Festplatte mit virtuellem Schloss

Im Studiobereich gehören externe Festplatten mittlerweile genauso dazu wie Audio-Interfaces oder Mikrofone. Die G-Technology ArmorLock SSD-Festplatte verfügt über eine Verschlüsselungsmethode, mit der man seine Sessions und Daten problemlos vor ungewollten Zugriffen schützen kann. Autor Stefan Hofmann hatte die Festplatte im Testeinsatz.

Von Stefan Hofmann

Das Internet macht das Leben einfacher, da sind wir uns wohl alle einig. Doch natürlich gibt es auch Nachteile an einer weltweiten Vernetzung. So sind Daten, die einmal den Weg ins World Wide Web gefunden haben, kaum mehr zu entfernen. Auch im Musikbereich hat dieser Umstand schon zu größeren finanziellen Schäden geführt. Die Produktionskosten eines professionellen Albums können leicht im höheren sechsstelligen Bereich liegen. Umso ärgerlicher ist es, wenn aufgrund von Datenlecks Alben bereits vor der geplanten Veröffentlichung illegal und kostenlos im Netz landen. Auch große Interpreten wie Coldplay oder die White Stripes wurden schon Opfer illegaler Leaks. Umso wichtiger ist es, jeden Schritt einer Musikproduktion so sicher wie möglich zu gestalten. Im Produktionsprozess sind die meisten Aufnahmen ausreichend geschützt, da viele Produktionsrechner nicht mit dem Internet verbunden sind. Jedoch müssen die aufgenommenen Daten früher oder später das Tonstudio verlassen, um beispielsweise den Weg zum Mastering Engineer oder in das Presswerk zu finden. Per Cloud oder externer Festplatte lassen sich die Daten zwar einfach austauschen, jedoch sind diese Methoden meist nicht ausreichend vor einem Fremdzugriff geschützt.

Die G-Technology Armorlock ist eine externe Festplatte, die über ein virtuelles Schloss verfügt und sicher per App freigeschaltet werden kann. Der Preis liegt bei 599 Euro.

Ein Überblick
Die G-Technology ArmorLock ist eine externe SSD-Festplatte – soweit so gut. Jedoch verfügt dieses Produkt über einige besondere Features, die diesen Datenträger zu einem kleinem Fort Knox machen – doch dazu später mehr. Fangen wir mit dem Gehäuse an.

Bereits der „analoge“ Schutz dieser Festplatte überzeugt. Laut Hersteller ist die ArmorLock bis zu drei Meter fallsicher, bis zu 450 kg stoßfest sowie staub- und wassergeschützt (IP67). Um es vorweg zu nehmen: Nein, für diesen Test habe ich die Festplatte nicht aus dem Fenster geworfen. Das Gehäuse des Speichermediums wirkt jedoch sehr solide und dürfte einen Sturz aus dieser Höhe wohl unbeschadet überstehen – zumindest was das Innenleben angeht.

Optisch ist die ArmorLock ein wahrer Augenschmaus. Goldene Highlights bestätigen den wertigen Eindruck der Festplatte. Im Lieferumfang sind neben einer Schnellstartanleitung und Garantiebescheinigung auch zwei USB-Kabel enthalten (USB-C auf USB-C und USB-C auf USB-A). Derzeit ist der Datenträger nur in der 2TB-Variante erhältlich, weitere Speichergrößen sollen jedoch folgen. Außerdem kann die Festplatte derzeit zwar auch für Windows- und Mac-Systeme formatiert werden, die App zur Freischaltung der Daten ist jedoch nur für Apple-Geräte erhältlich. Anfang 2021 sollen auch Gerätschaften anderer Hersteller durch eine eigene App für die Freischaltung genutzt werden können. Die Festplatte wird vom Hersteller verschlüsselt ausgeliefert und erst durch die Einrichtung freigeschaltet.

 

Einrichtung und Sicherheitskonzept
Um die Festplatte in Betrieb nehmen zu können, muss als erstes die sogenannte ArmorLock-App heruntergeladen werden. Diese findet man ganz einfach und kostenlos im Apple App-Store. Nun kann man die Einrichtung des Speichermediums per App realisieren. Als erstes muss ein Nutzername gewählt werden, in meinem Fall „Professional Audio“.

 


Danach wird man aufgefordert, eine Festplatte hinzuzufügen. Besitzt man mehrere ArmorLock-Speichermedien, können diese problemlos in der App verwalten werden.

 

Nun muss sich das Smartphone oder Tablet via Bluetooth mit der Festplatte verbinden.

 

Anschließend muss über die App per Kamera der QR-Code auf der Rückseite der Festplatte gescanned werden.

 

Zur Auswahl stehen nun drei Möglichkeiten. Sollte man auf Daten der Festplatte zugreifen wollen und nicht der Eigentümer sein, kann man eine Zugriffsanfrage stellen. Außerdem kann man den Sicherheitsschlüssel verwenden. In meinem Fall wählte ich die Option „Als Neu einrichten“.

