Weniger ist mehr

Apogee hat schon immer auch den qualitätsbewussten Minimalismus gepflegt und erlaubt sich mit dem Duet 2 ein Zweikanal-Interface, das in erster Linie klanglichen Mehrwert bietet.

Von Harald Wittig

Den amerikanischen Pro-Audio-Hersteller Apogee verbindet der Szene-Insider in erster Linie mit Premium-Produkten, die zum regelmäßig herausragenden Klang auch einen entsprechend hohen Preis haben. Dabei gab es schon immer Geräte, namentlich Audio-Interfaces für das Recording mit Apple-Rechnern, die durchaus erschwinglich sind. Zu nennen wäre das einkanalige USB Audio-Interface One (Test in Ausgabe 4/2010), das mit einem eingebauten Kondensatormikrofon aufwarten kann und mit etwa 235 Euro bezahlbar ist. Oder das zweikanalige Audio-Interface Duet, das erste kostengünstige und damit massenkompatible Audio-Gerät aus Santa Monica, das sich eine treue Anhängerschaft und einen gewissen Kultstatus erspielt hat. Das Duet produzierte Apogee vergleichsweise lange: Rund fünf Jahre war das Firewire Audio-Interface im Programm. Selbstverständlich gab es im Laufe dieses Produktionszeitraums immer wieder Verbesserungen über Software-Updates, die Hardware-Basis blieb gleichwohl unverändert. Die Apogee-Entwickler gehören – wie alle engagierten Hersteller der Pro Audio-Szene – jedoch keineswegs zu den Schlafmützen, bei denen das innovationsfeindliche Credo „Wenn ´s gut läuft, lass´ es weiterlaufen!“ über der Schlafstatt eingemeißelt ist. Das Gegenteil ist der Fall, was die Amerikaner zuletzt sehr eindrucksvoll mit dem herausragenden, modular aufgebauten Interface Symphony I/O (Test in Ausgabe 10/2011) unter Beweis gestellt haben. Folgerichtig überarbeitete Apogee auch das Duet. Duet 2 nennt sich das grundlegend überarbeitete Audio-Interface, das Apogee nicht allein an den aktuellen Stand der Apple-Technik angepasst, sondern auch hardwareseitig mit völlig neuen Komponenten ausgestattet hat. Zum durchaus ambitionierten Preis von rund 530 soll der Duet 2-Erwerber laut Hersteller ein perfekt auf die Apple-Architektur abgestimmtes Interface erhalten, das in klanglicher Hinsicht an das eigene Flaggschiff Symphony I/O heranreicht. Da sind wir, die wir uns noch bestens an Apogees Top-Interface erinnern können, sofort glockenwach und voller Erwartung.

