Experimentieren für Fortgeschrittene

 

2.000 Murmeln, eine Kurbel und die Schwerkraft: Die Marble Machine des Schweden Martin Molin bietet analoges Sequenzer-Feeling in Reinform und spielt Vibrafon, E-Bass und Drums. Molin, Vibrafonist und Frontmann der Folkpop-Elektro-Band Wintergatan, hat 14 Monate an dem komplexen Ungetüm gebastelt, das auf einem YouTube-Video zur viralen Sensation wurde.

Von Nicolay Ketterer (Fotos: S. Westergren, M. Molin, H. Knutsson)

 

Das schwedische Quartett Wintergatan produziert experimentellen, elektronisch angehauchten Folk-Pop mit allen möglichen Instrumenten – darunter Vibrafon, Glockenspiel, Synthesizer, Bass, Schlagzeug, Akkordeon und Schreibmaschine. Die Truppe hat bislang ein Album veröffentlicht, trat letztes Jahr beim dänischen Roskilde-Festival auf und hat sich mittlerweile ein festes Publikum erspielt.

Frontmann und Vibrafonist Martin Molin gehört zur Kategorie der exzentrischen musikalischen Tüftler: Der 33-Jährige hat einen überdimensionalen Spielautomaten konstruiert – aus 2.000 Murmeln, Holzbausteinen, Zahnrädern und Lego-Technik-Teilen, kombiniert mit Instrumenten, die durch herabfallende Murmeln ausgelöst werden. Das Konzept erinnert an selbst spielende Klaviere mit Stiftwalzen und an sogenannte Symphonic Organs, die in den 1930er Jahren in den USA ein Orchester-Instrumentarium ansteuerten, oder an Pat Methenys Orchestrion.

Die ursprüngliche Idee kam Molin nach dem Besuch eines Spieluhrenmuseums im niederländischen Utrecht. „Ich stieß auf den YouTube-Kanal von Matthias Wandel, der unter anderem ein Computer-Programm zum Entwurf von Holzbauteilen geschrieben hatte.“ Murmelautomaten haben ihn schon immer fasziniert, erzählt Molin. „Als ich wusste, wie ich die Bauteile entwerfen konnte, wollte ich eine Murmelmaschine bauen. Ich dachte mir, es könnte interessant sein, die Murmeln so zu programmieren, um sie gezielt auf Töne fallen zu lassen.“

Die Marble Machine enthält Bass-Drum-, Snare- und Hi-Hat-Sounds sowie ein Sizzle-Becken, einen E-Bass und ein Vibrafon. Nach dem Auftreffen auf das jeweilige Instrument werden die Murmeln von Trichtern aufgefangen und über vorgefertigte Bahnen zum Transportband geleitet. Kleine „Baggerschaufeln“ bieten Platz für vier Murmeln, die sie – ähnlich wie ein Paternoster-Aufzug – nach oben transportieren. Dort angekommen, werden sie durch eine ausgeklügelte Zahnrad-Umschaltung wieder auf die unterschiedlichen Instrumente verteilt.

 

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