Klang-Körper

Mackie Onyx 2480  – Primär für Live-Anwendungen ist die 80er Serie der Onyx-Pulte konzipiert. Doch auch im Studio macht das  kleinste Familienmitglied eine gute Figur. 

Von Georg Berger 

Mit der Onyx-Serie deckt der US-Hersteller Mackie ein großes Spektrum ab. Vom 48-Kanal-Gerät bis hinab zu dem von Professional audio getesteten Modell 2480 mit 24 Kanälen reicht die Palette der unter dem Namen Live Sound Console angebotenen Baureihe. Außer der unterschiedlichen Zahl der Eingangskanäle – und dadurch bedingt der Abmessungen – gibt es dabei keine sichtbaren Unterschiede. Die Ausstattung der Channel-Strips und der Master-Sektion ist immer gleich. Angenehmer Nebeneffekt: Wer mit einem der Geräte vertraut ist, fühlt sich auch bei einem anderen sofort heimisch.  

Doch außer diesem modularen Konzept haben die Mackies noch mehr zu bieten. Zu den vom Hersteller besonders herausgestellten Merkmalen zählt ihre Robustheit. Stattliche 43 Kilogramm Kampfgewicht bringt bereits das kleinste Pult der Reihe als Zugeständnis an die Solidität auf die Waage. Angeblich, so der Hersteller, übersteht es sogar einen Sturz aus einem Meter Höhe unbeschadet. Diesen Härtetest ersparen wir uns und dem Pult zwar und nehmen schlicht erst einmal an, dass in der harten, aus pulverbeschichtetem Metall gefertigten Schale mit den solide wirkenden Kunststoff-Wangen auch ein solider Kern steckt. Doch genau wissen wollen wir es schon.

Denn erste Zweifel an der Solidität nährt ein Druck auf den Einschaltknopf, der den Großteil der Equalizer-Drehregler wackeln lässt. Ein Blick ins Innere verrät den Schwachpunkt: Die Platinenbefestigung der Equalizer-Sektion ist etwas unterdimensioniert. Die komplette Platine, die jeweils acht Kanalzüge auf sich vereinigt, ist zwar mit zahlreichen Schrauben fixiert, doch für die Größe der Platine ist weder deren Anzahl noch ihre Positionierung ausreichend. Hier ist Spielraum für Verbesserungen. 

Abgesehen von diesem Makel überzeugt das Pult auf Anhieb durch opulente  Regel- und Anschlussmöglichkeiten. Die Haupt-Features sind die Mikrophon-Vorverstärker und die schaltbaren Equalizer, die eigens dafür entwickelt wurden. Das ist aber noch nicht alles. Das Onyx 2480 besticht mit einer äußerst charakteristischen Master-Sektion und hat als weitere Besonderheit einen so genannten Matrix-Mischer.

Die Kanalzüge sind mit den üblichen 100mm-Profifadern ausgestattet, die nach unserem Geschmack jedoch ein wenig zu locker und leichtgängig sind. Auffällig: Die Drehregler lassen sich unterschiedlich schwer bedienen. Ein Konzept ist dabei nicht zu entdecken, was den Verdacht nährt, dass hier Potentiometer unterschiedlicher Güte verbaut sind. Gerade in der Equalizer-Sektion wären Potentiometer mit gleichartigem Drehwiderstand von Vorteil, um entsprechend effektiver arbeiten zu können. Sehr gelungen hingegen ist die farbliche Unterteilung der Drehregler für die Aux-Wege, die sich analog dazu bei den Master-Sends wieder finden. 

Es gibt zwei unterschiedlich große Drucktaster im Pult, von denen die größeren – 102 an der Zahl – mit einer beigeordneten LED-Anzeige Auskunft über ihren Schaltzustand abgeben. Die insgesamt 431 kleineren Tästchen bieten keine solche optische Hilfe, was bei der Menge an Eingangskanälen und Gruppierung der Schalter durchaus problematisch ist. Gerade in Situationen, in denen nach Fehlern gesucht werden muss, besteht die Gefahr den Überblick zu verlieren. Da helfen auch die zwei Schwanenhalslampen wenig, die optional an zwei Buchsen auf dem Pult anschließbar sind. 

