Was ist AES 42?

Im Zusammenhang mit der Entwicklung digitaler Mikrofone, die das analoge Audiosignal unmittelbar in digitale Informationen wandeln, ist 2006 eine neue Schnittstelle basierend auf dem digitalen Interface AES3 festgelegt worden. Bereits 1997 wurde auf der AES Convention in München das Konzept digitaler Mikrofone und deren Schnittstellen diskutiert und zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Datenübertragungen aufgezeigt: der asynchrone, also intern synchronisierte Mode-1 und der der synchrone – extern synchronisierte Mode-2. Beide basieren auf der Verwendung zweiadriger, symmetrischer AES/EBU-Kabel, die bei kurzen Verbindungenstrecken auch durch herkömmliche analoge Kabel ersetzt werden können. Die Stromversorgung ist vergleichbar mit der Phantomspannung von Kondensatormikrofonen als Digital Phantom Power (DPP) mit +10 V und maximal 250 Milliampere definiert. Für die Fernsteuerung der digitalen Mikrofone wird aber zusätzlich durch Modulation der Phantomspannung ein Datenstrom in Richtung Mikrofon erzeugt. Dieser +2-Volt-Pulse ermöglicht es Parameteränderungen vorzunehmen. Für diesen Zweck ist eine Kombination aus Hardware-Interface und/oder Control-Software erforderlich. Das Datenformat des vom Mikrofon gesendeten digitalen Audiosignals entspricht grundsätzlich dem Standard AES/EBU.

Da die in diesem Standard enthaltenen Userbits zur Übertragung diverser Informationen vorgesehen sind, kann ihre Bedeutung für digitale Mikrofone neu definiert werden: so geschehen im AES 42 Standard. Das Interface zwischen Mikrofon und Aufnahmegerät bereitet die Daten auf und trennt dabei die Userbits vom eigentlichen Audiosignal. Das Ergebnis: ein herkömmliches AES/EBU-Signal steht für die weitere Verarbeitung und die zusätzlichen Controler-Daten, die auf einen Bus an das Kontrollgerät geschickt werden, zur Steuerung der Mikrofone bereit. Die Kontrollbefehle werden in drei unterschiedlichen Übertragungsformaten codiert: simple instruction, extended instruction, manufacturer-spezifc instruction. Dabei ist die jeweilige Struktur des  Zwei-Byte-Formats (Adress- und Daten-Byte) verschieden und ermöglicht dadurch eine unterschiedliche Anzahl von Befehlen. Um lediglich die wichtigsten Befehle ausführen zu können gibt es die so genannte simple instruction. Dafür sind die ersten drei Bits (0, 1, 2) des Adress-Bytes vorgesehen, über die sich insgesamt drei so genannte Direct Commands ausführen lassen. Dieses Format dient lediglich zur Übertragung und Steuerung der wichtigsten Parameter. Die Struktur der extended instruction ist grundsätzlich die gleiche, wie bei der simple instruction: ein Adress- und ein Datenbyte. Allerdings sind hier zusätzlich die hinteren fünf Bits (3, 4, 5, 6, 7) für die auszuführenden Direct-Commands vorgesehen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit 31 weiter Befehle – also insgesamt 34 – auszuführen. Die Möglichkeiten der Parameteränderungen sind hier deutlich erweitert. Je nach Hersteller kann diese Struktur (manufacturer-spezific instruction) abgeändert werden.

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