Für Videofilmer mit Anspruch

In der letzten Ausgabe haben wir Ihnen spezielle Kompakt-Cam-Lösungen für musikalische Video-Einsteiger vorgestellt. Diesmal kümmern wir uns um diejenigen unter Euch, die mit einer bereits vorhandenen DSLR- oder System-Kamera filmen möchten. Denn mit der richtigen Zusatzausstattung geht das noch besser von der Hand – vor allem, wenn die Ansprüche etwas höher sind. Wir haben eine hochwertige Grundausstattung für ambitionierte Filmer zusammengestellt.

von Hans-Günther Beer

Zurzeit muss jede neu vorgestellte System- oder Spiegelreflexkamera 4K-Videoaufnahmen können, sonst ist sie nicht konkurrenzfähig, könnte man meinen. Doch dieser 4K-Hype geht noch an der tatsächlichen Realität vorbei, denn viele bedenken die Konsequenzen nicht: Die Datenmengen steigen enorm, ohne 4K-Monitor geht gar nichts Doch vor allem macht das hohe Auflösungsvermögen Fehler gnadenlos sichtbar und steigert die Anforderungen an den Videofilmer ungemein. Kein Wunder, dass viele Leute ein gut gemachtes Full HD-Video einem schlechten 4K-Video vorziehen.
Zu einem guten Videodreh gehört jedoch noch mehr als nur das Beherrschen der Kamera, nämlich unter anderem die richtige Ausstattung. Dazu zählt zum Beispiel ein solider Rahmen (Cage), in dem nicht nur die Kamera, sondern auch das Zubehör wie etwa Mikrofon, Audiorecorder, 5- oder 7-Zoll-Monitor oder Tragegriffe angebracht werden können. Dieser Rahmen lässt sich auf einer Basisplatte fixieren – er kann an die sogenannten Rods geschraubt werden. Rods sind nichts anderes als mehr oder weniger lange Alurohre mit (genormten) meist 15 Millimeter Durchmesser. Sie dienen zur Aufnahme weiteren Zubehörs wie etwa einer Mattebox (Filterhalter mit verstellbaren Streulichtblenden). Diese Einheit aus Kameracage und Basisplatte kann man nun per Schnellverschluss auf ein Videostativ setzen. Doch für viele Videofilmer ist das Filmen ohne Stativ, also aus der Hand, viel dynamischer, spannender und auch praktischer. Wer aber freie Videoaufnahmen auch über einen längeren Zeitraum (Stichwort: Konzertmitschnitt) möglichst entspannt machen will und dabei auf verwacklungsfreie Aufnahmen Wert legt, kommt ohne ein sogenanntes Rigg mit gepolsterter Schulterauflage nicht aus. Auf ein solches lässt sich der Kameracage per Schnellanschluss einfach aufsetzen.
Doch zu einem gelungenen Film gehört auch das gekonnte Spiel mit Schärfe und Unschärfe: Wer absolute Kontrolle benötigt und das Schärfeziehen kontinuierlich und punktgenau durchführen möchte, sollte in eine Schärfezieheinrichtung (Follow Focus) investieren (siehe Kasten). Von diesen gibt es bereits sehr günstige Exemplare ab 100 Euro, die aber meist nach kurzer Zeit erhebliches Spiel aufweisen. Es lohnt also, etwas mehr zu investieren, es müssen ja nicht gleich 1.500 Euro für ein Follow Focus von Chrosziel oder ARRI sein…

Walimex_13

Cages & Riggs
Wir haben uns auf dem Markt für hochwertige Cages und Riggs umgeschaut und sind dabei auf die Produkte der Firma Walimex gestoßen, genauer auf das exzellent verarbeitete Walimex pro Aptaris Programm (www.walimexpro.de). Der deutsche Hersteller lässt alle Komponenten des umfangreichen Angebots auch in Deutschland fertigen. Damit sind sie etwas teurer als manches Wettbewerbsprodukt, aber wirklich vorzüglich verarbeitet und vor allem Teil eines durchdachten Systems: eins passt zum anderen. Das Aptaris Frame Action Set beispielsweise kostet 949 Euro und besteht aus diversen Einzelkomponenten. So etwa aus dem Aptaris Universal Frame Cage (479 Euro), der sich aber nur für große Spiegelreflexkameras lohnt, sehr universell verstellbar ist und viele Gewinde besitzt, um weiteres Zubehör montieren zu können. Außerdem beinhaltet das Set ein Rod-Modul mit Basisplatte, ein Schultermodul mit vier Schaumstoffpolstern und ein vielseitig verstell- und anpassbares Griff-Modul. Alles ist perfekt verarbeitet, alle Einzelteile bestehen aus gefrästem und schwarz eloxiertem Aluminium oder aus Edelstahl. Zu dem Set gehört auch der sogenannte Cabelguard, mit dem sich die an der Kamera eingesteckten USB- oder HDMI-Kabel fixieren lassen. Wer eher mit einer Systemkamera vom Schlage einer Panasonic Lumix GH4 oder Sony Alpha 7SII/7RII filmt, ist mit dem geschlossenen Käfig nicht optimal bedient. Viel besser für diese Kameras eignet sich ein halboffener Käfig wie der Aptaris Universal XL (239 Euro), der auch noch deutlich günstiger ist, allerdings auch weniger Befestigungsmöglichkeiten bietet. In der Praxis, während vieler Videodrehs, haben sich die Komponenten und das Gesamtsystem sehr gut bewährt. Schwachstellen zeigten sich, obwohl immer wieder viel montiert und demontiert wurde, nicht. Wir meinen, das Aptaris-System von Walimex ist eine gute Investition für ernsthafte Videofilmer, die auf hohen Gebrauchsnutzen und Langlebigkeit Wert legen. Infos: www.walimex-pro.de

