Telefunken M82

Telefunken legt mit dem M82 ein dynamisches Mikrofon vor, das dank vier verschiedener EQ-Einstellungen das Nonplusultra für die Kickdrum-Abnahme liefern soll.

Von Freda Ressel

 

Viele Aufnahmen stehen und fallen mit dem Klang der Bassdrum, denn klingt diese nicht richtig, leidet die komplette Dynamik eines Stückes. Das Telefunken M82 ist ein dynamisches Mikrofon, das dank vier verschiedener Filtereinstellungen die Anschaffung mehrerer Kickdrum-Mikrofone für verschiedene Klangfarben obsolet machen will. Für einen UVP von 530 Euro bietet es sich als komfortable Allround-Lösung an.

 

Aufbau

Das M82 kommt mit seinem schwarzmattierten pulverbeschichteten Metallgehäuse im Coladosen-Format samt großem, doppeltem Metallschutzkorb kompakt und robust daher. Am unteren Ende findet sich ein Gewinde zur Verschraubung mit der mitgelieferten Halterung. Hier wird auch das 5 m XLR-Kabel mit einem abgewinkelten Steckerende auf der weiblichen Seite befestigt. Zudem bringt das M82 eine Schutztasche aus Kunstleder mit. Das dynamische Mikrofon mit üppigem 35 mm Membrandurchmesser, der das M82 für die Abnahme auch sehr tiefer Frequenzen qualifiziert, besitzt eine Nierencharakteristik und hat die Einsprechrichtung oben, die Oberseite des Korbes wird also auf die Schallquelle ausgerichtet. Das Mikrofon hat eine Ausgangsimpedanz von 250 Ohm, die Eingangsempfindlichkeit liegt laut Herstellerangabe bei durchschnittlichen 1,85 mV/ PA.

 

Wandelbar durch Filter

Unterhalb des Schutzkorbes auf der Rückseite des Mikrofons finden sich zwei Kippschalter, mit denen zwei miteinander kombinierbare Filter zugeschaltet werden, deren Klangeigenschaften für die bessere Verständlichkeit als vereinfachte Kurve neben den Schalter gefräst wurden. „Kick EQ“ reduziert die Tiefmitten um bis zu 6 dB bei 350 Hz mit einem Kerbfilter, während „High-Boost“ die oberen Höhen mit einem Shelvingfilter sukzessive von 2 kHz an bis 10 kHz um bis zu 6 dB angehoben werden. Der Hersteller gibt für die verschiedenen Filtermöglichkeiten Einsatzempfehlungen: Ohne Filter wird es für Gesang, cleane E-Gitarre und Blech- sowie Holzblasinstrumente empfohlen. In der Kick EQ-Einstellung bietet es sich für einen vintagemäßigen Bassdrumsound, sowie Bassverstärker- und Leslie-Verstärkerabnahme an. Die High-Boost-Einstellung eignet sich für Sprachaufnahmen im Broadcasting-Bereich, verzerrte E-Gitarren sowie Percussion, während beide Filter zusammen für einen modernen Kickdrumsound, Stand- und Hängetoms sowie Bassdrums ohne Frontfell konzipiert sind.

Rückseite des Telefunken M82

Die beiden Kippschalter sind kombinierbar und bieten so vier verschiedene Filtermöglichkeiten: Neutral, „Kick EQ“ mit einer Tiefmittenabsenkung bei 350 Hz um 6dB für weniger Topfigkeit, „High-Boost“, ein Shelvingfilter der die Höhen zwischen 2 kHz und 10 kHz um bis zu 6 dB anhebt, und die Kombination beider Filter.

Klang

Im Rahmen unseres umfangreichen Klangtests nahmen wir nicht nur eine Kickdrum in allen Filtereinstellungen auf, sondern fertigten auch einige Sprachaufnahmen mit Männer- und Frauenstimme sowie Gesangsaufnahmen an.

Für die Kickdrum zeigt sich das M82 wandelbar. In allen Fällen kommen die Bassdrumschläge äußerst präzise und fokussiert. In der neutralen Einstellung klingt die Kickdrum kompakt und beinahe so, als hätte man einen Kompressor zugeschaltet. Diese Einstellung nimmt wenig Resonanzen vom Bassdrumkörper mit und kommt etwas topfig. Die „Kick EQ“-Einstellung unterstreicht den Punch der Bassdrumschläge. Das Holz ist hier hörbarer, der Klang ist druckvoller mit deutlich weniger Topfigkeit als bei der neutralen Einstellung. Diese Filtereinstellung unterstreicht den Charakter der Bassdrum sehr schön. In der „High-Boost“-Einstellung wird das Attack deutlich betont, es ist weniger bis gar kein Körper hörbar, sondern vor allem der knackige Klang des Resonanzfells. Zusammengeschaltet ergibt sich die Summe der einzelnen Teile: ein sehr moderner, Attack-reicher Klang, der gleichzeitig den Klangkörper der Bassrum gut einfängt.

Für Sprachaufnahmen eignen sich vor allem die „High-Boost“-Einstellung, die tatsächlich einen etwa für nachträglich kommentierte Reportagen oder Podcasts gut geeigneten, klaren und druckvollen Klang produziert. Die Kombination beider Filter nimmt hier etwas Druck weg, klingt aber immer noch schön klar und eignet sich beispielsweise für Hörbuchaufnahmen. Der Nahbesprechungseffekt lässt sich für eine intimere Atmosphäre sehr gut einsetzen, ohne zulasten der Verständlichkeit zu gehen. Die neutrale Stellung wirkt hier etwas dumpf, die „Kick-Boost“-Einstellung klingt hingegen etwas flach. Beim Gesang konnte das M82 ebenfalls vor allem in der „High-Boost“-Einstellung überzeugen. Die tiefe Altstimme bekommt hier durch die angehobenen Höhen etwas mehr Charakter als in den Einstellungen, in denen die Mittenabsenkung zum tragen kommt – dort wirkte der Gesang etwas kraftlos.

 

Fazit

Das M82 ist ein überaus wandelbares Kickdrum-Mikrofon. Dank seiner vier Filtereinstellungen bietet es sehr unterschiedliche, aber stets hochwertig klingende Klangfarben für unterschiedliche Zwecke. Zudem kann es mit Einschränkungen auch sehr gut für Sprach- oder Gesangsaufnahmen genutzt werden und lädt zum Experimentieren ein.

Erschienen in Professional audio 06/2017

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