Hot Tools

In seiner allmonatlichen Kolumne stellt Autor Heiner Kruse in kurzer, knapper Form bekannte und nicht so bekannte Soft- und Hardware vor, bei denen ein genauerer Blick in jedem Fall lohnenswert ist. Alle Hot Tools →

Qu-Bit Mojave

Qu-Bit Frontmann Andrew Ikenberry erschuf, inspiriert vom Wüstensand und Sandstürmen, mit dem neuen Mojave-Modul einen Granulareffekt, der Audio in Echtzeit in Audiopartikelstürme verfremden kann. Mojave ist vielleicht das komplexeste Qu-Bit-Tool, das mir bislang in die Hände gekommen ist. Mojave beherrscht neben granularer „Klangteppicherzeugung“ auch extreme Feedbackloops, das Erzeugen von Akkorden aus Dauertönen oder das Generieren sich stets verändernder zufälliger Rhythmen und Melodien über stochastische Engines. Ihr solltet erst einmal verstanden haben, was es mit den elf Reglern, sechs Buttons und den vielen in verschiedenen Farben leuchtenden Feldern und Grafiken auf sich hat (vieles ist nicht beschriftet), bevor ihr euch an Mojave heranwagt. 15 CV-Inputs für alle Parameter sind über das mit 14HP recht kompakte Modul verteilt. Zusätzlich findet ihr L/R In- und Outs für die Stereo-Signalverarbeitung und einen konfigurierbaren Modulations-CV-Out, der „Dune“ heißt.

Zudem verfügt Mojave über ein integriertes Mikrofon. Es liegt in einem blau leuchtenden Modus normalisiert am linken Eingang an, die Verbindung wird beim Einstecken eines Patchkabels unterbrochen. In anderen Modi kann es deaktiviert (grün) oder mit dem Audioeingang gemischt werden (gold). Das Mikro klang im Test recht mittig und rauscharm. Es scheint besonders gut für Sprach- und Geräuschaufnahmen geeignet zu sein.

Vertraute Parallelen zu anderen Granulartools finde ich vor allem in vier kleinen, schwarzen Potis im unteren Bereich: Der erste ist ein dry/wet Regler, der zweite („Zone“) definiert die ausgelesene Position eines Audio-Puffers. Durch die ausgelesene Position lässt sich im Scrub-Stil manövrieren, wenn der Puffer mit Hilfe des Lock Buttons links eingefroren ist, etwa, indem ihr den Dune-Out in den Zone CV-In steckt. Der dritte („Speed“) bestimmt die Abspielgeschwindigkeit und Tonhöhe der Grains. Der vierte („Window“) bestimmt die Form der auf die Grains angewendeten Hüllkurve. Diese entscheidet, ob Übergänge weich oder knackig erfolgen. Was klanglich entsteht, hängt auch von den Parametern „Rate“ und (Grain-)„Size“ ab, zudem bewirkt „Drift“ zufällige Veränderungen der Ausleseposition. Grains werden nach Maßgabe einer externen oder internen Clock generiert, aber auch alternativ durch Überschreiten eines Audio-Thresholds oder durch Drücken des „Gen“-Buttons oder via Gate-Input.

Der „Gust“-Regler oben links steuert einen Spezialeffekt am Ende des Signalflusses. Du kannst den Sound verhallen oder das Signal in eine Feedbackschleife routen. Achtung: Der Zone-Regler sollte dann eher ganz links stehen, damit der Puffer sofort ausgelesen wird und Feedbackschleifen hörbar werden. Dreht man dann „Drift“ auf, werden unterschiedliche Grains aus dem Puffer ausgelesen und in die Feedbackschleife geschickt, was schnell mehrdimensional und wirklich wie ein Sturm klingen kann, der langsam verebbt, wenn ihr „Gust“ wieder runterdreht. Ein aufgedrehter „Distribute“ Regler hat hieran ebenfalls seinen Anteil und erzeugt sich stets zufällig verändernde rhythmische Veränderungen, „Structure“ macht dies ebenfalls und in Form von Verstimmungen der einzelnen Grains auf Basis der im „Sky-Mode“ eingestellten Skala (wie Dur oder Moll, aber auch quantisierungsfrei oder konfigurierbar) und zusätzlich beeinflusst vom Speed-Regler. Vor allem die „Distribute“ und „Structure“ Parameter sorgen dafür, dass ihr das Mojave Modul als eigene kleine Stand-alone- Performance-Einheit nutzen könnt, deren Output sich bei geschickten Einstellungen permanent zufällig verändern kann, ohne dass es langweilig klingt.

Im Gegensatz zur „Lock“-Funktion, die den Input-Buffer einfriert, konserviert der „Freeze“-Button das granulare Endergebnis. Das eignet sich gut für spontane Eingriffe und klangliche Zwischenstopps während einer Performance. Via frontseitigem USB-A Anschluss könnt ihr Settings mit einem mitgelieferten Stick aufspielen – aber auch externe Gerätschaften mit Strom versorgen. Die webbasierte Narwhal App erlaubt das Erstellen einer Konfiguration, die ihr dann als options.json File aufspielt. Updates lassen sich im laufenden Betrieb vornehmen. Ihr könnt Reverb-Settings, Skalen, aber auch die Länge des Audio-Buffers konfigurieren und etwa auch eine fixe Puffergöße von bis zu 150 Sekunden definieren.

Qu-Bit bietet einen Lifetime Repair-Service und verspricht: Egal, woher und wie lange ihr das Modul habt, Qu-Bit bietet kostenlose Reparatur an. Qu-Bit Mojave adaptiert nicht nur das Spiel der Naturgewalten, sondern eignet sich auch besonders gut für Verfremdungen von Aufnahmen derselben. Qu-Bit Mojave ist ein echtes Hot Tool.

Bewertung: Stand-alone Soundstorm Performance
Wo: https://qubitelectronix.com
Wieviel:  ca. 450 €