 

 

Mobiler Audio Recorder Tacam DR-44WL
Natürlich muss bei einer guten Video-Aufnahme für optimale Sound-Qualität gesorgt werden. Wer wirklich einen glasklaren Klang ohne Störgeräusche, möglicherweise auch mehrkanalig haben möchte, kommt um einen hochwertigen mobilen Rekorder (oder entsprechend gute Kameramikrofone) nicht herum. Das Marktangebot ist gerade im Rekorder-Bereich sehr umfangreich. Wir haben uns den vierkanaligen Recorder Tascam DR-44WL (UVP: 285 Euro) ausgeguckt, ein kompakter, gut verarbeiteter Recorder mit zwei eingebauten Mikrofonen in XY-Ausrichtung für den Atmo-Sound und zwei zusätzlichen Mikrofon/Line-Eingängen für Funkmikrofone/Lavaliermikrofone oder den Mischpultabgriff bei Konzertvideos. Besonderheit: Der Tascam DR-44WL baut einen eigenen WiFi-Hotspot auf und ist komplett und sehr komfortabel über ein Smartphone steuerbar (siehe kompletter Test auf Seite XX).

 

Follow Focus FF-2 von Lanparte
Der chinesische Hersteller Lanparte hat sich unter Kennern inzwischen einen hervorragenden Ruf erworben, denn Konstruktion, Verarbeitungsqualität und Langzeitstabilität der Produkte liegen auf allerhöchstem Niveau. Das Angebot an Videozubehör von Lanparte (www.lanparte.de) ist umfangreich und reicht von Baseplates über Matteboxen bis hin zu kompletten Rigs mit allem Drum und Dran. Die Produkte sind nicht billig, aber die Preise angesichts der gebotenen Qualität günstig. Das gilt auch für den Follow Focus FF-02, den wir intensiv im Praxiseinsatz getestet haben. Schon beim Auspacken kommt Freude auf, denn man hält ein prachtvolles, solides Stück Feinmechanik in den Händen. Im Vergleich zu den vielen günstigen Schärfezieheinrichtungen fällt sofort die exzellente Verarbeitung auf, auf den zweiten Blick stechen die vielen pfiffigen Konstruktionsdetails ins Auge. Schon die Montage des FF-02 geht einfach und präzise von der Hand: Aufsetzen, einklicken und Feststellschraube anziehen. Der FF-02 sitzt auf den Rods bombenfest. Als Nächstes löst man die Rändelschraube unter der Führungsschiene des FF-02 und schiebt die ganze Einheit ans Objektiv heran, sodass die Zähne des Zahnrads (Modul 0.8) in die des Zahnrings am Objektiv satt eingreifen. Ein erster Dreh am griffig gummierten Fokussierrad, dessen Markierungsring mit Magneten gehalten wird und leicht abgenommen werden kann, verrät, wie präzise und wertig der FF-02 gefertigt ist. Die Drehbewegung ist ungemein geschmeidig. Der Drehwiderstand ist bewusst eher hoch gewählt, sodass auch kleinste Schärfekorrekturen sehr genau und definiert vorgenommen werden können. Dafür sorgt ein spezielles Dämpfungsfett, in dem das Umlenkgetriebe im Innern des FF-02 läuft. Dieses Fett wird ansonsten bei teuren Fluidköpfen benutz. Das Getriebe selbst kennt keinerlei Toleranz, selbst minimales Hin- und Herdrehen verursachen nicht das geringste Spiel und das auch nach Wochen des intensiven Einsatzes nicht. In Sachen Präzision spielt der FF-02 somit in der obersten Liga gleichauf mit den deutlich teureren Pendants von Chrosziel und Co. Weitere Besonderheiten des FF-02 sind darüber hinaus die einstellbaren Hard Stops, mit denen sich der Fokusweg begrenzen lässt, wichtig wenn man Objektive ohne Endanschlag an der Kamera einsetzt oder wenn beispielsweise definiert die Schärfe von einer Person auf die andere verlagern werden soll. Diese Hard Stops werden gegen die Markiernase geschoben und dann arretiert. Benötigt man den kompletten Einstellweg, klappt man die Markiernase nach hinten, einfach aber genial. Selbst der Zahnring, der auf den Scharfeinstellring des Objektivs montiert wird, weist neben der wertigen Materialqualität eine Spezialität auf: Der Riemen lässt sich für einen strammen Sitz
über ein kleines Zahnrad spannen und dann fixieren – sehr gut gelöst. Für den FF-02 bietet Lanparte einiges an Zubehör an, darunter auch einen Verlängerungsarm für höher angeordnete Objektive. Wer einmal mit dem Lanparte FF-02 gearbeitet hat, wird ihn nicht mehr missen wollen, er kostet 480 Euro, ist eine Anschaffung fürs Leben und jeden Cent wert. Infos: www.lanparte.de.

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