-DAW ist Ableton Live derzeit konkurrenzlos. So viele kreative Möglichkeiten für’s DJing, Remixing und Live-Acting bietet sonst keiner. Durch die Verbindung von Max for Live und Link wird der Funktionsumfang stetig erweitert, und bestimmt auch in Zukunft viele Künstler inspirieren, ihre Musik Live zu performen.

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