Kein Grund zur Klage indes bei den Anschlussmöglichkeiten. Hier fallen sofort die Insert-Buchsen ins Auge, die nicht nur für jeden Kanalzug vorhanden sind, sondern auch bei sämtlichen Aux- und Group-Sends sowie beim Main-Out. Drei 25-polige Sub-D-Anschlussbuchsen – jede davon führt acht Kanäle nach dem Tascam-Standard – erlauben es, das Pult direct out mit Recording-Equipment zu verbinden. Inkonsequent ist allerdings das Fehlen einer Messerleiste zum bequemen Anschluss einer Stage-Box. Strippen ziehen ist also angesagt, was nicht so recht zum Anspruch Live Sound Console passt.

Wer das Onyx-Board zu Recordingzwecken einsetzt, wird noch einen weiteren Minuspunkt finden: ein hörbares Betriebsgeräusch des Netzteil-Lüfters. Was im Live-Betrieb verschmerzbar ist, stört  beim Abhören von Musik dann doch. Das optionale externe Netzgerät bietet auch keine rechte Abhilfe, da es ebenfalls mit einem Lüfter arbeitet. Studio-Nutzern bleibt jedoch die Möglichkeit die verbauten Lüfter gegen leisere austauschen zu lassen, was zwar ins Geld geht, aber eine sinnvolle Optimierung sein kann.  

Der Regler für die Eingangsempfindlichkeit eröffnet den Reigen der Kanalkomponenten. Diesem zugeordnet sind Drucktaster für Phantomspeisung, Trittschallbedämpfung bis 100 Hertz, Wahltaste zwischen Mikro- und Line-Eingang und Phasen-Schalter. Dieses professionelle Feature ist wichtig und sinnvoll, wenn im Pult unterschiedlich verschaltete Mikrophone oder Kabel angeschlossen sind und das Signal nicht kraftvoll genug rüberkommt.

Ungewöhnlich ist, dass anders als bei anderen Pulten, der schaltbare Equalizer direkt nach der Eingangsverstärkung integriert ist. Mackie nennt als Grund für diese Maßnahme eine Verbesserung des Klangs, was wir durchaus bestätigen können. Ein so effektiv arbeitender und gut klingender Equalizer ist in Pulten dieser Preisklasse wirklich selten. Der Klang angeschlossener Instrumente wird sauber und ohne unbeabsichtigte Verfärbung nur im gewünschten Frequenzbereich beeinflusst, wobei besonders erfreulich ist, dass dies absolut rauschfrei geschieht, selbst wenn die Regler auf Vollausschlag stehen (siehe Kasten auf Seite 90).

Acht Aux-Wege folgen, die per Drucktaster sowohl pre- und postfader, als auch mit einem weiteren Taster zu maximal vier Stereopaaren schaltbar sind. In diesem Zustand fungiert der erste Drehregler als Lautstärke-Kontrolle und der zweite als Panorama-Regler. Im Lieferzustand ist der Equalizer in die Aux-Wege geschaltet. Wer will kann aber im Inneren des Pultes per Jumper einstellen, ob die Equalizer-Sektion dort einwirkt oder nicht, wenn die  Aux-Wege auf prefader geschaltet sind.

Der Clou sind vier Taster, die den jeweiligen Kanal einer so genannten „Mute-Group“ zuweisen. In der Master-Sektion findet sich das Äquivalent dazu vor, und ein Druck auf einen dieser Taster schaltet sämtliche Eingänge, auf denen dieselbe Taste aktiviert ist stumm. Das ist eine komfortable Möglichkeit, ganze Mikrophon- oder Instrumentengruppen auf einen Schlag aus dem Mix zu nehmen. Beispielsweise wenn es in einer Live-Situation darum geht eine Bläsersektion oder Chorgruppe stumm zu schalten. 

Fünf Taster zum paarweisen Routing des Eingangssignals auf die Subgruppen oder die Summe und jeweils eine Taster zum stumm und solo schalten im prefader-listening Modus runden die Ausstattung ab.

