Revolutionskonzept

Warum ist nicht längst einer auf diese clevere Idee gekommen? Man nehme die Hülse einer guten Havanna, baue einen kompletten Mikrofonverstärker nebst Digital-Wandler ein und fertig ist das mobilste aller Audio-Interfaces.

Von Michael Nötges

Seit nunmehr sieben Jahren ist der amerikanische Hersteller Centrance dabei, den Pro-Audio-Markt zu erobern. Mit der jüngsten Entwicklung, dem Micport Pro, stellen die Innovatoren aus der Nähe von Chicago ein gleichermaßen einfaches, wie geniales Konzept eines USB-Mikrofonvorverstärkers vor. Mikrofone mit XLR-Anschluss können direkt auf den Schaft des Micport Pros gesteckt werden. Mit Hilfe eines Class-A-Pre-Amps, A/D-Wandlers und der USB-Schnittstelle gelangt das Signal dann im Handumdrehen auf die Festplatte des PCs oder Macs. Dabei bietet Centrance zwar spezialisierte ASIO-Treiber zum Download an, verweist aber auf den Vorteil, dass der Micport Pro grundsätzlich auch mit den Standard-Treibern unter Windows XP oder Vista beziehungsweise OS X (10.4) auskommt.

Der A/D-Wandler arbeitet mit maximal 96 Kilohertz bei einer Wortbreite von 24 Bit, wobei auch geringere Samplingraten (88, 48 und 44,1 Kilohertz) unterstützt werden. Für die praxisgerechte Flexibilität sorgt die zuschaltbare Phantomspannung, die auch den Einsatz von Kondensatormikrofonen ermöglicht Produzenten, Podcaster, Interviewer, Sänger oder Instrumentalisten kommen durch die freie Wahl der passenden Mikrofone für alle Aufnahmesituationen auf ihre Kosten. Dabei bietet der Micport Pro eine universelle Audio-Schnittstelle, die lediglich einen Computer und ein USB-Kabel benötigt, um Aufnahmen anzufertigen. Für rund 140 Euro gibt es das innovative Interface inklusive USB-Kabel und Aufbewahrungsbeutel.

Der Micport Pro ist eigentlich ein verlängerter, symmetrischer XLR-Stecker mit einer Eingangsimpedanz von fünf Kilo-Ohm in dessen elf Zentimeter langem Schaft die Hardware untergebracht ist. Das solide verschraubte, schwarz eloxierte Aluminiumgehäuse macht einen wertigen, aber vor allem sehr widerstandsfähigen Eindruck. Ein versehendlicher Tritt auf das robuste Röhrchen scheint ihm nichts auszumachen. Dabei bringt das Fliegengewicht gerade einmal 65 Gramm auf die Briefwaage. Die Anschlüsse sind auf der Unterseite installiert. Neben der USB-Schnittstelle, die laut Hersteller die Versionen 2.0 und 1.1 unterstützt, befinden sich dort der Kopfhörerausgang (3,5-mm-Klinke) zum Direct-Monitoring und ein kleiner Tastschalter zur Aktivierung der Phantomspannung. Ist diese angeschaltet, erglimmt eine orange LED. Der intensive Lichtstrahl signalisiert selbst in dunklen Umgebungen den Betriebsmodus, auch wenn keine direkte Sicht möglich ist, da nahe liegende Kabel oder Mikrofonständer gleich mit angeleuchtet werden. Von weitem erkennbar ist der Micport außerdem durch den illuminierten, transparenten Kunststoffring am oberen Ende der Zigarre, direkt unterhalb des XLR-Steckverbinders.

Das sieht nicht nur gut aus, sondern ersetzt die Taschenlampe in beengten Aufnahmesituationen oder auf der Bühne. Außerdem ist von weitem immer gut zu erkennen, ob der Micport Pro über die USB-Schnittstelle mit Strom versorgt und einsatzbereit ist.

Das kleinste USB-Audio-Interface der Welt kommt mit zwei Drehreglern aus. Sie messen zirka 0,5 Zentimeter im Durchmesser, sind aus griffig geriffeltem Kunststoff und haben eine deutlich zu erkennende Positionsmarkierung. Allerdings ragen sie gerade einmal zwei Millimeter aus dem Schaft heraus und sind deshalb nur mit spitzen Fingern zu bedienen. Trotzdem lassen sich die Eingangsempfindlichkeit und der Ausgangspegel mit ein wenig Geschick und kurzer Übung relativ gut justieren.

