Kurztest: HOFA 4U+ Dynamic TiltEQ

Von Georg Berger

Kaum dass wir die Palette an pfiffigen Freeware-Plug-ins aus dem Hause HOFA vorgestellt hatten (siehe Heft 04/2016), legt das Unternehmen auch schon nach und stellt mit dem 4U+ Dynamic TiltEQ einen weiteren Freeware-Prozessor vor, der mit einer ganz besonderen Ausstattung aufwartet. Allerdings: Ähnlich wie das Blindtest-Plug-in gibt es den Dynamic TiltEQ einerseits als Freeware mit reduziertem Funktionsumfang und andererseits als Kaufversion für 40 Euro ohne jedwede Beschränkung.
Im Kern handelt es sich um einen sogenannten Tilt-EQ, der, ähnlich einer Wippe oder Balken-Waage, um einen zuvor festgelegten Frequenzwert Höhen und Bässe in Shelf-Charakteristik gegensätzlich anhebt oder absenkt. So lassen sich etwa zu mulmige Drums mit Leichtigkeit entzerren, indem einfach die Bässe herausgenommen und die Höhen in einem Rutsch proportional dazu angehoben werden. Das alleine ist jetzt noch nichts bahnbrechend Neues. Elysia beispielsweise offeriert das Gleiche unter der Bezeichnung „Niveau-Filter“ ebenfalls als Freeware. Erste Besonderheit: Über den Width-Parameter kann, ähnlich einem Güte-Regler, Einfluss auf den Frequenzverlauf genommen werden. Von einer absoluten gerade Linie bis hin zu einem ordentlichen Over-/Undershoot um die Center-Frequenz, die an eine mittig positionierte Shelf-Kurve erinnert, ist alles drin. Zweite Besonderheit: Durch Klick auf das Schloss-Symbol oberhalb der Tilt-Frequenz im Display, können beide Balken-/Frequenzhälften unabhängig voneinander im Gain eingestellt werden, was aus dem TiltEQ eine Art Baxandall-Filter macht. Dritte Besonderheit: Zusätzlich ist es möglich an beiden Frequenzbereichsenden ein Pass-Filter zu aktivieren, wahlweise mit sechs- oder zwölf-Dezibel Flankensteilheit. Die Center-Frequenz der Pass-Filter ist dabei selbstverständlich im Display graphisch frei einstellbar. So können in Extremstellungen entsprechende Frequenz-Hügel oder -Täler erzeugt werden, mit denen sich klanglich zusätzlich kreativ ins Geschehen eingreifen lässt. Vierte Besonderheit und einzigartiger Clou: Jede Frequenzbalken-Hälfte verfügt über eine separat aktivierbare Dynamik-Funktion, so dass sich die Stärke der Entzerrung bei Bedarf dynamisch-lebendig ausführen lässt. Laut HOFA hat es das bisher so noch nicht gegeben und uns selbst ist auch kein anderes Produkt bekannt, das mit dieser Ausstattung aufwartet. Wer diese Option nutzen will, muss schließlich die eingangs erwähnten 40 Euro zahlen. Zusätzlich erhält man noch einen zuschaltbaren Analyser im Display, der in Echtzeit Auskunft über die Frequenzverteilung gibt. Die identisch ausgestatteten Dynamik-Sektionen verfügen über die herkömmlichen Parameter eines Kompressors, wobei es auch hier wieder einige Besonderheiten gibt: So verfügt die Skalierung von Attack und Release über keine Zeiteinteilung, da die Technik dahinter adaptiv arbeitet. Das heißt, dass die Zeitwerte in Abhängigkeit zur Hüllkurve des eingespeisten Signals bei gleicher Stellung des Parameters unterschiedlich lang oder kurz ausfallen können, was wiederum zu einem organischen Regelverhalten führt. Der Ratio-Parameter erlaubt schließlich auch das Einstellen negativer Werte, so dass sich in Abhängigkeit zum eingestellten Threshold-Wert nicht nur dynamisch Dämpfungen, sondern auch Verstärkungen realisieren lassen. Abseits dessen verfügt der Entzerrer noch über eine einstellbare Oversampling-Frequenz und erlaubt im Stereo-Betrieb das separate Bearbeiten wahlweise eines Stereokanals, des Mitten- oder Seitenanteils. Insgesamt strotzt der Dynamic TiltEQ trotz oder gerade aufgrund seiner einfachen Bedienbarkeit mit einer geradezu bombastischen Ausstattung.
Im Hörtest gibt sich der Dynamic TiltEQ als angenehm klingender Zeitgenosse zu erkennen. In Abhängigkeit zum eingestellten Width-Parameter, der die Flankensteilheit um die Center-Frequenz bestimmt, greift er mal äußerst dezent und schmeichelnd, das andere Mal kräftig und vordergründig ins Material, wobei er selbst in hohen Gain-Stellungen nicht unangenehm färbend ins Material eingreift, sei es in den Höhen oder Bässen. Sehr schön ist die Möglichkeit, beide Frequenzhälften im Gain zu entkoppeln, wenn das Ergebnis aus gleichzeitiger Höhenanhebung und Bassabsenkung (oder umgekehrt) nicht ganz den Erwartungen entspricht. So fügen wir einem Mix durch Anheben der Höhen etwas Frische hinzu. Gleichzeitig mulmt trotz dieser Einstellung der Bass noch ein wenig zu sehr. Durch das Entkoppeln senken wir das Gain im Bass noch eine Spur mehr und schon haben wir einen klanglich optimierten Mix. Das Hinzuschalten der Dynamik-Funktion sorgt schließlich dort für organische Ergebnisse, bei denen eine statische Einstellung der Frequenz-Waage stellenweise falsch klingt. Allerdings gilt es, sich mit diesen Funktionen erst einmal vertraut zu machen, möchte man das Optimum rausholen. Richtig eingesetzt ist der 4U+ Dynamic TiltEQ ein subtiler, aber nachhaltiger Klangverschönerer, der dort weiter macht wo Shelf- oder Peakfilter alleine nicht mehr weiterkommen.

HOFA-TiltEQ

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