Well done

Gut Ding will Weile haben, heißt es im Volksmund. Ob sich das Warten auf die jüngste Entwicklung aus dem Hause Apogee gelohnt hat? Wir meinen ja.

Von Hans-Günther Beer

Ziemlich genau vor einem Jahr stellte der amerikanische Wandler-Spezialist Apogee auf der Winter-NAMM-Show in Anaheim, Kalifornien den Prototypen eines speziell für Macintosh-Besitzer konzipierten Audio-Interfaces vor. Doch alle Besitzer eines PowerPCs oder Powerbook, die schnellstmöglich in den Besitz des perfekt auf das Design ihrer Computer abgestimmten achtkanaligen Flachmanns kommen wollten, mussten sich erst einmal in Geduld üben. Denn es dauerte noch ein dreiviertel Jahr bis der heiß ersehnte Beau, der auf den Namen Ensemble getauft wurde, endlich auf den Markt kam. Zwar ist es insbesondere für die NAMM-Show schon fast Standard, dass viele der dort neu vorgestellte Produkte allenfalls Absichterklärungen der Hersteller sind –Insider interpretieren die vier Buchstaben deshalb gerne scherzhaft als Not Available May be May – doch gab es gute Gründe für die Verzögerungen. Immerhin fand im Apple-Lager während der letzen zwölf Monate eine regelrechte Revolution statt. Denn die Mannen um Steve Jobs wechselten in Sachen Prozessoren ins bislang verpönte Intel-Lager und das zog weit reichende Konsequenzen für alle Peripherie-Hersteller nach sich. Insbesondere die Treiber mussten teilweise komplett neu geschrieben werden.

Die Apogee-Ingenieure nutzen jedoch die Zeit und ließen ihren Neuling zu einem sehr leicht und innovativ zu bedienenden, schmucken Interface heran reifen. Im Inneren des knapp 1900 Euro teuren, betont schlicht gehaltenen Gehäuses mit seiner gebürsteten Alufront ar-beitet ein achtkanaliger A/D-D/A-Wander, der ohne Einschränkungen mit Samplingraten von bis zu 196 kHz zurecht kommt. Von den acht Analog-Eingängen lassen sich vier wahlweise entweder von Line-, Instrumenten- oder Mikrofon-Signalen befüttern, die restlichen vier Eingänge verdauen ausschließlich Line-Pegel über symmetrische Klinkenbuchsen. Zwei der vier Instrumenten-Eingänge finden sich auf der Front, ebenso zwei Kopfhörer-Ausgänge. Alle anderen Anschlüsse teilen sich die übersichtliche Rückseite. Dort finden sich für die Eingänge eins und zwei zusätzlich je eine Send- und eine Return-Buchse zum Einschleifen von Hardware-Peripherie – ein in der Praxis willkommenes Feature. Ergänzt wird das Anschluss-Ensemble von je einem optischen Ein- und Ausgang, die entweder im ADAT- oder S/PDIF-Modus betrieben werden können. Somit stehen im ADAT-Modus bis zu einer Samplingfrequenz von 48 Kilohertz acht zusätzliche Digital-Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Bei höheren Samplingraten wechseln die Anschlüsse in den SMUX-Modus und offerieren noch jeweils vier Kanäle. Hinzu kommen noch zwei Cinch-Buchsen für koaxiale SPDIF-Kanäle. Acht analoge Ausgänge komplettieren das Angebot und somit kommt das Ensemble auf insgesamt jeweils 18 Ein- und Ausgänge. Wie bei Apogee üblich, übergibt das Audio-Interface die digitalisierten Daten nicht via USB sondern Firewire-Kabel an die Apple-Audio-Workstation. Es stehen zwei herkömmliche Firewire-400-Anschlüsse zur Verfügung. Au-ßerdem offeriert das Ensemble zwei BNC-Buchsen für Word-Clock-In und Out. Per Tastendruck lässt sich der Eingang mit einem 75-Ohm-Widerstand abschließen, im Fachjargon terminieren.

Für die Einstellungen der vielfältigen Parameter des Ensemble konzentrierten sich die Entwickler vor allem auf eine Software-Lösung. Wie schon beim PCI-Express-Interface Symphony (Test Ausgabe 10/2006) gehört zum Lieferumfang des Ensemble neben den passenden Treibern die Kontroll- und Steuersoftware Mayestro. Dort lassen sich ausnahmslos alle Parameter einstellen und verändern. Für wichtige, während der Recording-Praxis häufig benötigte Justagen offeriert Ensemble auch einige manuelle Kontrollen: zwei Aluknöpfe von der Größe ei-nes 50 Cent-Stücks. Diese flankieren auf der Front des Ensemble zehn Schießscharten-förmige 20 Millimeter lange Schlitze in denen sich Aussteuerungs-Anzeigen verbergen. Beide Kontrollen sind als feingerastete Drehregler mit Druckschaltfunktion ausgelegt. Der rechte, als Monitor-Regler definiert, schaltet per Druck zwischen dem Main-Ausgang und einem der beiden Kopfhörer-Ausgänge um und verändert dann deren Ausgangspegel beziehungsweise Lautstärke. Der linke Drehschaltknopf agiert als Aussteuerungsregler für die vier Mikrofon-verstärker. Selbstverständlich kann er immer nur die Verstärkung eines Mikrofon-Eingangs verändern, wechselt auf Knopfdruck aber auf den nächsten Eingang. Für eine, allerdings nur grobe, Orientierung über die Größenordnung der jeweiligen Verstärkung (sie reicht von zehn bis 75 Dezibel) respektive Pegel umgibt die Regler je ein Kranz aus weißen LEDs. Die leuchten gleißend hell auf und sind sehr hübsch anzuschauen.

