Mastern wie die Profis

Die Firma Aria Mastering ist ein Vorreiter in Sachen Echtzeit-Analog-Mastering und einer der Geheimtipps, wenn es darum geht, die eigenen Tracks “salonfähig” zu machen. Statt wie andere Anbieter auf Plug-Ins oder digitale Algorithmen zu setzen, bietet Aria eine echte analoge Signalkette, mit der man seine Mixe in DIY-Manier auf das nächste Level bringen kann. Die Macher hinter Aria haben Beyonce, Justin Bieber, Paul McCartney und Co. als Referenzen vorzuweisen und sind überzeugt, dass analoge Geräte klanglich noch immer mehr zu bieten haben, als rein digitale Bearbeitungen.

Von Raphael Tschernuth

Um das Thema Mastering bildeten sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Mythen und Legenden. Vom Loudness War angetrieben, mussten neue Alben oder Singles jahrelang nur eins sein: Lauter als die Konkurrenz, egal um welchen Preis. Doch Dynamik blieb zusehends auf der Strecke und durch Überkomprimierung entstanden hin und wieder sogar unschöne Artefakte, welche die Musikqualität negativ beeinflussten.

Auch wenn in der Vergangenheit viel Schindluder beim Thema Mastering betrieben wurde, so ist es doch ein Arbeitsprozess, der vor der Veröffentlichung eines Musikstücks immens wichtig ist.

Durch die Veränderung der Musiklandschaft und die Vorherrschaft von Streaming-Diensten ist der Kampf um Lautstärke heute nicht mehr das einzige Maß der Dinge, denn die Lautstärke, die beim Konsumenten ankommt, wird von Streaming Diensten wie Spotify, Deezer und Co. reguliert. Somit darf endlich wieder mehr Fokus auf die Klangqualität gelegt werden.

Im Heimstudio stößt man beim Thema Mastering oft an seine Grenzen. Viele von euch werden dafür einen Kompressor auf die Summe legen, um das Signal etwas zu verdichten und abzurunden. Vor der Ausspielung pumpt man für gewöhnlich das Signal noch mit einem Limiter auf, damit das Maximum an Lautstärke erreicht wird.

Hört man sich aber aktuelle Top-Produktionen im Vergleich an, so stellt man oft unweigerlich fest, dass man im Heimstudio kaum an diese Qualität herankommt. Bei Songs mit wenigen Instrumenten, wie beispielsweise Singer-Songwriter Musik, lässt sich zwar noch recht viel erreichen, aber wird der Mix komplexer und enthält echte Drums, elektronische Beats oder diverse Instrumente, die sich identische Frequenzbereiche teilen, stößt man mit reinen „In the Box“-Lösungen schnell an seine Grenzen.

Bevor man sich überhaupt Gedanken um das Thema Mastering macht, sollte natürlich der Mix in sich stimmig sein. Sich auf das Mastering zu verlassen, um Mixing-Probleme zu lösen, ist die falsche Herangehensweise. Um den Mix gut beurteilen zu können, sind natürlich der Raum und die Abhöre entscheidend – mein persönlicher Tipp in dieser Hinsicht ist das neue Neumann MA-1 System, welches die Phase und den Frequenzgang an der Abhörposition optimiert (siehe Level Up in Ausgabe 03/21).

Neumann, Manley, Dangerous Music - in der Signalkette von Aria findet man die Crème de la Crème der Mastering Tools.

Neumann, Manley, Dangerous Music – in der Signalkette von Aria findet man die Crème de la Crème der Mastering Tools.

Ist der Mix auf einem guten Level, kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Entweder man geht zum Mastering- Spezialisten seines Vertrauens und holt sich ein Paar neue Ohren mit ins Boot. Dieser Blick von außen kann extrem bereichernd sein, weil er unparteiisch ist und derjenige eben nicht beim Recording- oder Mixing-Prozess involviert war. Besonders bei der Veröffentlichung von ganzen Alben ist das für mich nach wie vor der beste Weg, da hier nicht nur ein Song gut klingen muss, sondern alle Songs miteinander harmonieren müssen.

Was die Veröffentlichungen von Singles und EPs betrifft, so habe ich mich vor einigen Jahren umgesehen, was der Online-Mastering-Markt zu bieten hat. Anhand von Beispiel-Songs habe ich viele Anbieter verglichen und war von der relativ guten Qualität durchaus überrascht. Ein Anbieter stach für mich aber aus der Menge heraus, denn die Resultate waren noch ein Level lebendiger, musikalischer und auch lauter als bei der Konkurrenz.

Die Rede ist von Aria Mastering. Ich selbst habe zum ersten Mal im Jahr 2015 in einem Online-Forum von diesem Service gehört und nach den positiven Tests habe ich Aria in den letzten Jahren oft für eigene Produktionen benutzt.

