Ohrenschmaus

 

Gute Kopfhörer erfreuen sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit, allerdings steigen auch die Ansprüche permanent, und das beflügelt die einschlägigen, wie auch neue Hersteller zu Höchstleistungen. Professional audio hat in einem aufwändigen Hörtest 16 aktuelle Kopfhörer-Modelle, darunter auch zwei mit magnetostatischem Antrieb ausgiebig getestet – und so manche Überraschung erlebt.

Von Hans-Günther Beer und Sylvie Frei

Die Ansprüche an einen Kopfhörer abhängig vom Einsatzzweck und vom Anspruch können unterschiedlicher nicht sein – das ständig wachsende Angebot an unterschiedlichen Modellen spiegelt das wieder. Ganz gleich, ob für das Monitoring bei Live-Aufnahmen geschlossene, analytisch klingende Kopfhörer oder fürs Mastering und audiophile Musikhören offene Hörer mit akribischem Auflösungsvermögen und guter räumlichen Darstellung gefragt sind – das Angebot erfüllt jeden Wunsch. Die Industrie bedient darüber hinaus auch die unterschiedlichsten Qualitätsansprüche an Klang, Ausstattung, Verarbeitung sowie Tragekomfort. Um einen zwar nicht allumfassenden aber repräsentativen Überblick über das derzeitige Angebot interessanter Kopfhörermodelle zu bieten, hat Professional audio 16 Kopfhörer zwischen 70 und 1.800 Euro (unverbindliche Richtpreise der Hersteller) ausführlich getestet. Mit dabei sind Modelle der Hersteller Akai Professional, AKG, Audeze, Beyerdynamic, Denon, Fostex, Grado, KRK, Sennheiser und Shure, darunter Kopfhörer in offener, geschlossener sowie halboffener Bauweise. 14 Kopfhörer arbeiten nach dem elektrodynamischen Prinzip, zwei sind Magnetostaten.
Unser großer Vergleichstest basiert vor allem auf einem ausführlichen Hörtest, untermauert mit einem Messtest, der die Frequenzgänge sämtlicher Testkandidaten mit Hilfe eines Kunstkopfs ermittelt hat.

Geschlossen, offen, halboffen
Ob es Sinn macht, sich eher ein geschlossenes oder ein offenes Kopfhörer-Modell anzuschaffen, hängt stark vom gewünschten Einsatzbereich ab. Beim geschlossenen Kopfhörer werden die Ohren von der Außenwelt akustisch weitgehend isoliert. Bei solchen Kopfhörern arbeiten die Membranen der beiden elektrodynamisch, also per Schwingspule angetriebenen Systeme quasi mit einem geschlossenen Luftvolumen, was besondere Maßnahmen bei der Konstruktion zur Folge hat.

Wer beispielsweise Live-Konzerte mischt oder einen Monitor-Mix beim Spielen eines akustischen Instruments abhört, braucht einen geschlossenen Kopfhörer. Bei diesem Einsatz verhindert das geschlossene Kopfhörer-Modell auch ein Übersprechen vom Kopfhörer auf das Mikrofon und damit alle negativen Effekte. Prinzipielle Nachteile hat das geschlossene System hingegen zuweilen in Sachen Tragekomfort – da die Kopfhörer für eine optimale Schallisolierung eng anliegen müssen, kann es sein, dass die Modelle drücken oder bei längerem Hören Hitzestau erzeugen. Aber dies hängt auch vom Können der Entwickler ab.
Beim offenen Kopfhörer bleiben die Ohren akustische mit der Außenwelt verbunden. Will heißen, die Abdeckungen der Ohrmuscheln sind durchlässig gestaltet, etwa durch Perforierung, Schlitze und/oder schalldurchlässige Materialien. Die Kopfhörermembran gibt den Schall sowohl in Richtung des Ohres als auch nach außen hin ab. Das hat grundsätzlich Vorteile für Transparenz und Räumlichkeit des Klangs, ist allerdings auch hier wieder von der technischen Ausführung abhängig. Positiv ist auch, dass ein Wärmeaustausch zwischen Ohr und Umgebung bestehen bleibt, was dem Hitzestau oder Schwitzen beim Hören entgegenwirkt. Nachteilig bei der offenen Bauart: Es kann sowohl Schall aus dem Kopfhörer nach außen dringen, als auch umgekehrt externe Schallereignisse beim Hören stören. Gerade für lange Mix- oder Mastering-Sessions oder das Hören von Musik in ruhiger Umgebung ist ein offenes Modell meist die beste Wahl.

Beim einzigen halboffenen Kopfhörer des Testfeldes, dem AKG K99 Perception, kombinierte der Hersteller beide Prinzipien. Akustisch verhält sich der K99 Perception eher wie ein geschlossener Kopfhörer, allerdings ähnelt der Wärmeaustausch eher dem eines offenen Systems.

Unabhängig von diesen Prinzipen hat die Gestaltung der Ohrmuscheln, also ob ohrumschließend oder ohraufliegend, erhebliche Auswirkung – vor allem auf den Tragekomfort. Da die Ohrmuscheln aller 16 Testkandidaten das Ohr umschließen, sind hier schon mal ideale Vorrausetzungen für hohen Langzeit-Hörspaß gegeben.

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