Die Master-Sektion ist in vier Hauptbereiche unterteilt. Ganz oben findet sich der Aux-Return, der – und das ist wirklich einzigartig –  sogar als kleines, vollwertiges Acht-Kanal Mischpult taugt. Ist es nicht erforderlich, diese Eingänge mit Peripheriegeräten zu belegen, so erweitert sich das Pult damit noch einmal um acht weitere Eingangkanäle. Die sind sogar komplett in stereo ausgelegt. Ungewöhnlich innerhalb einer solchen Sektion ist das Vorhandensein von acht 60mm-Fadern, die übrigens im Vergleich zu den größeren besser gleiten. Natürlich weist dieses Untermischpult nicht denselben Umfang auf wie die Eingangssektion, aber separat bräuchte es sich vor Standalone-Geräten derselben Kategorie kaum zu verstecken. Regler für die Eingangsempfindlichkeit, ein vierbandiger Equalizer mit festen Frequenzen, vier Aux-Sends pro Kanal und die entsprechenden Taster für solo und stumm sprechen für sich. 

Die Signale die hier eingespeist werden, gelangen anschließend entweder auf die Stereo-Summe oder die Subgruppen sieben und acht. Doch Moment mal! Separate Aux-Wege im Aux-Return-Weg? Ja, wieso nicht? Diese Aux-Regler speisen am Return anliegende Signale zusätzlich in die Aux-Wege der Eingangssektion. 

Wozu das gut ist fragen Sie. Nehmen wir ein Beispiel: Der erste Aux-Send dient zur Regelung von Bühnenmonitoren. Der zweite Send zweigt das Signal in ein Effektgerät ab. Am ersten Return ist dieses Effektgerät angeschlossen. Mit Hilfe der Aux-Send-Regler der Return-Sektion ist es nun möglich, auch  das Bühnenmonitor-Signal zusätzlich mit einem Effektanteil zu versehen. Vorsicht ist jedoch geboten. Bei unbedachter Bedienung kann es zu Rückkopplungen kommen, wenn zu viel des Effektsignals dem ursprünglichen Signal zugemischt wird. Hier ist im wahren Sinn des Wortes Fingerspitzengefühl gefordert.

Ein Stereo-Taster fasst die beiden Aux-Regler zu einem Stereo-Regler-Paar für links und rechts zusammen. Ein weiterer Taster erlaubt es, die beiden Regler auch auf zwei weitere Aux-Wege zu schalten. Die Return-Sektion hat sich hierbei in zwei Teile geteilt. Die erste Hälfte der acht Kanäle spricht die ersten vier Aux-Wege an und die zweite Hälfte folglich die letzten vier.    

Eher unscheinbar in der Mitte sitzt eine Reihe mit acht Drehreglern für die Master Aux-Sends. Darunter nehmen die Fader der acht Subgruppenkanäle ihren Platz ein. Genau dazwischen befindet sich ein einzigartiges Komfort-Plus, die so genannten Group/Aux-Flip-Schalter, die es ermöglichen, die Bedienungsele­mente, nicht aber die Signalwege, zwischen Master Aux-Send und Subgruppe umzuschalten. Dies kann für jeden Kanal separat geschehen und erlaubt es, je nach Arbeitssituation, beispielsweise die ursprüngliche Subgruppen-Fader-Sektion in zwei Gruppen zu jeweils vier Gruppenkanälen und Master-Sends zu kombinieren. Das ist schlicht genial. 

Durch die komplett analoge Bauweise des Onyx-Pultes ist es logisch, dass sich bei Betätigung dieser Schalter die Lautstärke der so umgeschalteten Signale den Stellungen der Fader beziehungsweise Drehregler anpasst. Ein intuitives Bedienen dieser Schalter ist deshalb nicht möglich. Es ist daher unumgänglich sich im Vorfeld eines Mixes zu überlegen, welcher der beiden Signalwege mit welchen Regelmöglichkeiten ausgestattet sein soll. Ansonsten könnten bei sehr unterschiedlich eingestellten Fader-Drehregler-Paaren extreme Lautstärkeunterschiede entstehen und ein Subgruppenmix wäre mit ein paar Schaltvorgängen direkt hinfällig. Dennoch ist dieses Feature als eigenständig und komfortabel zu werten. 

