PLUG & PLAY

Auf der NAMM Show 2020 präsentierte der US-Hersteller Mackie seine ersten Mikrofone überhaupt und warf mit dem EM-91C, dem EM-89D sowie dem EM-USB gleich ein spannendes Trio für diverse Einsatzgebiete in den Ring. Gute Verarbeitung und Technik zum fairen Preis? Professional audio hat sich das auf Podcaster und Heimproduzenten ausgerichtete USB-Mikrofon genauer angesehen.

VON SIMON KRAMER

Was Mackie in den vergangenen Jahren auf dem Audiomarkt anstellte, kann als bombastische Produktoffensive bezeichnet werden. Neben Mischpulten, Lautsprechern, Kopfhörern, Producer Bundles und Co. präsentierte sich das amerikanische Unternehmen auf der NAMM Show 2020 erstmals auch als Hersteller von Mikrofonen. Neben dem Großmembran-Kondensatormikrofon EM91C für das Studio und dem dynamischen Gesangsmikrofon EM89D für die Bühne, stellte Mackie auch das hier getestete EM-USB vor. Das auf Podcaster und Heimproduzenten abzielende EM-USB schlägt mit 145 Euro zu Buche und liegt damit preislich in der Range eines Beyerdynamik FOX oder Elgato WAVE 1.

Lieferumfang, Optik & Haptik
Das EM-USB wird Mackie-typisch in einem schicken kompakten und mit Schaumstoff ausgelegten Pappkarton geliefert. Dem Mikrofon beigelegt ist ein Dreibeinstativ mit einer Mikrofonklemme, ein USB-C-Kabel, eine Gebrauchsanleitung sowie zwei Kärtchen mit Software Keys für Waveform OEM aus der DAW Essentials Collection sowie Pro Tools First mit der Musician Collection.

Das Dreibeinstativ des EM-USB hat gummierte Füße und ist höhenverstellbar, macht aber unterm Strich nicht den stabilsten Eindruck und hätte durchaus etwas schwerere Füße vertragen können. Die Mikrofonklemme hingegen wirkt wertiger und hält mithilfe der Fixierschraube das Mikrofon sehr fest.

Die Verarbeitung des Mikrofons ist – wie man es bereits von anderen Produkten der EleMent-Serie kennt und gewohnt ist – tadellos und lässt keine Wünsche offen. Das EM-USB ist in ein mattes Schwarz getaucht und mit einem eleganten neongrünen Streifen verziert. Das Mikrofon ist 180 mm hoch, 46 mm breit und wiegt mit 390 Gramm nicht die Welt. Der Korb ist von innen mit Schaumstoff ausgekleidet. Darüber liegen ein feineres und ein etwas grobmaschigeres Drahtgitter, welche beide von einem stabilen Metallbügel zusammengehalten werden.

Auf der Vorderseite des EM-USB finden sich die Regler für Gain und Kopfhörerausgang sowie der Mute Button mit LED. Die Regler und Buttons lassen sich gut bedienen und bestätigen den wertigen Gesamteindruck des Mikros. Während sich der Produktname klein unten auf der Vorderseite wiederfindet, sind das Mackie-Logo und der EleMent-Schriftzug auf der ansonsten blanken Rückseite des Mikrofons platziert worden und springen einem somit nicht direkt ins Auge. Auf der Unterseite befinden sich noch der essentielle USB-C- sowie der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.


Gut versteckt: Auf der Unterseite befnden sich der USB-C-Port und der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.

 

Bauweise & Technik
Das EM-USB ist ein Kondensator-Mikrofon, in dem eine 14 mm Kleinmembran-Kondensatorkapsel mit Nierencharakteristik verbaut ist. Mackie nennt einen Frequenzgang von 30 Hz bis 18 kHz. Ein Blick auf den grafischen Frequenzgang zeigt recht typische Eigenschaften für ein solches Mikrofon mit einem kleinen, aber durchaus bewussten Pegeleinbruch im Präsenzbereich der menschlichen Stimme um 4 kHz.

Die Abtastrate liegt mit 48 kHz und einer Bittiefe von 16 Bit unter der der vergleichbaren Konkurrenz. Beyerdynamik FOX und Elgato WAVE 1 liefern beide 96 kHz bei 24 Bit und werden somit professionellen Ansprüchen gerecht. Die Empfindlichkeit des EM-USB liegt bei ordentlichen -32 dB, der maximale Schalldruckpegel bei 130 dB.

Wie oben besprochen befinden sich die wenigen Regelelemente auf der Vorderseite des Mikrofons. Mit dem Gain-Regler legt man fest, wie stark der verbaute analoge Pre-Amp den A/D-Wandler bespielt. Mit dem Mute Button schaltet man das Mikrofonsignal stumm. Der Kopfhörerweg ist separat regelbar, das Mischungsverhältnis von Mikrofonsignal zu Playbacksignal muss jedoch via Pegel in der DAW gesteuert werden.