 

Nun folgt ein Menü, in dem weitere Einstellungen vorgenommen werden können. Hier kann der Gerätename eingegeben und eine passende Farbkennzeichnung gewählt werden. Als nächstes kann aus den folgenden drei Dateisystem-Formaten ausgewählt werden:

macOS (HFS+) Time Machine-kompatible
Windows (NTFS)
Windows und macOS (exFat)

Zusätzlich ist eine Standortverfolgung einstellbar. Das ist besonders hilfreich, wenn man die Festplatte beispielsweise per Post verschickt. Jetzt muss das Speichermedium nur noch formatiert werden. Das kann einige Minuten in Anspruch nehmen.

 

Nach dem Formatieren spuckt die Festplatte einen Formatierungsschlüssel samt QR-Code aus. Sollten alle Freischaltungsmethoden nicht greifen, kann man diesen verwenden. Ich empfehle, diesen Code analog auf einem Blatt zu sichern. Sollte der Wiederherstellungsschlüssel zum Einsatz kommen, werden alle autorisierten Anwender entfernt. Jetzt ist die Einrichtung der Festplatte abgeschlossen. Nun kann diese per App freigeschaltet oder gesperrt, neue Anwender autorisiert oder Firmware-Updates ausgeführt werden.

 

 

Verschlüsselung und Zugriffsmanagement
Eines vorweg: Die Verschlüsselung beeinträchtigt keineswegs die Arbeitsgeschwindigkeit der ArmorLock. Höchste Datensicherheit wird durch eine 256-Bit-AES-XTS-Hardwareverschlüsselung und ein NIST-P-256-Managment mit Schlüsseln auf Grundlage elliptischer Kurven garantiert. Zusätzlich arbeitet die App mit den biometrischen Authentifizierungsfunktionen des Smartphones. Zugriffsrechte lassen sich ganz einfach an andere Anwender vergeben. So kann eine Freischaltung im Vorhinein per E-Mail oder Messaging-Dienst autorisiert werden.

 

Praxistest
Die G-Technology Armorlock kann Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1.000 MB/s erreichen. Das dürfte für die Arbeit in professionellen Studios mehr als ausreichend sein.

In meinem Praxistest verwendete ich die Festplatte mit einem 15-Zoll Mac Book Pro von 2014 an einem USB-3-Port. Somit konnte ich das Speichermedium in Bezug auf die Geschwindigkeit zwar nicht vollkommen ausreizen, jedoch zeigte sich auch mit diesem Setup, zu welchen Leistungen der kleine Begleiter an neueren Computern im Stande sein müsste.

Zum Testen der Geschwindigkeit verwendete ich den Disk Speed Test von Blackmagicdesign. So erreichte die G-Technology Armorlock eine Schreibgeschwindigkeit von knapp 410 MB/s und eine Lesegeschwindigkeit von 420 MB/s. Zum Vergleich: Die Samsung 840EVO SSD-Festplatte, die per Thunderbolt-Dock am Thunderbolt-Port meines Produktionsrechners hängt, erreicht gerade einmal 310 MB/s beim Schreiben und 375 MB/s beim Lesen.

Wenn ich im Studio an einer Session arbeite, befindet sich diese immer auf einer externen Festplatte. Das hat den Vorteil, dass die verbaute Festplatte nicht ständig neu beschrieben und wieder von Datenmaterial befreit wird. Somit wird das Speichermedium entlastet und die Langlebigkeit erhöht. Eine externe Festplatte ist leichter zu tauschen als ein integrierter Datenträger.

Auch bei größeren Sessions merkte ich keinen Unterschied zwischen der verbauten Festplatte und der ArmorLock. Eine Bearbeitung der Sessions funktionierte zu jederzeit ohne große Ladezeiten und auch Aufnahmen stellten das Speichermedium vor keine großen Probleme.

Solange die Festplatte angeschlossen ist, bleibt übrigens die Freischaltung bestehen, insofern diese nicht per App wieder verschlüsselt wird. Wird die ArmorLock ausgeworfen oder abgesteckt, tritt eine automatische Verschlüsselung in Kraft. Dieses Feature zeigt einmal mehr, wie durchdacht das Konzept dieses sicheren Datenträgers ist.

FAZIT

Die G-Technology Armorlock ist der perfekte Begleiter für Studioanwendungen aller Art. In Bezug auf die Schreib- und Lesegeschwindigkeit lässt dieser Datenträger keine Wünsche offen. Egal ob als Back-Up-Speicher, als Session-Archiv oder als digitaler Tresor für sensible Daten wie Rechnungen, unveröffentlichte Alben oder Songs eignet sich dieses Speichermedium hervorragend.
Die Bedienbarkeit ist dabei einfach und das Sicherheitskonzept durchdacht. Einzig der hohe Anschaffungspreis dürfte eventuell anfangs etwas abschrecken. Führt man sich jedoch vor Augen, welchen Schaden ein Datenleck anrichten kann, sollte dieser Aspekt aber eher zweitrangig sein.

Lesen Sie den gesamten Test in der Professional audio Ausgabe 01/2021.

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