Das Duet 2 ist ein USB 2.0-Interface, das alle Abtastraten bis maximal 192 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite unterstützt. Wie alle Apogee-Interfaces lässt sich das Gerät nur mit Apple-Rechnern betreiben: „Wir entwickeln unsere Geräte für Core Audio, denn wir sind absolut überzeugt von der Leistung und der Stabilität der Apple-Schnittstelle“, erklärt uns dazu Brad Delava von Apogee. Inzwischen habe USB Core Audio die Firewire-Schnittstelle in puncto Performance, namentlich bei den Latenzen und der Auflösung, übertroffen, weswegen das neue Duet 2 im Gegensatz zum Vorgänger, das noch auf Firewire setzte, als echtes USB 2.0-Interface konzipiert ist. Die noch junge Hochgeschwindigkeits-Schnittstelle Thunderbolt wird es indes für ein Duet-Modell vorerst nicht geben. „Wir haben allerdings die Symphony 64 ThunderBridge für das Symphony I/O angekündigt. Damit ist es möglich, das Symphony I/O, aber auch unsere Wandler mit jedem mit einer Thunderbolt-Schnittstelle ausgestatteten Mac zu verbinden und zu betreiben. Aber für das Duet 2 ist das nicht notwendig. Der Anwender hat über USB 2.0 bereits ein hochauflösendes, superschnelles Audio-Interface.“
Das Duet 2 ist mit zwei neuentwickelten Vorverstärkern ausgestattet, die laut Hersteller klanglich denen des alten Duets deutlich überlegen sind. Tatsächlich zeichnet dasselbe Entwickler-Team, das auch das Symphony I/O geschaffen hat, für Preamps und Wandler verantwortlich: „Das Duet 2 ist zwar nicht mit unserem Symphony I/O gleichzusetzen, aber es kommt ihm klanglich sehr nahe“, versichert Brad Delava. Ausweislich der Ergebnisse des Professional audio-Messlabors scheinen die Amerikaner nicht zuviel zu versprechen: Das auf Seite 75 abgedruckte FFT-Spektrum für die Mikrofoneingänge ist makellos und spricht für sauberste Signalverarbeitung. Ein weiteres Indiz dafür sind auch die sehr guten Werte für Geräusch- und Fremdspannungsabstand, die mit 85,9 beziehungsweise 83, 4 Dezibel über jeden Zweifel erhaben sind. Dazu passend sind die Preamps mit gemessenen -70,1 dBu sehr empfindlich, sodass auch flüsterleise Schallwandler wie passive Bändchen-Mikrofone ohne Not Anschluss und Verstärkung finden dürfen.
Das Duet 2 arbeitet grundsätzlich Bus-Powered, wird also über die USB-Schnittstelle mit Strom versorgt, was gerade für das Steckdosen-unabhängige Unterwegs-Aufnehmen mit einem MacBook essentiell ist. Um unliebsame Ausfälle beim Aufnehmen möglichst auszuschließen, gibt es eine entsprechende Warn-Anzeige auf dem schicken, modernen OLED-Display des Geräts, gleichzeitig reduziert die Betriebssoftware bei akuter Stromknappheit den Ausgangspegel zugunsten der Phantomspannung, damit die Mikrofon-Aufnahme – es könnte sich immerhin um den endgültigen Take handeln – möglichst im Kasten ist. Zum Lieferumfang gehört aber auch ein Universal-Netzteil, das nicht nur dieses Notfallszenario weiter ausschließt, sondern auch die Latenzen nochmals minimieren soll.
Darüber hinaus finden sich neben dem Gerät selbst noch ein USB-Kabel und eine Kabelpeitsche mit den notwendigen Ein- und Ausgangsbuchsen im Lieferumfang. Das Duet 2 hat vier voneinander unabhängige Ausgangs-Kanäle, sodass der Anwender zwei individuelle Stereo-Mischungen auf den Line- und den Kopfhörerausgang legen kann. Dabei ist die Ausgangslautstärke individuell über den großen Hauptregler justierbar, der Bezugspegel lässt sich aber nicht für jeden Ausgang separat bestimmen.
Das Grund-Regelwerk erledigt der Duet 2-Anwender über den großen Aluminium-Knopf, der ein Doppelleben als Dreh- und Druckgeber führt. Mit dem Druckgeber erfolgt die Kanalwahl, der Drehregler dient der Pegelei – in der Praxis geht das alles so leicht und locker vonstatten, dass sich viele Worte erübrigen. Das OLED-Display liefert nicht nur alle notwendigen Informationen und Apogee verdient sich ein Sonderlob für die sehr präzise Pegelanzeige, die exaktes Aussteuern in allen Phasen der Audio-Produktion gewährleistet. Hinzu kommt eine einfache Touchscreen-Funktion, die beispielsweise das geschwinde Stummschalten der Kopfhörer- und Lineausgänge mit einem sanften Fingerdruck ermöglicht.

Dafür sind aber entsprechende Vorbereitungen über die Steuersoftware Maestro 2 zu treffen, die der Duet 2-Erwerber zusammen mit den Treibern übrigens erst herunterladen muss. Dafür handelt es sich nach unseren Erfahrungen um eine der beststrukturierten und am einfachsten zu bedienenden virtuellen Steuerzentralen überhaupt. Auch ohne ausführliche Dokumentation sollte sich jeder, der grundlegende Erfahrungen mit rechnerbasierter Aufnahmetechnik hat, zurechtfinden. Die Systemintegration des Duet 2 in die Mac-Architektur ist perfekt, was uns nicht weiter überrascht. Denn schon beim One und zuletzt beim Symphony I/O hatten wir diesen besonderen Premium-Komfort zu schätzen gelernt. Denn wer wie wir regelmäßig zwischen mehrere verschiedenen Audio-Interfaces wechselt – am Test-MacBook Pro sind es aktuell vier Geräte – ist einfach dankbar, wenn es zur Einrichtung eines Apogee-Geräts zur Audio Ein- und Ausgabe nur eines Klicks bedarf.