Ebenfalls hübsch aber von eingeschränktem praktischen Nutzen sind die schon erwähnten Aussteuerungs- oder Pegel-Schießscharten. Dahinter werkeln jeweils drei blaue und eine rote LED, die abhängig von der Signalstärke mehr oder weniger stark aufleuchtend, einen Eindruck über den jeweils anliegenden Pegel pro Kanal (acht analoge und zwei digitale) geben. Als verlässliche Pegelanzeigen können diese LED-Ketten allerdings kaum dienen, dafür sind sie zu ungenau. Das ist sehr schade, denn immerhin spendierten die Entwickler genügend Platz auf der Front, um auch vernünftige Anzeigen unterbringen zu können. Doch wollen wir die Kirche im Dorf lassen. Andere Audio-Interfaces bieten keinerlei Aussteuerungsanzeigen und immerhin ist ganz klar und eindeutig durch Aufleuchten der roten LED erkennbar, wenn Übersteuerung droht.

In der Praxis wird sich jeder Mac-User ohne hin fast ausschließlich den Anzeigen auf seinem Bildschirm widmen – entweder denen des installierten Sequenzers, zum Beispiel Logic Pro oder Express, oder denen, die Mayestro selbst offeriert. Denn die Kontrollsoftware bietet neben dem hilfreichen Mixer- und Routing-Panel, in dem sich alle denkbaren und sinnvollen Ein- und Ausgangs-Kopplungen zwischen Ensemble und DAW vornehmen lassen, auch die so genannte Settings-Box. Dort kann man per Mausklick im Fenster Control Panel alle Grundparameter für Ensemble einstellen. Beispielsweise lassen sich die Input-und Output-Settings wählen. Im Angebot sind zwei verschiedene Pegel, der Studiopegel +4 dBu oder der Amateurpegel -10 dBV. Für jeden Kanal ist außerdem individuell ein Soft-Limiter aktivierbar, der Übersteue-rungen über die digitale Schmerzgrenze 0 dBFs hinaus verhindert. Außerdem kann man die Eingänge eins bis vier grundsätzlich als Line- oder Mikrofon-Eingang definieren, die optischen Ein- und Ausgänge als ADAT- oder S/PDIF wählen und außerdem die Word-Clock-Parameter definieren. Ferner besteht die Möglichkeit, die Verteilung der Ein- und Ausgangs-Kanäle auf den Firewire-Ausgang zu variieren. Nicht benötigte Kanäle lassen sich abwählen und damit die benötigte Übertragungsbandbreite reduzieren. Eine entsprechende Anzeige informiert über die gerade benötigte Bandbreite.

Eine Apogee-Besonderheit ist die UV22HR-Schaltung, eine Dithering-Technologie, die man in allen Wandler-Modellen des Herstellers findet. Sie optimiert das Reduzieren hochauflösender Audio-Materialien im 24 Bit-Format auf das 16-Bit-CD-Format, wichtig beispielsweise beim Mastering-Prozess. Das Fenster Mic Pre in den Mayestro-Settings widmet sich ausschließlich den Mikro-foneingängen. Die vier Eingänge lassen sich dort in beliebigen Kombinationen zu Gruppen zusammenfassen, dann wirkt einer der Regler auf alle Gruppenmitglieder. Ferner kann man in diesem Fenster – und auch nur hier – die Phantomspeisung aktivieren sowie die Phase der Mikrofoneingänge um 180 Grad drehen. Auf der Front des Ensemble informieren dann darüber entsprechende Mini-LEDs.

User von Logic Pro finden alle diese Einstellmöglichkeiten im Untermenü Apogee Control Panel des Sequenzers. Die gewählten Parameter selbst werden zusammen mit denen von Logic Pro abgespeichert, was sich in der Praxis als sehr hilfreich erweist. Auf Mayestro können Pro-User somit völlig verzichten. Benutzer der abgespeckten Logic Express-Variante müssen auf diesen Komfort verzichten und ihre Einstellungen nach wie vor in Mayestro vornehmen und auch dort abspeichern.

Erschienen in Ausgabe 02/2007

Preisklasse: Oberklasse
Preis: 1881 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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