Das Geheimnis von Aria ist, dass dem User eine komplette analoge Mastering-Kette zur Verfügung steht. Unter den Hi-End-Geräten finden sich etwa Röhren-Kompressoren und Limiter der amerikanischen Edelschmiede Pendulum, wie auch EQs von Neumann, Manley und Dangerous Music. Man muss also nicht mehr selbst zig tausende Euros in Hardware und deren Instandhaltung investieren, sondern kann eine komplexe Signalkette, die übrigens aus einem der erfolgreichsten Mastering-Studios der Welt übernommen wurde, für seine Projekte nutzen. Online direkt vom Heimstudio aus. Einen genauen Überblick über die Geräte der Signalkette findet man hier: https://ariamastering.com/de/About

Mithilfe von Roboterarmen wird die analoge Audio-Hardware an das vom User eingestellte Setting angepasst.

Mithilfe von Roboterarmen wird die analoge Audio-Hardware an das vom User eingestellte Setting angepasst.

 

Wie Aria funktioniert

Das Prinzip ist einfach erklärt. Wie bei jedem Web-Service benötigt ihr zunächst einen Benutzer-Account. In diesem könnt ihr euren fertigen Mix zum Mastern hochladen. Ein einziges Master kostet bei Aria 19 Dollar. Preislich noch attraktiver sind die Abo-Modelle: Hier könnt ihr 10 Master für 49 Dollar, 25 Master für 99 Dollar oder 100 Master für 249 Dollar erwerben. Zu beachten ist hierbei, dass das Kontingent innerhalb von 30 Tagen aufgebraucht werden muss, da restliches „Guthaben“ nach dieser Zeit verfällt. Nach Ablauf der 30 Tage verlängert sich das Abo. Wenn man das Abo nur einmalig benötigt, sollte man also nicht vergessen zu kündigen, was man direkt in dem Account machen kann.

Im Aria-Menü habt ihr einige klangliche Einstellungen zur Auswahl, um die Signalkette von eurem Heimstudio aus beeinflussen zu können. Jeder Mix ist anderes und viele Genres unterscheiden sich grundlegend. Daher müsst ihr zunächst einen Mix-Type auswählen:

A -Moderat: für dynamische Mischungen und akustische Songs
B -Laut: (Standardeinstellung) Mix mit moderater Kompression
C -Lauter: für balancierte Mischungen, die gut komprimiert sind
D -Laut/Sicher: für Balladen und leisere Lieder, die laut sein müssen
E -Extra Dynamic: Gut für A-Cappella oder akustische oder klassische Aufnahmen. Auch ideal für Hybrid-Filmmusik.

Neben dem Mix-Typ finden sich noch vier weitere Regler, an die man Hand anlegen kann: Da wären zunächst “Low Frequency” und “High Frequency” bei denen man Frequenzanteile am oberen und unteren Spektrum entweder hinzuaddiert oder reduziert. “Width” Control verbreitert oder verengt man das Stereosignal seines Mixes und via dem “Output Level”-Regler kann man einstellen, ob man die maximale Lautstärke will oder lieber noch etwas mehr Raum für Dynamik bleiben darf.

Nachdem man die Settings ausgewählt hat, bietet einem das Interface einen kurzen Ausschnitt an, wie der Song klingen wird. Ist man zufrieden, wird der Song in die Warteliste hinzugefügt und benötigt ein paar Minuten um gemastert zu werden. Da der Song die Signalkette in Echtzeit durchläuft, hängt die Dauer natürlich auch von der jeweiligen Länge des Songs ab.

Ist das Lied gemastert, bekommt man eine Benachrichtigung und man kann die Datei downloaden. Sollte sie einem nicht gefallen, oder man andere Settings ausprobieren wollen, so bietet Aria fünf kostenlose Revisionen pro Song an. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Kundensupport bei Aria großgeschrieben wird und man dank der fünf Revisionen sehr schnell abschätzen kann, wie das System funktioniert und wie sich die jeweiligen Einstellungen klanglich äußern.

Aria bietet ein enormes Potential, um Songs den letzten Schliff zu geben. Aber es ist kein Allheilmittel. Bei all der Liebe zum Detail, die in Arias Signalkette verbaut wurde, kann das System aus schlechten Mixen keine guten Master machen. Wenn man selbst mischt, sind gute Raumakustik, eine verlässliche Abhöre und geschulte Ohren noch immer das Wichtigste. Aber wenn die Mixe gut sind, bringt Aria die Songs zum Glänzen, wie ich es noch bei keinem anderen Online-Mastering-Service gehört habe. Damit man hören kann wie es klingt, habe ich bei Spotify eine Playlist zusammengestellt, mit Produktionen auf denen ich Aria selbst verwendet habe: https://spoti.fi/3yStQuN.

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