Kommen wir zur fachpraktischen Prüfung des Audio-Interfaces. Wir sind sehr angetan von dem Aluminium-Gehäuse des Duet 2, das für einen sehr robusten Gesamteindruck sorgt und Wertigkeit vermittelt. Die Verbindung Kabelpeitsche/Duet 2 sitzt fest, der Druck-Drehgeber ist griffig und fasst sich gut an, die Touch-Funktion des OLED-Displays lässt keine Wünsche offen, die Anzeigen sind auch bei hellem Umgebungslicht gut ablesbar. Nach Installation der Treiber und der Maestro 2-Software treten keinerlei Schwierigkeiten beim Betrieb auf: Vor allem das Hochfahren des MacBook Pro mit angehängtem Duet 2 klappt vorbildlich und ohne Störungen. Insoweit gab es Probleme mit den ersten Geräten, die aktuelle Firmware hat diese aber anscheinend gänzlich behoben.
Wir nehmen mehrere Takes eines rasch hingeworfenen, improvisierten Gitarren-Duos unter Logic Pro 9 auf, als Schallwandler kommen zwei gematchte Røde NT6 Miniatur-Kondensatormikrofone zum Einsatz, die Projekt-Auflösung ist auf 24Bit/96kHz festgelegt. Apogee verspricht bei dieser Abtastrate und einer Audiopuffer-Größe von 96 Samples eine Latenz von 4,2 Millisekunden – und hat damit nicht übertrieben. Allerdings ermitteln wir diesen sehr guten Wert nur beim Betrieb mit dem externen Netzteil. Erfolgt die Stromversorgung über den USB-Bus beträgt die Latenz 5,6 Millisekunden. Wohlgemerkt bei dieser hohen Auflösung. Bei einer Abtastrate von 44,1 Kilohertz ist das Aufnehmen mit unserem MacBook Pro mit 2,53 GHz Dual Core-Prozessor praktisch latenzfrei möglich. Zusammen mit den bereits genannten Vorzügen des Interfaces ist die praktische Arbeit mit dem Duet 2 ein wahres Vergnügen.
Die Vorverstärker überzeugen schon beim Soundcheck über unseren hochauflösenden Kopfhörer AKG K702 durch ihre praktische Störgeräuschfreiheit: Nebengeräusche fängt das seinerseits rauscharme Mikrofon ein, der Übeltäter für ein unliebsames Britzeln ist das Netzteil des MacBook Pro, das Duet 2 selbst ist so klar und rein wie Quellwasser. Die klangliche Ausrichtung des Interfaces erinnert sehr stark an das Symphony I/O, denn auch das Duet 2 liefert einen sehr klaren, offenen Klang mit dem ganz besonderen Apogee-Höhenschimmer. Der ist allerdings nicht ganz so deutlich ausgeprägt, weswegen die Aufnahmen mit dem Duet 2 eine Spur steriler klingen, ohne aber zu langweilen. Das ist aber Nörgeln auf hohem Niveau, denn dieses Interface macht im Grunde genau das, was der Purist bevorzugt: Die analogen Mikrofon-Signale sauber zu verstärken und in die digitale Welt zu übertragen. Zugegeben, da ist schon noch Luft nach oben, bestimmte Details und seien es nur die Nebengeräusche beim breit eingesetzten Fingervibrato auf der Stahlsaitengitarre, bleibt das Duet 2 zwar nicht schuldig, unterdrückt diese aber gleichwohl ein wenig. Nein, dem Mikrofon können wir das nicht in die Schuhe schieben, denn ein Vergleichstake mit der Referenz-Kombination Lake People Mic-Amp F355/Mytek Digital 8x192ADDA belehrt uns, dass eine Winzigkeit an Information auf der Ebene Preamp-/Analog-Digital-Wandlung verloren geht. Das wird manchen Anwender vielleicht sogar freuen, der Auflösungsfanatiker greift ohnehin zur High End-Lösung, wird aber beim Abhören der Duet 2-Aufnahmen mit Sicherheit anerkennend nicken. Denn es kann in puncto Klangqualität – nicht Ausstattung wohlgemerkt – sicherlich mit einem Fireface 400 gleichziehen, hat dabei aber sein eigenes Apogee-Timbre, das durchaus ein besonderes Kennzeichen der Audio-Geräte der Amerikaner darstellt.

Fazit

„Weniger ist mehr“ heißt bei Apogee zumindest im Falle des Duet 2 ein Weniger an Ausstattung, dafür ein klares Mehr an Klang mit dem charakteristischen Apogee-Timbre. Wer mit zwei Eingangskanälen klar kommt, wert auf eine hervorragende, sprich einfache Bedienung legt und ein auf Apple-Rechner maßgeschneidertes Audio-Interface sucht, ist mit dem Apogee Duet 2 hervorragend bedient.

Erschienen in Ausgabe 08/2012

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 530 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: gut – sehr gut

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