Außer den beiden Summen-Fadern ist das Onyx 2480 mit umfangreichen Regelmöglichkeiten für weitere ausgehende Signale ausgestattet. Hier gibt es Kontrolle pur. Alle Regelmöglichkeiten sind übersichtlich und gut erfassbar angeordnet, denn jeder Regler korrespondiert zur jeweiligen Ausgangsbuchse. Dabei gibt es keine Kompromisse mit Doppelbelegungen. Der Nutzer erhält hier eine reichhaltige und opulente Kontrollzentrale, die keine Wünsche offen lässt. Ein Regler für das am Mono-Ausgang anliegende Signal ist vorhanden. Es gibt jeweils separate Regler für den Kopfhörer und die Signale am Monitor-Ausgang. Ein Summenregler für solo geschaltete Signale sind alles in allem mehr als üppig. Zu diesen gesellt sich auch der eingangs erwähnte Matrix-Mischer, der als zusätzlicher Ausgangsmixer an zwei separaten Ausgängen die Signale des Pultes noch einmal herausführt (siehe Kasten auf Seite 88). 

Die bereits erwähnten Mute-Group-Schalter, zwei Paare von LED-Ketten für das Summen- und das Solo-Signal sowie eine Talkback-Sektion nebst Routing-Schalter auf die Aux-Wege, einem Aktivierungsknopf und einem Drehregler für das Eingangssignal komplettieren die Master-Sektion. 
 
Für ein Pult in dieser Preisklasse hat das Onyx 2480 erstaunlich gute, dem Herstellernamen aber durchaus adäquate Messwerte aufzuweisen. Wobei die klanglichen Haupt-Features, Vorverstärker und Equalizer, auch akustisch großes Lob verdienen. Sauber, transparent und rauscharm werden Mikrophonsignale verstärkt und übertragen. Selbst bei voll aufgedrehtem Eingangsempfindlichkeitsregler ist von Rauschen nichts zu hören. Mit einem Rauschabstand von -88 dB und einem Klirrfaktor unter 0,02% erreicht diese Mischpultkomponente schon fast das Niveau großen Profipulte.  

Auch der Frequenzgang, also die originalgetreue Wiedergabe eingespeister Signale, ist absolut linearer. Das ist in Verbindung mit der Güte der Equalizer Garant für eine saubere Signalver- und -bearbeitung. Nichts klingt spitz, verzerrt oder gar schwammig. Im Gegenteil: Das Pult überzeugt durch transparente und klangneutrale Wiedergabe der Signale, kann dabei aber auch warm und angenehm klingen. Ein per Equalizer bearbeitetes Gitarrensignal lässt das Instrument an Charakter gewinnen. Die Firma Mackie übertreibt also nicht, wenn sie von der musikalischen Qualität ihrer Filtersektion spricht. 

Einzig das Lautstärkeverhalten der Panoramaregler gibt Anlass zur Klangkritik. Denn eine Verstärkung von +2,7 dB beim Drehen  der Regler von einer Seite zur Mitte mag Im Live-Einsatz akzeptabel sein, für Recording-Betrieb ist es zu viel. Wer die Panorama-Regler häufig nutzt, kommt deshalb um die Verwendung eines Kompressors zum Abfangen dieses Lautstärkeverhaltens nicht herum. 

Eigentlich ist das Mackie Onyx 2480 als Mischpult für Live-Anwendungen konzipiert. Doch auch für Recording-Arbeit im Studio ist es – nicht nur angesichts des günstigen Preises – erste Wahl. Die überaus sauber und rauscharm arbeitenden Onyx-Vorverstärker, sowie Aufbau und Güte des Equalizers machen es zum Geheimtipp. Lobenswert ist auch der logische und übersichtliche Aufbau der Eingangs- und Ausgangssektion. Hier gibt es nur ganz wenige Drehregler, die mittels Taster doppelt belegt sind. In Sachen Bedienung sind lediglich die unbeleuchteten Drucktaster ein Makel; wohl ein Tribut an die Preisgestaltung. Der insgesamt positive mechanische Eindruck leidet etwas unter der fragil befestigten Equalizer-Sektion. Das mag manchen Interessenten skeptisch stimmen, doch für beide Aspekte gilt: anschauen, anfassen, ausprobieren. Denn letzten Endes ist es Ansichtssache, ob man sich mit den unbeleuchteten Schaltern und der Platinenbefestigung anfreunden kann oder nicht. Ganz außer Zweifel indes sind die klanglichen Qualitäten. Wem komplexe Digitalmischpulte zu unübersichtlich sind, wer die Nase voll hat von Kompaktmischpulten, der sollte sich diesen Mischer einmal genauer anschauen. Besser noch, er sollte ihn sich anhören. 

Erschienen in Ausgabe 05/2006

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 4965 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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