Für den Härtetest im Messlabor werden für alle analogen Messungen die Messsignale über den XLR-Eingang eingespeist und über den Kopfhörerausgang ausgelesen. Dies vermittelt  einen messtechnischen Gesamteindruck, lässt aber keine exakte Aussage über die tatsächliche Aufnahmequalität zu. Trotzdem, der weitestgehend lineare Frequenzgang weist erst jenseits der 20-Kilohertz-Marke einen Abfall auf. Unterhalb von 200 Hertz fällt er bis auf vier Dezibel bei 20 Hertz ab. Dies ist ein sehr gutes Ergebnis. Fremdspannungsabstand (72,8 Dezibel) und Geräuschspannungsabstand (75,3 Dezibel) liegen ebenfalls auf einem vergleichsweise hohen Niveau und stellen so manchen, deutlich teureren Mikrofonverstärker in den Schatten. Sie gehen also voll in Ordnung, zumal in Anbetracht der Tatsache, dass der Micport Pro nicht einmal 140 Euro kostet. Doch erst der Hör- und Praxistest wird klären, ob die Innovation von Centrance seinen Preis wert ist.

Der Studio-Computer von Professional audio Magazin erkennt den Micport Pro zwar unmittelbar nach dem Anschluss an den USB-Port – das Set ist somit theoretisch sofort einsatzbereit. Allerdings funktioniert der Micport unter Cubase 4 und mit dem ASIO Directx Full Duplex Driver nicht reibungslos. Deswegen greifen wir direkt auf den Centrance Universal Driver zurück und es gibt keine Probleme mehr.

Für das Monitoring der Gitarren- und Gesangsaufnahmen verwenden wir den Kopfhörerausgang, um beim Einspielen das Signal latenzfrei abhören zu können. Vorher stecken wir das äußerst neutrale Schoeps CMC64Ug auf den Schaft und aktivieren die Phantomspannung. Zum Vergleich dient das Fireface 400 von RME, über das wir identische Aufnahmen anfertigen, um beide Recording-Lösungen miteinander vergleichen zu können.

Das Gitarrensignal klingt schon beim ersten Abhören über Kopfhörer klar und transparent, was den Spielspaß unmittelbar erhöht. Nach zahllosen Vergleichen über die S3A von ADAM und den Stax-Kopfhörer fällt das detaillierte Urteil: Der Micport Pro löst grundsätzlich gut auf und bringt die Akustikgitarre naturgetreu auf die Festplatte. Allerdings fehlt das letzte Quäntchen Feinheit und Offenheit, mit der das Fireface souverän abbildet. Die Atem- und Rutschgeräusche der Greifhand, und vor allem die Anschlagsgeräusch der Fingernägel kommen dennoch deutlich und detailreich zur Geltung, auch wenn insgesamt ein wenig Räumlichkeit verloren geht. Das Klangbild ist weitestgehend ausgewogen, zeigt aber in den unteren Mitten einen leichten Hang zur Betonung, der den Micport Pro im Gegensatz zum äußerst neutralen Fireface 400 dort kräftiger, aber auch ein wenig unpräziser erscheinen lässt.

Dem Gesang kommt die Stärke in den Mitten zugute; klingt der Micport Pro dadurch doch etwas runder und erinnert vom Charakter her an Radiosprecher, deren Stimmen meist wesentlich größer und voller klingen, als sie in Wahrheit sind. Allerdings handelt es sich hier um eine feine Nuance und nicht um einen ausgewachsenen Effekt. Zisch-, Atem- und Schmatzlaute kommen sehr natürlich und sind nicht überbetont. Die Stimme bekommt also insgesamt etwas mehr Bauch. Damit setzt sich der Micport Pro kontrolliert kraftvoll in Szene und lässt das Fireface eine Nuance schlanker, aber ausgewogener erscheinen. Die Durchsetzungsstärke kommt gerade Sängern oder Sprechern zugute, ist aber mit Sicherheit auch bei Gitarrenverstärkerabnahmen oder Snare-Mikrofonierungen hilfreich.

Fazit

Der Micport Pro ist ein mobiles USB-Audio-Interface, dessen flexible Konzeption Mikrofonaufnahmen aller Art und überall zulässt. Die einzige Voraussetzung für gut klingende Aufnahmen ist das passende Mikrofon, USB-Kabel und ein Computer mit Recording-Software. Wer diese drei Dinge schon hat, kann sein Aufnahme-Setup für rund 140 Euro ergänzen und wird in an der  Klangqualität schnell seine helle Freude haben.

Erschienen in Ausgabe 01/2008

Preisklasse: Economyklasse
Preis: 139 €
Bewertung: sehr gut
Preis/Leistung: sehr gut

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