Von Georg Berger

Nachdem IK Multimedia in der Vergangenheit eine Vielzahl an kompakten iRig-Interfaces primär für Mobilgeräte aber auch zur Verwendung mit Computern herausgebracht hat, die sich mit jeweils individueller Ausstattung gezielt mal an Gitarristen, das andere Mal an Vokalisten und dann wieder an Keyboarder gewandt hat, legt der italienische Hersteller mit seinem jüngsten Produkt iRig Pro Duo erstmals ein universell ausgelegtes Kompakt-Interface vor, das die Bedürfnisse aller direkt in einem Aufwasch abdeckt. Zwei Audio-Kanäle rein in Form von Combo-Buchsen, zwei Audio-Kanäle via servo-symmetrischer 6,3-Millimeter-Klinkenbuchsen raus plus MIDI In/Out und separatem 3,5-Millimeter-Kopfhörer-Anschluss lassen das iRig Pro Duo entsprechend flexibel aufspielen. Für ein Einsteiger-Gerät fallen die verfügbaren Sampleraten von lediglich 44,1 und 48 Kilohertz bei maximal 24 Bit standesgemäß aus. Das komplett in Kunststoff gewandete Kistchen nimmt dabei gerade einmal die Fläche eines Smartphones ein und passt trotz seiner Dicke von rund drei Zentimetern somit in jede Jackentasche. Die Eingänge sind auf der unteren Schmalseite integriert, die Line-Outs auf der rechten und der Kopfhörer-Anschluss auf der linken Schmalseite. Die Fünf-Pol-MIDI-Buchsen werden über mitgelieferte Adapter am Kopf des Kistchens eingesteckt. Dort ist auch ein Neun-Volt-Netzgeräte-Anschluss eingelassen. In der Mitte der Kopfseite ist ein Multipin-Anschluss integriert, an den sich wahlweise ein mitgelieferter herkömmlicher USB-, ein Micro-USB- oder ein Lightning-Adapter zum Verbinden mit dem Rechner, Smartphone oder Tablet PC (iOS oder Android), anschließen lässt. An Bedienelementen finden sich auf der Oberseite zwei Gain-Regler für die Eingangs-Verstärkung nebst vier mehrfarbigen Leucht-Anzeigen zur Übermittlung von Status- und Pegel-Informationen, ein Drehregler links zum Einstellen der Line-Out-/Monitor-Lautstärke sowie rechts für die Kopfhörer-Lautstärke. Je ein kleiner Schiebeschalter aktiviert die Phantomspeisung in beiden Kanälen oder das Direct-Monitoring, wobei das Eingangs-Signal direkt auf den Ausgang geroutet wird. Kostenpunkt: Rund 240 Euro, was für ein Einsteiger-Interface heutzutage schon etwas hoch ist. Im Gegenzug hat sich IK Multimedia jedenfalls überhaupt nicht lumpen lassen und legt dem Interface Software im Gesamtwert von rund 450 Euro bei, unter anderem Amplitube Metal, den iRig Recorder, SampleTank 3 SE sowie fünf SampleTank Librarys nach eigener Wahl. Als class compliant-Gerät verbindet sich das iRig Pro Duo ohne weiteren Aufwand direkt mit Apple-Geräten. Wer mit Windows arbeitet, muss allerdings auf den Freeware-Treiber ASIO4all zurückgreifen, denn ein proprietärer Treiber seitens IK Multimedia fehlt. Damit wären wir auch schon beim größten Kritikpunkt des iRig Pro Duo angelangt, denn im Test ist damit ein reibungsloser Betrieb erst ab einem Buffer von 240 Samples aufwärts möglich, was eine Latenz von knapp 20 Millisekunden ausmacht und keine Zierde für ein Interface ist. Da ist jedenfalls noch Verbesserungs-Potential vorhanden. Im Verbund mit einem Macbook Pro und einem iPad 2 gibt’s in Sachen Latenz dafür überhaupt nichts zu meckern. Irgendwie haben wir im Test daher den Eindruck, dass sich das iRig Pro Duo stets eine Spur besser mit Mobilgeräten, als mit Desktop-Rechnern versteht.

Sehr schön: Die Stromversorgung erfolgt gleich auf dreierlei Weise: Via USB, per Netzgerät oder über zwei mitgelieferte AA-Batterien, die auf der Rückseite des Geräts einsetzbar sind, wobei der Batterie- oder Netzgeräte-Betrieb im Einsatz mit Mobilgeräten übrigens zwingend nötig ist, sonst macht das iRig Pro Duo keinen Mucks. Ebenfalls lobenswert sind die Gain-Reserven in beiden Eingangskanälen, die nicht nur Kondensator-, sondern auch dynamischen Mikrofonen ordentlich auf die Sprünge helfen. Elektrische Instrumente sind bereits in acht-Uhr-Stellung des Reglers ordentlich verstärkt. In Sachen Klang glänzt der Winzling nicht minder. Die Aufnahmen klingen transparent, Transienten werden haarklein eingefangen und abgebildet und die Auflösung ist ebenfalls sehr gut. Doch im Vergleich mit dem rund viermal so teuren Fireface 400 zeigen sich rasch Unterschiede. So sind die iRig-Aufnahmen merkbar vordergründiger, weniger plastisch und rund. Zudem ist eine leichte Dominanz in den Hochmitten und Höhen bemerkbar, die den Aufnahmen eine zwar nicht unangenehme Frische verleiht, dafür aber die unteren Mitten ein wenig zurücktreten lässt. Dennoch: Insgesamt hinterlässt das iRig Pro Duo für ein Gerät seiner Klasse einen sehr guten Eindruck im Test. Einsteiger mit Platzproblemen und Unterwegs-Kreative mit Hang zu Mobilgeräten erhalten ein äußerst kompaktes und flexibel einsetzbares Stück Tontechnik mit sehr gutem Klang, das zudem mit einem riesigen Paket an Software daherkommt und die Preis-Leistungsrelation entsprechend positiv ausfallen lässt.

Erschienen in Ausgabe 02/16

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 238
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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