 

Praxis & Klang
Um das EM-USB in Betrieb zu nehmen, benötigt es nicht viel. „Plug & Play“ ist hier das Stichwort, denn alles geht spielend leicht von der Hand. Sowohl auf diversen MacOS- als auch auf iOS-Geräten stellt sich das Anschließen als Kinderspiel heraus. Direkt nach dem Anstöpseln erscheint das Mikrofon zur Auswahl in den Systemeinstellungen sowie in der DAW, Treiber sind nicht vonnöten – so macht der Einstieg Spaß.

Auch in klanglicher Hinsicht bleibt der Spaß erhalten, denn das EM-USB zeigt sich im Test sehr solide, insgesamt äußerst rauscharm und linear. Besonders hervorzuheben ist die feine Auflösung in den Mitten und Hochmitten, die keinen Zweifel daran lässt, es hier mit einem Kondensator-Mikrofon zu tun zu haben. Die im graphischen Frequenzgang ersichtliche Absenkung bei 4 kHz offenbart sich auch in der Praxis. Hier fehlt es dem Klang mitunter zwar ein wenig an Brillanz, gleichzeitig wirkt es aber den ansonsten entstehenden zischelnden Lauten entgegen. Auch im Bassbereich ist eine leichte Absenkung zu vernehmen. Diese liegt bei circa 100 Hz, wodurch der Klang ein wenig an Fülle verliert.

 


Im Präsenzbereich um 4 kHz zeigt das EM-USB eine kleine Absenkung, die dem Klang ein klein wenig an Brillanz nimmt, gleichermaßen jedoch auch Zischlauten entgegenwirkt.

 

Der Nahsprechungseffekt spielt beim EM-USB keine sonderlich große Rolle und fällt nicht wirklich stark aus. Dies wird mitunter an der im Korb liegenden Schaumstoffbeschichtung liegen, die das Mikrofon gegenüber Popgeräuschen nahezu immun macht. Dennoch zeigte sich im Test, dass man bei einer direkten Besprechung des Mikrofons nicht gänzlich auf einen Popschutz verzichten sollte.

Da das Mikrofon recht mittig abgestimmt ist und der Bass nicht allzu stark dargestellt wird, ist die Sprachverständlichkeit der Aufnahmen durchweg gut, was noch einmal das Einsatzgebiet des EM-USB als Podcast-Mikrofon unterstreicht. Für Aufnahmen für die luftig-feine Höhen wichtig sind, ist Mackies erster USB-Sprössling aber nicht die erste Wahl – und will es auch nicht sein. Wenngleich der Test zeigte, dass das EM-USB auch Gitarren-Aufnahmen problemlos meistert.

Dennoch bleibt das Haupteinsatzgebiet wohl die Sprachaufnahme. Und genau hierfür wurde die Richtwirkung des Mikrofons auch für akustisch nicht optimierte Umgebungen recht gut ausbalanciert. Im Test zeigten sich circa 20 cm als ein geeigneter Sprechabstand zum Mikrofon, aber selbst größere Abstände sind möglich, ohne dass es bei Bewegungen des Kopfes während des Sprechens zu größeren Klangverfärbungen kommt.

Das im Lieferumfang enthaltene Stativ ist unterm Strich eine nette Beigabe, entkoppelt aber – wie der Test zeigte – nicht wirklich gut vom Tisch. Das ist keine Besonderheit und Ausnahme bei Mackie, sondern eher die naturgegebene Regel. Ich empfehle daher die zusätzliche Anschaffung eines Mikrofonarms.

Fazit

Egal ob Homerecording, Podcasting oder Streaming: USB-Mikrofone liegen voll im Trend und bieten mit ihren meist gut auf das Gerät abgestimmten integrierten Vorverstärkern einige Vorteile gegenüber klassischen Mikrofonen. So war es bei der Fülle an Neuprodukten der vergangenen Jahre nur eine Frage der Zeit, ehe sich Mackie mit dem ersten Modell auf dem Markt präsentieren würde. Das EM-USB aus der EleMent-Serie ist ein tadellos verarbeitetes, schickes und modernes Mikrofon, das durch ein einfaches Plug-&-Play-Prinzip überzeugt und den Spaß am Aufnehmen deutlich in den Vordergrund rückt – nicht zuletzt unterstützt von einem schönen kostenlosen Software-Paket. Der Klang ist gut und besonders geeignet für Podcasts und Sprachaufnahmen. Dass das Mikrofon lediglich 48 kHz und 16 Bit liefert, tut der Freude zwar keinen Abbruch, ist aber dennoch, schaut man sich die vergleichbare Konkurrenz an, ein kleiner Wehrmutstropfen.
Den kompletten Test inklusive aller Bilder und Tabellen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Professional audio 08/2021.

 

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